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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-05-31 · Heft 22 (31.5.1901) · p. Seite 263

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 22 (31.5.1901)
Date
1901-05-31
Page
Seite 263 (sequence 13)
Language
German
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263 t einer Gewieder der >em Bischof auf; „hat; Du nicht und keinen Bischof: eh erniedrigen Brust kein wohl bei eichte wanchestimmtes eine Brust, h lähmende es die Ahnst« emporwabschiedet, sich in seine ungestörten cheit werde chte. Aber dankenmeer i nicht zum und schritt er Glockenils ob tauzu lauter lieben nnd >e plötzlich rein stürzte . der Woj- »rucke hoch' lkönige hin Knie inn wel ist ge ins der ge und seine an des Ko n. Bischv tickten sein rt." cheln zuckt ommunizir irrem Ans örte Antlit vor seinei die Anger leckte seine le. auert, und nd forderte die gläubigen Christen auf, sich in die Kirche zu begeben, um da Zeuge zu sein des Gottesgerichtes, das über einen Mächtigen der Erde gehalten wurde. Eine dichte Menschenmasse füllte das Innere der Kirche zum heiligen Michael, die Kerzen an den Altären warfen ihr fahles Licht in den Raum und ließen die angstvoll harrende Menge geisterhaft bleich erscheinen. Ringsumher an den Wänden sah man nichts als die kahle, nackte Mauer. Die Altäre waren ihres Schmuckes beraubt, alles silberne und goldene Geräth war verschwunden, und all der heitere Glanz, der sonst in dem geweihten Raume herrschte und das Auge entzückte, war einem trüben Düster gewichen, das den schauerlichen Ernst der Ceremonie noch erhöhte. Jetzt war, umgeben von einer großen Zahl von Geistlichen, Bischof Stanislaus vor den Altar getreten. Lautlos war die Menge in die Knie gesunken und verharrte in stummem Gebet. Da erhob der Bischof die Stimme, und die Augen Aller richteten sich nach dem Altäre hin, vor dem der Bischof stand. „Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes! Heiliger Petrus, du Fürst der Apostel, neige zu uns, ich bitte dich, gnädig dein Ohr. Vernimm mich, deinen Knecht, den du von Kindesbeinen an ernährt und bis auf diesen Tag aus der Hand der Gottlosen errettet hast, die mich wegen meiner Treue gegen dich gehaßt haben und noch hassen. Du selbst bist mein Zeuge, und mit dir meine Herrin, die Mutter Gottes, und der heilige Paulus, dein Bruder unter den Seligen, daß deine heilige römische Kirche mich berief, das Wort Gottes zu verkünden den Gläubigen, mir die Macht verlieh, zu binden nnd zu lösen. In diesem Vertrauen untersage ich nun zur Ehre und zum Schutze deiner Kirche im Namen des allmächtigen, dreieinigen Gottes krast deiner Vollmacht dem Könige der Polen, Boleslav, der sich mit unerhörtem Hochmuth gegen deine Kirche erhoben hat, die Regierung des ganzen Polenreiches, löse alle Christen von der Verpflichtung des Eides, den sie ihm geleistet haben oder noch leisten werden, und untersage hiermit Jedermann, ihm als König zu diene», daß, wer die Würde der Kirche herabsetzt, selbst die Würde, die er besitzt, verliere. Und weil er als Christ weder gehorchen wollte noch zu dem Herrn, den er verlassen, zurückkehrte, indem er die Mahnungen, die ich — du bist mein Zeuge — nur um seines Heiles willen an ihn ergehen ließ, verachtete, deshalb schlinge ich um ihn in deinem Namen die Bande des Fluches. Und ich spreche im Vertrauen auf dich diesen Bann aus, auf daß alle Völker wissen nnd erkennen sollen, daß du bist Petrus, und auf deinen Felsen der Sohn des lebendigen Gottes seine Kirche gebaut hat, und die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen werden. Verflucht soll er sein und seine Helfer! Verflucht seine Waffen und Pferde! Er soll sein mit Kain dem Brudermörder, und Judas, dem Berräther, und mit Datan und Abiram, die lebendig zur Hölle gefahren sind. So wie jetzt diese Lichter verlöschen vor eurem Angesicht, so verlösche seine Freude vor dem Angesichte der heiligen Engel, salls er nicht vor seinem Tode Genugthuung eistet und Buße thut! Solches verkünde ich im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes, Amen ll' Der Bischof hatte geendet. Tiefe, lautlose Stille folgte seinen Worten, und mit dem Erlöschen seiner Stimme zugleich oerlöschten alle Lichter und umhüllten den weiten Raum und die gläubige Menge mit den Schauern der Finsterniß. * * Der König befand sich in einem Zustande wilder Raserei. Wie ein entfesselter Panther durcheilte er die Gemächer der Burg, gab Befehle, sandte Boten ab, schmiedete Pläne der Rache und der erbittertsten Gegenwehr. Kurzum: that alles, nur das eine nicht, das dem qualvollen Zustande ein Ende gemacht und die Schmach von seinem Haupte genommen hätte, — Buße. Nein, dazu darf es nicht kommen! Boleslav erniedrigt sich nicht und fleht nicht um Gnade gleich jenem schwachen Heinrich. Nein! Und gelte es mein Leben! Hastig und aufgeregt schritt er auf und nieder. Da ertönte ein leises Klopfen an der Thür, und herein trat eine Dienerin Rechas. „Mein Herr nnd König," sagte sie mit bebender Stimme, „Ihr möget doch gleich zu meiner Herrin kommen, denn sie ist schwer erkrankt." Aufs höchste erschrocken war der König emporgefahren. Recha krank! Schwer krank! Und er, der Gefühllose, der nur Sinn und Fühlen für seine Angelegenheiten hatte, er hatte vergessen, was das treue Wesen litt und hatte sie allein gelassen in ihrem Schmerze. Recha lag auf einer Ottomane, und die Dienerinnen bemühten sich, sie wieder ins Leben zurückzurnfen, aber vergebens. Das Bewußtsein wollte nicht wiederkehren, und die erstarrten Glieder regten sich nicht. Der König war an das Lager hingetreten, und seine Augen ruhten voll angstvoller Besorguiß auf Rechas wachsbleichen Zügen. „Recha," flüsterte er, sich über sie hinneigend. „Ich bin es, Boleslav, der zu Dir spricht." Aber sie hörte ihn nicht, regungslos lagen die schmalen weißen Hände auf der Decke. „Was steht Ihr da?" herrschte der König die Dienerinnen an, die bei seinem Eintritte in einen Winkel des Gemaches hingegangen waren. „Eilt zum Arzte!" Nach einer Weile war das Gemach leer, und nur der König verharrte in banger Angst bei der Bewußtlosen. Er war an ihrem Lager in die Kniee gesunken. „O meine Recha," flehte er in rührender Angst, „geh nicht von mir, verlasse mich nicht in einem Augenblicke, in dem Deine Liebe mich wappnen soll gegen die gehässigen Angriffe der Feinde!" Ein tiefer Seufzer kam aus der Brust der Kranken, und Boleslav jauchzte auf vor Glück. Jetzt kam der Arzt, aber ein Blick auf diesen machte Boleslav stutzen. Das war ja ein Jude, und wie kamen die Diener auf den Gedanken, einen jüdischen Arzt zu holen, da doch des Königs Leibarzt in der Nähe war. Später wollte erste auch darüber zur Rede stellen, jetzt galt es vor allem, Recha aus der todtenähnlichen Erstarrung zu befreien, nnd das würde der jüdische Heilkünstler auch so gut verstehen wie der königliche Leibarzt. Dieser hatte sich auch schon zur Kranken gewendet, und nachdem er ihre Stirn und Schläfen mit einer Flüssigkeit eingerieben, die er mitgebracht hatte, schlug Recha die müden Augen auf und machte eine Bewegung mit der Hand, wie um etwas von sich abzuwehren, dann verfiel sie wieder in Betäubung, die aber bald einem sanfte», ruhigen Schlafe wich. (Forts, folgt.,

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