Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 15 (12.4.1901)
- Date
- 1901-04-12
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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«r,>d Dev Grmrindrbotr. >2^»>u 1S»> Weikage zur „Acrgerneinen Jeilung des IudenIHums". Korrespondenzell und Nachrichten. Deutschland. 22 Berlin, 7. April. Die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthnius in Berlin giebt Verzeichnis; der im Sonimersemester 1901 zn haltendeir Vorlesnugen ans. Dr. Baneth lvird lesen: 1. Talmud Vabli stat.: Hullin Kapitel VIII, 4 Stunden, Montags und Donnerstags 8—10 Uhr. 2. Talmud Vabli kursorisch, Baba Mesi'a. Kapitel VI, 4 Stunden, Sonntags und Mittwochs 8—10 Uhr. 3. 4oi-6 Den (Tur und Schnlchan 'Aruch I.XI —HIV), 2 Stlmden, Montags und Donnerstags 10—11 Uhr. 4. Lben ba-'6L6r Hil.Oittin (Fortsetznng), 1 Stlinde, Donnerstags 11—12 Uhr. 5. Mischne Tora, III. Buch (Fortsetzung), 2 Stunden. Dienstags nnd Freitags 12—1 Uhr. 6. Einleitung in den Talmud, 1 Stunde, Montags 11 bis 12 Uhr. Dr. Maybanm wird lesen: 1. Lelm rablmtli» 1 Stunde, Dienstags 8—9 Uhr. 2. Homiletische Hebungen, 2 Stunden. Freitags 8—10 Uhr. Dr. Schreiner wird lesen: 1. Alte Penlateuchkommentare, 2 Stunden, Sonntags 10—12 Ubr. 2. Erklärung der 12 kleinen Propheten, 2 Stunden, Dienstags 9—10 und Mittwochs 10—11 Uhr. 3. Levi ben Gerson, Milchamoth Adonai, 2 Stunden. Dienstags nnd Mittwochs 12—1 Uhr. 4. Systematische Religio,lsphilosophie. 3 Stunden Dienstags. Mittwochs und Freitags 11—12 Uhr. 5. Geschichte der Inden, 2 Stunden, Dienstags nnd Freitags 10—11 Uhr. Die Eröffnung des Somlnersernesters findet am 16. April statt. Folgende Vorlesungen werden an derLe hra n sta l t f ii r Lehr a m ts ka n d id a t e n nnd Lehrerinnen im Soinniersemester 1901 gehalten werden: Dr. Baneth wird lesen: 1. Nabbinische Texte (insbesondere Pirke Aboth), 2 Stunden, Donnerstags 5—7 Uhr. 2. lieber den jüdischen Kalender, 1 Stunde, Montags 4—5 Uhr. Dr. Maybanm wird lesen: Methodik des jüdischen Religionsunterrichts. 1 Stunde, Montags 4—5 Uhr. Dr. Schreiner wird leseil: Systematische Neligionslehre, 2 Stunden, Montags 5—7 Uhr. Beginn der Vorlesungen 13. April. 5 Uhr Nachmittags. Anmeldungen nimmt entgegen: Dr. S. Maybaum, Hinter der katholischen Kirche 1, 11—12 Uhr Vormittags. L2 Berlin, 31. März. Am 28. v. M. hielt Dr. M. I o seph im Verein für jtzdische Geschichte nnd Litteratur den dritten nnd letzten Vortrag über die Sittenlehre des Indenthnms. Nachdem er im ersten Vortrag die kulturhistorische Bedeutung. im zweiten die Prinzipien der jüdischen Sittenlehre erörtert hatte, behandelte er znm Schluß einige allsgewühlte Partien: die Schätzung der Ehre, der Arbeit und des Neichthmns in der Sittenlehre des Indenthnms. Gleich im Beginn betonte er, daß sich die spezielle Darstellung der jüdischen Sittenlehre wesentlich auf das biblische und talmudische Schristthllm beschränken müsse, weil hier der jüdische Geist am wenigsten fremden Einfluß zeige, was bei den Neligionsphilosophen und Sittenlehrern dcs Mittelalters nicht mehr in gleichem Maße der Fall sei. Ueberall ließ der Vortragende die Hoheit des Standpunktes und die Zartheit des Empfindens, die in der talmndischen Moral znm Ausdruck kommt, hervortreten. Seine drei Vorträge haben den Zuhörern ein treues und interessantes Bild der talmudischen Ethik gelnährt. - Ans den auswärtigen Litteraturvereinen: In Nakel sprach Dr. Rosen b erg-Thorn über Kohelet und Faust; in Lissa Frau Regina Neisser-Breslau über den Einfluß jüdischer Frauen auf die Gesellschaft in Berlin und Wien vor hundert Jahren; in Ostrowo Dr. B lumen th al-Natibor über Elisa bell Abuja und Goethes Fällst; in Ra 1 ibor Professor Cornill - Breslau über Kohelet, Dr. Vln m e n - thal über die Juden in England unter der Negierung der Königin Viktoria, Dr. med. Groß-Breslau über Volkskrankheiten und Aberglauben, Dr. Tuch-Berlin über die Juden in der Landwirthschaft. Rezitator Salzer-Wien über biblische und nachbiblische Poesien, Dr. Freund-Ostrowo über die Wanderungen des Ahasver; in Troppau Dr. Bln m e nth al-Natibor über Ludwig Börne und ^as Jndenthum, Dr. Kulka - Leipnik über Halbmond und Schwert; in Breslau Dr. Nosenthal über das uenentdeckte iIudenthum Eisenmengers; in Leipzig Dr. Ja c ob-Göttingen über die Sendung Moses von Schiller; in Steinheim Lehrer Gol d sch m i dt-Dortmund über die Chazaren; in Frankfurt a. M. Professor Sulzba ch über den Fettmilchschen Ansstand und Dr. K o t t e k-Hvmburg v. d. H. über die „vier Gefangenen"; in Bann Dr. E. Tuch über jüdische Ballern ans deutschem Boden; in München Rabbiner Dr. Werner über „Bilder ans der Vergangenheit unserer Vorfahren". 8. Berlin, 3. April. Der hiesigen Gemeindebibliothek, die in kurzer Zeit eröffnet werden wird, hat der Repräsentant der hiesigen Gemeinde Herr Nettfeld anläßlich seilles 75. Geburtstages ein Gescheuk voll 500 Mark überwiesen. Herr Neufeld hat hiermit eiu dankeus- und uachahmeuswerthes Beispiel gegeben, nnd es ist dringend zu wünschen, daß diejenigen Glaubensgenossen, welche Stiftungell zn errichten beabsichtigen, dem bisher so arg vernachlässigten wissenschaftlichen Gebiete regste Theilnahme und Förderung zürnenden. Berlin, 7. April. In der am 24. März d. I. stattgehabten General-Versammlung des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen sind die ausscheideuden Mitglieder wiedergewählt worden. Der Vorstand setzt sieb nunmehr wie folgt zusammen: Herr Stadtverordneter Louis Sachs. Vorsitzender; Frau Komrnerzienrath Julie Gersou-Lieberuiann, stellv. Vorsitzende; Herr Professor Dr. M. Mendelsohn, Schriftführer; Iran Dr. Frankl, stellv. Schriftführerin, Herr M. Metzeuberg, Schatzmeister; Herr Stadtverordneter H. Witkowski, stellv. Schatzmeister; Herr Handelsrichter Hugo Deutsch, Herr Rechtsanwalt Dr. Arthur Gerson, Herr Geh. Mediz.-Nath Professor Dr. Senator, Iran Mathilde Weigert geb. Meyer. Meldungen von Schülerinnen werden von der Oberin Frl. Rose Blau im Schwesternheim, Augnststraße 17, entgegengenommen. k'. Berlin, 25. März. Die „ W i s se n s cha ftl i che V erel tt i g u n g jüdischer Schulmänner zu Berlin" hielt am 2. d. M. eine Sitzung unter Leitung ihres zweiten Vorsitzenden, Herrn Hauff, ab. Nach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegenheiten ertheilte dieser das Wort dem Kollegen Flatow zu seinem Vortrage über das Thema: „Was sollen unsere Kinder lesen?" Der Referent, in weiten Kreisen als Herausgeber des„JsraelitischenJugendfreund"und der „Israelitischen Jugendbibliothek" bekannt, steht aus Seiten derjenigen Pädagogen, die eine für die Jugend berechnete, auf Alter nnd Bildungsgrad Rücksicht nehmende Lektüre nicht nur für berechtigt, sondern für nothwendig halten. Die Jugendlektüre ist ein wesentlicher Erziehnngssaktor. Sie soll das Erziehinigswerk unterstützen nnd ergänzen. Der weitaus größte Theil der vorhandenen allgemeinen Jugendschristen hat aber einen hervorstechend christlich-konfessionellen Charakter, was an sich nnd für die Kinder christlichen Glaubens nur zn billigen ist. Allein welche Wirkung muß eine derartige Lektüre ans die religiösen Vorstellungen und Empfindungen unserer Kinder ansüben, besonders wenn in den Schriften die anderen Bekenntnisse gegenüber dem christlichen eine Herabsetzung erfahren, wie Referent an mehreren Beispielen nachwies? Von der leider großen Zahl Jugendschriften mit ausgesprochen jndenfeiudlicher Tendenz, wie zwei Märchen von Grimm, einige Schriften von Nieritz u. a. zu schweigen, gebe es ein Anzahl Schriften, die durch die einseitige Verherrlichung des Christenthums eine nachtheilige Wirkung ans das religiöse Empfinden jüdischer Kinder ansüben. Eine strenge Ueberwachung der Lektüre unserer Kinder, eine sorgfältige Auswahl der Schriften ist darum'.dringend geboten. In Interesse einer besseren religiösen Ausbildung unserer Kinder müssen wir für Une geeignete Privatlektüre sorgen, die den Religionsunterricht und den Jugendgottesdienst wirksam unterstützt und ergänzt. Was das Kind in der Schule und dem Gotteshause hört, soll es gewissermaßen in den Schriften verwirklicht finden. Solche Schriften müssen demnach von jüdischem Geiste getragen sein, über jüdische Geschichte nnd Litteratur die Leser belehren, jüdisches Fühlen nnd Denken im Kinde Wecken. Die vorhandenen jüdischen Jugendschristen können kaum als solche betrachtet wcrdeu, weil sie den pädagogischen und litterarischen An-