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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-04-05 · Heft 14 (5.4.1901) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 14 (5.4.1901)
Date
1901-04-05
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 neuerdings auch im Falle eintrelender Invalidität Unterstützung. Neu in den wledergewählten Vorstand traten ein die Herren Geheimer Regierungsrath Dr. Pieck Ulld A. Frankel. Berlin, 31. März. Das Komitee für Ferienkolonien versendet seinen 16. Jahresbericht, der wieder ein Beweis von der wahrhast gedeihlichen Wirksamkeit desselben ist. Im vorigen Jahre wurden 834 Kinder zu vierrvöcheutlichem Aufenthalt in die Sommerfrischen geschickt. In dem Heim des Komitees, in Bad Elmen wurden 90 Kinder untergebracht. In unentgeltlicher Pflege waren 98 Knaben und 113 Mädchen. Die Einnahmen betrugen Mark 10 953,70, die Ausgaben ebensoviel. Das Komitee hat seitens des Berliner Vereins für Ferienkolonien einen Zuschuß von Mark 609,80 erhalten. Es ist dringend zu wünschen, daß edle Wohlthäter die Mittel gewähren, damit das Komitee seine Lhätigkcit weiter ausbreiten kann. Es handelt sich hier um ein großes Hilfswerk snr arme Kinder. Das Komitee besteht aus den Herren Ad. Mayer, Vorsitzender. Breitestraße 8 9; Eugen Nosenstiel, Ehrenmitglied des Komitees. Keithstr. 13; B. Benjamin, Leipzigerstraße 42; Julius Cohn, Landgrafenstraße 9; Louis Kreslawskh, Nollendorfplatz 1; Sanitätsrath Dr. Maretzki, Alexanderplatz 2; Rechtsanwalt und Notar Timendorfer. Oranienst ratze 145 146. i. Berlin, 31. März. Das jüdische M ä d ch e tt stif t. welches unbemittelte jüdische Mädchen lwnswirchschaftlich heranbildet und finden Dienstbotenberuf vorbereitet, versendet den 11. Jahresbericht. Die nach Lothringerstratze 16 verlegte Anstalt hat im abgelaufenen Jahre acht und im Ganzen bisher 49 Zöglinge nach beendigter Ausbildung, die von der Hausmutter Frau Baer geleitet wird, in den Dienst treten lassen. Der Vorstand unter den» Vorsitz des Waisenhaus-Direktors Dr. Strelitz und Frau Julie Nenmann hat die Absicht, ein eigenes Heim für das Stift zu erwerben, und der hierzu gebildete Grundstock ist voll Frau Geh. Kommerzienrcithin Meher-Cohn um 5000 Mark erhöht worden; dagegen mutzte der Reservefonds zur Deckung der Ausgaben um circa 1200 Mark geschmälert werden. 2XL Berlin, 25. März. Sein fünftes Stiftungsfest feierte gestern in den Draeselschen Festsälen, Neue Friedrichstratze. der Verein zur Forderung der Interessen israelitischer Taubstnmme n in Deutschland unter überaus starker Betheiligung von Mitgliedern, geladenen Gästen, Deputationen hiesiger Vereine und auswärtiger Zweigvereine aus Breslau w. Nachmittags 3 Uhr fand Festtafel statt, an welcher sich ca. 130 Personen beiheiligten, welche, gewürzt durch inhaltsreiche Ansprachen und Toaste, einen nach jeder Richtung hin überaus befriedigenden Verlauf nahm. Nach aufgehobener Tafel begann nach 7 Uhr das eigentliche Fest mit einem wahrhaft künstlerisch und sehr reichhaltig zusammengestellten Programm. Erst in früher Morgenstunde endete das schöne Fest mit einem jedenfalls günstigen materiellen Ueberschnsse für die edlen Zwecke dieses warm zu empfehlenden Vereins. Die vom Ehrenvorsitzenden Herrn Taubstummenanstalts-Direktor M. Neich-Weißensee gehaltene Festrede, die edlen idealen Züge des Vereins und seine so mühevollen Bestrebungen schildernd, machte auf alle Zuhörenden einen tief empfundenen Eindruck und dürste sicher dem Verein eine größere Anzahl neuer Mitglieder erworben haben. Wir wünschen dem Verein unter dessen vorzüglicher Leitung ein ferneres Wachsen und Gedeihen. -O- Berlin, 31. März. Am 28. d. M. ist hier im 82. Lebensjahre der bekannte Romanschriftsteller Professor Dr. Max Ring gestorben. Max, oder wie er ursprünglich hieb, Marcus Ring wurde 1817 zu Zauditz. einem Dorfe in dem oberschlesischen Kreise Ratibor geboren. Sein Vater betrieb Handel und Ackerban. In dein Heimathsdorfe verlebte Ring seine Kinderjahre. Seine Schulbildung erhielt er auf den Gymnasien zu Ratibor und Oppeln. Seine Universitätsstudien machte er an den Universitäten Breslau nnd Berlin. Nach Ablegung der Staatsprüfung kehrte er in seine Heimath zurück, in der Absicht, sich als Arzt einen Lebensbernf zu verschaffen. Er begann in dem Städtchen Ples; die Praxis und siedelte später nach Gleiwitz über. Nach den Stürmen des Jahres 1848 widmete er sich aber ganz dem schriftstellerischen Beruse. 1850 übersiedelte er ganz nach Berlin, wo er seither ständig gelevt hat. Hier schns Ring eine beträchtliche Reihe von Romanen und Erzählungen, vorwiegend Zeitromane, aber auch solche mit geschichtlichem Hintergründe. Er fand dafür einen großen Leserkreis. Ring wurde in der deutschen Familie heimisch. Von seinen Romanen seien genannt: „Der Große Kurfürst und der Schöppenmeister", „Verirrt nnd erlöst". „John Milton nnd seine Zeit". „Nosenkrenzer und Jlluminaten", „Götter nnd Götzen". „Der große Krach". „Das Hans Hitlel", „Berliner Kinder", „Streber und Kämpfer". Unter den Geschichtsschreibern Berlins hat sich Ring durch sein Werk „Die Kaiserstadt Berlin" eine angesehene Stelle verschafft. Anzureihen ist hier sein „Buch der Hohenzollern". Besonders zu gedenken ist noch seiner „Erinnernilgen", die reich an Einzelheiten ans dem geistigen nnd gesellschaftlichen Lebens Berlins sind. In dem halben Jahrhundert, in dem Ring Bürger der Neichshcmptstadt war. hat er beständig Leben und Treiben seiner zweiten Heimath mit so viel Liebe und Eifer verfolgt, daß dem braven und allgemein beliebten Manne dauernder Dank sicher ist. Eine Erinnerung wird Ring auch in der Geschichte des deutschen Rornanes bleiben. Die Beerdigung fand heute unter zahlreicher Theilnahme statt. In der Trauergemeinde befanden sich zahlreiche Schriftsteller. Nüthe des Kannnergerichts, Redakteure unserer ersten Blätter u. A. m. Die Gedächtuißrede hielt, nachdem der Synagogenchor die Feier eingeleitet hatte, Rabbiner Dr. Maybamn im Anschluß an den 31. Psalm: „Er hat seinen Engeln besohlen, daß sie über dich wachen auf allen deinen Wegen." Als Freund und Kollege des Verstorbenen, mit dem er über 30 Jahre verbunden war. sprach Robert Schweichel. Er feierte Max Ring in seinem sozialpolitischen nnd schriftstellerischen Wirken: „Wer im Gedächtnis; seiner Lieben lebt, der ist nicht todt, der ist ,unfern. Todt ist nur. wer vergessen wird, und Du wirst nicht vergessen, denn Deine Romane leben im deutschen Volke." (Die „Allgemeine Zeitung des Jndenthums" verliert in Max Ring einen alten nnd hochgeschätzten Mitarbeiter, dessen Andenken sie stets in Ehren halten wird. Die Red.) Könitz, 31. März. Das Verfahren gegen die Familie Nosenthal ans Kamin, die sich seit sechs Monaten unter dein Verdacht der Auflistung zmn Meineide in Haft befunden hatte, ist nun endlich eingestellt worden. Die Haftentlassung der vier verhafteten Personen ist angeordnet. Nach den Anssagen seines Dienstmädchens sollte sich bekanntlich der Kaufmann Josef Nosenthal „nufgehängt haben, weil ihn die Gewissensbisse wegen des an Winter verübten Mordes nicht länger leben Ließen". Diese von R. angeblich zu seiner Frau gethane Aeußerung wollte das Mädchen gehört haben; außerdem behauptete dasselbe, auch gesehen zu haben, wie N. am Nagel irr einer Ecke des Zimmers gehangen hatte, und wie ihn sein Bruder losschnitt. Beides hat sich als absolut u N w a h r her-ausgestellt. — Das „Kouitzer Tageblatt" hatte am 10. Oktober v. I. berichtet, Moritz Lewy habe den Versuch gemacht, sich all seinen Hosenträgern aufzuhängen. Gegen die Redaktion und deu Verlag des „Konitzer Tageblatts" war deshalb Privatklage wegen Beleidigung angestrengt worden. Der verantwortliche Redakteur Julius Lehmann hatte, lvie sich in der Hauptverhandlung herausstellte, seinen gläubigen Lesern ein voll einer Aufwartefrau ilu Vorübergehen angeblich gehörtes Gespräch unbekannter Leute als Thatfache anfgetischt. Der Vertreter des Privatklägers bezeichnet den Artikel als einen „gemeinen". Der Vertreter des Privatbeklagten, Rechtsanwalt Zielewski, gab zu, daß die Form des Artikels nnd die Ausdrucksweise nicht zu billigen sei. Der verletzende und chnische Ton sage gebildeten Personen nicht zu. DaS Gericht erkannte auf 20 Mark Geldstrafe eventl. vier Tage Gefängnitz. Lr. Aus Westpreutzeu, im März. Mit gewisser Befriedigung darüber, daß glücklicherweise noch nicht alle Gesellschaftskreise von der in dieser Zeit herrschenden Hetzkrankheit ergriffen, wird man nachstehende. aus Neustadt, Westpreutzen, datirte, mit „mehrere Bürger Neustadts, die konfessionellen Frieden wünschen" Unterzeichnete, in der „Danziger Zeitung" veröffentlichte Erklärung lesen, die auch einmal ein erfreuliches Bild aus dem antisemitischen Eldorado der Neuzeit, Westpreutzen, liefert und folgendermaßen lautet: „Auch hier fängt der Antisemitismus an sonderbare Blüthen zu treiben. In Nummer 17 des „Westpr. Volksblattes" (von hetzerischer Tendenz. D. Schr.) befindet sich eitle Mittheilung ans Neustadt, in welcher behauptet wird, die Kaufleute Nosenthal und Lewinner von hier hätten aus Anlatz der Gedenkfeier am 18. Januar d. I. als V ertreter der jüdischen Gemeinde denGottesdienst in der protestantischen Kirche besucht. Der Artikel knüpft daran eine ganze Serie hetzerischer Bemerkungen. Nichtig ist, daß die genannten beiden Herren, die dem Stadtverordnetenko llegi um angehören, der von der Stadtschule veranstalteten Festfeier als emgeladene Gäste beiwohnten und dann in Gemeinschaft

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