Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 14 (5.4.1901)
- Date
- 1901-04-05
- Page
- Seite 162 (sequence 8)
- Language
- German
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162 Gesellschaft, dem konservativen und dem fortschrittlichen, geführt wird. Der blinde Glaube, das Festhalten an den eingebürgerten Gewohnheiten, am Althergebrachten, die Furcht vor jeder Neuerung einerseits und Wissensdurst und Lebenslust andererseits, bilden das Hauptthema. Man gewinnt aber den Eindruck, daß die Grausamkeit und Rücksichtslosigkeit, mit welchen die fanatischen Juden die neuen Strömungen zurückdrängeu, keineswegs auf Korruption und Bosheit beruhen, sondern vielmehr auf Charakterfestigkeit und Prinzipientreue.—MalkeSchwarzenkopf, ein junges, anmuthiges Mädchen, Tochter eines alten armen Tintenmachers, wird im Auslande auf Kosten einer reichen Jüdin erzogen. Sie kommt dann in ihre Heiwath zurück und findet ihre Wohlthäterin nicht mehr am Leben. Der Erbe Silberzweig entzieht dem Mädchen die weitere Unterstützung. Malke kehrt zu ihrem Vater zurück und theilt mit ihm Noth und Elend. Der Plötzlich reich gewordene Silberzweig, ein beschränkter, unwissender aber ehrlicher Bursche, faßt den Entschluß, sich zu „eivilisircn", um seinem „Range" gemäß leben zu können. Er findet seinen Mentor in der Person eines mit allen Details des Gigerllebens vertrauten Herrn von Stempel, der sich zuletzt als Jude entpuppt. Herr von Stempel beschäftigt sich ausschließlich mit der Einführung von jungen, reichen Herren in „Gesellschaft". Die „Gesellschaft" besteht aus Spielern, Abenteurern und Actricen. Diese „Civilisirung" Silberzweigs war es, die ihn hinderte, der armen Malke seine Aufmerksamkeit zuznwenden. Malke leidet furchtbar durch den Gedanken, ihrem armen Vater zur Last fallen zu müssen. Ihr Trost ist — ihre Liebe zum Advokaten Jakob Lewh. Allein Familienverhältnisse zwingen den Advokaten Lewh sich mit einem anderen Mädchen zu verloben. Malke verzweifelt. Da kommt der Heirathsvermittler Rosenblatt und schlägt Malke den närrischen Krümersohn Firulkes als Bräutigam vor. Diese Heirath verspricht dem alten Vater ein warmes Nestchen. Malke opfert sich aus Liebe zum Vater: sie heirathet den närrischen Joine. Ihr Leben ist düster, trostlos; sie verliert ganz den Muth, wird melancholisch, fängt an zu kränkeln. Da erfährt sie, daß der Advokat Lewy seine Verlobung gelöst hat, und daß er sie von Joine scheiden und daun heirathen möchte. Malke gewinnt wieder Muth, sie verlangt die Scheidung. Joines Vater willigt nicht ein, er verlangt Schadenersatz. Der alte Schwarzenkopf weint, trauert, Malke geräth wieder in Verzweiflung und — vergiftet sich. Als Lewy mit dem Lösegeld erscheint, ist Malke bereits todt. Dies im Großen und Ganzen das Sujet des tief ergreifenden Dramas. Die Einzelheiten, welche die entgegengesetzten Lebensanschauungen angehörenden Personen charakterisiren, lassen sich nicht in einem Zeitungsartikel wiedergeben. Die Revanche ist treffend gewählt und gut gelungen, besonders dadurch, daß sie nicht auf Schleichwegen, bei geschlossenen Thüren, unter lauter Gesinnungsgenossen, sondern vielmehr öffentlich, bei freiem Zutritt für Jedermann und unter Aufsicht der Behörde geübt wurde. Möge nun Herr Suworin, der neuerdings von den Studenten wieder mit einer Katzenmusik beehrt wurde, aus den Tiefen des jüdischen Ghettos noch so viel Zerrbilder Herauszaubern, die Existenz, ja das häufige Erscheinen solcher Figuren, wie Malke Schwarzenkops rc., muß jeder unbefangene Christ zugeben, der mit den Juden irgendwie in Berührung kommt. öl. 6ckacl mi joclea! Vo» Dr. Levy, Rabbiner in Brinnath i. Elsas;. n diesem Liede der HaAZacksh, über dessen Verfasserschaft nichts Positives bekannt ist, interessirt vor allem die Frage, weshalb dasselbe mit der Zahl 13 schließt. Würde die Zahl 7 oder 10 oder 12 den Schluß bilden, so würde dabei nichts Auffallendes sein, dieweil diese Zahlen auch sonst in der jüdischen Religion eine Rolle spielen. Daß nun mit 13 geendigt wird, dafür könnte ein doppelter Grund angenommen werden. Der Verfasser will nämlich darauf Hinweisen, daß wir alles mit Gott beginnen (Zahl 1) und mit Gott beenden sollen (Zahl 13: Eigenschaften Gottes). Welch erhabene Lehre will er damit uns ins Gedächtniß zurückrufen! Man denkt wohl beim Unternehmen eines Werkes an Gott, weil es zweifelhaft, ob wir dasselbe zu gutem Ende führen können oder nicht, und bitten ihn um seinen Schutz und Segen dabei; hingegen, so wir ein günstiges Resultat erzielt, ein Gelingen zu verzeichnen haben, sind wir oft geneigt, uns selbst dies zu Gute zu schreiben und mit Deut. 8. 17 zu sagen: Meine Kraft und die Stärke meiner Hände haben mir diesen Reichthum geschaffen!" Da aber ruft uns dieses Lied zu: (das. S. 18) „Du sollst vielmehr gedenken des Ewigen, deines Gottes, denn er ist es, der dir die Kraft gegeben, Wohlstand zu erwerben." Wenn es nun der Verfasser lediglich darauf abgesehen hätte, mit einer auf Gott bezüglichen Zahl abzuschließen, so hätten ihm allerdings noch andere Zahlen zur Verfügung gestanden. Weshalb hat er dann die Zahl 13 gewählt? Vielleicht fällt die Abfassung dieses Stückes in eine Zeit, wo die Annahme, daß die Zahl 13 eine Unglückszahl bedeutet, eine weit verbreitete war selbst unter den Juden. Gegen diesen Aberglauben wendet sich der Verfasser; ihn sucht er dadurch zu bekämpfen, daß er in diesem Zahlenlied mit 13 aufhört. Er will uns am Pessachfeste lehren, daß Israel mit Erlangung der körperlichen Freiheit auch frei von Un- und Aberglauben geworden ist, welches Zeugniß ihm auch vom Zauberer Bileam ausgestellt worden ist: (Num. 23,23) „Denn keine Beschwörung haftet an Jakob, und keine Bezauberung an Israel!" Simeon Samuel Frug. Von R. Brainin. I. imeon Samuel Frug wurde seinem Vater Mose Zevi Ende 1860 in der jüdischen Bauernkolonie Babrowij Kut, Kreis Cherson, geboren. Den Einfluß des Landlebens und der unmittelbaren Nähe der Natur verspürt man in vielen seiner ersten Gedichte. Sein Vater war ein schlichter jüdischer Landmann. Der junge Frug besuchte, wie alle jüdischen Kinder zu seiner Zeit, das Cheder. Schon in seiner Kindheit gewann er die Bibel besonders lieb. Namentlich übten Jesaias und Ezechiel einen starken Eindruck auf sein zartes poetisches Kindergemüth. Im Jahre 1869 wurde Frug in die russische Schule gebracht, wo die Kinder der Kolonisten Unterricht in der Landessprache genossen. Dort lernte er russisch lesen und schreiben. Drei Jahre verbrachte der künftige Dichter i» dieser Dorfschule,