Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 18 (3.5.1901)
- Date
- 1901-05-03
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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3 haben in der musikalischen Well vielfache Anerkennung gefunden. Trotz seiner 33 jährigen angestrengten Thätigkeit hat sich seine Stimme in ihrer Reinheit und Kraft erhalten und findet heute ebenso wie bei seinem Amtsantritt die ungetheilte Bewunderung seiner Zuhörer. Alle Kreise der Gemeinde Wetteifertei,, um den Ehrentag des Jubilars würdig zu begehen. In der festlich erleuchteten Synagoge Elbstraße fand eine entsprechende Feier statt, in seiner Wohnung wurde der Jubilar vom Synagogenchor durch Gesang begrüßt, jetzt reihte sich Deputation all Deputation, um Ehrengeschenke, Glückwunschadressen zu überreichen. Die Zahl der eingelaufenen Glückwunschtelegramme beläuft sich auf viele Hunderte. In der Gemeiudesynagoge Kohlhöfeu fand am Sabbath zu Ehren des Jubilars ein Festgottesdienst statt, wobei der Jubilar selbst in geradezu groszartiger Weise das Mussaphgebet vortrng. o. Wattenscheid, 24. April. Die Zahl der öffentlichen israelitischen Sch ll len im rheinisch-westfälischen Jndnstriebezirke ist wiederum um eine vermehrt worden. Die bisherige Privatschule der benachbarten Synagogengemeiude Hattingen ist am 1. d. M. auf den städtischen Etat übergegangen, somit in eine „öffentliche Schule" umgewandelt worden. Dem warmen Eintreten der jüdischen Gemeindevertretung und besonders des Vorstandsmitgliedes und Stadtverordneten Kaufmann Urias ist es zu verdanken, das; die Verhandlungen schnell voll statten gingen. Der Stadlverordnetenvorsteher Vuchdruckereibesitzer Heinr, Hundt sagte bei der Debatte betreffs der Uebernahme der israelischen Privatschule.- „Die Sache hat aber auch noch eine andere Seite. All der israelitischen Schule ist ein Lehrer thätig. der dieselbe Ausbildung genossen wie unsere Lehrer und auch den gleichen Obliegenheiten nachzukommen hat. Da er eben an einer Privatschule unterrichtet, so steht er den W ech sel sä ll en des Lebens schutzlos gegenüber, für die Tage der Erwerbsunfähigkeit hat er keine Benefizien. Es ist vorhin erinnert worden au ein Wort, das in Preußen allezeit eine Stätte finden sollte: Gleiches Recht für Alle! Gleiches Recht daher auch für llnsere israelitischen Mitbürger! Und wenn sie uns hieran erinnern, wenn sie weiter sagen: es sind doch nur . . . Mark, welche die Stadt mehr anfzubrmgen hat, ich meine, da läge für uns eine gewisse moralische Verpflichtung dafür vor, ihrem Alltrag zu willfahren. Der ganze Antrag der israelitischen Gemeinde entspricht, wenn ich recht verstehe, der Intention, für ihren Lehrer zu sorgen, auch ihm eine sorgenfreiere Zukunft zu gewähren; ich meine, wir könnten, wenn wir uns unseren Pflichten gegenüber unseren jüdischen Mitgliedern nicht entziehen wollen, nur zu einer Annahme des Magistratsantrags kommen, und das ist es. was ich hiermit befürworte." Das waren herrliche Worte! Der Antrag wurde denn auch fast einstimmig angenommen. Der bisherige Lehrer Andorn wurde am 19. d. M. in Gegenwart des Schulvorstandes und der Aufsichtsbehörde in sein Amt eingesührt und vereidigt. kl. Rheda, 22. April. Am 19. April feierte der emer. Lehrer nndl'Kultnsbeamte A. Steinweg im Kreise seiner Familie den 70. Geburtstag. Aus Nah und Fern, von Schülern, Freunden und Bekannten, wurden dem ehrwürdiger. Manne, dessen Name auch über die Grenzen unserer Heimathsprovinz einen guten Klang hat, die herzlichsten Beweise dankbarer Anerkennung entgegengebracht. Am 21. d. M. hatte sich eine Reihe von Kollegen eingefnnden, um dem treuen Kollegen ihre Glückwünsche dnrznbringen. Im Namen des Vereins israelitischer Lehrer Rheinlands und Westfalens würdigte Lippmansohn - Minden dessen Verdienste um den Verein und die Kasse. Eine kunstvoll ansgeführte Dankadresse überreichend, feierte er die vorbildliche, ersprießliche Thätigkeit des ehemaligen langjährigen Vizepräsidenten. In Anerkennung der großen Verdienste habe der Verein ihn zum Ehrenmitgliede des Vorstandes ernannt. Kaufmann- Ahlen überbrachte die Festgrüße von befreundeten Kollegen und schilderte in seiner Ansprache den biedern, hochherzigen Menscheil, den bewährten Kollegen, der stets ein treuer Kamerad, ein Freund und Berather, dessen Haus ein wahres Lehrerheim gewesen, in dem die Lehrer herzlich willkommen waren. Namens der Freunde übergab der Sprecher dem Gefeierten eine Statue des Moses nach Michelangelo. Der also Gefeierte dankte in bewegten Worten sür alle ihm erwiesenen Ehren. Ein gemüthliches Mahl, gewürzt durch Toaste in gebundener und ungebundener Rede, vereinigte die Kollegen noch bis znm späten Abend. Dem lieben Kollegen rufen wir ein herzliches: ,.aä meoli sekonob!" zu. -- Paderborn, 20.April. Der 41. Jahresbericht über die israelitische Waiseuerziehliilgs-Allstalt sür Knaben und Mädchen ans Westfalen und Rheinland, die nun schon seit 44 Jahren besteht, zeigt dieses Institut noch immer einen erfreulichen Aufschwung. Die Anstalt zählte im Laufe des Jahres 50 Waisen, hiervon waren 29 aus Westfalen, 21 aus der Nheiuprovinz. Die Zöglinge erhalten in der Elementarschule der Anstalt sorgfältigen Unterricht, damit sie mit ausreichenden Kenntnissen in das Leben treten. Nach zwölfjähriger Thätigkeit ist der Lehrer und Erzieher der Anstalt, Herr Benno Huhn, von hier geschieden, um die Predigerstelle in Koblenz zu übernehmen. Derselbe hat seines Amtes stets mit Liebe und Pflichttreue gewaltet, und wird er bei uns stets in guter Erinnerung bleiben. An seine Stelle trat Herr Lehrer Spier aus Horn i. L. Der Vorstand besteht aus der Vorsteherin Fräulein Paula Marcks und dem Kuratorium Herren Louis Mahler, Nieolaus Nansohoff, Emil Paderstein in Paderborn, Moritz Philip in Bielefeld sür Westfalen, Herren Oberrabbiner Dr. Horowitz in Krefeld. Bernhard Simons in Düsseldorf, Hermann Cohen in M.-Gladbach, Konnnerzienrath Moritz Beer in Essen, Sally Simon in Cöln für Rheinland, Herrn Carl W. Simons in Düsseldorf stellvertretendes Knratoriumsmitglied. Die Einnahmen betrugen 41 876,81 Mark, die Ausgaben' 39 253,86 Mark. o. Köln, 22. April. Ans Veranlassung des Herrn Dr. med. Auerbach und unter Vorsitz der Herren Nekarsulmer, Falkenstein und Dr. med. Wallerstein hat sich hier ein „Kölner Hilfskomitee für all ständische ortsansässige Juden" gebildet, lieber seine Ziele und Zwecke giebt das Komitee in einem Aufruf folgende Auskunft: Die traurige Lage unserer Glaubensgenossen in Rußland, Galizien und Rumänien verursacht einen stets sich vermehrenden Zuzug aus ihren Reihen in unsere Stadt, und uns erwachsen daraus neue' Pflichten. Die Hilfe, die wir ihnen bisher haben angedeihen lassen, hat — weit entfernt davon, dem Elend zu steuern — nach allgemeiner Ansicht nur dazu gedient, das Gefühl für Selbsthilfe in den Unglücklichen zu ersticken und sie von dem Wege abzudrängeu. sich ihren Unterhalt zu erwerbeil durch eine Arbeit, welche unseren Landesverhältuisseu entspricht. Es hat sich daher aus Mitgliedern hiesiger jüdischer Wohlthätigkeits- und Frauenverkine ein Komitee gebildet mit der Ausgabe, durch fortgesetzten persönlichen Besuch der Armen in ihren Wohnungen sich über die wirthschaftlichen und moralischen Verhältnisse derselben zu unterrichten, durch Rathertheilnug und Nachweis von Arbeitsgelegenheit den Erwachsenen zu wirthschaftlicher Selbständigkeit zu verhelfen, die Erziehung der Schulkinder zu überwachen und die aus der Schule entlassenen Knaben lind Mädchen der Werktätigen Arbeit zuznführen. Die zur Erreichung unserer Zwecke notwendigen Geldmittel Hoffell wir von den genannten Vereinen zu erhalten und von solchen Glaubensgenossen, welche diese Art vorbeugender und erzieherischer Wohlthätigkeit zu schätzen wissen. Niemals aber wird sich das gesteckte Ziel erreichen lassen, wenn die hiesigen Familien uns nicht dadurch uuterstützen, daß sie von der unüberlegten Wohlthätigkeit, dem Hausbettel gegenüber ablassen. Wir bitten Sie daher dringend, Hilfesuchende an den Thüren, namentlich jugendliche und arbeitskräftige Hausirer, nur dann zu berücksichtigen, wenn Sie sich vorher über deren Verhältnisse und Würdigkeit bei den Unterzeichneten Mitgliedern des Komitees unterrichtet haben. Zugleich dürfen wir die zuversichtliche Hoffnung aussprechen, daß unsere Gemeindeniitglieder, besonders die Inhaber größerer Betriebe durch Mittheilung freiwerdender Arbeitsstellen in ihren Betrieben uns in der Durchführung unseres Programms unterstützen. Auf diese Hilfe der Arbeitgeber müssen — und dürfen wir hoffentlich — unter allen Umständen rechnen. Sie ist die unerläßliche Vorbedingung für die Erfüllung unserer Aufgabe, eine Aufgabe, an der rnitzuarbeiten die Pflicht jedes einzelnen Juden ist im Interesse der gesummten Judenheit." Wir wünschen dem Komitee von Herzen eine erfolg- und segensreiche Thätigkeit. -Aff München, 22. April. Die Verwaltung der israelitischen Kultnsgemeinde veröffentlicht den Bericht über dieWoh lthä tigkeitSpflege sür das Jahr 1900. Gleichzeitig machr sie Mittheilung über den Stand der hiesigen Waisenstiftung und knüpft daran einige Bemerkungen über das gemeindliche Stiftungswesen für das abgelanfene Jahr. Auch im verflossenen Jahre sind an die israelitische Wohlthätigkeitskasse bedeutende Anforderungen gestellt worden. Dieser Umstand sowie die Thatsache, daß das Bestehen dieser Einrichtung