Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1901)
- Date
- 1901-05-24
- Page
- Seite 252 (sequence 14)
- Language
- German
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252 Unten im Hofe war es jetzt laut geworden, und man vernahm lautes, zorniges Reden, „Er hätte es dennoch nicht thuu dürfen," rief jetzt einer der Lärmenden, „der König hätte nicht vergesfen dürfen, daß„ es Söhne Polens waren ..." „Und Adelige!" rief ein Anderer dazwischen, „edlem Stamme entsprossen! ..." „Vergeht nicht," warf Graf Jaromir dazwischen, „daß Szoltan dem Könige ans Leben wollte, und der König nur Gleiches mit Gleichem vergalt." „Ja, und was einem jeden niederen Manne erlaubt ist: sich seiner Haut zu wehren, das werdet Ihr, edle Herren, dem Könige doch gewähren." „Da ist natürlich Ritter Wladiwoj rasch dabei, den König zu vertheidigen," erscholl es ans der Mitte der Edlen, die da im Burghöfe laut und schonungslos ihrer Entrüstung Ausdruck gaben über die an diesem Morgen stattgefundene Hinrichtung. „Er hat ja guten Grund dazu." meinte höhnisch lachend ein Anderer, „ist er ja das Oberhaupt der Stadt geworden .." „Das ist thörichtes Zeug, was Ihr da redet," sagte der Graf von Rodec, sich zu dem Keifenden wendend. „Wenn Ihr den König verrathen würdet, dann müßte Euch die gleiche Strafe treffen. Aber ich hoffe, Ihr thut's nicht, Ritter!" „Nein, denn genug des edlen Polenblutes ist vergossen worden durch Deinen König, und wir sind nicht gewillt, solch wüthiges Gebühren ruhig hinzunehmen!" „Und was wollt Ihr dagegen thuu?" erscholl jetzt ganz in der Nähe des Sprechers eine Stimme. „Was ich thuu will?" erwiederte Dieser, und zvrnfunkelnden Angesichtes wandte er sich zu dein Frager hin. Aber erschrocken fuhr er zurück, denn vor ihm stand — der König. Doch sich aufraffend, wollte er antworten, aber da nahmen die Blicke des Königs, die sich bis jetzt drohend auf das Gesicht des Frechen geheftet hatten, eine andere Richtung an. Das aber, worauf der König jetzt hinsah, war allerdings geeignet, die Aufmerksamkeit Aller zu erregen, den« da kam den Berg hinauf und durch das Thor einreitend kein Anderer, denn der russische Großfürst Jseslav, mit Knechten und bepackten Maulthieren. »Ihr, Herr Jseslav? Seh' ich recht?" fragte erstaunt der König. «Ihr seht recht, Herr König," entgegnete mit unterwürfiger Gebärde der Russe, „wollt mir gnädigst Euer Ohr leihen, Herr König und hören, was mich in meiner Noch zu Euch führt." Der König war ihm voraugeschritteu und hörte in seinem Gemache die Erzählung des Russen an. Wie er sich wiederaufs Nene entzweit habe mit seinen Unterthanen, wie diese verdammten Kiewer sich gegen ihn aufgelehnt und ihm ebenso den Gehorsam versagt hätten wie das erste Mal. Seinen Sohn Mstislav haben die tollwüthigen Kiewer erschlagen, „und mir," so schloß er, „wäre ein gleiches Schicksal zu Theil geworden, hätte ich mich nicht geflüchtet vor meinen Brüdern Svätoslav und Wsewolov, die mich verrathen, hierher zu Euch, mächtiger Herr König, um Euch anzuflehen, daß Ihr mir helst." „Auf daß Du mich verrathest wie dazumal in Kiew," äffte ihm Boleslav nach, „und ans daß Dn, wie dazumal, mich und die Meinen morden ließest, wie es Dir ja gelungen wäre, hätte mir nicht ein Engel Deinen schändlichen Mordplan enthüllt." „Glaubt nicht, gnädigster Herr Boleslav, der Jude, dessen Tochter auch unseren angeblichen Verrath entdeckte, jener Jude war von Sinnen, denn statt sich zu freuen, daß Ihr, ein so mächtiger Herr und König, seine Tochter mit Euch nahmt auf Eure Königsburg, zerriß er sich die Kleider, betete und fastete, kasteite sich und verrichtete Buße wie für eine Todte." „Und dann, was geschah mit dem alten Manne?" forschte der König, und die lebhafteste Unruhe malte sich auf seinen Zügen. „Dann machte er sich auf und ging nach Palästina, um dort für seine Tochter zu beten. Ich bitte Euch, fleh' Euch an, helst mir wieder zu meinem guten Rechte. Ich Hab' Euch auch viel Kostbarkeiten mitgebracht." , „Du hast Schätze, sagst Du? 's ist gut! Die wolle» wir uns nehmen, damit sie Dir nicht zu schwer fallen auf der Heimreise, — Du aber, Väterchen, trolle Dich nur wieder nach Hause in Dein Kiew — der Polenkönig hat keine Hilfe mehr für Deinesgleichen." Einige Minuten später sah man, wie der Russe von königlichen Dienern zur Stadt hinausgejagt wurde. (Forts, folgt.) ZUM 1. Die Offenbarung. (Aus dem Ungarischen von Josef Kiß.) nser Weltall war erschüttert, Erde, Himmel war erzittert, Als des Himmels Wort erklungen. Daß wir unfern Gott errungen. Gottes Stimme wird erschallen Wird aus ewig nie verhallen, Durch die Zeiten dringt der Laut: Heil dem, der auf Gott vertraut. Lehren, die vom Himmel stammten Auch der Völker Herz erftflammten, Sind im Gottesbuch enthalten, Weltenordnnng sie erhalten. In des Schicksals schwerem Gange Weiht mit Gottes heil'gem Sange Unser Volk den Schatz der Geister, Den uns gab der Geister Meister. Offenbarungsfeste Von Dr. S. Nasch vr. Mit des Herzens stillem Sehnen, Mit der Seele heißen Thränen Möchten wir das Heil erschauen. Ew'ger Wahrheit nur vertrauen, Himmels Gnade strahl' hernieder. Gott geheiligt sind die Lieder, Die zum Lob der Lehre klingen, Herr, gieb Hilfe, gieb Gelingen. 2. Ruth. ine Heldin, die entstammte Moabs haßerfülltem Stamme, Die des Gatten Herz entflammte, War voll Lieb' für Jndas Stamme. An den Gräbern nicht die Schranken Wahre Liebe möchte finden. Ueber Grüfte durch Gedanken Hebt sie Geister, Heil zn finden. 5661. Schwingt die Sichel sich auf Saaten, Mähet ab die reife Frucht, Wurzeln fest doch Geistes Thaten. Die des Herzens Liebe sucht. Abgeschnitten darf vom Leben Nicht der Todte sein im Grabe. Muß zum Leben sich erheben. Blühet seines Herzens Gabe. Gilt es kann nicht untergehen. Schönes solle nicht verderben, Edles muß noch auferstehen. Wahre Liebe kann nicht sterben. Das mocht' Davids Ahnfrau denken. Die des Herzens Wahl gefunden. Gott kann wohl das Schicksal lenken. Wenn den Himmel wir empfunden. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.