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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-04-12 · Heft 15 (12.4.1901) · p. Seite 175

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 15 (12.4.1901)
Date
1901-04-12
Page
Seite 175 (sequence 9)
Language
German
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175 : Prediger i Prediger >s Themas s Meisters, i, bietet sie Hafter sein e wirkliche des Dorir muß er c sich als i Ausleger irheit und weck sei», für diese Predigern rer Reden rchlich um rängt sich en Jahren .. n beim > Mädchen dem einst derts seine war ausn Schulen i, nachdem überschaut die Sidra . s. w., wie unten eine :age, dann Redrier — en Erörte; (wörtlich knpferneittenstarken lse. Ihren -Hause, ale osentaschen mit dröh et ihr, wa-: »werk. Ge lange lies; Mit eine brüllte er h habe m/ im Herze i i. Ärmeren Werker daß dain Eegei - katalog si r wrlesuugeii des Juden- Abtheilung t auf den ine nuseri e it sich noch bis zu dieser Höhe emporgeschwungen. Auch kein Wunder! Stehen ja auch die Gemeinden noch nicht auf jener Höhe, um reines Judenthum zu verstehen oder auch nur sich bieten zu lassen; wogt doch in den meisten noch immer der Kampf um orthodoxe oder neologe Richtung, um Assimilation oder Zionismus, da findet der echte Ring freilich noch lauge keinen verständiüßvollen Abnehmer. Und doch wäre gerade die Ethik das einzige Feld, auf dem alle Juden sich brüderlich zusammenfindeu könnten, freilich vorausgesetzt, daß sie genügend gekannt und erkannt wäre. Vorläufig freilich sind wir noch lange nicht so weit, und der Erfolg des Lazarus'schen Werkes gehört der Zukunft an. Und heiter, mit der Seelenruhe eines Weisen, blickt Lazarus auch in die Zukunst; er weiß, da wird die Saat ausgehen, die er gepflanzt hat. Freundlich, leutselig, liebenswürdig wie immer nimmt er seine Besucher auf, erzählt aus den Erinneungen seines thatenreichen Lebens, was seine Zuhörer zu beehren oder auch nur zu unterhalten geeignet ist. Oft gedenkt r seiner Thätigkeit als Universitätsprofessor in Bern, wohin r vor mehreren Jahren nach mehr als Mjähriger Abwesenheit zu kurzem Aufenthalte wieder gekommen war. Um ungestört zu bleiben, hatte er die Absicht, Bern mit inner Gattin zu besuchen, geheim zu halten. Kurz nach seiner Ankunft begab er sich zu einem Droschkenhalteplatz,; m einen Wagen zu einer Rundfahrt zu mietheu. Und auf nie Frage, ob der Wagen frei sei, antwortete der Nosselenker: Gewiß, Herr Professor!" — Lazarus erstaunt, sich erkannt zu i hen, fragt und erhält zur Anwort, daß der Kutscher ja noch lnneswegs vergessen habe, wie er Lazarus vor 30 Jahren so > st gefahren habe. — Ja, Lazarus wird von Keinem vergessen, der das Glück i at, ihn kennen zu lernen. Und wie erst von den tausend und abertausend Männern, die heute als seine Schüler und zumeist N eue Anhänger in aller Welt wirken! Welche Freude für den i m seinen Schülern verehrten Meister, bei seinem obene wähnten Besuche in Bern sechs seiner Schüler an den vier i akultäten als Dozenten thütig zu sehen. Der Vergessenheit entrissen zu werden, verdient aber ganz l sonders der folgende charakterisirende Zug aus der Wirki mkeit dieses Mannes in Bern. Im Jahre 1864, als Napoleons Eingriff in Schweizer Territorium heftige politische Debatten i i Berner Bundesrathe entfachte, las Lazarus über „Psychol gie des Staatslebens". Und eines Tages, da eine besonders i teressante Debatte im Bundesrathe zu erwarten war, begann Lazarus seine Vorlesung mit der Einladung an sein Audit rium, das Staatsleben einmal an Stelle der Theorie ans der Praxis kennen zu lernen und mit ihm lieber auf die nribünen des Bundesrathes als Zuhörer zu ziehen. Und l izarus zog an der Spitze seiner zahlreichen Zuhörerschaft l > irklich wenige Minuten später ins Schweizer Parlament ein. . m Sommer Pflegte Lazarus mit seinen Hörern im Freien, n rd zwar auf dein in der Nähe Berns gelegenen, „die Enge" nannten, herrlichen Aussichtspunkte ein Konversatorium und Tisputatorium abzuhalteu. Mit regem Interesse folgt LazarnZ b in weiteren Werdegang und den Schicksalen seiner Schüler, d e stets mit Verehrung an dem Lehrer, der ihnen auch jederzeit als Freund und Gönner zur Seite stand, hingen und wohl u,ir mit tiefster Betrübniß die Nachricht von seiner Erkrankung " /nehmen werden. Freundestrene war es, die ihm dieselbe l"gezogen hat. Ein in Berlin im vorigen Herbste verstorbener Kaufmann M. H. war, ebenfalls ans Filehne gebürtig, ein wackerer Mann nnd Jugendfreund von Lazarus. Vor 66 Jahren saßen sie zusammen auf der Schulbank, und ungetrübte Freundschaft hatte sie zeitlebens verbunden. Die Nachricht von des Freundes Tod hatte Lazarus am 26. November v. I. einen schweren Nervenchoc zugezogeu, von dessen Folgen er sich nvch nicht erholt hat. Ich schließe diese Zeilen mit dem von allen seinen Schülern und Verehrern sicher getheilten Wunsche, daß er bald genesen und die wissenschastliche Welt nvch lange mit seinen werthvollen Geistesprvdukten bereichern möge. Marhulka. Aus Böhmens letzten Tagen. I Von H. Jork-Steiner. n. ^enn Anka in ihrer bunten Bauerntracht ausging, daß die hochgebauschteu Röcke um die iveit hinauf sichtbaren rothen Strümpfe flogen, dann wiegte sie das kleine, sorgfältig herausgeputzte Judenmädchen zärtlich in ihren Armen, als wär's ihr eigenes. Und wenn die Leute stehen blieben und die kleine Aprikose in die rothen Wäuglein kniffen, dann war sie glücklich wie eine Mutter. Jedes kluge Wort ans dem kleinen Mündchen griff sie auf, und sie erzählte es weiter wie eine Offenbarung. Liedchen brachte sie dem süßen Mädi bei, Liedchen, wie man sie nur auf dem Dorfe kennt: schlicht, leicht zu merken und doch voll Schelmerei. Und wie sie das Tschechische erlernte, die Kleine, ganz ohne Aceent! Kein Mensch hätte sagen können, daß sie eine Jüdin sei. Und stattlich war sie geworden, ach so wundernett! Anka saß die ganze Woche über mit Frau Breitmann zusammen — in den stillen Nachmittagsstunden natürlich, wenn die Wirthschaft ruhte und der Laden leer war — und da quälte sie so lange, bis man das Strümpfestopfen oder Flicken unterbrach und irgend einen farbigen Lappen für Marhulka zurechtschneiderte. Sie lebte nur für das „Fräulein" — sie liebte es wie ein eigenes Kind, und Marhulka gab ihr reichlich zurück, was sie ihr an Neigung widmete. Anka war die Vertraute ihres Herzens, zu ihr ging sie mit ihren kleinen Leiden, ihr berichtete sie zagend von den ersten Geheimnissen ihres jungen Herzens — oder vielmehr Anka errieth sie, fand sie heraus auf den ersten Blick. Vater und Mutter waren zu sehr vom Geschäft in Anspruch genommen, sie hatten so wenig Zeit für ihr Kind. Selbst die Mahlzeiten boten kein ungestörtes Zusammensein; eines von den Eltern mußte immer im Laden bleiben. Sie hatte der Mutter oft geklagt, daß sie so wenig zusammen lebten. Dann hieß es: „Laß, mein Kind, nur noch einige Jahre vorübergehen; dann ziehen wir uns vom Geschäft zurück, dann gehen wir nach der Kreisstadt oder gar nach Prag, dann werden wir lebe», mit Dir leben, für Dich leben." Dann war sie der Mutter um den Hals gefallen nnd hatte sie innig nnd heiß abgeküßt. Denn sie wußte vder

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