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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-05-31 · Heft 22 (31.5.1901) · p. Seite 264

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 22 (31.5.1901)
Date
1901-05-31
Page
Seite 264 (sequence 14)
Language
German
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264 Sprerhfaat. Sehr geehrter Herr Redakteur! ie schlimmen Folgen, die Herr Professor Philipps»« voll der Unthätigkeit der deutschell Juden gegenüber den feindseligen Strömungen der Jetztzeit vorhergesagt, stellen sich nur allzu schnell ein. Eine Stadt nach der andern verbietet das Schächten; so noch jüngst, unmittelbar bei Berlin, die königliche Residenzstadt Potsdam. Wo bleibt unsere Orthodoxie? Den jüdischen Händlern Preußens werden die Grenzpässe in Rußland versagt. Das steht in schreiendem Gegensätze zu den geltenden Handelsverträgen, allein unser Auswärtiges Amt schweigt still dazu. Handelt es sich ja nur um Inden! Wo bleibt da der „Centralverein?" Die Ablehnung des „Jndentages", ja scholl die nur thatenlose Zustimmung werden zum Verbrechen all der Zukunft des deutschen Judenthnlns! Hochachtungsvoll L. I. Berlin. 17. Mai. * Mit vollem Recht weist Herr Professor Deutsch auf die gerade den russischen Juden gegenüber glänzend bewährte Herzensgute Bambergers hin. Als Nachfolger des von mir hochverehrten Mannes halte ich es für meine Ehrenpflicht, die sachlich und formell überaus gehässige Beschuldigung gegen den Todten mit aller Entschiedenheit zurückznweisen. Kölligsberg i. Pr., den 20. Mai. Rabbiner Dr. Hermann Vogelstein. 4 Sehr geehrter Herr Redakteur! hre Vermuthung, Friedmann betreffend, ist richtig. Bernhard Friedman«, ein Oheim des Redakteurs Dr. I. Kaftan, ein begabter Schriftsteller, war in der That ein Jugendfreund Ferdinand Cohns. Ergebenst L. D. Geehrte Redaktion! <E^ur Ehre der Gerechtigkeit sollte erwähnt werden, daß das Theaterstück „Malte Schwarzenkops", von dem in Nr. 14 Ihres werthen Blattes berichtet wird, ein Originalwerk der polnischen Dichterill Gabriele Sniezko-Zapolska ist. Bei uns in Polen, wenigstens in Großpolen. ist es überhaupt noch nicht so schlecht. Ich lebe in christlichpolnischen Kreisen und finde den Antisemitismus dort nicht sehr ausgeprägt. Der Pole, wenn er antisemitisch ist, ist es als Katholik, nicht als Pole. Ergebenst Kalisch iul Mai. Sigm. Just m a n n. 4 VMvn den Angriffen aus «leinen Amtsvorgänger Dr. Bamberger durch Herrn N. Brainin habe ich erst durch die Nothwehr des Herrn Professor Deutsch Kenntniß erhalten. Es scheint leider nicht möglich zu sein. Jemand ausfindig zu machen, der beiden — Mapu und Bamberger — so nahe gestanden hat, daß er anzugeben wüßte, weshalb Bamberger bei Mapus Beerdigung nicht sungirt hat. Nichtsdestoweniger stehe ich nicht all, die Angabe, daß Bamberger keine Leichenrede gehalten habe, weil er nicht bezahlt worden wäre, von wem sie auch immer ansgegangen sein mag, als eine Verleumdung zu bezeichnen. Man wird es dem Biographell wahrlich wenig Dank wissen, daß er nach mehr als 30 Jahren diese kritiklos nachschreibt. Oder meint er wirklich, durch die Hinzusügnng des „man erzählt" die „Thatsache besonders abgeschwächt" zu haben? Ich glaube nicht. Denn wäre es eilte Thatsache gewesen, so hätte er trotz des peinlichen Eindrucks keine Veranlassung gehabt, den Vorgang „nicht als Faktum erscheinen zu lassen." Das „man erzählt" und seilte Erwiderung in Nummer 20 beweist vielmehr, daß die Sache ihm selbst nicht als Faktum erschienen ist. Und da wagt es ein Matt«, der auf Schriftstellerehre etlvas hält, eilte solche Beschuldigung ohne den Schimmer eines Beweises, ja auch nur ohne Quellenangabe vorznbringen! Herr B. ist ja sonst nicht so zurückhaltend in der Angabe seiner Gewährsmänner. Warum hat er also nicht in der Biographie selbst seine Quelle genannt? Hat er der Allgabe nicht getraut? Oder hat er es für etwas Geringfügiges gehalten, einen Mann, der einen innerhalb und außerhalb seiner Gemeinde hochgeachteten Namen hinterlassen hat. einer schweren Pflichtverletzung aus niedrigstem Eigennutz zu beschuldigen? Ich habe Kaplans „Erinnerungen ans Mapus Leben" bisher nicht zu Gesicht bekommen. Ob Bamberger jemals Kenntniß von dieser Verleumdung erhalten, oder ob er es unter seiner Würde gehalten hat, fick gegen dieselbe zu vertheidigeu, weiß ich nicht. Ich stelle jedoch die folgenden Thatsache« fest: 1. Bamberger hat, wie es seine Pflicht war, in zahlreichen Fällen bei Beerdigungen sungirt. ohne ein Honorar zu erhalten. Wiederholt hat er Honorar zurückgewiesen. 2. Im Jahre 1867 galt in Preußen noch die Thalerwührnng. Von einer Forderung von 25 Mark kann also nicht die Rede sein. Oder- Hat — nach Herrn Brainin — Bamberger vielleicht 8 Thaler 10 Silbergroschen gefordert? 3. In Königsberg giebt es nicht und hat es nicht gegeben eine Taxe N1^)' "ach welcher die fungirenden Beamten zu honoriren sind. Niemand, auch nicht der Reichste, kann zur Zahlung eines Honorars gezwungen werden. Geehrter Herr Redakteur! (Mn Ihrer Zeitung Nummer 17 lasen wir unter Nah und Fern, daß Rabbiner Dr. Bamberger in Jnowrazlaw hier einstimmig gewählt worden, aber der Sachverhalt war. daß von acht Repräsentanten nur fünf dafür stimmten, und nun ist dessen Anstellung auf gestellte Bedingungen des Dr. Bamberger nicht geschehen. Wir bitten nur Berichtigung in nächster Nummer Ihres geehrten Blattes. S chw edt a. O., 29. April. Hochachtend Der Vorstand der Synagogengemeinde zu Schwedt a./O. H. Nohmdorsf. 4 Hochgeehrter Herr Redakteur! (Ä^^ach Seite 238 der vorigen Nummer Ihres geschätzten Blattes. Zeile 9. hat der Vater des seligen Ferdinand Cohn am 11. März 1827 seine Hochzeit gefeiert. — Dieses Datum scheint verdächtig, da es dem 12. Adar, also dem Tage vor entspricht. Zu jener Zeit war es aber wohl noch nicht Sitte, daß fromme Inden einen Tag vor einen: Fasttage ihre Vermählung feiertet:, da die Hochzeitsfestlichkeiten sich bis ir: die Nacht hinein erstreckten. Die Familie des Verstorbenen findet vielleicht ein Interesse daran, das richtige Datum dnrch weitere Forschungen sestznstellen. Hochachtungsvoll Borken i. W., 20. Mai. L. Cohen, Lehrer a. D. r Verehrliche Redaktion! Akm Leitartikel Ihrer Nummer 20 über die „Leutenoth" reproduziren Sie eine Notiz der „Frankfurter Zeitung", die in: eigenen Interesse der hessischen Juden sehr der Berichtigung bedarf. Wohl ist es richtig, daß bis jetzt noch immer in: hessischen Justizdienst Inden nicht angestellt worden sind. Allein eine solche Anstellung kann doch nur erfolgen, wenn Bewerber vorhanden sind, und das ist. entgegen der Nachricht der „Frankfurter Zeitung", z. Z. nicht der Fall. Am letzten Assessorenexcnnen haben nicht zwei, sondern drei jüdische Accessisten theilgenommen. Allein Keiner von Diesen kann bis jetzt für eine Verwendung im Staatsdienst in Betracht kommen. Denn der Eine hat sich sofort nach beendigter Prüfung in Worms mit einem dortigen Anwalt associirt, ein Zweiter hat die Vertretung eines Gießener Rechtsanwalts übernommen, und der Dritte macht z. Z. eine achtwöchige Neserveübung in: hiesigen Infanterieregiment. Es ist nur Wasser auf die Mühle der Antisemiten und erleichtert die Stellung des Jnstizministers Dittmar bei der demnächstigel: Berathung der Eingabe der hessischen Inden, wenn solche Beschuldigungen gegen ihn erhoben werden, deren Unrichtigkeit er leicht Nachweisen kann. D a r m stadt, 20. Mai. U. I.. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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