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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-04-05 · Heft 14 (5.4.1901) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 14 (5.4.1901)
Date
1901-04-05
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 mit dem Herrn Bürgermeister. demHerrn Beigeordneten und mehreren Stadtverordneten auch die evangelische Kirche betraten. Jeder verständige Mensch wird hierin durchaus nichts Auffälliges erblicken, im Gegentheil könnte man die Toleranz der genannten Herren rühmend hervorheben, die keinen Anstand nahmen, aus Anlaß der patriotischen Festlichkeit in Gemeinschaft mit ihren Kollegen vom Magistrat und der Stadtverordnetenversammlung auch eine christliche Kirche zu besuchen. Man wird sich aber allgemein darüber wundern, daß ein Korrespondent des „Westpr. Volksbl.", welches am wenigsten dazu berufen ist, die angeblich verletzten Gefühle der hiesigen Evangelischen zum Ausdruck zu bringen, diese Angelegenheit bespricht und den Artikel mit Glossen versieht, welche die Absicht des Verfassers genügend erkenneil lassen. Wir leben hier mit unseren jüdischen Mitbürgern. Gott sei Dank, in Frieden und ersprießlichem Verkehr, den aufrecht zu erhalten von allen verständigen Elementen der Bürgerschaft erstrebt wird. Solche Hetzartikel finden hier keinen Nährboden. Die Herren Stadtverordneten Nosenthal und Lewinnek werden nach wie vor unsere hochgeachteten Mitbürger bleiben." — Die israelitische Sterbekasse in Danzig hielt kürzlich im „Kaiserhof" eine Generalversammlung ab. Alls den: vom Vorsitzenden Herrn Karl Lichtenfeld erstatteten Jahresbericht pro 1900 ist hervorzuheben, daß sich die Mitgliederzahl um 60 gesteigert hat und jetzt 462 Personell beträgt. An Spenden sind dem Verein im abgelanfenen Jahre ca. 5000 Mark zugegangen. Das Vermögen der Kasse hat sich nach dem vom Kassirer Herrn Bankdirektor Fürst erstatteten Jahresbericht um 1256,34 Mark gesteigert und betrug am Schlüsse des Jahres 17 016,18 Mark. Bei der ebenfalls in der Versammlung vorgenommenen Vorstandswahl wurden der Vorsitzende, Herr Karl Lichtenseld, der Kassirer Herr Fürst und der Schriftführer Herr Gompelsohn miedergewählt. Zum erstell Vorsteher wurde Herr Isidor Lachmann und zum zweiten Herr W. Scheer gewählt. — Der langjährige zweite Bürgermeister der Stadt Tutz (Westpr.), der zugleich Vorsteher der dortigen jüdischen Gemeinde ist, Herr Herz Pinksohn, beging kürzlich mit seiner Gattin unter zahlreichen Ehrungen der gesammten Bürgerschaft ohne Unterschied der Konfessionen das Fest der silbernen Hochzeit. Die Stadtverordneten überreichten dem Jubelpaare eine kunstvolle Adresse, die jüdische Gemeinde einen prachtvollen Silbcrpokal und der israelitische Frauenverein, deren Vorstandsdame Frau Pinksohn ist, ebenfalls ein reizendes Ehrengeschenk. Selbst die dortige freiwillige Feuerwehr entsandte eine Glückwunschdeputation und ließ eine prächtige Bowle überreichen. SohrMt O.-S., 29. März. Am 24. d. M. wurde im Brauerschen Saale Hierselbst das Stiftungsfest des Israelitischen Iranen - nnd des KrankenpflegeundLeichenbestattnugs- Äereins begangen. Zn dem Diner hatten sich fast sämmtliche Gemeindemitglieder eingefnnden. Jur Austrage des Vorstandes begrüßte Lehrer Plant die zahlreich erschienenen Damen und Herren in herzlichster Weise und wünschte dem Feste einen angenehmen Verlauf. Ter erste Vorsteher unserer Gellleinde, Herr Lachmann, toastete, nachdem er ill schwungvollen Worteil ans die hohe Bedeutung des Festes Hingelviesen, ans die Vorstandsdamen und Vorsteher der Vereine. Herr Kalltor Möddel sprach in gleichem Sinne, sein Hoch galt den Vereinen. launiger und humorvoller Weise weihte Herr Lehrer Plaut - Rhbmk sein Glas dem Damenflor. Namens der anwesenden Dainen dankte Iran Plaut hier für die schmeichelhaften Worte des Vorredners und loastete in kernigen Worten ans das „stärkere" Geschlecht. Von den übrigen Neben seien noch die des Herrn Cohn ans die leider nicht anwesenden Ehrenmitglieder, die des Herrn Plant auf den Vorstand der jüdischen Gemeinde und des Herrn Pinschower auf die Junggesellen erwähnt. Nach der Tafel fand ein Tanzkräuzchen statt; erst in vorgerückter Stunde trennte man sich mit dem frohen Bewusstsein, ein bhönes Fest verlebt zu haben. (D Hannover, 1. April. Die von verschiedenen Personell gehegte Befürchtung, daß die in derIsraeliti s eh enErzieh u ngs - ill st alt in Ahlem ansgebildeten Zöglinge nach Beendigung ihrer Kehrzeit keine Stellungen finden könnten, hat sich als völlig grundlos erwiesen. Soweit die Anstalt, die mit wenigen Ausnahmen mit allen entlassenen Zöglingen ill schriftlichem Verkehr steht, hat ermitteln können, sind alle früheren Lehrlinge in Stellung. Für den jetzigen Lsterterlnin wurden von angesehenen Gärtnern, die theilweise schon näher Gehilfen ans Ahlem erhalten hatten, weit mehr junge Leute 'erlangt, als ihre Lehrzeit beendet hatten. Die Anstalt, die bislang bis auf den letzten Platz besetzt war, hat von Ostern ab sowohl in der Schülerwie ill der Lehrlingsabtheilung einige Vakanzen, und ist es für die Angehörigen oder Gemeinden, welche Knaben unterbringen wollen, rathsam, sich möglichst bald all die Israelitische Erziehungsanstalt in Ahlem zu wenden. Der Jahresbericht dieser Anstalt legt Zengniß ab sür das rüstige Streben und die guten Erfolge des Unternehmens. Die Zahl der Zöglinge betrug: Lehrlinge 46, Schüler 39. Als Gärtner befanden sich 33 in Stellung. Es sott jetzt auch eine Mädchenabtheilnug eingerichtet werden. Die Einnahmen der Anstalt betrugen Mark 47 640.49. die Ausgaben Mark 49 538.21. Der Vorstand besteht ans den Herren: Konsul A. M. Simon, Vorsitzender; Sartorius Nheinhold, Stellvertreter des Vorsitzenden; Handelsschuldirektor Manfred Berliner, Schriftführer; Rechtsanwalt Dr. Wolfes, Stellvertreter des Schriftführers; Gustav Cohen. Jacob de Beer, Rechnungs- und Kassenführer; Oberamtmanu Ludwig Cohn (Berlin), Sellh Meherstein, Gutsbesitzer Jul. Seckel. M. Znckermaun. Al Frankfurt a. M., 17. März, Der 36. Jahresbericht der Acha iva . Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrerwittwen und -Waisen ill Deutschland, gewährt wieder ein erfreuliches Bild rüstigen Ansschwungs. Wenn auch die Zahl der Unterstützungsbedürftigen und somit die all den Verein gestellten Ansprüche ganz außerordentlich gestiegen sind, so ist er doch in der Lage gewesen, die im vorigen Jahre auf 150 Mark erhöhte Unterstützungs qnote ans dem gleichen Stand für die diesmalige Jahresvertheilnng zu erhallen. -- Während im Jahre 1899 die Zahl der Pensionäre 86 betrug, die in 103'4 Theilen 15 562,50 Mark erhielten, stieg die Zahl der Pensionäre diesmal ans 96 nnd die Unterstützungssumnie mit 116^. Theiten ans 17 475 Mark. Rechnen wir hierzu die während des Jahres all außergewöhnlichen Unterstützungen ans dem Neservefond verabreichten 1585 Mark, so ergiebt sich der Betrag von 19 060 Mark, der im letzten Jahre für Unterstützungen verausgabt wurde. — Diese erhebliche Summe vermochte der Verein nur dadurch am'znbriiigeu. daß ihm zahlreiche Geschenke voitz wohlthätigen Glaubensgenossen, ganz besonders ans Frankfurt a. M. und München, zngeftossen sind. Das Vereinsoermögen beträgt jetzt nach Abzug der zur Vertheilnug kommenden Summe 245 658,69 Mark gegen 240 082.75 Mark im vorigen Jahre. Ill der Zusammensetzung des Vorstandes hat im verflossenen Jahre ein Wechsel eintreten müssen. Infolge eines Längere Zeit anhaltenden Leidens ist Herr Lehrer E. Gntkind in Kassel ans dein Vorstände ansgeschieden. All seine Stelle ist Herr Lehrer M. Steinhardt in Magdeburg getreten. — Die Zahl der aktiven Mitglieder betrug am 31. Dezember 1899 361. — Ausgetreten ist ein Mitglied, dagegen sind zwölf neue Mitglieder eingetreten, so daß die Zahl der aktiven Mitglieder sich jetzt ans 371 beläuft. Die Zahl der Ehrenmitglieder hat sich ans der Höhe von 1100 erhalten. Der Vorstand besteht ans folgenden Herren: Konsul Adolph Baer-GoLdschmidt, Vorsitzender. Philipp Schiff, stellvertretender Vorsitzender, Oberlehrer Dr. Alfred Löhren, Schriftführer. Alfred Nosenthal. Kassirer. Julius Goldschlllidt. Gegenschreiber, Jakob Scherer. Neatlehrer. Karl Marx, Lehrer in Alsheim (Nheinheffen), Heinrich Frei, Lehrer in München. M. Steinhardt, Lehrer in Magdeburg. -tz- Kassel, 28. März. Seit langen Jahren wirkt hier segensreich nnd in der Stille der israelitische Verein „S ch w e stern b n n d", der aus kleinen Anfängen heranswnchs nnd heute ans eine recht gedeihliche Entwicklung zurückblicken kann. 1817 gegründet, hatte er lediglich den Zweck, ill Kassel ansässige mittellose junge Mädchen erwerbsfähig zu machen. Seither ist dieser ursprüngliche Plan aber wesentlich erweitert worden. Außer der Stadt wurde auch der Regierungsbezirk nnd, soweit es die Mittel erlaubten, der fernere Umkreis berücksichtigt. Am 1. Mai 1896 eröffnete der Verein sechs seiner Pflegebefohlenen ein eigelles Heim, das sich rasch vergrößerte. Die wenigen, anfänglich gemietheten Räumlichkeiten erwiesen sich jedoch sehr bald als unzulänglich. Im Herbste des vergangenen Jahres ist es nun gelungell — dank der aufopfernden Thätigkeit der Vereins- Vorsitzenden Frl. Philippsohn, der Unterstützung edler Menschenfreunde und der stetig wachsenden Mitgliederzahl — ein praktisch nnd freundlich eingerichtetes Hans für circa 40 junge Mädchen zu eröffnen. Hier werden dieselben liebevoll gehütet und gepflegt, vor Versuchungen nach Möglichkeit bewahrt und können gegen ein geringes Kostgeld im Schlitze einer religiös-sittlichen Häuslichkeit ihrer Beschäftigung auf den verschiedensten Gebieten nachgehen. Das Heim zählt zu seinen Pflegebefohlenen: Näherinnen. Stenographistinnen, Bnchhalteriimen,

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