Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 22 (31.5.1901)
- Date
- 1901-05-31
- Page
- Seite 262 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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262 sehen wollte, und daß Mose dieses Sehnen untergraben hätte. Niemand kann ferner aus dem obigen Gesetze das Verbot jederkünstlerischen Bethätigung herauslesen. Selbst wenn das ewige, allmächtige, körperlose, rein geistige Wesen durch die Kunst richtig und gebührend dargestellt werden könnte, so würde doch eine solche Darstellung immer zur äußern Verehrung führen und der Anbetung im Geiste zuwider sein. Die ersten Menschen stellen durchaus nicht das Bild Gottes dar, sondern sie werden nur als seiu Ebenbild bezeichnet, und die Cherubim sind weder ein Bild noch ein Ebenbild Gottes. — Aber darum ist doch die Kunst nicht überhaupt und ganz und gar brach gelegt. Denn das Zelt der Zusammenkunft und seine heiligen Geräthe, die Priestertracht und anderes mehr beweisen ja, daß dies nicht der Fall war. Zum Schlüsse möchte ich noch eine Stelle des Artikels berühren. „Wäre die Zertrümmerung der ersten Tafeln, die That eines zorndurchbransten Weisen, nicht geschehen, Gott Hütte der Welt nicht einen Christus zu senden brauchen." Überaus die Zertrümmerung ist ja sofort die Verbesserung gefolgt, und es wurden neue Tafeln mit demselben Inhalt aus Liebe, durch die Liebe und in Liebe gegeben! Und Christus selber wollte ja nur gekommen sein, um das Gesetz zu erfüllen, um die Wahrheit des Gesetzes zu bestätigen! Die Königsbraut. Historische Erzählung von Carola Buch heim. XXII. /§^^ach einigen Tagen mußte der König es gewahren, daß sich nicht blvs der Edlen allein Trotz und Mißvergnügen bemächtigt hatte, sondern daß auch beim niederen Volke eine Mißstimmung eintrat, und sich Unzufriedenheit mit den jetzigen Zuständen bemerkbar mache. An allen Orten gährte es; die Bauern wurden von den Edlen hart bedrängt, und das Land war überschwemmt von allerlei herrenlosem Gelichter. Ueberaü sah man verdächtiges Gesindel, das selbst vor Mord und Todschlag nicht zurückschreckte. Es rottete sich zumeist aus den jetzt herrenlos gewordenen Hörigen und Leibeigenen jener gerichteten Adeligen zusammen. Frei und ungehindert durchstreifte dieses Raubgesindel das Land und machte weit und breit die Fahrstraßen unsicher. Solche Zustände waren allerdings geeignet, den Sinn des Königs zu beunruhigen. Dazu kam noch der Zwiespalt, in dem er sich seit dem Tage der Hinrichtung mit der Kirche befand. Denn der stolze Bischof von Krakau versäumte keine Gelegenheit, dem Könige Trotz zu bieten und ihn seinen Groll fühlen zu lassen. Gerade jetzt, da die Gedanken des Königs bei diese»» Gegenstände »veilten, trat ein Diener mit der Meldung ein, ein Bote des Bischofs verlange den König zu sprechen. Verdrossen war Boleslav anfgesahren. „Nun," frug er etwas unsanften Tones den Kaplan des Bischofs, der soeben eintrat, „was hat der Bischof mir heute abermals zu sagen?" „Der Hochwürdigste," entgegnete gesenkten Blickes derKaPlan, „entbietet Euch, Herr König, seinen priesterlichen Gruß und .... „Nun und . .?" unterbrach ihn der König mit einer Gebärde der Ungeduld. „Und ermahnt Euch, Herr König, Euer Herz wieder der Kirche zuzuwenden und Euch in Buße und Demuth den» Bischof als dein Oberhaupts der Kirche wieder zu nahen." „In Buße und Demuth?" brauste der König ans; „hat das geistliche Leben Deinen Kopf so verbohrt, daß Du nicht einsiehst, daß es für den König keine Buße giebt und keinen Demuth? Nun, so wiß' es und vermeld es den» Bischof: eh König Boleslav Buße thun und zur Demuth sich erniedrigen wird, eh soll diese Hand verdorren und aus dieser Brust kein Athemzug mehr kommen. Geh!" Die Mittagsstunde war vorbei, der König war wohl bei der Tafel erschienen, aber er aß nichts, und die Gerichte wanderten unberührt wieder in die Küche zurück; ein unbestimmtes Etioas schnürte ihm die Kehle zu und beengte seine Brnst. War es die peinliche Scene vom Morgen, die eine solch lähmende Wirkung ans sein ganzes Sein ausübte, oder war es die Ahnung kommenden Unheils, die drohend vor seinem Geiste emporstieq? Er hatte nach beendeter Tafel die Ritter verabschiedet, die stets bei dein Mahle zugegen waren, und begab sich in seine Gemächer. Er sehnte sich nach Ruhe, nach einem ungestörten Alleinsein mit seinen Gedanken, auf daß ihn» Klarheit werde über das seltsam quälende Gefühl, das ihn beherrschte. Allerer fand die gehoffte Ruhe nicht; ein wildes Gedankenmeer stürmte chaotisch in seinen» Inneren und ließ ihn nicht zum ruhigen Denken gelangen. Unruhig erhob er sich und schritt heftig erregt im Gemache aus und nieder. Da erscholl mit einein Male wirrer, dröhnender Glockenton in die Stille des Gemaches hinein. Es war, als ob tausende von eherneu Zungen ihre Stimme erhöben zu lautereindringlicher Mahnung. Der König war mitten im Gemache stehen geblieben und horchte dem ungewohnten Tone, — da wurde Plötzlich und mit »vilder Hast die Thür aufgerisse», und herein stürzte mit allen Zeichen tödtlichen Schreckens Wladiwoj, der Wvj ivode von Krakau. „Was ist? Was giebt's?" rief der König. „O, mein königlicher-Herr!" schrie mit dem Ausdrucke höchsten Entsetzens der Wojwvde, indem er vor dem Könige hin sank und mit seinen zuckenden Händen dessen Knie um klammerte. „Erhabener König, ein unerhörter Frevel ist ge schehen an eures Königs Majestät." „Wladiwoj!?" „O, mein gnädiger- König." kam es gurgelnd ans der ge Preßten Kehle Wladiwojs, „mein geliebter Herr," und sein-. Hände krampften sich in wahnsinnigem Schmerze um des Kö nigs Füße, „ein gottloses Verbrechen ist geschehen. Bischer Stanislaus hat — o, »nein Körrig," — Thränen erstickten sein! Stimme — „hat Euch — hat Euch — exkvnununizirt." Der König war zurückgetreten, ein wirres Lächeln zuckt auf seinen» Antlitze. „Exkommunizirt, sagst Du, exkommunizir der Bischof?" Und »vie hilfesuchend blickte er mit irrem Alls drucke um sich her, aber da traf sein Blick das verstörte Antlitz des Knienden, und wie ein greller Blitz tagte es vor seiner Augen. Kalter Schauer schüttelte seine Glieder, die Anger traten ihn» aus den Höhlen, weißer Schaum bedeckte sein« Lippen, und ein Wuthschrei entrang sich seiner Kehle. Unterdessen hatte das Glockengeläute fortgedauert, und von allen Seiten her vermengte sich der Schall und forderü