Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 14 (5.4.1901)
- Date
- 1901-04-05
- Page
- Seite 159 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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159 spwchen hat. In einem Schreiben desselben an Professor Philippson heißt es u. a.: „Noch mehr aber drängt es mich, Ihnen meine lebhafte Zustimmung zu dem geplanten Unternehmen auszusprechen. Ich weiß, wie schwer es ist, unsere Genossen zu ausdauernder gemeinsamer Thätigkeit zu bringen, deren Erfolg man nicht von heute auf morgen sehen kann." In dem „innigsten Wunsch besten Gedeihens", den der verehrte Mann znm Schlüsse ausspricht, stimmen gewiß Alle gern ein, denen das Wohl des deutschen Judenthums am Herzen liegt. Die Zweifel, die unser italienischer Korrespondent betreffs der Zuverlässigkeit der in der „Schles. Ztg." aufgestellten Statistik über die Inden in Europa hegt, sind durchaus berechtigt, und es erübrigte sich eigentlich, dieselbe noch kritisch unter die Lupe zu nehmen, da sie ja auch schon dem Unbefangenen unkorrekt erscheint, wenn nicht die gesammte jüdische Presse die Angaben reproduciert hätte. Italien ist sicherlich noch am besten weggckommen. Thaisächlich kann die Jndenzahl für dieses Land mit 4600V nicht gar zu weit von der Wahrheit liegen. Der Einwand, daß sich manche Juden als Katholiken ausgeben, ist kaum stichhaltig, da wir diejenigen doch nicht für uns reklamiren können, die mit voller Absicht sich bei Volkszählungen zu den Katholiken rechnen. Aber abgesehen von Italien kommen in dieser Statistik arge Unrichtigkeiten und stellenweise sogar doppelte Buchungen vor. Rußland wird — sicherlich gegen die Wahrheit — nur mit 2050000 Juden bedacht, während die allerniedrigsten Schätzungen das Doppelte, nämlich 4—5 Millionen ergeben. Asien figurirt dagegen mit seiner Judenzahl doppelt: erstens unter dem Namen des Erdtheils und zweitens unter der Rubrik Türkei. Denn Inden wohnen fast nur in Türkisch- Asien. Wenn also für die (europäische und asiatische) Türkei einigermaßen korrekt 850 000 angegeben werden, wo sollen dann die unter Asien noch besonders aufgesührten 800 000 Juden Herkommen? Nennenswerthe jüdische Bevölkerungen besitzen nur Kleinasien, Syrien mit Palästina »nd Arabien, das sind aber alles lauter türkische Provinzen. Ebenso muß sich in der Statistik der „Schles. Ztg." Afrika eine doppelte Buchung seiner Juden gefallen lassen. Ein großer Theil der Inden wohnt im französischen Afrika, in Algier und Tunis. Wenn Frankreich mit 170000 Juden beziffert wird, so sind, da das Mutterland höchstens 70000 Juden hat, darin für Afrika reichlich 100000 bereits in Rechnung gebracht, eine Zahl, die nachher unter der Rubrik Afrika nicht abgezogen wird. Das Resultat wird dadurch stark beeinflußt, umsomehr, wenn man bedenkt, daß der beste Kenner in dieser Beziehung, der verstorbene Rohlfs, für den schwarzen Erdtheil nur 220000 Juden anninnnt. Außerdem haben nur noch Marokko und Abessinien, neuerdings auch noch Transvaal — letzteres etwa 12000 — « ine nennenswerthe jüdische Bevölkerung. Das Resultat mit 8679000 ist eher zu klein. Da Rußland >md Amerika viel zu niedrig eingeschätzt worden sind, so dürfte das schließliche Ergebniß größer sein und auf mindestens 10000 000 beziffert werden können. 4 Aus Rumänien erhalten wir von hochachtbarer Seite die folgenden Mittheilungen, die wohl dazu geeignet sind, das Hilfswerk für unsere unglücklichen Glanbensbrüder in diesem Lande zu fördern: „Der Winter ist vorüber, neues Leben und neue Kraft zieht ein in jedes Menschenherz. Nur der rnniönische Jude senszt und seufzt uud kan» den Frühling nicht genießen. Tausende und Abertausende könne» trotz der großartigen Hilfsaktion der ausländischen Philantrope» den bitteren Kamps mit der Noth nicht weitersnhren. Die Kunde, daß die Hilfsmittel sür die rumänischen Juden bereits erschöpkt sind, daß inan im Auslande vielfach glaubt, die rumänische Judentragödie ist bereits ihrem Ende nahe, hat hier wie im ganzen Lande allgeniein Schrecken verursacht. Wenn jetzt, Ivo die Volksküchen Waisen und Wittwen, Emigrantensrauen und arbeitslose Handwerker speisen, wo die Hilfskomitees überall leihen, schenke», retten, helfen, wo ein Vertreter der Alliance im Lande weilt und Thränen trocknet und Knmnier mildert, das Elend Vieler zum Himmel schreit, wie wird es erst sein, wenn dieser Strom der Menschenliebe und Stammestreiie, der aus Deutschland, Frankreich, Oesterreich und England zu »ns stießt, plötzlich gedämmt und gehemmt werden wird? Die Volksküchen sollte» überhaupt eine bleibende Einrichtnng werden. Wer Gelegenheit hat zu sehen, welcher Segen diese Anstalt bei uns in Jassy z. B. für Hunderte armer jüdischer Kinder ist, Ivie viele Arbeiter vor Hunger gerettet werden, wie der Präsident des Hilfskomitees, Herr A. S. Goldenthal, umgeben von einer Schaar begeisterter Jünglinge, in dieser Volksaustalt wirkt, wird es verstehen, wie wichtig es ist, daß inan diese Volksküchen erhält, bis eine Zeit kommt, in der die rumänischen Juden ans eigener Kraft im Staude sein werden, dieselben vor Untergang zu bewahren. Man hofft hier aus Erfüllung des Wortes unseres ehrwürdigen Rabbiners Dr. Nimirower: „Die ausländischen Philanthropen werde» sicherlich nicht so schnell die Hilfsaktion abschließen und „Dajenu" sprechen, unsere wenigen Reichen im Lande werden gewiß zu helfen suchen und nicht blos ein zufriedenes „Dajenu" über die Eroßthate» des Auslandes verkünden, und unsere unglücklichen Armen werden an den Sederabenden jede Offenbarung der Menschenliebe unserer Glaubensgenossen preisen und ein dankvolles „Dajenu" ertönen lassen." 4 In der letzten Sitzung des Lcmrcl nt' 6>miciis»8 in London theilte der Vorsitzende mit, daß der englische Premierminister Lord Salisbury mit den Bestrebungen, den rumänischen Inden zn der ihnen von allen Staaten garantirten, leider jedoch nicht gesicherten Gleichberechtigung zn verhelfen, lebhaft sympathisire. Das auswärtige Amt wolle alles thnn, um diese Gleichberechtigung der Juden irr Rumänien von der rumänischen Regierung zu erzwingen. Er, Redner, sei aber nicht sanguinisch genug zu glauben, daß dieser Druck unmittelbar günstige Erfolge haben könnte. Nichtsdestoweniger müsse er dringend bitten, sich jeder öffentlichen Agitation in England zu enthalten. Er könne mit voller Autorität versichern, daß die Schritte, die gegenwärtig vorbereitet werden, einen günstigen Erfolg versprechen. Die Nachricht ist jedenfalls von Bedeutung. 4 Die Juden Persiens sind in übler Lage. Schwere Unruhen, hervvrgerusen von einem fanatischen Priester, haben wider einmal im israelitischen Viertel von Teheran stattgefunden. Das Centralkomitee der ^tlmne« israelite mnversslle hat vom Direktor der Allianceschnle in Teheran folgenden Brief erhalten: Tehecan, 20. Januar 1901. Der Scheck Ibrahim, wohlbekannt in Teheran wegen seiner Schroffheit, hatte bisher noch nichts Feindliches gegen die Inden niiternonnnen. Am 18. Januar versammelte er die Gläubige» in der Kirche; er versuchte ihnen zn zeigen, daß die Religion in Gefahr sei. Zwei Rassen, so schloß er, haben hier das Monopol der Fabrikation des Branntweins: die Armenier und die Jude». Die Juden sind in der Nähe von uns, beginnen wir bei diesen. Alsbald machte sich eine c> n