Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 13 (29.3.1901)
- Date
- 1901-03-29
- Page
- Seite 154 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3228419-3228433--57412-3293787- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
154 der beiden Schwestern Sarah von Grotthus und Marianne von Eybenberg an Goethe habe ich selbst früher herausgegeben l Goethe-Jahrbuch Band 14, 1893): diejenigen, die Goethe all die schreib- und gabefreudigen Schwestern richtete, waren schon vor mehreren Jahrzehnten durch Varnhagen edirt; neu ist in unsernl Bande ein Brief an Frau von Eskeles, deren Gatten Goethe kurz vorher kennen gelernt hatte. In diesem Briefe sprach Goethe von seinem Wunsche, Wien zu sehen und der Unmöglich-! keit, diesen! Verlangen zn gellügen und gab seinen! Schmerz! um den Verlust der Frau von Fließ und der schon erwähnten! Frau von Eybenberg, zwei der Adressatin verwandtschaftlich! und freundschaftlich sehr nahestehenden Damen, mit folgenden! Worten Ausdruck: „Beide glaube ich genugsam gekannt und! geschätzt zu haben, und Beide haben mich als ihren Schuldner! hinterlasseu: denn lrem hätte es wohl gelingen können, sich mit; ihrer Aufmerksamkeit und thätigen Gefälligkeit ins Gleich-! gewicht Zll setzen?"! Auch Goethes Tagebücher werden zum ersten Male in der j großen Weimarer Ausgabe veröffentlicht, die zu dieser Notiz , Veranlassung giebt. Naturgemäß haben sie, zumal sie erst mit! dem Jahre 1797 ausführlich zn werden anfangen, durchaus nicht die Ausdehnung der Briefe; sie füllen 11 Bände, gehen > aber bereits bis zum Ende des Jahres 1828, so daß mit , höchstens noch zwei Bänden die ganze Reihe vollendet sein j muß. Dieser verhältnismäßig geringe Umfang der Tagebücher! erklärt sich daraus, daß man es bei ihnen nicht mit allsführliehen Bekenntnissen, sondern mit kurzen Notizen über empfangene Besuche, erhaltene und abgeschickte Briese, Lektüre und Arbeiten zu thun hat; jeder Tag wird daher mit wenigen Zeilen abgethan. Der vorliegende Band der Tagebücher umfaßt die Jahre 1827/28. Jüdisches wird darin selten erwähnt. Die Zeiten, in denen sich Goethe für die Bibel besonders lebhaft interessirte, das Hohe Lied übersetzte und Aufsätze über einzelne kritische Fragen schrieb, waren längst vorüber. Er aber, der mit einer Vielseitigkeit ohne Gleichen alle Gebiete, wenn auch nicht beherrschte, doch überschaute, las damals, wie er getreulich notirte, Saalschütz: „Von der Form der hebräischen Poesie" und Leo: „Geschichte des jüdischen Volkes". Auch an Beziehungen zu Juden (bezw. getauften Inden) fehlte es in den genannten Jahren nicht ganz. Zwar Besuche des vertrautesten unter diesen, des jugendlichen Felir Blendeissohn- Bartholdy, fallen nicht in die beiden Jahre, aber seine Musik wurde gelegentlich gespielt und ein Gedicht an seine Schwester, Fanny Heusel, ging damals von Weimar nach Berlin. In Weimar selbst gab es freilich keine oder wenig Juden, mit denen Goethe verkehren konnte. Der jüdische Hofbankier Elkan, dessen Nachkommen die Erwähnung seines Judenthums nicht hören mögen, und dem sie Leichtfertigkeit und Unkenntniß vorwerfen, der darall erinnert, daß ihr Ahn „Kleiderjude" gewesen „der Jude Elkan läuft mit manchem Rest" <4780» - - wird häufig erwähnt, aber nur als Geldbesorger. Sonst wird, aber freilich nur mit Namen und bestimmten Daten, ohne irgend welche nähere Angaben, natürlich auch ohne Bezeichnung ihres Glaubens, der Besuch des Malers Oppenheim erwähnt, der, wie aus G. Karpeles Veröffentlichung <in den '„Berichten des Freien Deutschen Hochstists zu Frankfurt a. Main"» bekannt ist, seinem Weimarer Aufenthalt und seinen! Zusammensein mit Goethe ausführliche Berichte gewidmet hat. Auch des in den Gedichten stehenden Albumblattes für Ferd. Hitler wird gedacht, sonne eines Besuches von dem Bater des jungen Komponisten. Etwas ausführlicher wird der Besuch des bekannten Berliner Juristen Eduard Gans verzeichnet, der mit dein Buchhändler Parthey in Weimar war <28. August 1827) und den auch durch die Anwesenheit des Königs Ludwig von Bayern verherrlichten Geburtstag des Dichters mitfeierte. Gans war mehrmals Goethes Tischgast. Am 31. August heißt es bei Erwähnung seines Besuchs: „Mit ihm gar Manches über das neueste deutsche Litteraturwesen und Unwesen. Eröffnung über das Berliner kritische Blatt." Die letzte Notiz bezieht sich auf die von einer Gesellschaft Berliner Gelehrten geplanten und bald hernach wirklich ausgeführten „Jahrbücher für wissenschaftliche Kritik", die eine große, wohlverdiente Bedeutung erlangten und auch einen Goetheschen Beitrag erhielten, lieber sein Zusammensein mit dem Dichter hat Gans einen Bericht gegeben lwiederabgedrnckt bei v. Biedermann, „Goethes Gespräche", Band <>). das obenerwähnte Gebiet aber nicht berührt. Tie interessanteste Notiz über jüdische Besucher ist aber die folgende: Am 2. Mai 1827 verzeichnet Goethe, am Ende des jenem Tage bestimmten Abschnittes, durch ein besonderes IM. hervorgehoben: „Zwei Herren von Rothschild mit ihren! Führer- John Darby." Von dieser Begegnung war bisher nichts bekannt. Gemeint sind jedenfalls zwei jüngere Leute, die auf einer Bildnngs- und Studienreise in Deutschland an Weimar nicht vorbeigingen. Permnthlich hatten sie, wie damals so viele junge Engländer, Empfehlungen an Ottilie, des Dichters Schwiegertochter, die einen vollständigen Kreis junger Engländer um sieh versammelte. Goethe selbst hat sich über diese Begegnung weiter nicht geäußert. Zu irgend welchen näheren Beziehungen zwischen dem Dichter und dem Hause Rothschild ist es, wie es scheint, nicht gekommen. In den schon angeführten „Gesprächen" finden sich zwei Notizen vor: die eine <20. Oktober 1828» in der davon die Rede ist, daß mehr als ein Menschenalter nöthig war, damit jenes Hans zu seinen Schätzen gelangte; die andere <11. April 1829), daß derDichter seineu Mittagsgästen Frankfurter Späße erzählte, „besonders zwischen Rothschild und Bethmann, wie der Eine dem Andern die Spekulation verdorben." Für den Külturhistoriker aber bleibt diese persönliche Begegnung zweier Weltmächte ein sehr interessanter Moment. Die jungen englischen Herren werden in ihrem englischen Selbstbewusstsein schwerlich inne geworden sein der Bedeutung dieses Augenblicks. Ob Goethe an etwas mehr gedacht, als daß er zwei reich gewordene Inden vor sich sah? We Königsbraut. Historische Erzählung von Carola Buchheim. XIII. vor Glück und namenloser Wonne schritt der König durch die finsteren Gasser! der Burg zu. In ihm strbelte und jauchzte es. Im Schlosse herrschte wirres Durcheinander, und kaum war Boleslav in sein Gemach getreten, da wurde ihm auch schon die Ankunft mehrerer Edlen gemeldet, die in dringender Sache noch heute mit dem Könige sprechen mußten.