Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 17 (26.4.1901)
- Date
- 1901-04-26
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
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2 thatigkeit schilderte. Hieraus wurde ein von dem bekannten Dichter des Vereins. Herrn Arnold Fischer, verfaßtes Lied von der Versammlung gesungen, welches den Jubilar zu Thränen rührte. In derselben Stimmung, sichtbar bewegt, sprach Heskel seinen ehemaligen Schülern und Verehrern seinen tiefgefühltesten Dank aus. Wiederum wurde von Oberkantor Friedmann mit großer Virtuosität das „Gebet" von Emanuel Geibel gesungen, welches Musikdirektor Beer auf dem Harmonium begleitete. Herr Loewinthal toastete auf die Knabenschule, woraus Dr. Holzman in seiner wohldurchdachten Gegenrede auf den Verein und seine Bedeutung, welche derselbe in der kurzen Zeit seines Bestehens erreicht, toastete. Prof. Lewin toastete als ehemaliger Schüler, ans seinen früheren Achrer Herrn Heskel in dankbaren Worten. Als Vertreter des Nabbinals dankte Nabbiller Dr. Weiße für die Einladung seitens des Vereins zu dieser Feier und sprach über die Bedeutung der besonderen Stellung, welche die Lehrer, speziell der Jubilar, zu den Rabbinern der Gemeinde einnehlnen. Sein Toast galt ganz besonders dem Lehrerstand. Den Reigen der offiziellen Feier, welche lange bis nach Mitternacht währte, schloß Dr. Lachmann mit einem Dank an alle Festtheilnehmer. 8. Berlin, 21. April. Der I s r a e l i t i s ch e F o r t b i l d u n g s - verein Montefiore hielt kindlich seine ordentliche Generalversammlung ab. iil welcher der bisherige Vorstand einstimmig wiedergewählt wurde, und zwar die Herren Dr. Nathan Moses zum Vorsitzenden. Louis Lewh und Richard Neuseld zu Schriftführern, Hermann Keßler zum Kassner und Hermann Struck zum Bibliothekar. Dieser wackere Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, jungen Leuten ans allen Bernsen und Ständen nach des Tages Mühen ein Heil« zu bieten, wo sie. durch Vorträge angeregt, sich der Fortbildung in Thora und jüdischer Wissenschaft widmen können, hat sich ans bescheidenen Anfängen heraus mehr und mehr zu einer Stellung durchgerungen. welche ihm die Achtung und Beachtung weiterer Kreise sichert. Als besonders erfreuliches Moment ist hervorznheben, daß es dem Verein in dem abgelanfeneu Vereinsjahre gelungen ist, zu seinen Mitgliedern ans den praktischen Berufen (Kauslente rc.). auch solche ans akademischen und verwandten Kreisen zu erwerben. Die Zahl der ordent» liehen Mitglieder beträgt zur Zeit 73. die der Gönner 17. Der Lehrplan für das bevorstehende Svmmerhalbjahr setzt sich wie folgt zusammen: Dienstag Abend 9 bis 10 Uhr Herr Dr. Ed. Biberseld: Chaje Odom; Sonnabend Nachmittag 3'/2 bis 4V? Uhr Herr Rabbiner Dr. E. Munk: Besprechung eines Themas ans dem Wochenabschnitte oder der Haftora. Das Vereinslokal befindet sich Spandanerbrücke 6. Hof links 1 Tr., und sind Gäste jederzeit willkommen. Eine reichhaltige, gut ausgewählte Bibliothek sowie diverse jüdische Zeitungen stehen zur Verfügung. Könitz, 19. April. Das Meiueidsverfahren gegen den Syuagogeudiener N o s sek hier und gegen den Fleischermeister E i se nst ä d t in Prechlau ist nun auch von der Staatsanwaltschaft eingestellt worden. — Der im Oktober v. I. vom Schwurgericht zu Könitz wegen wissentlichen Meineids zu einem Jahre Zuchthaus vernrtheilte Kaufmann Jakob Jacob y aus Tuchel ist vom Kaiser zu sechs Monaten Gesängniß begnadigt worden. Auch sind ihm die aberkannt gewesenen bürgerlichen Ehrenrechte wieder Anerkannt worden. Kaufmann Jacoby war von halbwüchsigen Burschen durch „Hepp-Hepp"-Rnse belästigt worden und soll dabei seinem Unwillen durch Worte wie „Lorbaß" u. s. w. Ausdruck verliehen haben. In einem Strafverfahren gegen die jugendlichen „Hepp- Hepp-Nnfer" hat Jacobh als Zeuge diese seine Aeußerungen eidlich in Abrede gestellt. Dies hatte dann die Einleitung eines Strafverfahrens gegen Jacoby wegen Meineids zur Folge, das mit seiner Verurtheilnng zu einem Jahre Zuchthaus endete. — Das Komitee für eindem erin o rd e t e n W i n t e r zu errichtendes Denkmal beklagt es in einem neuen Sammelanfruf, daß bisher nur 400 Mark „zu einem würdigen Grabstein snr den durch einen Schächtschnitt getödteten Ernst Winter" zusanunengekomnien seien. Es fehle dazu noch viel Geld. Deshalb sollen die antisemitischen Freunde des Schatzmeisters des Komitees „recht kräftig in die Tasche greifen", denn man will im bevorstehenden Sommer am Begräbnißtage des Ernst Winter den Grabstein setzen lassen: „Den Mördern zur Warnung — den Christen zur Wahrung ihrer theuersten Güter!" Daß die in den bisherigen Prozessen abgegebenen medizinischen Gutachten der Annahme eines „Schächtschnittes" entgegenstehen, braucht man ja zur „Wahrung der theuersten Güter der Christen", zu denen hellsehende Christen doch auch die Wahrheit rechnen, nicht zu verrathen. X Nosenberg, 15. April. Vor der Strafkammer hatte sich am Sonnabend der Kultnsbeamte Lewithan aus Riesenburg zu verantworten, der beschuldigt war, dadurch öffentliches Aergeruiß erregt zu haben, daß er bei seinen Amtshandlungen, insbesondere bei Begräbnissen, einen Talar trug, der in Schnitt und Aussehen dem eines evangelischen Pfarrers ähnlich war. Er war deshalb in eine Polizeistrase genommen worden, gegen die er jedoch Widerspruch erhoben hatte. Das Schöffengericht zu Riesenburg hatte ihn freigesprochen doch hatte die Amtsauwaltschast gegen dieses Urtheil Berufung ein gelegt. Die Strafkammer erkannte auf Verwerfung der Be ru filii g. In der Urteilsbegründung wurde hervorgehoben, best Geistliche als Beamte im Sinne des Gesetzes nicht angesehen werde; können, und daß mithin bei ihnen von einer Amtstrachtim gesetzliche; Sinne nicht gesprochen werden kann. Alls einer königlichen Beiordnung vom 23. November 1864 geht hervor, daß von der evangelischen Geistlichen ein Talar mit Stehkragen getragen werde,: soll. Wie jedoch ein als Zeuge vorgeladener evangelischer Pfarre beklludete, wird von den meisten evangelischen Geistlichen der Provin ein Talar mit Klappkragen getragen. Es könne somit dem An geklagten nicht der Vorwurf gemacht werden, daß er absichtlich eine; Talar getragen habe, der dem des evangelischen Geistlichen ähnlni sehe. Auch bekundete der Angeklagte, daß er den Tatar nicht etlm aus einem Geschäfte als den eines evangelischen Geistlichen gekaut habe, sondern daß der Talar nach einem besonderen Muster gearbeite sei. Wie aus einigen vorgelegten Photographien ersichtlich ist, wir über dein Talar noch ein Gebetsmantel getragen. Wenn auch da Barett mit dem eines evangelischen Geistlichen übereinstimint, se fehlen doch au dein Talar wiederum als charakteristisches Merkmal di sogenannten Bäffchen. Alls den angeführten Gründen kam de. Gerichtshof zn der Ueberzenguug. das; eine Verwechselung der beiden Anltstrachten wohl ausgeschlossen ist. Der Staatsanwalt selbst kam zu der Ueberzengung, daß das Gericht nach Lage der Sache zur Ire sprechuug kommen müsse. Die Sache ist natürlich von prinzipielle Bedeutung. Magdeburg, 19. April. Der Verwaltungsbericht des Vo standes unserer Synagogengemeinde für die Jahre 1897 bis einschließlich 1900 ist soeben erschienen. Voran geht ein Nachruf auf de kürzlich verstorbenen Simon Singer, der fast drei Jahrzehn. hindurch sich um die Entwicklung der Gemeinde große Verdien! erworben hat. Daun folgt ein Rückblick aus die Geschichte der Gemeind, religionsschule, der ersten dieses Namens, die seit dem Jahre 18besteht und von Ludwig Philippson s. A. begründet wurde. S wird gegenwärtig von 173 Kindern (93 Knaben und 80 Mädche, besucht. Der Dirigent der Schule ist Herr Dr. Nahmer, von dem auch der Rückblick erstattet ist; ihm folgen statistische Angaben übm Eheschließungen, Geburten und Sterbefälle und dann eine Chrom aller Gemeindeangelegenheiten bis zum 2. Dezember 1900, also bi zu dem Tage, an welchen, die Büste Ludwig Philippsolls unter b sonderen Feierlichkeiten im Gemeindehause ausgestellt wurde; Hiera : schließt sich ein Bericht über die Einweihung der neu renovirte Synagoge und des neuen Schulgebäudes und Gemeindehauses dm einen Iestgottesdienst. Der Etat der Synagogengemeiude balancim im Jahre 1900 mit 37 065 Mark, die von 575 beitragspflichtigen VH gliedern aufgebracht wurden. Außerdem besitzt die Gemeinde fn ' Hilfsvereine und sechs milde Stiftungen mit allsehnlichem Vermöge Der ganze Bericht zeigt einen erfreulichen Aufschwung dieser Gemeind 1^. Hannover, 23. April. In meinem letzten Bericht erwähn ich. daß ca. 100 Kinder ohne Religionsunterricht gebliebm waren. Es handelte sich übrigens hierbei um Kinder der ersten Schn - jahre, und es war zu erwarten, daß dieselben bei vorgerücktere; Alter dem Religionsunterrichte Angeführt worden wären. Durch d energische Vorgehen des Schulvorstandes, besonders des Herrn Lau rabbiner Dr. Gronemann ist die Zahl ganz erheblich znrückgegange und es ist in kürzester Zeit zu erwarten, daß kein jüdisches Kind i; der Gemeinde Hannover ohne Religionsunterricht zu finden sein wir Die Behörden unterstützen den Herrn Landrabbiner in der zuvo - kommendsten Weise. Durch Verfügungen der königlichen Negierung in den Jahren 1893 und 1894 wurde bestimmt, daß der privat