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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-04-12 · Heft 15 (12.4.1901) · p. Seite 173

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 15 (12.4.1901)
Date
1901-04-12
Page
Seite 173 (sequence 7)
Language
German
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173 druck uns die Uhese des Gerd igen, herzlde ist. Der die lms snr Ziele der uns i. Er nehme ns erwiesene uch fernerhin ch edle That sich die Anzläubigen zn litztrcne und die von den li! ^V. X. rtrag whuug der ißland und Pf um den r Theil der » ein »ich! Gestalt der n jüdischen ickblick an Zrertzhande! Entivickluiiu erschienenen je-Gäveruitz > Thatsach Zinssätze in u»e Jude, Lauern fzn Wvhlthäte Orloff i>! s werth er n Theile n n Ort uiw >er zn ensche Flecke! ich empordition nn ) ebrigens i t gänzliche i iehlen einer übe unve - on jüdisch, r nd wie n jüdischen h aus d-r des große.> der Handel den Juden §peicherniw ihrer Maaren" ganz verbotcu war, so daß sogar schon 1567 bei den preußischen Ständen Proteste einliefen seitens Großbritanniens und der polnischen Reichsstände von Lublin, weil durch dergleichen Krähwinkeleien die allgemeinen Interessen geschädigt würden. Zu Gunsten eines jüdisch-russischen Getreidehändlers „Lazarus, Arrendator der Zölle in Littauen" schrieb Johann Casimir von Polen an den Kurfürsten, daß „er keinen schaden zu Königsberg nehmen möge, wan er das Getrehde hinbringen wird. Sintemahl solch getrehdig von ihm nicht auf Wucher erkauft ist, sondern in unfern tafelgütern erbawet worden, welche er itzo in seiner Administration hat." — Heute haben einzelne deutsch-jüdische Getreidefirmen a» 30 Kontore und Niederlassungen in Rußland. Die erste Besserung in den deutsch-russischen Grenzhandelsbeziehungcn, dessen hauptsächlichste Vermittler die Juden waren und sind, brachte für Preußen das Edikt wegen der o» gros handelnden Juden vom 3. Juni 1723. Seine Bestiinmungen gingen dahin, daß die Juden, wenn sie rohe Waaren bringen, en ^ro8 handeln dürfen, ebenso diejenigen, welche mit baarem Gelbe hierher kommen und Gewürze,' Wein, Eisen n. s. w. dafür einkaufen. Heute gehen unsere Handelsreisenden nach Rußland, aber den jüdischen Vertretern dürften, namentlich wenn der Handelsvertrag nicht erneuert werden sollte, noch mehr Schwierigkeiten als schon jetzt gemacht werden. Daß bei dem deutsch-russischen Handelsvertrag 1894 sowohl Deutschland als Rußland ihren Vortheil fanden, beweist die Handelsstatistik, nach der die Einfuhr von Rußland nach Deutschland vom Jahre 1886 bis zum Jahre 1897 von 119,2 Millionen Rubel auf 1752 Millionen Rubel und die Ausfuhr Deutschlands nach Rußland voll 135,2 auf 179,3 Millionen Rubel gestiegen ist. Die anderen Länder kommen, mit Ausnahme Englands, kaum mit einem Zehntel bei dieser Exportstatistik in Betracht. Selbst Gegner der Juden in Rußland gebe» zn, daß diesen Vermittlern an der ungeheuer schnellen Entwicklung des Landes und der Hebung des deutsch-russischen Grenzhandels ein großes Verdienst gebührt. F. v. Löher sagt in .Rußlands Werden und Wollen": „Ohne sie (d. h. die Juden) würde ein ansehnlicher Theil der Waaren, insbesondere der andwirthschastlichen Erzeugnisse nicht halb so beweglich werden." Als die bekannten „Progrome" (Judenhetzen) in den üblichen Provinzen Rußlands wülheten, verfaulte das Getreide ii einzelnen Landstriche» buchstäblich auf dem Halme, weil die üdischen Kommissionäre ansbliebcn. So lange Rußland an einer einseitig starren Abschließungspolitik festhielt, hat es wohl zum großen Theil aus Furcht vor dem Schmuggel die Huden in den Grenzbezirken mit einem Walle von engherzigen '4estjmmunge» in ihrer Bewegungsfreiheit behindert. Heute hat nach allgemeinem Urtheil der Sachverständigen der Schmuggel mit Zusammenfassung des Verkehrs auf wenigen roßen Grenzstativiien und bei der Massenhastigkeit des wdernen Waarenhandels sehr abgenommen. Heute produzirt I auch die russische Industrie einen großen Theil derjenigen ' alter, die sonst von Preußen her, und früher fast ausschließlich durch den jüdischen Grenzhandel, eingeführt wurden. In dem industriearmen Ostpreußen begründete in den ümfzjger Jahren ein Jude aus Kowno, Benas Weinstein, mit llliterstützung des preußischen Handelsministeriums die ersten Garnspiunereien in modernem Fabrikbetrieb, wobei der billige russische Flachs zur Verwendung gelangte. Die Moskauer Spinnereien, — 122 hat allein der bekannte „Baron" Knoop begründet — sind älter, aber Knoop, bei seinem Tode 1894 unzweifelhaft der größte Industrielle Rußlands, bearbeitete hauptsächlich das mittelasiatische Produktionsfeld. Sehr groß ist aber der Antheil der Juden au dem schnellen Aufblühen eines westlichen Jndustrieeeutrums in Rußland, in Lodz, Warschau, Svsuowice. Jauschull (Entwicklung der Industrie Polens) sagt: Die seit 1877 gegründete» Fabriken Produzirten 1885 bereits 44,7 °/„ des Gesammterzeuguisses Polens. Schulze-Gävernitz hebt ausdrücklich hervor, daß der „deutschjüdische Fabrikant" in Polen auch hinsichtlich des Betriebskredits günstiger dastehe als der Moskauer, auch sei er der bessere Kopf als Unternehmer. „Alle Kenner rühmen die Tüchtigkeit dieser Fabrikanten, ihren Fleiß, ihre Unternehmungslust im Vergleich mit den Moskauern, welche durch langjährige Begünstigungen seitens der Negierung verwöhnt sind." Auch Schulze-Gävernitz kommt zu dem Schluffe, daß die Judenpolitik Rußlands keine Politik zn Gunsten der Juden genannt werden darf. Wenn es hiermit einmal besser wird, wird mall die Steigerung in unserem Grenzhandel, mit dem die ganze Entwicklung unserer östlichen jüdischen Gemeinden verbunden ist, zunächst wahruehme». Mit einziger Ausnahme des Jahres des Zollkrieges 1893 steht Deutschland an der Spitze aller mit Rußland handeltreibenden Völker. Also vi,tonnt euiiLuies! Brief aus Meran. Aon Landesrabbiner Dr. Tänzer in Hohenems. Einweihung des neuerbauten israelitischen Tempels in dem jetzt von Fremden überfüllten Meran hatte mich vor Kurzem dahingeführt. Und um mich so recht in die zu dem feierlichen Weiheakte erforderliche Stimmung zu versetzen, war es mein Erstes, meinen greisen Lehrer in feinen! nenen schonen Heim, der „Villa Nuth", zn besuchen. Als ich dies ans Anlas; eines früheren amtlichen Aufenthaltes in Meran, vor drei Jahren, gethan hotte, da traf ich Prof. Lazarus au seinem Schreibtische, umgeben von zahllosen der Erledigung harrenden Arbeiten, diesmal aber leider fand ich ihn im Bette, umgeben von der rührendsten Sorgfalt und Pflege seiner Gattin. Den Mann emsigster Arbeit und unermüdlicher Schaffenskraft auf dem Krankenlager Zn sehen, ist ein wehmüthiges Bild, und fast unbewußt wird in dem jungen, kraftvollen Besucher der Wunsch reg«', dem Manne mit dem nimmer rastenden Geiste, aber leider durch Alter, Arbeit und Gemüthserregnng geschwächten Körperkrästeu, doch einen Theil der eigenen Jngendkraft abgeben zn können. Und von seinem Krankenlager ans nimmt Lazarus, der aller Welt bekannt, von Vielen gekonnt, ober nur von verhältnißmäßig Wenigen erkannt ist, noch regen, lebhaften Antheil an allen Erscheinungen des Außenlebens, insbesondere natürlich der wissenschaftlichen Welt. Von hier ans leitet ersetzt die 4. Auflage der deutscherr Ausgabe des ersten Theiles der „Ethik des Jndenthnms^, hier besorgt er die Korrekturen und kleinen Texterweiterungen der in Amerika in etwas veränderter Form erscheinenden englischen Allsgabe, hier arbeitet er am zweiten Theile des Werkes, daß im Manuskript nahezu vollendetest. Nur wenige Stunden des Tages kann er leider vorläufig bis zur Erstarkung seilles körperlichen Befindells an seinem Schreibtische arbeiten, die meiste Zeit verbringt er im Bette, aber auch

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