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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-03-24 · Heft 36 (24.3.1838) · p. Seite 143

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 36 (24.3.1838)
Date
1838-03-24
Page
Seite 143 (sequence 3)
Language
German
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143 Gesänge hat der Religionstehrer eines der vorgeschriebenen Gebete zu sprechen, und. nach der Catechisation den Nutzen und die Anwendung der Lehre der Gemeinde anzuzeigen, und zum Beschlüsse wieder eines der vorgeschriebenen Gebete zu sprechen. Hierauf hat die Jugend noch einen Vers eines Liedes zu singen. — Die Aufsicht über die nnun kommt dem Rabbinen zu, die Lectionen selbst, dürfen nur von geprüften Rabbinen und Vorsängern gehalten werden. — Die Knaben werden zwar nach zurückgelegtem 13. Jahre zum ersten Male zur Tora ausgerufen, dürfen aber nicht mehr selber aus derselben vorlesen. Am ersten Wochenfesttage wird mit der aus der Schule zu entlassenden Jugend beiderlei Geschlechtes eine Consirmation, oder religiöse Prüfung, von dem Rabbinen, und in seinen übrigen Gemeinden jeden Sabbat nach dem Wochenfeste, an welchem er den Gottesdienst daselbst leitet, vorgenommen, und zwar nach dem Angeführten Konfirmanden-Unterrichte und dem im Anhänge enthaltenen Formular. An diesem Tage werden die confirmirten Knaben zur Tora aufgerufen. — Die Trauungen werden ebenfalls in der Synagoge nach den im Anhänge gegebenen Vorschriften vorgenommen, und ist namentlich untersagt: das Mahngehen, das Vorausgehen von Musikanten, das Bedecken des Brautpaares mit dem Gebet-Mantel, das Glaszerbrechen u. s. w. Die sieben Segenssprüche darf ebenfalls nur der Rabbine sprechen. — Bei den Beschneidungen, die wie bisher im Hause vorgenommen werden dürfen, hat der Rabbine, und in seiner Abwesenheit der Vorsänger, von Amts wegen dabei anwesend zu sein. — Auch für die Leichenbegängnisse wurden zweckdienliche Anordnungen getroffen. Was an dem Leichnam zu besorgen ist, darf nicht mehr auf dem Friedhose, wo den Sarg zu öffnen nicht mehr gestattet ist, vorgenommen werden. Die Begleiter und Träger, so wie die Leidtragenden, müssen anständig gekleidet sein. Wo kein Leichenwagen ist, dürfen die Träger innerhalb des Ortes nicht mehr als ein oder zwei Mal wechseln. Die Leidtragenden gehen gleich hinter der Bahre oder dem Leichenwagen; diesem folgt der Rabbine, der die Leiche, wenn sie eine confirmirte Person war, zu begleiten, und auf Verlangen eine Leichenrede zu halten hat; sodann der Vorsänger und die Uebrigen Langsamen Schrittes, in geordnetem Zuge, Paar und Paar. Frauen dürfen dem Leichenzuge nicht folgen. Der Religionslehrer hat, bevor der Sarg versenkt wird, die üblichen hebräischen Gebete, und zum Schlüsse ein im Anhänge befindliches deutsches Gebet, die leidtragenden Söhne aber haben das Kadisch zu sprechen. — Mit dem Tode schließt die Synagogen-Ordnung. Ihnen aber wünsche ich, daß Sie noch lange und glücklich leben, und zum Heile rürsrer Religion energisch wirken mögen. Leben Sie wohl! Nächstens eine Mittheilung über die zweite Rabbinen- Diensipcüfung, die am 20. März vorgenommen werden wird. — S. M. Correspondeuzen, Auszüge, Repliken. Altona, März. (Aus dem Freihafen, Heft I.). Dr. Steinheim. Der bekannte Arzt und Schriftsteller Dr. Steinheim befindet sich seit mehren Wochen wieder in unserer Mitte und hat von Neuem seinen Wohnsitz in Altona erwählt. Wir freuen uns, daß dieser ausgezeichnete Mitbürger eine Verstimmung, die ihm vor einiger Zeit eine Auswanderung aus der Heimat wünschenswerth machte, jetzt überwunden zu haben scheint. 1)r. Steinheim wandte sich nemlich von hier fort, aus Ueberdruß an den bürgerlichen Verhältnissen seiner jüdischen Glaubensgenossen, die sich in hiesigen Gegenden allerdings noch nichts weniger als erfreulich anlapen. Ist eine vollkommene Emancipanon der Juden möglich, so wird sie sich aber dann erst gänzlich vollbringen laßen, wenn auch die Volksineinung aufhört, an dem jüdischen Wesen einen beständigen Gegenstand ihrer Opposition und ihres WitzeS zu nehmen. Diese billige Ausgleichung der Volksineinung mit dem Judenthum hat aber hier und in Hamburg noch am allerwenigsten begonnen, vielmehr kann man auf jeder Straße dem widerwärtigsten Gegentherl davon begegnen. Im Verein mit seinem Freunde G. Rießer, welchen man den O'Connel des Iudenthums genannt has, und der schon vor einigen Jahren aus einem ähnlichen Gefühl der Mißstimmung seine Verhältnisse in Hamburg aufgab und sich in Bockenheim bei Frankfurt a M. anfiedelte: hat Dr. Steinheim sehr viel dazu beigetragen, in unserer Zeit zur sittlichen und geistigen Erhebung deS Iudenthums zu wirken. Auch in der Entfernung von uns ist er thätig gewesen und hat in Heidelberg seine neue Ausgabe der „Gesänge deS Obadiah" gearbeitet, deren Vorrede unter andern, treffliche Bemerkungen über solche Carrikaturen der Zeit, wie die berüchtigten „Klagen eines Juden" enthält. Auch sein Freund Rießer, der sein ausgezeichnetes Talent leider immer nur in Gelegenheirsschristen spielen läßt, hat kürzlich in einer neuen Broschüre sich vernehmen lassen, und zwar über das Denkmal Lessings, für das er besonders die Theilnayme der Juden anzuregen sucht, was in mancher Beziehung wünschenswerch erscheint; einmal in der pccuniaren, in welcher die Juden noch am meisten den alten Segen ihres Stammes empfinden, und dann in der großen geistigen Beziehung, die Lessing selbst als Verfechter der Glaubens- und Denkfreiheir, als Dichter des Nathan, und als Freund Moses MendelsohnS zu dem Judenthum darstellt. Mag nun das Judenthum unserer Zeit noch so bedeutende Fortschritte in seinen innern sowol, wie in seinen bürgerlichen Verhältniven machen, so wird es doch immer nur mit einer gewiyen Resignation seinerseits innerhalb des inoderncn Staatenlebens zu bestehen vermögen. Wohin der Jude auch auswandern mag, überall wird ihn noch das tragische Geschick treffen, daß sich die Volkövorurtheile nicht mit ihm aussöhnen können, und selbst iu dem aus Indifferenz vorurtheilslosesten Lande der Welt, in Frankreich,dürften die Spuren davon noch nicht gänzlich verwischt sein. Eö wäre thöricht, wenn die Juden sich vergeblich abarbeiten wollten, gegen eine Schranke, der sie nur duraeine würdige Haltung trotzen können. Wenn also ein Mann. wie Steinheim mit resignirter Fassung wieder in seinen gewohnten heimischen Berusskreis zurückrritt, um dem Kaisezu geben, waö des Kaisers ist, und Gott, waö Geltes ist, so achten wir ion nur um so höher, als einen wahren Weisen im Wandel, Ldun und Dulden. —

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