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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-04-19 · Heft 16 (19.4.1901) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 16 (19.4.1901)
Date
1901-04-19
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 Generalversammlung am 27. Mai v. I. eine Anzahl von Mitgliedern den Alltrag gestellt hatte, die Gesellschaft mit dem Verein Lehrlingsheim Pankow zn verschmelzen. Der Antrag wurde damals nach langer Debatte von der Tagesordnung abgesetzt und hatte zur Folge, daß sechs bewährte Mitglieder des Vorstandes der Gesellschaft, die Herren Joseph Fränkel. Julius Bodenstein, N. Voll. Eugen Caspaiy, D. Feilchenfeld und M. Trenherz ihre Aemter niederlegten, und in einer außerordentlichen Generalversammlung am 11. November v. I. Ergänznngswahlen vorgenommen werden mußten. Indessen ist, den Bestimmungen der Statuten gemäß, schon vor dem 15. Dezember von Oberlehrer Dr. Schäfer der Antrag aus Verschmelzung der Gesellschaft mit dem Verein Lehrlingsheim Pankow anfs Nene eingebracht worden und in der Generalversammlung am 7. d.M.mit folgendem Amendement nach langer Debatte für und wider den Antrag zur Abstimmung gelangt. Die Generalversammlung möge beschließen, den Vorstand der Gesellschaft zu ersuchen, 1. drei Mitglieder ans seiner Mitte zu delegiren, 2. drei Mitglieder ans den Mitgliedern der Gesellschaft zn wählen und zugleich deu Vorstand des Vereins Lehrlingsheim Pankow zur Delegirung voll drei Mitgliedern anfznfordern, welche neun Herren zn einer Kommission zusammentreten sollen, um zu berathen, ans welche Weise eine engere Verbindung zwischen den beiden Vereinelt herbeizufnhren sei und das Ergebniß der Berathung in einer zwischen dem 1. bis 15. November d. I. einzuberusenden außerordentlichen Generalversammlung zur Beschlußfassung ans die Tagesordnung zu stellen. Die erstell sechs Herren sollen zugleich über Abänderung des Statuts, das auch vom Vorstandstisch aus als nicht mehr zeitgemäß anerkannt wurde, berathell und nach Genehmigung des neuen Statuts in der küustigeu Generalversammlung für die Eintragung der Gesellschaft in das Vereinsregister sorgen. — Der Antrag wurde mit 20 gegen 14 Stimmen angenommen. Als Delegirte in die Kommission sind ans der Mitte der Gesellschaftsmitglieder die Herrelt I. Grnnwald- Oscar Nathenau und Oberlehrer Dr. Schäfer gewühlt worden. Wir sreuen uns, daß der Antrag Schäfer zur Annahme gelangt ist und sprechet: den Wunsch und die Hoffnung aus: Möge es der Kommission null gelingen, eine Verbindung zwischen den beiden Institutionen, die berufen sind, das Wohl jüdischer Jünglinge, die sich dem Handwerk widmen, zu fördern, herbeiznführen. um in beiden Lagern eilte gedeihliche Wirksamkeit zu ermöglichen. Berlin, 15. April. Gestern fand im Saale des Brüdervereins die diesjährige ordentliche Generalversammlung des Vereins „Freunde der Taubstummen" statt. Der Vorsitzende, Geheimer Sanitätsrath Dr. Boas, eröffnet die Sitzung und gedenkt vor Eintritt in die Tagesordnung mit warmempfundenen Worten des Heimgegangenen Freundes und langjährigen erstell Vorsitzenden des Vereins, Geheimrath Dr. Marcnse, und fordert die Anwesenden auf. das Andenken dieses im vollsten Sinne des Wortes edlen Mannes durch Erheben voll den Sitzen zu ehren. Hierauf erstattet Direktor M. Reich deu Bericht über die Thätigkeit des Vereins im abgelaufenen Geschäftsjahr. Es wurdet» 40 Zöglinge, 23 Knaben und 17 Mädchen, ill der nunmehr seit zehn Jahren in Weißensee bei Berlin bestehenden Anstalt erzogen und von vier Lehrern und einer Erzieherin in getrennten Klassen nach einem vom Provinzialschulkolleginm genehmigten Lehrplan unterrichtet. Gegenwärtig ist die Zahl der Zöglinge um vier gestiegen. Die Jahresbeiträge haben die Summe von 12 631 Mark erreicht; an einmaligen Beiträgen gingen 8518 Mark ein und von acht Persollen ist die immerwährende Mitgliedschaft mit 950 Mark erworben worden. Das Interesse für den Verein wächst mit den erzielten Erfolgen der Anstalt, und es ist zn hoffen, daß unsere Glaubensgenossen den segensreich wirkenden Verein auch fernerhin kräftig unterstützen werden. Alsdann beantragt der Vorstand, den verstorbenen Gehennrath Dr. Marcnse und I. Blumenthal sowie deu um den Verein hochverdienten anwesenden Herrn B. Behrens die immenvahrende Mitgliedschaft zu ertheilen, welcher Alltrag einstimmig angenommen wird. Hieraus verliest Herr Heinrich Frankel den Kassenbericht und beantragt die Entlastung für den Schatzmeister, die einstimmig erfolgt. Nach Festsetzung des Etats für 1901 mit 30 050 M. in Einnahmen und Ausgaben erfolgt per Akklamation die Wiederwahl der in diesem Jahre ausscheidenden Vorstandsmitglieder Rabbiner Dr. Maybaum und Joseph Fränkel-Berlin, M. Apelt-Halle und Alphons Jacobson-Leipzig sowie die Neuwahl des Herrn H. Dessau in Frcmksurt a. M. an Stelle des Herrn M. I. Metzger dortselbst. Ebenso erfolgt per Akklamation die Wiederwahl der Revisoren Heinrich Fränkel, Oskar Berlin und Oskar Rathenan. Beim letzten Punkt der Tagesordnung. Vereinsangelegenheiten, regt Herr W. Löwenthal an, durch die Presse daraus hinzuwirken, daß unsere Glaubensgenossen in Rußland' doch endlich an die Gründung einer eigenen Taubstummenanstalt Herangehen möchten, da nach den Statuten des Vereins die Aufnahme ausländischer Kinder in der Anstalt unzulässig ist und infolge dessen die von dort einlansenden zahlreichen Gesuche unberücksichtigt bleiben müssen. Indem wir uns der Allregung des Herrn Löwenthal gern entschließen, können wir nicht umhin, die bei dieser Gelegenheit von einem Mitglied des Vereins gemachte abfällige Bemerkung über die russischen Inden im Allgemeinen mit aller Entschiedenheit zurückzuweisen. Die russischen Juden habeit für die Verbreitung des Deutschthums im Osten mehr gewirkt, als mancher deutsche Jude sich träumen läßt und die russischen Inden sind ebensowenig ans lauter Schnorrern wie die deutschen Inden aus lauter Millionären zusammengesetzt. x. Pankow, 12. April. Dank dem liebenswürdigen Entgegenkommen des Kuratoriums des L e hrl i n g sh ei m s Pankow findet regelmäßig an Sonnabenden und Festtagen in der Aula des Lehrlings- Heims Gottesdienst statt, der von dein seit sechs Jahren hier bestehenden Neligionsverein „Agudath Achim" geleitet wird. Den Zöglingen des Lehrlingsheims ist dadurch Gelegenheit geboten, alt den gottesdienstlichen Veranstaltungen Theil zn nehmen. Am achten Tage des Pessachsestes wohnte dem Gottesdienste auch ein Mitglied des Ktkratorillms bei. und wurde bei dieser Gelegenheit für den erkrankteil Kommerzienrath Bernhard Löser ill Anbetracht seiner Verdienste um die Allstalt ein Bittgebet verrichtet. Eitlem Wunsche des Kuratoriums entsprechend erfolgt jedesmal bei dev Seeleufeier die Verlesung der Namen derjenigen verstorbenen Mitglieder des Vereins, die ihr Interesse für die Existenz des Lehrlingsheims durch wohlthätige Handlungen bekundet haben. Olt. Thorn, 9. April. Am 4. d. M. starb plötzlich in der Synagoge kurz vor Beginn des Gottesdienstes der allverehrte Vorsitzende des Vorstandes der Syuagogengemeinde, Nathan Leiser, im ^.Lebensjahre. Er widmete seine Kräfte fast 50 Jahre der hiesigen Synagogengemeinde und stand dem Präsidium des Vorstandes 25 Jahre vor. Nur solch einem Manne l-ar es möglich, den verschiedenen Schattirnngen innerhalb unserer Gemeinde Rechnung zu tragen; obwohl ans streng orthodoxem Boden stehend, besaß er Geschmack und Verständniß für Verschönerung des Gottesdienstes und Einfühlung anderer Kultnssormelt, ulld ist wohl nicht zum mindesten seinem Einflüsse die Einrichtung eines seit Jahren hier bestehenden Synagogenchores zuznschreiben. Die Blüthe der Gemeinde, die Einheit und der Frieden, hauptsächlich wohl auch die Entwicklung ihrer Institutionen, das Gedeihen des Religionsunterrichtes sind nicht zu unterschätzende Resultate seilles emsigen Schaffens. Diese bei ihm hervortretenden Eigenschaften wußten seine Kollegen in beiden Körperschaften Wohl zn würdigen. Bei wichtigen Berathnngen verkehrte er mit ihnen nicht als Vorsitzender, sondern als Beisitzer. Er berieth mit ihnen das Wohl der Gemeinde nicht in jenem kalten und amtlichen Tone, sondern in freundschaftlicher Weise. Unzählig waren die Wohlthaten, die aus seiner Hand flössen, es war jene echte und rechte Wohlthätigkeit, denl Menschenauge entzogen, die er den verschämten Armen znwendete. Die Leichenfeierlichkeit, zn der sich eine große Menschenmenge von Nah und Fern aus allen Schichtelt der Konfessionen eingestellt hatte, fand Sonntag, den 7. d. M., statt. Ill der Behausung widmete der Herr Nabbiller Dr. Rosenberg dem Verschiedenen einige Abschiedsworte und sprach den Wunsch aus, daß das Haus desselben in dem gleichen Geiste weitergeführt werde, zu dem es der Verewigte stets bestimmt hat. Hierauf ergriff Herr D. Wolfs das Wort und dankte inl Namen des Vorstandes feinem entschlafenen Amtsbruder für die Mühewaltung, mit der er die Gemeindeinteressen versehen hatte, ulld betheuet Le, die Knllnseinrichtungen in dem Sinne weiterzuführen. wie sie dem Verblichenen stets vorgeschwebt haben. Am Grabe entrollte Dr. Rosenberg ein klares Bild des Entschlafenen, hob den unersetzlichen Verlust hervor, den die Gemeinde erlitten, und sprach zum Schluß den Dank im Namen der Familie, des Vorstandes und der Gemeinde ans. Das Andenken des Edlen bleibt ein gesegnetes! — Liffa i. P., 12. April. Das seltene Fest der goldenen Hochzeit feierte am 10. April der erste Vorsteher der hiesigen Gemeinde,

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