Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 20 (17.5.1901)
- Date
- 1901-05-17
- Page
- Seite 236 (sequence 10)
- Language
- German
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236 die nicht minder schätzbaren eitles guten, treuen Herzens gesellen, die ihn manchem in Noth gerathenen Amtsbruder, mancher hilfsbedürftigen Familie zum stets hilfsbereiten Helfer werden lassen, ist es ganz natürlich, daß die Schar seiner Freunde und Verehrer eine überaus große ist. Aus diesen Kreisen hat sich denn auch ein Komitee gebildet, das die Vorbereitungen für eine würdige Feier des 25 jährigen Aintsjubiläums des Herrn Blumenthal mit Eifer betreibt und ein ausführliches Programm demnächst veröffentlichen wird. Als Ehrenvorsitzender gehört diesem Komitee unser Jubilar- Rabbiner, Herr Dr. Frank, an, welcher nur wenige Monate vor Kantor Blumenthal sein hiesiges Amt antrat und somit ein Vierteljahrhundert mit letzterem in unserer Gemeinde segens- und erfolgreich gewirkt hat. Dem Verdienste seine Krone! Eine Gemeinde ehrt sich selbst, indem sie ihre um das Geineindeleben hochverdienten Männer ehrt. Jakob Freiherr v. Mayer. Koburg, 8. Mai. (^^?/nchts ist interessanter und lehrreicher als das Leben und Wirken der Männer aufmerksam zu verfolgen, die im ersten Viertel des vorigen Jahrhunderts geboren, als die Welt sich den Juden zu erschließen begann, durch Fleiß, Energie und Begabung sich immer höher entwickelten und es schließlich zu Rang und Ansehen im Vaterlande brachte!«. Ein solcher sslk mucks man in des Wortes edelster Bedeutung war auch derain 1. d. M. in unserer schönen thüringischen Residenz an der Schwelle des siebzigsten Lebensjahres verstorbene Freiherr v. Mayer, über dessen Begräbnis; ich Ihnen bereits kurz berichtet habe. Wenn man aber wissen will, was eil« Man«« zu bedeute«« hat, so muß man vorerst die Stimmen über ihn in seiner Heimath hören. So schreibt das Koburger Tageblatt in dein Leitartikel seiner gestrigen Nummer Folgendes: Nun ist nach langem, schwerem Krankenlager der Geheime Kommerzienrath Jakob Freiherr v. Mayer in« 69. Lebensjahre, ein im Palast wie im einfachsten Bürgerhause gleich hochgeschätzter, gleich beliebter und überall bekannter Berather und Wvhlthäter, aus den« Leben geschieden, der uns in der Unveränderlichkeit seiner Erscheinung und seines ganzen Wesens ivie das Bild der »««zerstörbaren Lebenskraft erschien; in seiner Stimme wie in seinem Handschlag lag eine jugendliche Frische, bis die tückische, zum Tode führende Krankheit ihn ergriff. Bedürfte es eines sprechenden Zeugnisses für das, was er in unserer Bevölkerung und an unserem Hofe bedeute, so hat sein Leichenbegängniß gestern unwiderleglich bekundet, daß es sich »in eine wirklich empfundene Ehrenkundgebung der Trauer handelte. Jakob v. Mayer, am 12. Mai 1832 zu Bibra bei Meiningen geboren, gründete im Jahre 1869 hier in Koburg die Getreidefirma Jakob Mayer, die ans kleinen Anfängen heraus allmälig einen Weltruf erlangte, dank der unermüdlichen Schaffenskraft, Besonnenheit und rasch zugreifenden Energie ihres Inhabers. Vorbildlich für seinen späteren Lebensgang war die Bescheidenheit der äußeren Verhältnisse, in denen er aufgewachsen war. Die strenge Schule des Lebens, die seine Thatkraft erweckte, seine Widerstandsfähigkeit stählte, und seine Zähigkeit ließen ihn stets seine ganze Existenz einsetzen. Von Jugend an völlig auf sich selbst gestellt, war es ihn« nicht vergönnt, durch geregelte Studien für einen weiteren Wirkungskreis sich vorzubereiten, und so mußte er in spärlich gewonnener Muße selbst fortarbeiten an seiner geistigen Entwickelung. Er that dies mit unermüdlicher Ausdauer, und die gesunde Richtung seines ganzen Wesens, wie die innere Bescheidenheit seiner Natur haben ihn davor bewahrt, in jene Selbstgefälligkeit zu verfallen, welche so oft gerade dieser Methode der Selbstentwickelung anzuhaften Pflegt. Durch seinen ausgedehnten Wirkungskreis und seine natürlichen geistigen Anlagen ergab es sich von selbst, daß er euren hervorragenden Einfluß auf die gesammten «virthschaftlichen Verhältnisse von Stadt und Land ausübte. Kaum ein Kreis des öffentliche«« Lebens entging seiner Aufmerksamkeit und hatte seinem praktisch eingreifenden Sinn wvhlthätige Förderung zu danken. Und immer war es die außerordentlich entwickelte Richtung auf das Praktische, Durchführbare. die ihn bestimmte, mochte es nun seine Thätigkeit in der Handelskammer, in dem Eisenbahnrath, in der städtischen Verwaltung, im Blindenverein, in« Rennverein für Mitteldeutschland, in irgend einer Korporation oder Gesellschaft oder bei irgend einer festlichen Gelegenheit sein. Er kannte aus der eigenen geschäftlichen Thätigkeit und aus den mannigfachen Berührungen mit allen Kreisen der Bevölkerung die Bedingungen, Bedürfnisse und Mangel des wirklichen Lebens genau genug, sein offener Blick ließ ihn jederzeit die Grenzen erkennen, innerhalb deren das Erstrebenswerthe auch dnrchgeführt werden kann. So wirkte er in den verschiedensten Stellringe««, indem er auf der einen Seite unerschrocken die Initiative ergriff, auf der anderen Seite aber mäßigend, die Gegensätze ausgleichend und mildernd auftrat. Politisch stand er der freisinnigen Partei nahe und hat ans seiner liberalen Weltanschauung auch niemals ein Hehl gemacht. Bei aller Ueberzengungstreue hatte er ein volles Verständniß für das, «vas gehe,« und stehen mochte, ein mrrtler ok luetmrm, der mit Thatsachei« argumentirte und all sein Thu» und Handeln mit dem voraussichtlichen, thatsächlichen Ergebniß regulirte. Dabei kam ihn« seine große persönliche Liebenswürdigkeit zu Hilfe, der sich selten Jemand entziehen konnte. Auch seine große Menschenliebe verdient an dieser Stelle hervorgehoben zu werden, wie dies auch gestern in der ergreifenden Predigt an seinen« Sarge zutreffend geschah. Es würde falsch sein, ein Bild des Dahingegangenen zu entwerfen, ohne daß man seines seltenen Talentes zur Geselligkeit und seines eigenartigen freundschaftlichen Verhältnisses zu den« verstorbenen Herzog Ernst II. gedächte. Wenn auch ernst denkend und kritisch veranlagt, verfügte er doch über einen unerschöpflichen Humor, hinter dem sich oft tiefe Empfindung verbarg, einen irr« Kleinen wurzelnden und von der Betrachtung des Alltäglichen ausgehenden Witz, der spielend konträre Gegenstände verknüpfte und durcheinander schlang nnd stets über ei«« Bonmot zur rechte«« Zeit verfügte. Diese glückliche Naturgabe »rag wohl auch die freundschaftliche Annäherung unseres Herzogs in,«»er fester geknüpft haben; der bürgerliche Berather verstand es ausgezeichnet, mit dein Herzog zu verkehren, ihn für neue Gesichtspunkte zu gewinnen, zu orientiren, zu überzeugen und zu bekehren. Der fürstliche Dank für die «nannigfaltigen, innner gut ausschlagenden Rathschläge blieb denn auch nicht aus, die Ernennung zum Geheimen Koinmerzienrath, die Erhebung in den erblichen Adelstand, die Verleihung zahlreicher Orden sind des Zeugen.