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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-03-22 · Heft 12 (22.3.1901) · p. Seite 140

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 12 (22.3.1901)
Date
1901-03-22
Page
Seite 140 (sequence 10)
Language
German
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i140 Position „Nelle Synagoge" erhebt sich eine lange Debatte über di^ Verstärknng des Chores um sechs Mitglieder, für welche die Einstellung der Summe voll 3450 Mark erforderlich ist. Trotz des Widerspruchs des Gemeindevorstandes wird die Position nach Befürwortung durch die Herren Leonhard Sachs, Loewenthal und Professor Blaschte bewilligt. Bei dem Titel „Gottesdienstliche Veranstaltungen" regt Her Benas Levy all. Maßnahmen zu treffen, welche das vorzeitige Verlassen des Gotteshauses verhindern sollen, und zwar entweder durch vom Vorstand an die Synagogenbesncher erlassene Anweisungen oder eventuell durch Umstellung der Gebete dagegen einzuschreiten. Damit ist der Etat, soweit dessen Besprechung in öffentlicher Sitzung gemäß dem Wunsche des Vorstandes angängig war, erledigt. Der zweite Punkt der Tagesordnung, die Wahl eines Vorsteher-Stellvertreters, brachte eine Ueberraschung: Vom Allsschuß wurde Laudgerichtsrath Lölve für dieses Amt für die Zeit bis zum 31. Dezember 1905 präsentirt. der nach jeder Richtung hin als geeignet erklärt wurde. Bei der Wahl wurden 15 Stimmzettel abgegeben, darunter war 1 unbeschrieben. Unter den 14 giltigen Stimmen erhielten Landgerichtsrath Löwe 12. Justizrath Seligsohu 1. Geheimer Regiernngsrath Prof Aron 1. - Die öffentliche Sitzung schloß damit, daß die beantragte Wiederwahl von fünf nusscheidenden Mitgliedern genehmigt wurde. Alls der darauffolgenden geheimen Sitzung theilen wir mit daß für den Posten eines ersten Erziehers im zweiten Waisenhanse zu Pankow Herr Lehrer Schimmel mann gewählt worden ist. Brief aus Köln. Von Hermann Moses. ie Demission unseres Gesammtvorstandes infolge Annahme der in dieser Zeitung mitgetheilteu Resolution der Repräsentantenversammlung ist erklärlicherweise der Hanptstvff der Erörterung in den Kreisen unserer Gemeinde. Seit der zu Anfang des vorigen Jahrhunderts erfolgten Neubildung der altehrwürdigen Kölner Gemeinde ist dieser Konflikt das erste ernste Zerwürfnis; zwischen den beiden die Verwaltung der Gemeinde ausübenden Körperschaften, 0 Es bedurfte auch allerdings eines sehr ernsten, prinzipiellen Zwischenfalles, um einen Streit wie den gegenwärtigen heranfzubejchwören; seither bestand zwischen Repräsentantenversannnlung und Vorstand das beste Einvernehmen, dessen Anfrechterhaltung allerdings um so leichter wurde, als das Gemeindestatnt der Repräsentantenversammlung nicht allzu großen Einfluß auf die Verwaltung der Gemeinde einräumt, und der Vorstand nur wenige Male im Jahre und dann nur anläßlich ganz wichtiger Fälle nach erfolgter Genehmigung des Jahreshaushaltes, die Repräsentanten- Versammlung einznberufen pflegte. Was nun weiter geschehen wird hinsichtlich der Neuwahl des Vorstandes ist zur Stunde noch ungewiß. Der Ausfall der Repräsentantenwahlen Ende vorigen Jahres hat die Lösung der gegenwärtige» Krisis wesentlich verschärft; kommen doch nach der nunmehrigen Zusammensetzung der Repräsentantenversammlung überwiegend mehr Prinzipienals Personenfragen in Betracht, da sich in der Repräsentantenversammlung die konservative und liberale Partei in nahezu gleicher Stärke h Wir möchten bei dieser Gelegenheit doch feststellen, daß — wie »ns ous authentischer Quelle mitgetheilt wird — die vielbesprochene Resolution des Kölner Vorstandes ausdrücklich ein vertraulicher Beschluß war nud nur dem Abwehrverein als Antwort dienen sollte. Leider beging ein Mitglied des Vorstandes, welches gleichzeitig der Begründer der Resolution war, die Indiskretion, die Sache in die Oeffentlichkeit zu bringen. Die Red. gegenüberstehen. Thatsächlich dürfte zwar die konservative Richtung noch die Mehrheit haben, indessen fragt es sich, ob die Verhandlungen zwischen den beiden Parteien nicht vielleicht doch zu einem Einverständniß führen werden hinsichtlich der demnächstigen Zusammensetzung des Vorstandes. - Vorläufig ist es mit dieser Aussicht zwar noch schwach bestellt, da die am 7. März stattgefundene Sitzung der Repräsentantenversammlung, welche sich mit der Budget-Berathung befaßte, die vorhandenen Gegensätze recht scharf hervortreten ließ. Es ist wirklich bedauerlich, daß in den gegenwärtigen Zeitkäufen mit ihren gehässigen, von Außen her an das Judenthum herantretenden Anfeindungen der Streit um eine innere Kultusbezw. Orgelfrage eine grobe, später kaum wieder auszugleichende Spaltung in eine blühende deutsche Großgemeinde hineinzutragen droht. Die jetzige Zeit erscheint zum Anstrag solch interner Streitfragen thatsächlich sehr wenig geeignet. Aller Orten in Deutschland sind ernste, zielbewußte Männer bestrebt, einen engeren Zusammenschluß aller Elemente i der jüdischen Glanbensgenossenschaft, gleichviel ob i konservativer oder liberaler Richtung, herbeizuführen, und hier in Köln geschieht ungeachtet aller Mahnungen der vieltausendjährigen Geschichte des Judenthums das gerade Gegentheil von dem, was geschehen sollte und geschehen müßte. Von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet gelangen die Vorgänge der Kölner Gemeinde zu einer weit über unsere Stadt hinausreichenden Bedeutung, und gewinnen auch die Verhandlungen der jüngsten Repräsentantenversammlung ein allgemeines Interesse. i In dieser Sitzung bildeten zwei Positionen im Voranschläge i des Vorstands für das neue Haushaltnngsjahr 1901 1902 den Gegenstand lebhafter Erörterung zwischen de» Vertretern der konservativen und liberalen Richtung, und zwar handelte es! sich, wie der Wortführer der Liberalen ausdrücklich hervorhob, bei einem dieser Punkte — Bereitstellung größerer Mittel für die beiden Shnagogenchöre — für diesen und seine Parteigenossen um prinzipielle Gesichtspunkte. Bei dem ersten Punkte,! Beleuchtung der beiden Synagogen, beklagten sich einige Ver-! treter der konservativen Partei ans Grund ihrer steten Wahrnehmungen als Synagogenbesucher mit Recht über die über-! aus mangelhafte, ja klägliche Beleuchtung der beiden Synagogen an den Freitagabenden. Der Vorstand hat die an und für sich nicht gerade splendide Beleuchtung aus „Sparsamkeitsrücksichten" so sehr eingeschränkt, daß es auf den Besucher einen! höchst traurigen und beim Besuch von Fremden für die Kölner einen geradezu beschämenden Eindruck macht, wenn die herrlichen Gotteshäuser an den Freitagabenden in ein trübes Halbdunkel gehüllt sind, da ein Theil der Flammen außer Thätigkeit gesetzt ist. Gegen diese Art von Sparsamkeit zogen die Herren D. Marcks (kons.) und D. Wolsfsohn (kons.), unterstützt von Herrn Roseuberg (lib.) zuFelde, und brachte Herr Wolsfsohn i den Antrag ein, zwecks Herbeiführung einer besseren Beleuch-! tung den vom Vorstande verlangten Kredit um 1000 Mark zu! erhöhen. Herr Rechtsanwalt Dr. Callmann bekämpfte als j Wortführer der Liberalen diesen Antrag, billigte die Sparsam-! keitsgründe des Vorstandes und erklärte sich als nichtsachveri ständig in dieser Frage. Es wurde ihm erwidert, er könnte! sich das fehlende Sachverständniß durch gelegentlichen Besuch! des Gottesdienstes an den Freitagabenden leicht verschaffen.! Schließlich wurde der verlangte Mehrkredit mit knapper Mehr-! heit bewilligt. Der prinzipielle Gegensatz zwischen den beiden

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