Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-05-03 · Heft 18 (3.5.1901) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 18 (3.5.1901)
Date
1901-05-03
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3228419-3228438--57520-3293900
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Leriin, 3. Mai 1901. 65. Ichrgang. m. 18. HSeikcrge zur „Allgemeinen Weitung des IuöentHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 22 Berlin, 28. April. Von den Mittheilnngen des „Liberalen Vereins für die Angelegenheiten d er jüdis chen Gem ei n de zu Berlin" ist soeben die Doppelnumrner 11/12 erschienen, die einen sehr reichen Inhalt hat. Voran geht der Vortrag des Iustizraths Breslauer über die letzten Judendebatten im Abgeordnetenhaus, den wir an anderer Stelle besprochen haben. Es folgt ein Referat des Sanitätsraths Wiesenthal über die bevorstehenden Repräsentantenwahlen, in dem die Prinzipien der liberalen Richtung frei und sachgemäß dargelegt werden, und zum Schluß ein (warum anonymes?) Referat über die Frage des Sonntagsgottesdienstes. Es ist dringend zu wünschen, daß Alle, die eine liberale Entwicklung innerhalb unserer Gemeinde anstreben und fördern wollen, sich im Hinblick auf die Ende dieses Jahres bevorstehenden Repräsentantenwahlen diesem Verein airschließen. Beitrittserklärungen nimmt Herr Jnstizrath Breslauer, Kaiser Wilhelmstr. 3, entgegen. §2 Berlin, 29. April. Vor uns liegt ein große Anzahl von Berichten über jüdische Neligionsschnlen aus allen Theileu Deutschlands. Wir beginnen mit dem 34. Bericht der Shnagogeugerneinde Königsberg i. Pr., erstattet von dem Dirigenten Rabbiner Dr. Vogel st ei in Voran geht ein lesenswerther Aufsatz von Rabbiner Dr. Perles: „Das Judenthum eine Religion der Schule." Dem Schulberichte entnehmen wir, daß die Zahl der Knaben, die an dem Unterricht theilnehmen. in beständigem Wachsen begriffen, die der Mädchen stabil geblieben, und die Theiluahme am christlichen Religionsunterricht bis auf sieben im Sommer des Berichtsjahres zurückgegaugen ist. Als Lehrer wurde Herr Siegmund Samuel neu augestellt; das Schuljahr wurde mit 400 Schülern (269 Knaben und 131 Mädchen) abgeschlossen. — Der 58. Jahresbericht der Gemeindereligionsnnterrichtsanstalt in Breslau, erstattet von Rabbiner Dr. Guttmann, enthält ein Geleitswort ans der Feder des Dirigenten. Die Anzahl der Zöglinge betrug 526 (323 Knaben, 203 Mädchen). Das Lehrerkollegium besteht allster dem Dirigenten ans den Herren Rabbiner F. Schönseld, Dr. Dienemann, Sachs, M oops. — Der 51. Jahresbericht der Religionsunterrichtsanstalt I der Synagogengemeinde Breslan wird von Rabbiner Dr. Rosenthal gegeben. An der Anstalt wirken Herr A. Berlinger, Rabbiner Dr. I. Deutsch und der Dirigent. Sie wird von 398 Kindern (252 Knaben, 146 Mädchen) besucht. — Dem Jahresbericht der Neligionsschule in Hannover geht ein lesenswerther Aussatz über die Aufgaben der Religionsschulen der Gegenwart aus der Feder des Dirigenten, Direktor Dr. L. Kn oller, voran. Die Schülerzahl betrug 146 (75 Knaben, 71 Mädchen). In einem Vorwort werden die Verdienste des Herrn Dr. K. um die Anstalt von dem Schulvorstand eingehend gewürdigt. Der Bericht über die Jacobso n-Schule zu Seesen zeigt uns das alte nnd bewährte Institut immer ans gleicher Höhe. Das Programm des Philantropin in Frankfurt a. M. wird zum ersten Male von Direktor Dr. Adler herausgegeben, der mit Beginn des Jahres 1900 die Allstalt übernommen und diese sicher in gedeihlicher Weise fortführen wird. Die Realschule wird von 208 Knaben besucht, die Mädchenschule von 156 Mädchen. Das Statut der Anstalt ist revidirt worden und hat nun die Bestätigung des Gemeindevorstandes und des Provinzialschnlkollegiums gefunden. — Die Einladungsschrift zur öffentlichen Prüfung der israelitischen Schule zu Frankfurt a. M. berichtet uns, daß in den verschiedenen Anstalten 560 Schüler und Schülerinnen unterrichtet wurden. Die Neligionsschule besteht aus zwei Anstalten und einer Vorbereitrmgsklasse für deu Rabbinerberuf. Ferner wird in drei Glimnasien und in einer Bürgerschule Unterricht ertheilt. Der Leiter der Schule ist Rabbiner Dr. Horovitz, dessen Rede zur Erinnerung an den Hauptwohlthäter der Anstalt, deu Freiherr» Wilhelm von Rothschild, den Schluß des Programms bildet. 22 Berlin, 29. April. Der Bericht des Vereins jüdischer Studenten kann mit vollem Rechte das abgelansene Semester als ein mit Ersolgen reich gesegnetes bezeichnen. Schon äußerlich repräseutirte es sich als solches durch den Umstand, dost der Verein in ihm über eine Mitgliederzahl verfügte, wie er selber sie bis jetzt bei weitem noch nicht erreicht halte, und wie sie überhaupt nur sehr wenige studentische Vereine aufzuweisen haben. Das Leben innerhalb des Vereins, die Arbeit an der Heranbildung nnd Fortentwicklung der Mitglieder sowie die agitatorische Thätigkeit nach außen hin gestalteten sich überaus rege. Es wurden folgende Vorträge gehalten: Pelz. Messianische Bewegungen im Mittelalter; Grünberg, Jargon-Sprichwörter; Eschelbacher, Leopold Kompert; Lebowitz, Die Entwicklung des synagogalen Gesanges; Hecker. Nationalismus im Judenthume; Bnber, Jüdische Renaissance; Dr. H. Loowe in Charlottenbnrg, lieber Prähistorisches der jüdischer! Geschichte, Formen der hebräischen Poesie, lieber Bibelkritik; und Cohn, Jesajas. Außerdem wurde beschlossen, einen obligatorischen Kurs der jüdischen Geschichte unter Leitung eines außerhalb des Vereins stehenden Lehrers eiuznführen nnd die Vorträge während des wissenschaftlichen Theils der Vereinsabende von älteren Mitgliedern, besonders aber von dem Vereine nicht ungehörigen, zu diesem Zweck gewonnenen Autoritäten abhalten zu lassen. Außer den Vorträgen sollen Rezitationen nnd Vorlesungen ans modernen jüdischen Werken gepflegt werden. In diesem Semester wurde auch die beschlossene. Gründung einer Vereinsbibliothek in Angriff genommen. Ans die körperliche Ausbildung wurde wie stets das größte Gewicht gelegt. Es wurde eisrig geturnt und gefachten und straffe Disziplin gehalten. Neben der inneren Arbeit bot das vorige Semester reichlich Gelegenheit, nach außen hervorzntreten und die Ideen des Vereins in der Oeffentlichkeit zu verfechten. Von großer Bedeutung war der erste Kartelltag der vier Vereine Jüdischer Studenten, der am 15. bis 20. Januar hier tagte und von den Delegirten und zahlreichen Mitgliedern der Vereine München. Breslan. Leipzig besucht war. Auf ihm wurden die Statuten des neuen Verbandes, der sich unter dem Namen „Bund Jüdischer Corporationen" (B. I. C.) organisirte, sestgesetzt, ein einheitliches Arbeitsprogramm für die Vereine des Bundes geschaffen, und das Verhältniß der Kartellvereine nnd Kartellbrüder untereinander festgelegt. Berlin, 28. April. Zn uuserm Bericht in Nummer 16 dieses Blattes über die Generalversammlung des Vereins Freunde der Taubstummen sei hier nachträglich als Ergänzung angeführt, daß in der betreffenden Generalversammlung auch Herr Ludwig Gnmpertz einstimmig in den Vorstand gewählt worden ist. Durch ein Versehen des Referenten ist dieser Name weggeblleben. —6. Berlin, 25. April. Dem Bauunglück. welches sich am vorigen Sonnabend in der Klosterstraße ereignet hat, ist ein blühendes junges Mädchen, Nosa Herrmann, Tochter des Agenten S. Herrmann, früher in Liegnitz, zmn Opfer gefallen. In weiten Kreisen der Gemeinde hat der jähe Tod dieses jungen Mädchens, welches auch stets ein warmes Herz sür das Judenthnin hatte, die innigste Theilnahme erweckt. Das bezeugte die rege Betheiligung bei der Leichenfeier, welche heute auf dem Friedhofe in Weißensee stattfand. Rabbiner Dr. Weisse hielt eine ergreifende Trauerrede. — Gott tröste die tiefgebeugten Eltern nnd Geschwister! L2 Berlin, 30. April. Die Ka ntoreu schule des Herrn Direktor A. Frommermann entwickelt sich in gedeihlicher Weise. Ihr Hauptzweck ist, durch ein geregeltes, gründliches Studium auch den Kantor endlich in den Stand zu setzen, ein öffentliches Examen absolviren zu können. Der Unterricht erstreckt sich ans: 1. Hebräisch: Lesen. Grammatik, Uebersetzen, sowie Keuntniß der Ritnalvorschrift. 2. Musik: Stimmbildung. Theorie, Notenlesen, Klavier, Chorleituug, Rezitiren und Vortrag. 3. Ausbildung als Mohel und Schochet. 4. Vorlesungen über jüdische Geschichte, Musikgeschichte, Liturgie, Homiletik rc. Um auch mittellosen aber begabten Herren die Ausbildung bezw.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.