Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 13 (29.3.1901)
- Date
- 1901-03-29
- Page
- Seite 148 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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148 sind Berge, steiniger Boden und Weideland und weitere 1760 Hektar liegen noch brach. Ueber die Verwendung von 5390 Hektar giebt der Verfasser keine nähere Auskunft. Der grüßte Theil dieses Landes wird wohl jenseits des Jordans liegen, wo die türkische Negierung jeden Kolonisatiousversuch leider inhibirt. Die einstweilen bereits unter Kultur genommenen Ländereien im Umfange von 16.500 Hektar werden von den Inden in geradezu musterhafter Weise gepflegt. Das Hauptprodukt der jüdischen Kolonisten ist. im Gegensatz zu der bisherigen allgemeinen Annahme, nicht Wein und Früchte, sondern Getreide, dessen Anbau jedem größern Kolonisationsnnternehmen als Basis dienen muß. Nicht weniger als 12 643 Hektar, das ist 76 Prozent allen unter Kultur genommenen Landes, werden mit Getreide bebaut, während für Banmknltnren und Plantagell im Ganzen nur 3855 Hektar reservirt werden. Unter diesen nimmt der Weinbau mit 2530 Hektar die erste Stelle ein, ihm folgt in weiter Entfernung die Anpflanzung von Oliven mit 404, die von Mandelbänmen mit 239 und die von Apfelsinen (in vier Bnjaren) mit 207 Hektar. 303 Hektar sind mit Maulbeerbäumen bepflanzt, ein Beweis dafür, daß die jüdischen Kolonisten in Palästina eine bedeutende-Seidenzucht betreiben. Auch wohlriechende Essenzen werden von ihnen hergestellt, wie die 67 Hektar, welche unter Rosenban genommen sind, beweisen. Zur Sanirung des fieberschwangern Klimas wurden von den Juden massenhaft Encalhptusbäume, darunter allein in Ehedereh 200 000 Stück, angepflauzt. Die Eucalhptusbanme werden auch als Nutzholz gepflegt, wie ein 48 Hektar umfassender Encalyptushain beweist. Endlich erwähnt die Schrift des Herrn Meierowitsch billiger ansehnlicheil Gemüsegärten mit künstlicher Bewässerung im Umfange von 57 Hektar. Zur Bearbeitung ihrer Felder besitzen die Kolonisten 754 Pflüge. 425 Wagen, 1112 Pferde und Maulthiere, sowie 456 Ochsen. Ferner 1335 Milchkühe und 2142 Schafe und Liegen, die alle in 512 Stätten untergebracht werden. All sonstigen Baulichkeiten wurden 695 Gebäude aufgesührt, darunter zwei umfangreiche Weinkellereieu, eine Böttcherei, fünf Mühlen, eine Glasfabrik, eine Seidenspinnerei und ein Laboratorium. Als den bedeutendsten Erfolg der jüdischen Kolonisation in Palästina wird jedoch stets und immer die Thatsache allgesehen werden müssen, daß nicht weniger als 5592 Inden, welche bis dahin in Städten gelebt und allerhand Kleinhandel getrieben haben, zu echten und rechten Bauern gemacht worden und, und dadurch der Beweis erbracht worden ist, daß der Jude überall, wo sich nur eine günstige Gelegenheit dazu'bietet, ebenso wie in Handel und Industrie auch in der Landwirthschast ebenso gut wie der Arier seinen Platz auszufüllen vermag. Auch die türkische Regie r u n g könnte ans den vorliegenden" Erfolgen der Juden ^Palästina etwas lernen: die Juden haben achtzehn neue Traubensorten und sieben neue Obstarten in Palästina akklimatisirt. Ferner haben sie neue Weizen- und Gerstel, arten da eiugeführt, den Anbau von Kartoffeln kultivirt. türkischen Tabak "angepflauzt und die Seidenzucht eingeleitet. Im Gegensatz zum Araber, der in Palästina Raubbau treibt, geben die Inden dem Boden Dung, arbeiten mit eisernen Pflügen, mähen und dreschen mit Dampfmaschinen und säen Futter für das Vieh. Die Inden fabriziren Wein, Cognac, Seide und wohlriechende Essenzen. Endlich Pflanzen sie ganze Eucalyptnswälder und saniren an zahlreichen Stellen das * hier und da ungesunde Klima. Solche wahre Kulturträger, welche im besten Sinne des Wortes Kultur nach dein Osten tragen, sollte die türkische Regierung nicht in ihrer Kulturarbeit hindern, sondern nach Kräften zu fördern suchen. Wie bedeutend die jüdische Kolonisation jetzt schon die Steuerkrast Palästinas hebt, beweist das Beispiel von Rischon-le-Zion. Vor 18 Jahren brachte das elende Arabernest Ajnn- Karah. ans dessen Boden sich jetzt die jüdische Kolonie Rischon-le-Zion erhebt, der türkischen Negierung 300 Francs jährlich Steuer ein. Jetzt bringt dieser Boden, den die Inden in eine reiche Weiuplautage umgewandelt haben, nicht weniger als 30000 Francs ein. Tie Juden haben schon einmal der Türkei großen Segen gebracht. Damals waren cs die spanischen Inden, welche nach ihrer Vertreibung ans Spanien im 16. Jahrhundert nach der Türkei gingen und ihr einen gewaltigen Zuwachs an Kapitalien und Intelligenz brachten. Tie Türkei hat es nie bereut, im 16. Jahrhundert die Juden gastlich ausgenommen zu haben. Möge sie es jetzt zum zweiten Male mit den russischen Juden versuchen. Auch deren gastliche Ausnahme wird der Türkei Segen bringen und zu ihrer Verjüngung wesentlich beitragen. Aus der Berliner Gemeinde. 8. Berlin. 24. Mär, die Spitze unseres Berichts über die heutige R ep rä s e n tan teu ver sam m lu n g stellen wir die erfreuliche Thatsach daß Professor Geiger vor Eintritt in die Tagesordnung in höchst dankenswerther Weise sich zum warmen Fürsprecher unser i „beweglichen Klage" über die in der letzten Nummer hervorgehoben. Erschwerung der Berichterstattung machte. Er schloß sich vollständ g der von uns gegebenen Motivirung an, betonte die Wichtigkeit, dm.!, die Presse nur richtige Berichte an die Oeffentlichkeit gelangen u lassen und bat. Versuche darüber anzustellen, die Berichterstatter so u placiren, daß sie den Verhandlungen zu folgen im Stande sind. T v Redner hatte auch die Freundlichkeit, unsere Anregung zu vertrete, den Referenten der Presse in Zukunft den Etat, an dem die E meindemitglieder ein erhöhtes Interesse haben, zugänglich zu mache i, soweit er in der öffentlichen Sitzung zur Verhandlung käme. Nachden der Vorsitzende desVorstaudes Herr Ja c o b h auf das der Repräsentant! Versammlung zustehende Hausrecht über den Sitzungssaal hingewiest i nahm sich auch Laudgerichtsrath Löwe seines vor 1',.., Jahren z i Ruhe getragenen Antrages betreffs Aendernng der Placirung d l Presse wieder an unter Betonung des Interesses, das sämmtlien Repräsentanten zu einer genauen Berichterstattung haben müßten: i zweifelte nicht daran, daß bei gutem Witten die Forderung n! Leichtigkeit dnrchzusühren sei. Herr Leonhard Sachs, der u Vertretung des durch Krankheit behinderten ersten Vorsitzenden > Versammlung leitete, und zwar in so präziser und deutlicher We daß jeglicheKlage verstummen mußte, wies ebenfallsauf die akustii e und hygienische Unzulänglichkeit der Tribüne hin und sagte bald j Aenderung in dem von uns angeregten Sinne zu. Den größt > Raum der Verhandlung nahm naturgemäß die weitere Berathu g des Etats der Gemeinde ein. Nachdem debattelos die Ausgabe r n 220 Mark für die Reparatur einer Thorarolle in der Shnag n Lützowstraße lind für Speisung der Strafgefangenen in Brandend! 120 Mark, in Kottbus 50, in Potsdam 50, in Nawitsch 40 M u bewilligt war, ging es an die Berathung des Schuletats, de Referent Professor Bla s chke war. Wir bemerken hier nur. daß bl n Schuletat die Summe des Schulgeldes beträchtlich geringer eingest u ist, da die erfreuliche Aussicht vorhanden ist. in viel größerem N fange Freischule zu gewähren. Laudgerichtsrath Löwe schnitt - dieser Position die Frage des Umbaues der Mädchenschule au > erhielt vom Vorstandstisch die Antwort, daß der Umbau eillstinm g beschlossen, das Projekt bereits fertig sei und in der nächsten Wo e dem Gemeindevorstand vorgelegt werden solle. Manrermei! r Frankel erinnerte, daß dieBankommission ein motivirtes Gntaeb I früher eingereicht habe, wonach sich das jetzige Gebäude keinesw ^1 zum Umbau eigne, und kündigte all, daß er sich bei der Beratlw!gl „mit Händen und Füßen" gegen einen derartigen Beschluß wehren we I Prof. Geiger pflichtet diesen Ausführungen bei und bezeichnet die I Beschluß nach den früheren Beschwerden, als höchst überrasch,!?I und bat, das Gebäude iu anderer Weise zu verwerthell. Dann so u I die Genehmigung des Etats des Talmud Thora-Instituts, der Pr^ . I randeuanstalt und der acht Religionsschulen. Auch bei den letzt. '»I soll eine Herabsetzung und, wenn uothweudig, Freilassung vom Sei gelde stattfinden. Erst in zweiter Lesung wird deshalb die defirii u-I Summe eingestellt werden können. Bei diesem Titel sind aus Aut gl der Herren Blaschke. Geiger, Löwe und Minden neu eingestellt > sämmtliche Neligionsschnlen für das erste Etatsjahr je 100 Mark, n l das zweite und dritte je 50 Mark zur Errichtung voll Lehrerbit thekeu. Vom Vorstand sind nur die ersten 100 Mark geiieh'-.igi I worden mit dem Hinweis, daß diese Bibliotheken nur Bücher für Unterrichtsmaterial enthalten sollen, da alte übrigen Bücher in ^>1 zu eröffnenden Gemeindebibliothek vorhanden sein würden. warmer Befürwortung durch die Herren Professor Geiger. Prosnnn I Blaschke. Dr. Minden und Leonhard Sachs wird der libc^u» Antrag mit allen gegen zwei Stimmen angenommen. Ans die Auin g I des Landgerichtsraths Löwe, welches die Grundsätze sind bezüa cl'I der anznwendenden Netigionsbücher für den biblischen Geschin - » unterricht, und welches der jetzige Stand der Verordnungen ist, ob i » Eltern gezwungen werden können, ihre Kinder in jüdischer Nelig nnternchten zu lassen, erwidert Vorsteher Jacobh, daß bezüglich M erstell Frage bereits seit Jahren eine Subkommission an der L