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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-05-03 · Heft 18 (3.5.1901) · p. Seite 215

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 18 (3.5.1901)
Date
1901-05-03
Page
Seite 215 (sequence 13)
Language
German
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21L Steh ans!" gebot der Großfürst, „und laß das Winseln, Dn kannst's nicht mehr ungeschehen machen, der wüste König hat nnn einmal Deinem Kinde die Ehre geraubt, aber rächen, Salomon, rächen könntest Du die Schmach, die Euch der Verhaßte zugesügt..." „Sagt, redet," kreischte der Jude, und seine Augen glühten ans in wilder Rachelust. „Ich will alles thun, alles, alles sollt ihr bekommen, aber helft mir, ihn zu vernichten, den Bösewicht. Oh! Ich Unglücklicher!" „Nun siehst Du wohl ein, Salomon," begann Jseslav von Neuem, „wie gut wir es mit Dir meinen. Und jetzt, da Du so klug bist, uns mit Allem zu versorgen, jetzt sollst Dn auch erfahren, wozu wir Dein Geld benöthigeu." Und in knappen, klaren Worten, in kluger, wohlgesetzter Rede enthüllte er dem mit allen Sinnen anfhorchendeu Juden seinen Plan. Er vergaß iu seiner Rachgier jede Vorsicht, so daß sich seine Stimme steigerte zu lauter Rede. Da ertönte Plötzlich von unten herauf ein Geräusch. Erschreckt waren die Drei zusammengezuckt — dann siel dröhnend die Hansthür ins Schloß. „Es ist meine Tochter, die heimkehrt." Und laut weinend stürzte Salomon zu Boden. (Forts, folgt.) Eine Erinnerung an die Königin Viktoria. Von Jettka Finkenstei», Kammersängerin. n einem Apriltage im Jahre 1890, als ich noch Hosopernsängerin in Darmstadt war, ließ sich der Hofkapellmeister zu einer so ungewohnten Zeit am frühen Morgen bei mir melden, daß ich ihn ganz verwundert empfing. „Sie sind heute Abend zum Hvskonzert befohlen und sollen vor Ihrer Majestät der Königin von England und den anderen Herrschaften singen," brachte er in größter Eile hervor. Ich war perplex, daß ich so ohne Weiteres, von Morgen auf Abend, als Konzertsängerin vor diesen Kreis treten sollte. Jndeß gewann das Gefühl der Genugthuung alsbald die Oberhand, und schleunigst wurde das Programm entworfen, wobei Mendelssohn, mit welchem die Königin in ihrer Jugend ost mnsizirt haben soll, in erster Reihe berücksichtigt wurde. Die Hauptprobe für das Orchester und die Solisten fand im Saale des Großherzoglichen Palais um 12 Uhr Mittags statt. Ab und zu erschienen die Mitglieder der Großhcrzoglichcu Familie, und als ich mit meinen Liedern begann, traten der Grvßherzog, an seinem Arm die liebreizende Prinzessin Alix, jetzige Kaiserin von Rußland, in den Saal und unterhielten sich während den Pausen mit den Künstlern. Am Abend wurde ich von einer Hofeguipage abgeholt, und klopfenden Herzens betrat ich nach dem ersten Orchestersatz den Saal. In der ersten Befangenheit sah ich nichts als das Flimmern und Glänzen der Kerzen, der Uniformen und dergl. Erst nach und nach kam etwas Ruhe über mich und nach der üblichen Verneigung erblickte ich in der ersten Reihe ein freundliches Gesicht, das der Königin von England. Sie trug ein schwarzes Sainmetkleid, und ein weißes Spitzenhäubchen umrahmte ihr Gesicht, das ihrem Aeußern etwas Schlichtes, Einfaches verlieh. Der Königin zur rechten Seite saß der Großherzog von Hessen, Prinz Heinrich von Battenberg, links die Prinzessin Beatrix, die Herzogin voll Rutland. Von freundlicheil Blicken der glänzenden Versammlung ermuthigt, sang ich meine Lieder. Die Königin gab am Schluß der Gesänge stets das Zeichen zum Beifall. Während einer kleinen Pause erschien der Großherzog im Nebensalon, und sagte mir in seiner gütigen und wohlwollenden Weise, wie sehr der Königin und auch der Kaiserin Friedrich, die in ihrer tiefen Trauer zwar nicht im Saale anwesend war, aber in einem Nebensaal zuhörte, meine Vorträge gefallen hätten. Am Schluß des Konzertes, als ich eben im Begriff stand, mich für die Heimfahrt zu rüsten, erschien nochmals der Großherzog und rief mir eilig die Worte zu: „Rasch, rasch, Fräulein F., die Königin will Sie sprechen". Ich eilte in den Saal und hörte mit herzlicher Freude die gütigen Worte der Monarchin: „Gott erhalte Ihre schöne Stimme, damit Sie noch viele Menschen erfreuen können."- Kurze Zeit später erfuhr ich, daß die Königin mich nicht vergessen hatte, denn ich wurde oommancl ok tbo <bu'<n" am 25. Juni nach London zum State-lcon/.ei t eingeladen. Das Ltkcke-Konxsrt und der Ltute-Iiall bilden in London den Höhepunkt und den Glanz der königlichen Veranstaltungen innerhalb einer season, die Anfangs Mai mit Eröffnung des Parlaments beginnt und Ende Juli mit den Cooclwocxl-Renneu schließt. Nie werde ich das glanzvolle Bild vergessen, das sich nur an jenem Abend im Musiksaal des Buckingham-Palace darbot. Die scharlachrothen Uniformen der Hofwürdenträger und die malerischen Trachten der exotischen Fürsten und Gesandten aus aller Herren Ländern bildeten einen wunderbaren Kontrast zu den vrdenbesäten Fracks der Kavaliere und den weißen und bnntfarbigen Seidenroben der Damen, deren Ueberfülle von Geschmeide ein wahres Brillautfeuer ausstrahlte. Plötzlich eine Bewegung des Ceremonienmeisters! Er stößt den langen Stab dreimal auf die Erde, als Zeichen, daß der Hof erscheint. Das lebhafte Gesumme verstummt und ein tiefes Verneigen der Anwesenden beginnt, das sich so lange fortsetzt, bis die königlichen Herrschaften zu ihren Sitzen gelangt sind. Ein Zeichen des Musikdirektors Mr. C. und das Orchester begann. Ein nicht allzu langes Programm, welches fast nur Gesangspieceu enthielt, wurde in circa fünf viertel Stunden absolvirt. Den Schluß des Konzertes bildete die Nationalhymne „6ocl «uv« tlle tzueen", welche von Solisten und Chor mit Begleitung des Orchesters gesungen wurde. Nach dem Konzert begaben sich der Prinz und die Prinzessin von Wales, vom Hofstaat begleitet, iu den Saal, da und dort einzelne Persönlichkeiten und Gruppen durch Ansprachen auszeichuend, bis schließlich der Weg zum Podium der Künstler führte. Ich hatte das Glück, von dem priuzlichen Paare in ein längeres Gespräch gezogen zu werden, wobei sich die Herrschaften der deutschen Sprache bedienten. Die Anmuth der Prinzessin entzückte mich ebenso sehr, wie die Liebenswürdigkeit des Thronfolgers. Nach einer glänzenden Bewirthung verließen wir Künstler den gastlichen Buckingham Palace. Einige Tage später erhielt ich von dem Privatsekretär der Königin aus Windsor die Mittheilung, daß ich am 7. Juli zu einem Nachmittags-Konzert im Kreise der königlichen Familie geladen sei. „Die Königin wünscht," so schrieb Dir. M., „daß Sie drei Piöcen singen, darunter vielleicht das Lied „Mach' ans", das Sie in Darmstadt sangen."

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