Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 15 (12.4.1901)
- Date
- 1901-04-12
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3228419-3228435--57459-3293836- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
3 8l. HildesheiM, 2. April. Am 81. v. M. fa»»d die Einweihung des uns dem Terrain des früheren älteren jüdischen Begräbnißplatzes an der Teichstraße lder etwa 1820 irn Gebranch gewesen ist) neuerbauten „Verein igten Stistshanses" des Meyer Meyerhof- und Wilhelm (Wolf) Dux- und Henriette Dnxstifte.s in feierlicher Weise statt. Zu derselben hatte sich eil, größerer Kreis von hierzu geladenen Persönlichkeiten eingefnnden. darunter der Gesamrntvorstand der hiesigen Synagvgengenieinde, mehrere Mitglieder der Familie Meyerhof und Dux von hier und auswärts sowie die Erbauer des neuen Stistshanses n. a. m. Nach einigen Vegrnßnngsworten des Vorsitzenden des Gemeindevorstandes, Herrn August Dux, und nach Rezitation voll Psalm 127 durch den Vorbeter Herrn Bach vollzog Herr Landrabbiner Dr. Lewinsky in erhebender Weise den Weiheakt. Ausgehend von der auf der Gedenktafel in der Vorhalle des Gebäudes befindlichen Inschrift: „Ehre deinen Vater und deine Mutter" legte der Redner dar, daß das Vereinigte Stiftshans in dreifacher Hinsicht ein hehres Wahrzeichen bilde. Es stehe da als ein Denkmal der Pietät, der Menschenliebe und des religiösen Geistes innerhalb der hiesigen Gemeinde. Pietät, liebevolle und religiöse Gesinnung sei es gewesen, welche, wie vor^etwa 40 Zähren die Kinder des Meyer Meyerhof zur Errichtung eines Stistshanses führte, auch jüngst Herrn August Dux und Gattin zu gleicher That zum ehrenden Gedächtnisse seiner Heimgegangenen Ettern veranlaßte. Den Dankesworten an alle die, welche znr Errichtung des neuen Stistshanses beigetragen, den Bau desselben anfgesuhrt und gefördert, schloß sich das stimmungsvolle Weihegebet an. Mit dem Gesänge des 29. Psalms „O, gebet Gott die Ehre" schloß der feierliche Akt, der auf alle Beiheiligten einen sichtlich tiefen Eindruck machte. Es sei noch erwähnt, daß nach Vollzug des Weiheaktes die Herren Hermann Meyerhof und Adolph Danziger aus Hannover, früher hier ansässig, Veranlassung nahmen, Ansprachen au die Versammelten zu richten, um ihrer Freude über das vollendete schöne Werk Ausdruck zu geben. Das Stiftshaus übertrifft bei Weitem das frühere durch seine räumliche Ausdehnung sowie innere Ausstattung und bietet Raum für sechs Familien, denen in demselben Freiwohnungen gewährt werden. M HMNlmr'g, 3. April. In der letzten Sitzung des Magistrats- und Stadtverordnetenkollegiums von Altona theilte Oberbürgermeister Dr. Giese mit. daß der verstorbene ehemalige Präses der Jsraeliteugemeinde, Pius Marburg, außer vielen Wohlthätigkeitslegaten seine reiche Gemäldesammlung der Stadt Altona für eine Bildergallerie testirt habe. Oberbürgermeister Dr. Giese bemerkte daun weiter, daß das Stadtverordnetenkollegium unzweifelhaft mit dem Magistrat darin übereinstimme, dieses hochherzige, großartige Vermächtniß anzunehmen. Der Verstorbene habe mit demselben seine Anhänglichkeit an die Gemeinde bewiese»,, der er seit seiner Geburt angehörte. Die Stadt Altona habe dem Heimgegangenen viel zu verdanken; in aufopfernder Weise habe er sein reiches Wissen und Können, seine ganze Kraft in der uneigennützigsten Weise in den Dienst der Stadt gestellt, viele werthvolle Dienste habe er ihr geliefert. Der Name Pius Marburg sei mit einer der wichtigsten Epochen unserer Vaterstadt eng verknüpft, denn gerade zu der Zeit, als unser engeres Vaterland von der dänischen Fremdherrschaft befreit wurde, hat Pius Marburg das Ehrenamt des Bürgerworthalters bekleidet, und in dieser Eigenschaft das Interesse der Stadtgemeinde nach jeder Richtung hin energisch und in vortrefflicher Weise zu wahren gewußt. Die Stadt werde dem Verstorbenen stets ein treues Gedenken bewahren. — Der hiesige angesehene Arzt Dr. Alfred Saenger, Sohn des verewigten früheren Predigers an der hiesigen Tenipelgenieinde, ist von» Sultan durch Verleihung des Medjidjeordens ausgezeichnet worden, der ihm durch Vermittelung des deutschen Botschafters Freiherrn v. Marschall zuging. Dr. Saenger war zu Ende des vorigen Jahres nach Konstantiuopel berufen worden, um den bekanntlich schwer verunglückter» Direktor der Militär-Medizinschule Professor Rieder zu untersuchen. Das Befinden des Professor Nieder hat sich jetzt so »veit gebessert, daß er die Leitung der Militär-Medizinschule schon wieder übernommen hat. f. Aachen, 3. April. An» 31. März d. I. waren 25 Jahre verflossen. seitdem Rabbiner Dr. Jaulns die Leitung der hiesigen Geiueinde übernonuneu hatte. Von der Werthschähung, welche sich der Jubilar während dieser Zeit in de»» weitesten Kreisen erworben hat. legten zahlreiche Beweise allseitiger Theilnahme Zenguiß ab. Ans Nah und Fern waren Glückwünsche, Telegranune, Blumenspenden und Geschenke eiugetroffen. Von den Frauen der Gemeinde wurde dem Jubilar ein prächtig stylisirter Schreibtisch, eine Uhr und ein Bücherregal mit entsprechender Widmung überreicht. Im Lause des Vormittags erschienen in» festlich geschmückten Hause des Jubilars Abordnungen der verschiedensten Vereine und Verbände. Die Gemeindevertretuug versammelte sich dort vollzählig und ließ durch ihren Vorsitzende»» Herrn Jakob Lippmanu eine künstlerisch ausgefnhrte Adresse nebst einem namhaften Ehrengeschenk überreiche»». Nachmittags fand dann in» Bnrtseheider Knrhause eil» Festessen statt, an dem sich 270 Persone»» betheiligten. Der Jubilar wurde mit seiner Gemahlin von Herren des Vorstandes in den Saal geführt. Zur Begrüßung schallte ihn» ans einer Anzahl frischer Kindeskehleu ein für die Gelegenheit passend »»»»»gedichteter Chor aus „Juda Makkabäus" entgegen. In» Verlaufe des Festessens ergriff zunächst der Vorsitzende des Vorstandes, Herr Jacob Lippmanu, das Wort zum Kaisertoast. Der Vorsitzende der Nepräsentantenversammluug. Herr D. N. Marx, sprach sodann auf den Jubilar, indem er die Verdienste desselben um die Gemeinde rühmend hervorhob. In» Namen des rheinischen Nabbinerverbaudes überreichte. Rabbiner Dr. Frank-Cöln eine Adresse mit ei»rer sinnigen Ansprache, in welcher er besonders auf das gute Einvernehmen hinwies. welches gerade in Aachen zwischen Gemeülde und Nabbiller herrsche. Unter allgemeiner Spannung ergriff nunmehr Dr. Janlus selbst das Wort. Wohl sei er, so führte er ans, nicht in der Stimmnng zu reden, da sein Herz übervoll sei von all den Beweisen treuer Liebe und Anhänglichkeit, die ihn» iu so reichem Maße zu Theil geworden seien, doch müsse er seinem liefen Daukgefühl gegenüber all diesen Ehrungen Ausdruck geben. Er »volle freilich nicht mit de»» alten Phrasen vor» unverdienter Anerkennung kommen, er wolle vielmehr mit Freiunlth offen bekennen, daß er das stolze Bewußtsein besitze, in seiner Thätigkeit alles geleistet zu haben, was er mit seinen Kräften habe erreichen können. Vor allem gebe er seiner Freude über das innige Verhältuiß Ausoruck. iu dein er stets zu den Mitgliedern seiner Gemeinde gestanden habe. Gerade dieseGemüthlichkeit mache ihm seine Gemeiude besonders lieb und werth. Der Redner schloß mit einem begeistert ausgenonuneneu Hoch auf seine Gemeinde. Im weiteren Verlaus des Abends toastete zunächst Herr Leopold Spier auf die Gemahlin des Jubilars. Dann überreichte der Direktor des Realgymnasiums, Dr. Neuß, welcher mit sechs Vertretern des Lehrerkollegiums dem Feste beiwohnte, ei»» Album mit den Photographien der Lehrer. Er hob das herrlich kollegiale Verhältniß hervor, das stets zwischen Dr. Jaulns und der Lehrerschaft bestanden habe. Sie alle hätte»» de»» Jubilar erst achten, daun schätzen und lieben gelernt. Sodann sprach Rechtsauwalt Dr. Franckett in» Namen der früheren Schüler des Jubilars und des Litteraturvereins, dessen Ehrenvorsitzender Dr. Jaulns ist. Herr Jkah schloß den Neigen mit einer humoristischeu Damenrede. Nach Schluß des Festessens wurde ein Festspiel aufgeführt, welches in sinniger Weise die verschiedenen Bande znr Darstellung brachte, die Herrn Dr. Jaulus an Aachen und seine Gerneinde fesseln. Erwähnt sei zum Schlüsse »»och, daß der Chordirigeut Herr L. Hirsch den» Jubilar mit eine»», Doppelguartett von besremrdeten Mitglieder»» des Gesangvereins Eoncordia eine Ovation durch verschiedene Lieder darbrachte, die eine begeisterte Aufnahme fand. Nach den» Festspiel hielt der Tanz die junge Welt noch bis zum frühen Morgen zusammen. Der würdige Verlauf des Festes war ein erneuter Beweis für das harmonische Verhältniß, iu welche»»» hier Rabbiner und Gemeinde mit eiuander lebe»». Oesterreich -Ungar«. LI Wien, 7. April. DieParlamentsferier» sind eine willkommene Ruhepause für uns Alle. Wenigstens hören »vir von dieser weithin sichtbaren Stätte aus nicht täglich die gröbsten Insulten gegen die Juden, in denen sich Christlich-Soziale und Alldeutsche»» überbieteu und die, die aridere Parteien „mit wohlwollender Neutralität" anhören. — Kurz vor der Verhandlung des Prozesses Hülsner vor dem obersten Gerichtshof hat dessen beredter Anwalt iu der Presse, der Prager Universitätsprofessor Dr.Masaryk, noch einen Preßprozeß in dieser Sache verloren. Am 10. November v. I. erschien in der „Zeit" ein von Professor Masaryk verfaßter „Bericht über die Revision des Polnaer Prozesses". Dieser Artikel soll, wie die Anklage behauptete, geeignet gewesen sein, auf das Endresultat des »»och immer nicht