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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-05-17 · Heft 20 (17.5.1901) · p. Seite 232

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 20 (17.5.1901)
Date
1901-05-17
Page
Seite 232 (sequence 6)
Language
German
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232 König Eduard empfing am 2. d. M. eine Deputation der englischen Juden, die dem Könige gelegentlich seiner Thronbesteigung eine Begrüßungsadresse überreichten. Die Deputation bestand ans Delegirten des Loarä ok Oepnties, der ^ng1c>- ^ewisti Association sowie auch dem Chief Rabbi Dr. Herrmann Adler, dem Chacham Dr. M. Taster sowie dem Rabbiner der Londoner Reformgeiiieinde Dr. Marks. Nachdem zwei Deputationen der Katholiken und Presbyterianer vom König empfangen worden sind, wurde gegen 12 Uhr die jüdische Deputation in den Thronsaal geführt. Als Führer der Deputation fungirte Baron Leopold v. Rothschild, während Josef Sebag Mouteftvre die Ehre zu Theil wurde, die Adresse zu verlesen, in welcher im Namen der englischen Judenheit dem König das Beileid gelegentlich des Ablebens der Königin Victoria sowie ein Glückwunsch zur erfolgten Thronbesteigung ausgedrückt wurde. Die hierauf vom König verlesene Antwort lautet: Ich habe mit ausrichtiger Freude aus der Verlesung Ihrer Adresse entnommen, welche treue Anhänglichkeit die Juden Großbritanniens den« Andenken meiner geliebten Mntter bewahren, und welche ansrichtige Theilnahme sie mir und meinem Hause gelegentlich des schmerzlichen Verlustes, der uns betroffen hat, eutgegenbringeu. Es wird stets meine erste Sorge sein. Freiheit und Gerechtigkeit für all meine Unterthanen, gleichviel welcher Nasse und Religion sie sind, zu erhalten und zu fördern. Ich bin sehr befriedigt von den Wünsche», welche Sie und die von Ihnen vertretenen Gemeinden und wohlthätigen Körperschaften für mich und die Königin hegen. Nach erfolgter Verlesung durch den König wurde diese mit der Schreibmaschine zu Papier gebrachte Antwort Herrn I. Sebag Montefiore eingehändigt. 4 Auch im amerikanischen Repräseutantenhause wurde das Verbot der Pforte, die Einwanderuugsfrage in Palästina betreffend, neuerdings scharf kritisirt. Im Senate wurde dem Staatssekretär Hay vom Senator Mitchell aus Oregon ein Memorandum überreicht, dessen Autor Mister Solomon Hirsch in Portland ist, und worin gefordert wird, die amerikanische Regierung möge ihren Botschafter in Konstantinopel instruireu, Verwahrung eiuznlegen gegen die im November v. I. erlassene Verordnung der türkischen Regierung, wonach ausländische Juden sich in Palästina nicht länger als drei Monate aufhalten dürfen. In seiner Antwort wies Staatssekretär Hay darauf hin, daß Mister Hirschs Memorandum durch eine am 28. Febr. d. I. au den amerikanischen Geschäftsträger in Konstantinvpel ergangene Instruktion überholt sei. Ob die Pforte sich den Vorstellungen der Mächte fügen wird, ist freilich eine andere Frage. Brr deutsch-russische Handelsvertrag und die Juden. Von M. Frie deberg. II. aß der Getreide Handel von jeher eine, wesentliche Stütze der jüdischen Grenzgemeinden an der Ostgrenze gewesen ist, beweist die ganze geschichtliche Entwickelung unseres Ostens. Die von Polen mit Getreide kommenden Juden genossen in Königsberg zu Anfang dieses Jahrhunderts besondere Vergünstigungen. Für die Einheimischen war noch 1730 der. Handel mit Materialwaaren, Fellen u. s. w. verboten, ebenso die Betreibung der meisten Handwerke. Erst vom 8. Januar 1729 datirte ein von sämmtlichen Ministern Unterzeichneter „Allergnädigst Spezial-Befehl", wie die auf Königsberg „verleiteten Schutz-Juden-Fainilien kein mehrer noch weniger Recht im Handel und Wandel als die dortige sog. Holl- und Engländer haben können." Gegen den für Deutschland und namentlich für den Osten so wichtigen Einfuhrhandel mit Getreide aus Rußland konnten die den Juden so wenig günstigen Zünfte schon unter Friedrich dem Großen nichts mehr ausrichten, als die Juden sich gegenüber den Quälereien ihrer Konkurrenten im Januar 1746 unmittelbar an den König gewandt hatten. Am 1. Juni kam das Reskript, die Liegerechte der Juden zu achten und ihren Handel nicht weiter zu stören. Dem Grenzhandel mit den russischen Inden konnten schon wegen der sprachlichen und geselligen Beziehungen die Zünfte niemals beikommen; sie petitiouirten daher im Jahre 1748 bei der Regierung, sie möge von der Accisenkasse ein Gutachten einfordern, ob ihre Einnahmen sich schmälern wurden, wenn den Inden „der Handel nur mit den Polen, Russen mit den von ihnen auf Wittinnen und landwärts eingeführten Maaren zu verstatten sei". Daß mit der Hebung des Handels auch die Hebung der jüdischen Intelligenz Hand in Hand ging, ist bei dem regen Bildungsstrebeu unserer Vorfahren selbstverständlich. Adel (Jichus) und nicht Geld spielte bei diesen Juden des Ostens die Hauptrolle; verarmte vornehme Geschlechter hatten in den Synagogen die ersten Plätze, und die reichsten Leute schätzten es sich zur Ehre, ihre Töchter an befähigte junge Gelehrte aus solchen Familien zr verheirathen. Man that auch etwas für die hebräische Litteratnr t720 erhielt I. M. Friedländer in Königsberg offiziell das Recht hebräische Bücher einzuführen. Im Frühjahr 1783 schon hatten I. A. Euchel und M. Bresselau, beide Hauslehrer bei den bil dungsliebenden Friedläuders in Königsberg, einen Aufruf zu Begründung der Zeitschrift „Der Sammler" (Meassef) erlassen Bei einem der bedeutenden, viel nach Rußland exportirenden jüdischen Fabrikanten, die unter Friedrich dem Großen in Königsberg lebten, war auch der bekannte Markus Herz al Handlungsdiener thätig; er studirte dann und trat bei eine Disputation Kants, für dessen besseres Verständnis; er vie gethan hat, öffentlich als Respondent auf. Die Juden in Königsberg hatten damals nicht nu einen lebhaften Handel mit Rußland, der namentlich übe Kowno auf dem Memel-Niemenflnß Getreide einführte sondern sie waren auch Unternehmer der Saffianun Korduanfabriken, der Gazefabrik, der Silber-Raffinerie nu anderer industrieller Institute. Es ist wichtig, dieses gegen über vielen falschen Darstellungen der Entwickelung de^ jüdischen Gemeinden im Osten hervorzuheben. B. H. Strom berg, der bekannte „Eisenbahnkönig", der auch — damals mx i Jude — die Schule in Königsberg besucht hat, schreibt: „Brdem Jahre 1812 hatten bekanntlich die Juden nicht das Bürger recht in Ostpreußen; meine Familie gehörte zu den wenigen, die unter dem Namen Schutz-Juden dieses Recht besaßen. Bon guter Herkunft unter den jetzt bedeutenden jüdischen Familien sind nur diejenigen, deren Vorfahren zur Zeit der Emanzipation jchon in größeren Städten große Geschäftshäuser hatten. l > Von dem Augenblicke, wo den Juden das Bürgerrecht ein geräumt wurde, zogen ans den dicht gedrängten Gemeinden der Provinzen Posen, Schlesien und West-Preußen zahllos'

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