Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 22 (31.5.1901)
- Date
- 1901-05-31
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
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3 wesentlich veränderten gottesdienstlichen Einrichtungen haben sich im Allgemeinen bewährt. Auch die eingeführte Synagogenordnnng hat sich im Ganzen als ausreicher,d erwiesen, doch machte sich eine Erweiterung derselben in Bezug aus Feierlichkeiten in der Synagoge (Barmizwah. Trauungen re.) erforderlich. Der eigentliche Gottesdienst ist weiterhin ausgestaltet worden und darf wohl mit vollem Rechte ein erhebender genannt werden. Hierzu trägt vor allem der Synagogenchorverein bei, welcher sein Wirken irr selbstlosester Weise in den Dienst der Gemeinde stellt. Die Neligionsschule befindet sich im ersten Stock des Gebäudes der ersten Bezirksschule, Kastauienstraße 10, und umfaßt sieben Klassen. Der Unterricht findet Mittwochs und Sonnabends von 2—6 Uhr Nachmittags statt; derselbe ist obligatorisch, und es haben sämmtliche schulpflichtigen Kinder der Gemeindernitglieder an demselben theilzurrehmen. Die Schülerzahl betrug 185 (95 Knaben und 90 Mädchen) einschließlich vier auswärtiger Kinder. Der Schulbesuch konnte ein regelmäßiger genannt werden, auch das Verhalten der Kinder war im Allgemeinen ein gutes. Das Lehrerkollegium bestand aus dem Schulleiter Dr Mühlfelder, Lehrer Sommerfeld und Kantor Goldberg. Der Vorstand unserer Gemeinde war 1900 folgendermaßen zusammengesetzt: Herr Max Bergmann, Vorsitzender; Herr Bernhard Kupferberg, stellvertretender Vorsitzender; Herr Hugo Oppenheim, Schriftführer; Herr Markus Bernstein, stellvertretender Schriftführer; Herr Willy LiPPmanu. Kassirer; Herr L. I. Ioachimsthal, stellvertretender Kassirer. Die Gemeinde besitzt: 1. Das Syua-- gogengrundstück nebst Gebäude, worauf eine amortisirbare Schuld im Betrage von 269 756 Mark ruht. 2. Das Friedhofsgrundstück nebst Leichenhalle; daraus ruht noch eine Schuld von sieben Aktien im Betrage von 350 Mark. 3. Das Inventar für Kultuszwecke rc. Nach den, Kassenbericht betrugen die Einnahmen 38 822 Mark, die Ausgaben §4 511 Mark. N. Hamburg, 16. Mai. Der Israelitische Verein für Obdachlose hielt im Patriotischen Gebäude eine Generalversammlung unter Vorsitz des Herrn Rechtsanwalts John Alexander ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Vorsitzende zunächst in warmen Worten des verstorbenen Begründers des Vereins, des Herrn D. Wormser, der unter den allergrößten Schwierigkeiten den Verein auf seine jetzige Höhe gebracht hat. Nach dem Jahresbericht war die Thätigkeit des Vereins im Jahre 1900 sehr groß, entsprechend verstärken Auswanderung über Hamburg. Die Bestrebungen des Vereins wuden bei den hiesigen Staatsbehörden stets Unterstützung. Die Leute erhielten Nachtlogis, Speisung und. wenn nöthig, baare Neiseinterstützung sowie Kleidung, wofür im August 1900 eine Abtheilung ür Bekleidung ins Leben gerufen wurde. Die aus Rußland - Minuenden Auswanderer wurden den gesetzlichen Vorschriften gemäß u den Auswanderer-Hallen am Amerikaquai untergebracht und dort ms der eigenen Küche des Vereins rituell gespeist. In diesen Auswaudererhallen, wo der Verein mit Erlaubniß der Behörden auch Eue Synagoge errichtet hat, wurden 19 409 Personen mit fast;0 000 Portionen Mittagessen unterstützt. Namhafte Geldunterstützuugen wurden auch an Ueberseer und Rückwanderer gewährt. Unter den Einnahmen figuriren u. a. 5000 Mark von M. v. Rothschild Sons. London. 3000 Mark von Frau Baronin W.v. Rothschild, Frankfurt a.M., 1000 Francs von Eduard v. Rothschild, Paris, ferner von der 36>vi8l» ' aloinsatiou ^ssoeiution 5000 Mark. Namhafte Beiträge zur Neiseunterstützung wurden außer von der Gemeinde auch von der Henry- Zouesloge beigesteuert. Die Abrechnung wurde genehmigt und dem kassirer Decharge ertheilt. Im Anschluß an die Generalversammlung and noch eine würdige Gedenkfeier für den verewigten Begründer oes Vereins, Herrn D. Wormser statt, bei der Herr Direktor Dr. Goldschmidt die Gedenkrede hielt. — Neuenahr, im Mai. Der erste Rechenschaftsbericht des Vereins Israelitisches Kra nkeuheim" in Bad Neuenahr für die Lahre 1899 und 1900 giebt den schönsten Beweis für die Wirksamkeit dieses jungen Instituts. Die anerkannte therapeutische Bedeutung des ^ades Neuenahr und die sich daraus naturgemäß ergebenden Folgerungen sowie andere maßgebende Gründe veranlaßen verschiedene Herren, welche im Sommer 1898 zum Kurgebrauch hier weilten, sich m einem provisorischen Komitee zu vereinigen, zwecks Gründung ines Vereins mit der Aufgabe nicht nur allein unbemittelten Glaubensgenossen die Möglichkeit einer Kur, sondern auch Gefährlicherkrankten. re eine Krankenhausbehandlung benöthigen, dieselbe in Neuenahr zu verschaffen. Es wurde hierauf am 20. Juli 1899 der Verein unter dem Namen „Verein Israelitisches Krankenheim Bad Neuenahr" konstituirt. In der am 22. November 1899 in Frankfurt a. M. stattgefundenen ersten Generalversammlung konnte durch den Bericht des Kassirers sestgestellt werden, daß bis dahin die Bruttoeinnahmen sich auf 5908,83 Mark beliefen, bei einem Bestand von 94 Mitgliedern welche an Beiträgen 746,45 Mark geleistet hatten. Im abgelauseuen Sommer 1899 konnten acht Patienten, sechs Frauen und zwei Männer, an 180 Pflegetagen verpflegt werden mit einem Kostenaufwand von 862.45 Mark. Für den Sommer 1900 sind 12 Patienten fünf Frauen und sieben Männer, ausgenommen und mit einem Gesammtkostenauswand von 1156,85 Mark verpflegt worden. Die Einnahmen betrugen 4918,83 Mark, die Ausgaben 2631,55 Mark. Der Vorstand besteht aus den Herren: Raphael Ettliuger, Frankfurt a.M. als Vorsitzender, Moritz David. Bonn, als stellvertretender Vorsitzender, Dr. med. Weidenbaum. Neuenahr, als Schriftführer. Abr. Bär. Ahrweiler, als Kassirer, Rabbiner Dr. Frank, Köln, Isidor Dülken, Köln, Alb. Krämer, Mannheim. B. Marxheimer, Wiesbaden, als Beisitzer. D 2t Frankfurt a. M., 22. Mai. Der siebente Jahresbericht de- Vereins für jüd ische Krankenpfl egerinn en ist eben ausgegeben worden. In dem Bericht wird zunächst darüber Klage geführt, daß der Bau eines Vereinshauses noch nicht in Angriff genommen werden konnte. Die Zahl der sich aiimeldeuden Schülerinnen wächst fortwährend, so daß die Prüfung der Kandidatinnen auf ihre Tauglichkeit dem Vorstand eine große Verantwortung auferlegt. Trotz der sorgfältigstell Auswahl und der häufigen Ablehnung ist doch hier und da ein Mißgriff unvermeidlich. So mußte auch in diesem Jahre von den vier aufgeuommenen Schülerinnen nach Ablauf mehrerer Monate der Lehrzeit eine wegen mangelhafter Qualifikation wieder entlassen werden; hingegen wurden im Lause des Jahres drei bisherige Schülerinnen auf Grund des von den ausbildenden Aerzten ausgestellten Reifezeugnisses vom Vorstand in die Zahl der Vereinsschwestern ausgenommen. Durch die Neuanfgenommenen ist die Zahl der VereinSschwestern nunmehr auf 22 gestiegen. Ihre Thätigkeit ist allster der Privat- und Armenpflege dahier und in Ansnahmsfätten auch auswärts der Hospitalpflege im Israelitischen Gemeiudehospital und im Gumpertz'schen Siecheuhause dahier sowie im Kraukeuhause der Deutsch-Israelitischen Gemeinde in Hamburg gewidmet. Auf Wunsch der Verwaltung des letzteren wurde im Laufe de- Jahres noch eine dritte Schwester demselben überlassen. Zum Beginn des neuen Verwalt«ugsjahres stehen 11 Schwestern für die Privatpflege zur Verfügung. Die Leistungen der Schwestern in der Privatpflege im abgelaufenen Jahre werden aus folgender Ausstellung ersichtlich. Im Ganzen wurden voll 16 Schwestern, voll denen jedoch nur ein Theil während des ganzen Jahres in der Privatpflege beschäftigt wurde, 111 Pflege»» ohne Unterschied der Konfession gegen 121 des vergangenen Jahres geleistet. 13 Pflegen — im Vorjahr 8 — waren außerhalb Frankfurts. 100 Pflegen geschahen gegen Bezahlung, während 11 Pflegen unentgeltlich geleistet wurden, lieber die Thätigkeit der Armenschwester im abgelanfenen Verwaltungsjahre wird Folgendes berichtet: Es wurden im Ganzen 151 Kranke — in» Vorjahre 137 — mit 3150 Einzelbesnchen — im Vorjahre 2917 — verpflegt; davor» gehörten 88 der jüdischen und 63 der christlichen Konfession an. Die Hülfeleistung der Armellschwester wurde von 32 verschiedenen Aerzten verlangt. Durch die Vermittlung der Armenschwester wurden im Ganzen 36 Familien mit Lebensmitteln, Wäsche oder Geldbeiträgen unterstützt. Zu diesem Zwecke erhielt die Armenschwester aus freiwilligen Gaben 1416 Mk, von denen 1309 Mark verausgabt wurden. Der Verein hat im Berichtsjahre 22 353.47 Mark eingenommell und 17 943.85 Mark verausgabt. Der Pensionsfond besitzt 16424.57 Mark. Der Vorstand des Vereins besteht aus den Herren: Dr. med. S. Kirchheim, Vorsitzender, Emil Stiebel, stellvertr. Vorsitzender. Philipp Schiff, Schriftführer, Eduard Cohen. Kassirer, Julius Goldschmidt, Dr. med. A. Günzbnrg, Dr. med. W. Hirsch- Sally Löwenick, Dr. med. H. Schlesinger. Oesterreich -Ungar«. Wien, 27. Mai. Ein rechtes Bild der jännnerlichen Verhältnisse in unserem Kul tusvor stand bot die letzte Sitzung desselben. Nachdem eine endlose Debatte über die Bewilligung von 10000Kronen für die Regelung der Koscher-Fleischangelegeuheit vorhergegangeu,