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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-05-10 · Heft 19 (10.5.1901) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 19 (10.5.1901)
Date
1901-05-10
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 sowie Rabbiner und Lehrer ans Magdeburg, Halle, Nordhansen und Halberstadt erschienen. In der vorangegangenen Ilusschuszsitznng wurde au Stelle des verstorbenen Herrn Singer Herr B. Hirsch Zum Vorsitzenden. Herr Rechtsanwalt Lichtwitz zum Stellvertreter, Herr 1. Lindenthal zum Schatzmeister gewählt. Es folgte sodann nach der Tagesordnung: 1. Berichterstattung durch den Vorsitzenden. 2. Kassenbericht erstattet vom Schatzmeister. 3. Fand hierauf die Wahl voir zwei Kassenprüfern und Entlastung des Ausschusses statt. 4. Festsetzung des Haushaltsplans für das Jahr 1901/1902, der mit 2170 Mark balanzirt. Sodann berichtete Herr Rabbiner Dr. Feßler- Halle über seine Beobachtungen auf den Inspektionsreisen. Hieraus folgte 5. Berathung über den Alltrag des mitteldeutschen Lehrervereins: daß ill denjenigen Gemeinden der Provinz Sachsen, in denen das Schulwesen einem besondereil Schulvorstande unterstellt ist, der Lehrer Sitz und Stimme ill demselben erhalte. — Die Versammlung nahm Kenntu iß voll diesem Wunsche der Lehrer lind beschloß, den Verbandsgemeinden zu empfehlen, bei Beratungen über Schnlangelegenheiten auch den Lehrer zu Nathe zu ziehen, jedoch ohne Gewährung des Stimmrechts. Der Alltrag: die Bestrebungen des Deutsch-Israelitischen Gemeindebllndes die Fürsorgeerziehung Minderjähriger betreffend (Preußisches Gesetz vom 2. Juli 1900) zu fördern, wurde ohue Debatte angenommen. 6. Die Berathung über den Anschluß an den Verband der Israeliten Deutschlands wurde wegen der vorgerückten Zeit ansgesetzt. 7. Aus der Mitte der Versammlung wurde beantragt und beschlossen, den kleineren Verbaudsgemeinden zur Belebung des religiösen Sinnes das Halten jüdischer Blätter zu empfehlen; auch sollen bei den Inspektionen der Neligiollsschuleu Prämien an die besten Schüler vertheilt werden. Anträge wegen einer festzustettendeu Liturgie bei mangelnder Zehnzahl in den kleinen Gemeinden wurden als statntenwidrig voll der Debatte ausgeschlossen. — Um ^8 Uhr begab sich die Versammlung zum Gottesdienst ill die hellerleuchtete schölle Synagoge. Gegen 9 Uhr wurde der Gemeiudeiag geschlossen. o. Koburg, 6. Mai. Am 1. d. M. ist hier der Geh. Kommerzienrath Jakob Freiherr v. Mayer gestorben. Derselbe war Chef eines großen Getreideexporthauses und erfreute sich allgemeiner Hochachtung. Freiherr v. Mayer, der auch ein vertranter Freund des sel. Herzogs Ernst war, ist ein glaubenstreuer Jude geblieben bis zum Tode. Das Begräbniß, welches am 5. stattsand, legte beredtes Zeugniß davon ab, welcher Verehrung sich der Verblichene in den weitesten Kreisen seiner Mitbürger erfreute. Nachdem Lehrer und Prediger Oppenheimer am prächtig aufgebahrten Sarge die Todteugebete verrichtet hatte, widmete er dem Verblichenen ergreifende Worte des Gedächtnisses. Null setzte sich der Zug unter den Klängen einer Musikkapelle langsam in Bewegung. Auf die prächtige Kränze tragende Dienerschaft und Arbeiter des Verstorbenen folgte unter Voralltritt eines Trauermarschalls der Export - Disponent für Oesterreich- Ungarn, Hansen, welcher auf einem Kissen die Orden des Freiherrn trug. Hierall schlossen zwei Diener in Gala mit den Kränzen der höchsten Herrschaften. Die Spende des Herrn Regierungs- Verwesers trug Namenszug lind Krone, die der Frau Herzogin Alexcmdrine die Inschrift: „Das Andenken des Gerechten bleibt ill Ehren." Dem Sarge folgten die Freiherren Hugo voll Mayer und Siegwart von Mayer-Ketschendorf. Den Negiernngsverweser vertrat Flügeladjntant v. Wangenheim, die Frau Herzogiuwittwe Alexandrine, welche ihrem Schmerz um den dahingeschiedenen Freund des herzoglichen Hauses in eitlem ergreifenden eigenhändigen Schreibell Ausdruck verliehen hatte. Staatsrath Meßmer, das Gesammtnnnisterium Geh. Negiernngsrath Dr. Dietsch von Gotha, die hiesige Ministerialabtheilung der Wirkt. Geheimrath v. Wittken. Neben den Angehörigen des Verstorbenen nahmen Theil der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde, diese selbst, der Magistrat, Stadtverordnete, säunntliche Beamte der hiesigen Firma und ihrer Filialen, Vertretungen der Koburg - Gothaischen Kreditgesellscbaft. des Spar- und Hülfevereins, sowie zahlreiche andere kommerzielle und industrielle Unternehmungen. Ja sogar von Oesterreich waren freunde des Chefs der Weltfirma herbeigeeilt. Ferner bemerkten wir unter den Leidtragenden den amerikanischen Generalkonsul Dr.Hughes, welcher gestern die Fahne des Konsulates aus Halbmast hatte flaggen lassen, anläßlich der Bedeutung, welche Freiherr von Mayer in der Handelswelt hatte. Auch das Land hatte sich zahlreich betheiligt, sv sahen wir unter anderen die Gemeindevertretung voll Kretschendorf. geführt vom Schultheiß Gundermann, ferner Creidlitzer. Seidmailns-! dorfer, Ahorner ,w. Von Landtagsabgeordneten bemerkten wir Herrn Arnold, unsere Schulen, denen der Verstorbene so manche Wohlthat erwiesen hatte, vertrat Schnlrath Brodführer. Bald hatte der Zug sein Ziel, die der israelitischen Gemeinde bestimmte kleine Abtheilnng des allgemeinen Friedhofes erreicht. Langsam senkte sich der Sarg in die Gruft, und Prediger Oppenheimer sprach tief ergriffen das letzte Gebet. — So ruht denn einer unserer hervorragendsten Mitbürger nach einem an Erfolgen aber auch an ernster Arbeit reichem Leben sür immer aus. ein Mann, der sich des gleichen Ansehens erfreute bei Hoch nnd Niedrig, an dessen Gruft sich Stadt und Land, Fürstenhaus und Bauer sowie die Al,gehörigen jeder Konfession znsammenfculden, um ihn zu ehren und sich selbst. Er ruhe in Frieden! — Frunk^urt o. Nt., in, Mai. Die Kuranstalt für arme Israeliten in Bad Soden a. T. ist eines der Institute, die im Stillen viel Gutes wirken. Im abgelanfenen Jahre hat ein ungenannt sein wollender Wohlthäter ein Freibett im Betrage von 12 000 Mark nnd Herr Elias Wertheim hier hat zum Andenken an seine verewigte Gattin ein solches voll 6000 Mark gestiftet. Im abgelanfenen Jahre wurden 241 Patienten gegen 217 im Vorjahre verpflegt. Dr. med. Rothschild, welcher zwei Jahre die Stelle als Assistenzarzt an unserer Anstalt bekleidete, hat dieselbe niedergelegt, und ist Dr. Max Jsserlin ans Königsberg zum Assistenzarzt berufen worden. Die Verwaltung besteht aus folgenden Herren: Dr. med. E. Nosenbanm. Vorsitzender. Mich. Mos. Mainz, stellvertretender Vorsitzender, Lismann Fürth. Kassirer, Daniel Ang. Worms. Oekonom, Bernhard Freukel. Schriftführer. Manfred S. Goldschmidt, Heinrich Wisloch. In dieser Saison hat dieselbe 241 Patienten an 7894 Pflegetagen beherbergt; die durchschnittliche Kürzest für jeden Patienten betrug mithin 32^ Tage gegen 31 Vt Tage im Jahre 1899. Die Gesammt- und Durchschnsttszunahme übertrifft die der beiden Vorjahre. Die Einnahmen betrugen 118 571,06 Mark, die Ausgaben 113 315,77 Mark, das Vermögen der Allstalt 140 000 Mark. — Die letzte Schwnrgerichtstagnng hier wurde unter dem Vorsitz des Herrn Landgerichtsraths Kayser abgehalten. 1c. München, 1. Mai. Die bayerische An tis em i t enp ress e fängt an, einigermaßen ergötzlich zu werden. Das in München erscheinende Antisemitenblatt. dessen Herausgeber der Geschäftsführer des Bundes der Landwirthe für Bayern ist, was ihm mehr einzutragen scheint als seine Bekämpfung der Inden, brachte einen geharnischten Artikel gegen den Stadtmagistrat München, weil dieser auf den, jüdischen Friedhofe ans den Gräbern der Kinder eine Halle für 14 Leichenwagen erbauen wolle. Es war aber dem Biedermann nicht um den Schutz des jüdischen Friedhofes zu thnn, sondern des südlichen Friedhofes, den der Drncksehlertenfel, wiewohl kein jüdisches Kind dort ruhen dürfte, zum jüdischen Friedhof gemacht hat; der ganze Artikel hat dadurch eine erheiternde Wirkung geübt. Noch heiterer ist zu lesen, wie der Münchener Antisemitenredakteur Wengg und der Würzburger Antisenntenredakteur Me m m inger miteinander in ihren Zeitungen sich streiten. W., der bereits den Offenbarnngseid geleistet hat und unzählige Male vergeblich gepfändet ist, wobei dann immer die Hauselnrichtung seiner Gattin gehört, hatte dem Memminger vorgeworsen, daß dieser ihn wegen fälliger Schuldbeträge um Stundung gebeten habe. Dagegen antwortet Memminger mit dem Vorwürfe niederträchtiger Lüge, berichtet, daß Wengg selbst mit einen, Juden associrt gewesen sei, aber eine „böse Pleite" gemacht habe; was sonst noch W. zu hören bekommt, bildet eine recht nette Biographie dieses Antisemiten, die nachzudrucken zu verführerisch wäre, wenn ich mich nicht, da ich den Wahrheitsbeweis nicht selbst erbringen kann, vor einer Beleidigungsklage des W. hüten möchte. Die Antwort des W. in seiner nächsten Zeitnilgslunnmer mag schön saftig werden. r. Nürnberg, 2. Mai. Der Präsident des z. Z. dahier tagenden Schwurgerichts ist Oberlandesgerichtsrath Berlin, der Beisitzende bei der erster, Verhandlung war der Landgerichtsrath Mayer, beide Israeliten und ausgezeichnete Juristen. — Ein Veteran aus den Kriegsjahren 1870/71. der Kaufmann Bernhard Simon vor, hier, wurde gestern auf den, israelitischen Friedhofe zur Ruhe bestattet. Der Kalnpsgenvssenverein mit der Fahne und brennenden Fackeln eröffnete unter Trommelwirbel den Leichenzug. dann folgte der mit dem Bahrtuche des Vereins bedeckte Sarg. Nach den vorzüglichen Reden

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