Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 23 (7.6.1901)
- Date
- 1901-06-07
- Page
- Seite 269 (sequence 7)
- Language
- German
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26V Bericht über Opfer für die sicher Leiter Herr Waisen- und Mutter ßt aber du wll warmer daß die Ersür die Ericht ersehen reu Kinder,, ickelnng der >ingung ist ichtung ge ingsstücke n der Kinder beaufsichtig! lüftet. Ab ie Kinder ir ern ihr Gc e kleine Ge damals in Leben Kinder allen. Da bereitwillig ein äugen ni wärmste'! laut Berich! Ausnahmen angehörter! zu wünschen unterschäi: c Erziehu, z rde sie. d z selbst an lich derart i -antretenden der Allst, img, ander vnung in d i im Waisen )chen, soirir naben. T Waisenhaine vitz, welib r hauptbew> -- Seite hin. Ausführung! Schafienenoch me>r r Mähe g ' in den gener Wain i Werth der m Menschen erzogen. In diesem schönen Werke wird der Waisendirektor wesentlich unterstützt durch den Hoflieferanten Herrn Simon Troplowitz-Gleiwih, der sich dadurch den Dank der Menschheit verdient. Im Anschluß daran sei noch des „Sparkassenbuches" der Kinder gedacht, welches der Direktor ins Leben gerufen. Welchen Werth hat nicht besonders in unseren Tagen der Sinn für Sparsamkeit! Er führt zur Ordnung im Haushalten, macht strebsam und arbeitsfreudig und »ährt einen heiteren und zufriedenen Sinn. So erzogene Menschen halten sich fern von der Gesellschaft Arbcitsnnlustiger und Unzufriedener. Begleiten wir die Kinder zur Essenszeit aus dem Arbeits- Krale. den sie nach der Arbeit geordnet, in den Speisesaal. Sie setzen sich still an den Tisch und warten, bis das Zeichen zum Gebet gegeben wird. Langsam und feierlich wird das Tischgebet gesprochen, alsdann lassen sie sich die Vorgesetzten Speisen trefflich munden. Auf den Besucher macht das Gebet und die Art, wie es gesprochen wird, einen tiefen, unvergeßliche» Andruck. Gerührt, schickt auch er ein Gebet hinauf zu,» himmlischen Vater, der in seiner unendlichen Liebe auch nicht her geringsten seiner Geschöpfe vergißt. Der Herr Regierungspräsident von Oppeln besuchte während eines Aufenthalts in Nhbnik auch das Israelitische Waisenhaus. Er war über die Wirksamkeit in demselben höchst erreich und zollte besondere Anerkennung den von den Knaben mgefertigten Schnitzarbeiten. Möge die Anstalt auch ferner edeihen. Thierschich und Menschenschnh. Von De. ined. Simon Scherbel in Lissa. deutschen Juden werden gut daran thun, eine Bewegung im Ange zu behalten, die als ein ernstes „Zeichen der Zeit" anzusehen ist und in den jüngsten Tagen in der otsdamer Stadtverordnetenversammlung ein bedeutsames iorfpiel gefunden hat. Der „Berliner Thierschutzverein" hat ine gewaltige Propaganda gegen das Schächten eröffnet ' >id versendet insbesondere auch an viele Israeliten eine OeffentlicheErklärnng" zur Unterschrift, deren Publikation n dieser Stelle sich für uns ja erübrigt. Wer sich allein aus den Standpunkt des Thierschutzes stellt, er wird unbedingt zugeben müssen, daß das Schächten keine 'eale Tödtungsart ist, und daß sicher viele Juden in ihrem nerfrenndlichen Gewissen sich erleichtert fühlen würden, wenn e vorherige Betäubung mittelst Kopfschlag, Schlachtmaske der Schutzapparat gestattet wäre. Aber das ist ja nun eben ''r schwerwiegende Punkt, um den es sich bei der ganzen rage handelt. Die rabbinischeu Autoritäten (das beigedruckte > utachten von Rabbiner Dr. L. Stein in Frankfurt am Main »n doch gegenüber der überwiegenden Mehrheit der deutsche» abbiner nicht maßgebend sein) erklären eine solche Betäubung ' cht für zulässig, und damit wäre denn eine derartige Lage schaffen, daß, wenn jene Agitation zum Ziele führt, ein Gewissenszwang ausgeübt und ein Eingriff in dieFreiheit " r Religions Übung ausgeführt werden soll. Wo bleibt da der Menschenschutz gegenüber dem Thieri dutze? Oder verdient etwa der Mensch weniger Schutz als das Thier? Wiegt eine seelische Qual des Menschen weniger eine Körperqual des Thieres? Der Umstand, daß die Freiheit der Neligionsübung bedroht wurde, war es ja auch, der gelegentlich der Debatten im Reichstage über die Frage des Schächtverbotes so scharfe Proteste von liberaler Seite und namentlich auch von Seiten der Führer der Centrumspartei hervorgerufen hat. Die Frage liegt ganz ähnlich ivie bei dem Ansturm gegen die Vivisektion. Hier Freiheit der Neligionsübung, dort Freiheit der Wissenschaft! Und wie bei der Vivisektion jüdische Aerzte herhalten müssen, so beim Schächten die Judenheit im Allgemeinen. Daß viele Juden, sogar die Mehrheit derselben, wie die Mitglieder der Thierschutzvereine behaupten, anders denken, daß sie das Schächten nicht als mosaisch geboten erachten, kann hier nicht in Betracht kommen. Auch die Minderheit verlangt ihren Schutz. Sehr bezeichnend ist es, daß so viele andere Dinge, die den Thierschntz herausfordern, das Zntodehetzen des Wildes bei den Parforcejagden, das Taubenschieße» und ähnliche „Vergnügungen", das Sieden der Krebse bei lebendigem Leibe, die Quälereien bei den vielen Hansschlachtuugen in nicht jüdischen Familien und so manches andere lange nicht die Agitation erwecken wie die Schächtfrage, trotzdem die bekannten von Hofrath Dembo in St. Petersburg zusaminengestellten Gutachten nuferer ersten Physiologischen und medizinischen Autoritäten dargethan haben, daß die gegen das Schächten erhobenen Vorwürfe nicht gerechtfertigt sind, ja daß das Schächten die mannigfachsten Vorzüge hat und sogar für eine der humansten Tödtnngsarten anzusehen ist. (Man darf die infolge der raschen Blutentleerung des Gehirns eintretenden krampfartigen Reflexbewegungen nicht für Zeichen von Bewußtsein ansehen.) Und da wir soeben von „Hausschlachtnngen" gesprochen haben (in den Schlachthöfen ist eine Kontrolle möglich, in den Häusern nicht), soll das „(chiorl liest IwviA „was dem Ochsen zukommt", auch für das Huhn, die Gans und alles sonstige Geflügel Geltung haben? Und wenn nicht, warum ein „Ausnahmegesetz" für das vierfüßige „Schlachtthier", während das zweibeinige Geflügel weiter „gequält" werden darf? Oder fühlt das den Schmerz weniger? Und wenn wiederum das Geflügel (wie es die Absicht der Thierschutzvereiuc zu sein scheint) auch unter das Gesetz fallen soll, soll es nur die „jüdischen" Hühner und Gänse betreffen, während es unseren christlichen Mitbürgern erlaubt ist, ihr Geflügel in bekannter Weise ohne Betäubung zu tödten? Die Mitglieder der Thierschutzvereine werden vielleicht antworten: „Auch dies soll verboten werden!" Ja, warum soll dann mit dem Verbote bei der halben Million Juden angefangen werden, warum soll nicht die viel, viel größere Anzahl von Geflügel, die bei den über 50 Millionen unserer christlichen Mitbürger im Deutschen Reiche verbraucht wird, eher geschützt werden? Auf die Antwort sind wir begierig, sie würde voraussichtlich „tief blicken lassen". Nun sind wir weit entfernt davon, die Beweggründe für jene Agitation der Thierschntzvereine in anderen als in rein Humanitären Gesichtspunkten zu suchen (obivohl es eigenthnmlich berührt, wenn immer wieder daran erinnert wird, daß das Schächten unwillkürlich an die unsinnigen, wenn auch zweifellos unbegründeten Anklagen wegen Ritualmord denken lasse, selbst bei Solchen, die — bei Leibe! — keine Antisemiten seien), es liegt ihr gewiß die natürliche und edel menschliche Mitempfindung mit dem Thiere zu Grunde, die ein Jeder hat, der ein