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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-06-07 · Heft 23 (7.6.1901) · p. Seite 275

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 23 (7.6.1901)
Date
1901-06-07
Page
Seite 275 (sequence 13)
Language
German
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275 mächtigen Gegner, wie es die Kirche war, und Boleslav mußte es nur zu bald eiusehen, daß er unterliegen müsse, falls ihm nicht eine unerwartete Hilfe würde, und darauf hoffte er. Täglich wartete er auf die Rückkehr seines Bruders Wladislav Herrmann, den er nach Ungarn gesandt hatte, um Hilfe zum Könige Ladislaus, und je mehr sich der Bewohner oon Krakau Groll und Betrübniß bemächtigte, desto heißer erflehte der stolze König, daß ihm Beistand werde und Errettung aus einem so schmählichen Joche. Aber die Tage verstrichen, und die Hilfe kam nicht. Bange Verzweiflung ergriff die Herzen seiner Umgebung, des treuen Wladiwoj sowie des seinem Könige in alter Verehrung anhangenden Kanzlers und des biederen Recken, des Grafen Jaromir von Nodec, als sie den täglich wachsenden Unmuth des Volkes und die hämische Schadenfreude der abgefallenen Edlen sahen, und nur der König allein stand aufrecht und trotzte dem ihn umringenden Sturm. Und wenn hier und da Recha oder der Kanzler eine leise Andeutung wagten, trotzdem ihnen dies selbst das Herz zerreißen mochte, von einer Annäherung des Königs an die Kirche, da erfaßte ihn grimme Wnth. und er schwur hoch und heilig, nicht nachzugeben und nicht zu ruhen lind zu rasten, bis er gerächt sein und der stolze Stanislaus vor ihm sich gedemüthigt haben werde. Und seine Augen glühten in edler Begeisterung, und irr feurigen beredten Worten schilderte er seinen Getreuen ihren endlichen Sieg und seinen Triumph!" „Ihr werdet sehen," sagte er zu seiner Umgebung, „der Pfaffe wird am Ende doch nachgeben müssen. Laßt nur erst Wladislav Herrmann an der Spitze eines großen Heeres ans Ungarn heimkehren, und dann werdet Ihr sehen, ob es mir nicht gelingen wird, wieder die Oberherrschaft zu erlallgell über den trotzigen Stanislaus und ihn zur Lossprechung zu zwingen!" Wohl schüttelten die Getreuen ungläubig ihr Haupt, wenn sie den theuren König so siegesfroh sahen, sie selbst aber hatten in diesen schweren Tagen jedwede Hoffnung verloren, daß ihnen Erlösung aus dem unerträglichen Joche werde, und daß die Schmach hinweggenommeu werde von dem Haupte ihres Herrn und Königs; aber sie verschlossen ihre Hoffnungslosigkeit tief in ihr Inneres, um den ohnedies so schwer Geprüften nicht vollends zu entmuttsigen, und ihn nicht des Hoffnungsstrahles zu berauben, der ihn belebte. Wenn sie aber den König verließen und allein waren mit ihrem Leid, dann brach der ganze. Zurückgedämmte Jammer los, den sie im Herzen trugen, und sie lehnten sich mit lauter Klage auf gegen das Geschick, das einem solchen Manne, wie Boleslav es war, ein solch schweres Loos beschieden. „Ihr sollt es sehen," fuhr der König fort, indem er mehr mit sich selbst, denn zu seinen Vasallen sprach. „Die Welt nennt mich den Kühnen, wahrlich, ich will der Welt zeigen, daß ich mit Recht diesen stolzen Namen trage! Ich will nicht, daß man von mir sage: Seht, dieser Boleslav, der sich der Kühne nannte, hat sich doch erniedrigt vor einem schwachen Pfaffen und hat Buße gethan und sich gekrünunt und gewunden gleich einem getretenen Wurm. Nein! Kommende Geschlechter sollen meinen Namen mit Bewunderung aussprechen, und nicht der leiseste Makel hafte au dem Ruhme meines Namens. Und fern sei es von mir, meinem Lande die Schmach anzuthun, daß es hieße: Der König hat gekniet und um Gnade gefleht wie König Heinrich vor Papst Gregor und der Gräfin Mathilde. Nein! Ich will den Bischof zwingen, mir zu gehorchen, und, setzte er fort, indem er sich an die Umstehenden wandte, „ich will nicht länger zaudern. Es ziemt mir nicht, erst den Beistand des Ungarnkönigs abzuwarten. Ich allein werde mir mein Recht verschaffen und den Bischof zum Nachgeben zwingen." Und schleunigst ließ er sich seinen Helm geben und sich mit dem Schwerte umgürten. „Was wollt Ihr thun, Herr König," fragte Graf Spitichnev als er den König so gerüstet sah. „Nichts, nichts," sagte beschwichtigend der König, „das Euch zur Unehre gereichen würde, und das sich nicht mit Polens Ehre vertrüge." „So gestattet, daß ich Euch geleite," nahm jetzt Graf Jaromir das Wort, „es ziemt sich nicht der Würde eines Königs, allein und unbeschützt durch die Straßen zu wandeln." „Unbeschützt, sagt Ihr?" rief Boleslav, indem er mit der Hand au sein Schwert schlug. „Nein! Unbeschützt bin ich nicht, wenn ich mein Schwert an der Seite trage. Doch will ich's Euch zu Liebe thun," fuhr er fort, „und ich bitt" Euch, Ritter Wladiwoj, ruft vier von meinen Reisigen auf, daß sie nur folgen." Einige Augenblicke später trat König Boleslav, gefolgt von vier Maimen, aus dem Thore der Burg. Die Zurückgebliebenen aber verharrten in dumpfem Schweigell. (Forts, folgt.) Der Salon 1901. Von M. Friedeberg. diesjährige Kunstausstellung ist im Verhältniß zu den allsgestellten 2566 Werken nicht gerade reich all Kunstschöpfungen ersten Ranges, welche das Gebiet der Bibel oder das Stoffgebiet des Judenthums berühren, allein auch bescheidene Begabungen sind berechtigt, und auch dieser Salon bietet wie seine Vorgänger eine große Reihe von Werken jüdischer Künstler, die sich, wie für das künstlerische Talent recht und billig, dem Strome der Zeit angeschlossen haben, aus seinen Fluthen Tiefes und Edles geschöpft und daneben auch manches dem Urquell ihres Stammes entsprechend Eigenartiges geschaffen haben. „Nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist, spricht der Ewige", mit diesen Worten möchte man sich die Erhabenheit des Geistes über die rohe körperliche Kraft wieder in die Seele rufen bei Betrachtung des durch Ausstellung im Ehrensaal geehrten und daher gleich beim Betreten der Ausstellung allgemein bewunderten Bildwerkes von Max Klein, „Simsou, geblendet und gefesselt". Wahrlich für einen Bildhauer ein herrlicher Vorwurf, diese kraftstrotzenden Arme und Beine des voll den Philistern überwältigten Nationalhelden aus dem Stamme Dali darzustellen, lind um so pikanter, als alle diese Muskelkraft durch eine furchtbare eiserne Kette, die in einer mächtigen Eiseiikngel endigt, gebändigt ist. In bitterem Schmerz senkt der von den Philistern durch List gefangene Held, den seine Feinde, denen er, weil sie über Israel herrschten, viel Verdruß und Schaden bereitet hatte, geblendet haben, hier ein wenig das geschorene Haupt. Noch schlummert die irr Fesseln geschlagene Riesenkraft des jüdischen Helden, aber erwacht, wird sie die Feinde und Bezwinger des jüdischen Geistes begraben. In der bildenden Knust sehen wir

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