Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1901)
- Date
- 1901-05-24
- Page
- Seite 246 (sequence 8)
- Language
- German
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246 städtischen höheren Lehranstalten wurden von jüdischen Kandidaten definitiv angestellt: 1891/95 8 im durchschnittlichen Alter von 32 Jahren 7Vs Monaten, 1896/1900 21 im durchschnittlichen Alter von 35 Jahren 5 Monaten. Sie wurden anstellnngsfähig im Alter von 26 Jahren 2'/i Monaten (bezw. 28 Jahren 8 Monaten). An den staatlichen Anstalten wurden von 1891/1900 4 jüdische Oberlehrer angestellt. die durchschnittlich bei Erlangung der Anstellungsfähigkeit 29 Jahre 7 Monate, bei der definitiven Anstellung aber 40 Jahre 9 Monate alt waren. Die 11 im Schuljahre 1900/1901 an städtischen und staatlichen höheren Lehranstalten angestellten jüdischen Oberlehrer waren mit 29 Jahren 3'/s Monaten anstellungsfähig und wurden mit 37 Jahren 1 Monat angestellt. Das allgemeine Durchschnittsalter der zur Anstellung gelangenden Oberlehrer beträgt aber gegenwärtig höchstens 34 Jahre und wird bei dem großen Lehrermangel, der in den nächsten Jahren noch schlimmer zu werden droht, noch bedeutend sinken. Dieser Lehrermangel wird natürlich auch den jüdische« Lehramtskandidaten zu gute kommen. So sind von den 19 im „Kunze" aufgeführten jüdischen anstellungsfähigen Kandidaten (Gesammtzahl 683) 2 bereits als Oberlehrer angestellt, 2 als etatsmäßige Hilfslehrer an königlichen Anstalten in Ostpreußen und Brandenburg (im Alter von 49 bezw. 43 Jahren); außerdem sind 6 vollbeschäftigte, nicht etatsmäßige Hilfslehrer (5 in Berlin, 1 in Frankfurt a. M., alle 6 an städtischen Lehranstalten, im Alter von 34—40 Jahren). 2 jüdische Hilfslehrer in Berlin sind nicht vollbeschäftigt, die übrigen stehen überhaupt in keiner Beziehung zu einer preußischen höheren Lehranstalt. Unter den 174 Probanden befinden sich 3 Juden (2 in Berlin, 1 in Frankfurt a. M.), unter den 211 Seminarmitgliedern 6 Inden (4 in Berlin, 2 in Frankfurt a. M.). Ob es unter diesen Umständen einem Juden anzuratheu ist, sich in Preußen dem höheren Lehrfach zu widmen, scheint auch jetzt noch recht fraglich. Günstiger liegen die Verhältnisse in den Reichslauden, wo nach der jetzt zum ersten Male im „Kunze" veröffentlichten Dienstaltersliste von 334 Oberlehrern 9 Juden sind (darunter 3 Professoren) und zwar an staatlichen Anstalten. U. 0. Die Kindersterblichkeit bei den Juden. Bon vr. mell. Moses i» Liegnitz. 'enn wir es unternehmen, über die Kindersterblichkeit bei den Juden im Gegensatz zu den Bekennern anderer Religionen einige Angaben zu machen — ausführlicher uns über diesen immerhin doch interessanten und lehrreichen Gegenstand zu verbreiten, müssen wir aus Mangel an Zeit einer späteren Zukunft überlassen, — so werden wir dabei von dem Oedanken geleitet, daß es keineswegs in unserer Absicht liegt, die übrigens schon lange bekannte Thatsache von der bedeutend geringeren Kindersterblichkeit der Juden als derber Anhänger der christlichen Konfession in religiöser oder gar politischerBeziehung zu gunstenderJsraelitenausbeuten zuwollen. Die Untersuchung erfolgt lediglich zu dem Zweck, um einmal, selbstverständlich immer an der Hand derStatistik, aus dem beiderseitigen Vergleich einige vielleicht nicht ganz unwesentliche Aufschlüsse über einzelne Erscheinungen aus dem großen Gebiet der Kindersterblichkeit überhaupt zu gewinnen, dann aber auch, um den Nachweis zu erbringen, wie die Juden schon zu einer Zeit, wo von sozialen Reformen noch gar keine Rede gewesen, gerade diesem großen Kapitel der sozialen Frage, zumeist in Folge ihres außerordentlich entwickelten Fainilieusinnes, von jeher ihre ganz besondere Fürsorge zugewandt. Dabei wollen wir gleich von vornherein bemerken, daß wir uns nicht auf so allgemein gehaltene, immer wiederkehrende, nach unserer Meinung schon phrasenhaft gewordene Redensarten, wie Eigenthümlichkeit der jüdischen Rasse u. s. w., einlassen können. Es will uns scheinen, daß, wenn man selbst in streng wissenschaftlichen Kreisen auf irgend welche Eigenarten der Juden im Gegensatz zu den Christen gestoßen, und man bei Erklärung dieser Tatsachen am Ende aller Weisheit angekommen ist, dann jedesmal die Nasse als das spezifische, alles erklärende Agens hervor geholt wird, etwa nach dem Rezept: was man nicht dekliniren kann, das sieht man dann als Rasse an. Abgesehen davon daß man in streng wissenschaftlichem Sinne nach unserer Ueberzeugung von den Juden der Gegenwart als einer spezifischen Nasse ebenso wenig reden kann, wie etwa von den in Deutsch land lebenden Christen, zeigt gerade das Kapitel der Kinder sterblichkeit bei den Inden auf das allerdeutlichste, daß von einer sogenannten Rasseneigenthümlichkeit gar keine Rede sein kann. Denn wenn dem so wäre, dann müßte diese Nassen eigenthümlichkeit genau in derselben Weise bei den in Deutsch land sozial besser gestellten ivie etwa bei den in Rußland oder Galizien in überaus traurigen ökonomischen und sozialen Ver hältnissen lebenden Glaubensgenossen wirken. Daß dem nich> so ist, ist eine auch statistisch längst bekannte Thatsacff da die dort in Polen oder Galizien gefundenen Sterbeziffer > prozentual weit größer sind als bei uns in Deutschland. „Be säßen wir statistische Untersuchungen aus der ärmeren Juden schast in polnischen oder galizischen Ortschaften (das ist zu> - Theil jetzt der Fall. D. Vers.) so ist kaum zu zweifeln, daß „d dort gefundenen Sterbeziffern als Ausdruck des sozialen Elends höher als die der Juden bei uns ist." (Glatter.) Daß gewiss sagen wir kulturelle Eigenheiten — die Enthaltsamkeit de Juden, ihr Familienleben, ihre unbegrenzte aufopfernde Für sorge für ihre Kinder, ferner gewisse Jahrtausende alte Vo. schriften hygienischer und sanitärer Art neben den allgemeine:: sozialen Verhältnissen — ihre außerordentlich günstige Ei> Wirkung auf die geringe Kindersterblichkeitszifser nicht verfehle ist ganz selbstverständlich, umsomehr, als hierzu noch Einflüs' anderer Art hinzuzurechnen sind, die wir des Weiteren no > zu besprechen haben werden. Wenden wir uns zunächst einmal den bisher erschienen» statistischen und wissenschaftlichen Angaben zu. Es war zue» I. G. Hoffmann, der in seiner im Jahre 1642 in Ber»> erschienenen Arbeit: Sammlung kleinerer Aufsätze staatswisse schaftlichen Inhalts auf die großen Unterschiede zwischen d: Sterblichkeit und namentlich der Kindersterblichkeit bei den Jude» und Christen hingewiesen. Er wies nach, daß nach einer Dur:? schnittszählnng in Preußen in den Jahren 1825—1837 uni > 100000 Christeil 4001, unter 100 000 Juden 3546 Geburt» stattsanden; Sterbefälle dagegen bei den Christen 2961, t > den Juden nur 2161, also der Ueberschuß bei den Christen — 1040, bei den Juden — 1385, also bei letzteren ein Plus ve n 345. Es beruht demnach das Uebergewicht bei den Jude» trotz geringerer Geburtsziffer lediglich in ihrer verhältnißmäß-ü > geringeren Sterblichkeit, so daß also bei den Christen schon avi!