Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 14 (5.4.1901)
- Date
- 1901-04-05
- Page
- Seite 165 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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165 klung noch »de des Ert und seine Regeln berste Zweifel der als die n kann, der m hat, und ieselben ge- Marhulka. Aus Böhmens letzten Tagen. Von H. Jork-Steiner.!, finde ich, tes Gedicht d vollendet lfgehört, er igenen Stil nt, den er Tempel der er bereits c nicht zu and zu dein darüber angenehm, «che eines wie einen angenheit, Gedichten, Die Schrift dicht „Die > an das r der Abchrift liest. > um sich zerfressene der mitten eer. t ihm die neu" ent- Volke des uchstaben mervollen >« Blätter!s Leben, anfeuern > ihn zu;r, dieser her Ausl Lebens- > stählen rängnisse «kunft zu um anen Verergötzen. > folgt.) I. ss ist ein Geschehnis; von Ehegestern. — Als es mir erzählt wnrde, packte es mein ganzes Empfinden, mein Herz ward erfüllt von einem Wehgefühl, das hinauswuchs über die Grenzen der Theilnahme au fremdem Leid — bis daß ich daran trug wie an persönlichem Schmerz - wie /au einer tiefen Wunde am eigenen Leibe. Ich sah die handelnden Personen vor mir — ihr Wesen gestaltet« sich zu immer größerer Deutlichkeit, zu vollem Leben — denn ich kenne das Land und die Leute mit ihrem Hoffen und Wünschen, mit ihrem Wollen und Müssen. Und doch-ich wollte die Geschichte nicht schreiben — ich wollte nicht. Ungerufen kam sie über mich die leidvolle Geschichte — es zwingt mich nieder, ich muß — mich befreie» vom schweren Druck — ich muß. — Es soll aber keine kunstvolle Geschichte werden — ich will nur schildern, was sich zugetragen hat. * -i- * Frau Breitmann war sehr beschäftigt; es gab heute auffallend viele Weiber in Wachowih, die neue Kleider brauchten oder Shirting für Wäsche. Und die Kunden blickten alle so seltsam, als sei mit der Kausmannsfrau etwas Merkwürdiges vvrgegangen. Sie aber that garnicht so, als sei etwas Besonderes geschehen, sie zeigte ein Stück Waare ums andere, sie lobte das Muster, bestätigte di» gute Qualität und nannte den Preis, dabei suchte sie zu lächeln. Und wie das starre Gesicht sich belebte, ging das Lächeln in eine Schinerzfalte über, es zuckte um den Mund, und die Augen seuchteten sich. Da schauten die feilschenden Weiber auf. Jetzt, jetzt müßte es kommen, nun würde sie etwas sagen. Aber sie faßte sich rasch, die Mienen des Gesichtes schlossen sich hart abweisend, sie lobte den geinusterten Barchent und gab ihn zu dem Preise, den die Käuferin bot, billiger, als er sie kostete. Sie wollte die Frau los werden oder auch nur aufhören zu reden oder vielleicht das Waarenstück hin- und herwendeu, den Stoff abschneiden, einpacken, einbinden, sich reger«, die Gedanken einlullen. Die Käuferin, ein altes, zahnloses Weib, schob ihr Tuch zurück, das, vorn Kops über die Kleider fallend, die hagere Gestalt einhüllte, griff in die Tasche, zählte, suchte, zählte wieder. Dann räusperte sie sich. „Entschuldigen, Frau Breitmann, entschulden, habe nicht so viel Geld bei mir. Belieben vielleicht, mir den Barchent zu schicken. Marhnlka geht ja täglich bei mir vorüber, das liebe Fräulein — sie kann das Geld holen." Als der Name gefallen war, da blickten die anderen Frauen wiederum gierig auf. Frau Breitmann sagte ruhig: „Meine Tochter ist nicht hier, sie ist bei der Großmutter drin in« „Deutschen", dort hinter Arnau." Ein verschmitztes Lächeln stieg in dem hageren, zahnlosen Gesichte der Käuferin auf, begleitet von eine»; wissenden Nicken; aber aus den Angen der Frau Breitmann antwortete ein Blick so ernst, so hart, dabei so voll tiefster Pein, daß die Alte rasch das Tuch über den Kopf zog und höflich grüßend das Geschäft verließ. Auch die anderen Frauen waren bald abgefertigt. Die eine, die Frau Wirthin von der „Stadt Prag", wollte ein Gespräch anknüpfen. Sie,««einte, die Männer wären alle schlecht. Die Frau «nit dein üppigen Körper und dem verschwommenen Gesichte besaß darin eine gewisse Erfahrung; sie hatte in Wien mehrere Jahre als Köchin gelebt. Frau Breitmann entgegnete: „Es giebt auch schlechte Frauenzimmer," «vas allseitig bestätigt wurde. Es war endlich leer im Laden; sie ordnete die Maaren, dann nestelte sie an ihrer Frisur; es war etivas nicht in Ordnung au ihren Haare««. Sie stellte sich vor den großen Spiegel, der dazu diente, den Kunde«« die Wirkung der Stoffe an ihrem Körper zu zeigen. Sie vergaß aber, ihre Haare zu ordnen, sie blickte starr in das Gesicht, das ihr entgegeuschante. Sie war alt geworden, alt in zwei Tagen, wer weiß, vielleicht in einer Minute. Die Augen lagen ties, grau umrändert, zur Schläfe hin zogen sich schmale Furchen, um Nase und Mund lag das Fleisch schlaff. Da zuckte es auch immer so verrätherisch und grub — immer tiefer, immer tiefer. Noch vor einigen Tagen hatte ihr Mann gesagt, daß sie aussehe wie die ältere Schwester ihrer Tochter: die Farbe«« frisch, die Wangen straff. — Und wie sie des Kiudes gedachte, ihrer Marhnlka, da schossen die Thränen aus den Augen, als hätten sie, angesammelt, kau»« die Zeit erwarten können, ans Tageslicht zu kommen. So durfte man sie hier in« Laden nicht sehen, so nicht. Sie mochten reden, «vas sie wollten, die Lente in« Orte, so ein kleiner Flecken — es wußte es ja jedes Kind — aber ihr ins Gesicht sollten sie nichts sagen, nichts Böses, nichts Mitleidiges. Sie ging durch die Glasthür ins anstoßende Wohnzimmer. Sie setzte sich nieder, sie wollte ausruhen; aber die Gedanke«« kamen voll Unruhe über sie . . . Ob sie das Unglück hätte verhüten können? Ob etivas versäumt, etivas verschuldet wurde? Ihr Leben war doch einfach und nüchtern, die Gewohnheiten, die Gespräche, die Neigungen rein und redlich. Und doch . . . und doch . . . Sie neigte das müde Haupt auf den Tisch, bedeckte das Gesicht «nit den Händen, nnd so schluchzte sie auf aus weherfüllter Brust. Nach einer Weile öffnete sich die Thür, die zur Küche führte; ganz schmal ward sie aufgeschoben. Ein Kopf wnrde sichtbar, um das Haupt ein Kattuutüchel gewunden, darunter ein gutes, braunes Gesicht mit wasserblauen Augen, eine etivas aufragende Stuuipfnase, schmale blaffe Lippen. Und diese Lippen bebten, und die Augen thräuten, als sie die schluchzende Frau sahen. Die Person wischte sich mit ihrer Küchenschürze das Gesicht, dann schluchzte auch sie laut auf, und endlich lag sie vor der weinenden Herrin auf dein Boden und küßte ihr die Hände und küßte ihr die Kleider und rief immerzu: „Umbriugei« müßt Ihr »«ich, »«eine gute Herrin — erschlagen! — Ich . . . ich bin schuld an allein Unheil — ich — ich!" Da faßt« sich die Frau; sie hob das Haupt und sprach begütigend: „Was fällt Dir ein, Anka, sprich das Wort nicht aus — un« Gotteswillen, sei gescheit! Man horcht au Thüren und Fenstern — wehe, wenn Dich Jemand mißversteht .... erschlagen .... erschlage«« — so ein Wort in einem Judenhause zu dieser aufgeregten Zeit!" ^! i i ^. n i