Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 11 (15.3.1901)
- Date
- 1901-03-15
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
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s sohn. Für die H»»»nbold t-Akade»nie sprach zum Schluß Professor Zelle. Nach abermaligem Gesaug des Synagogenchors wurde der Sarg aus eiuen zweispäunigen Leichenlvagen gehoben und im stillen Zuge zur Beisetzung nach dem jüdischen Friedhof in Weißensee übergeführt. I). Nllensteitt, 4. März. Gestern fand in Guttstadt das vierzigjährige Stiftungsfest des „Vereins zur Ausstattung armer jüdischer Bräu te im Er ml and" statt. Dieser segensreiche Wohlthätigkeitsverein hat es sich zur löblicheil Aufgabe gemacht, armen jüdischen Bräuten, die im Ermland wohnen, bei ihrer Berheirathuug eine Beihilfe zu gewähren, um sie bei der Einrichtung ihrer neuen Häuslichkeit zu unterstützen. Unter der tüchtigen Leitung des Herrn Rechtsanwalts Fabian aus Guttstadt und dank der guten Kassenfnhrung des Herrn Fabrikbesitzers Rudolf Naphaelsohu aus Allenstein ist dieser Verein, der gegenwärtig ein Vermögen von über 10 000 Mark besitzt, zn hoher Blüthe gelangt, so daß die Mitgliederbeiträge und die Zinsen ans dem Vermögen resp. aus den verschiedenen Legaten es ermöglichen, durchschnittlich 1200 Mark pro Jahr zur Ausstattung an arme jüdische Bräute zu verwenden. Voll nah und fern waren viele Vereinsmitglieder mit ihren Damen erschienen, um den interessanten Verhandlungen beizuwohnen, und um an den Festlichkeiten theilzunehmen, die die Guttstädter Vereinsmitglieder zu Ehren ihrer Gäste veranstaltet hatten. Unter dem Vorsitz des Herrn Rechtsanwalts Fabian aus Guttstadt fanden die geschäftlichen Verhandlungen statt, die zum Segen und zum weiteren Blühen und Gedeihen des Vereins beitragen mögen. Die religiöse Weihe gab diesem Feste Herr Rabbiner Dr. Olitzki aus Allenstein, der seine treffliche Ansprache in ein Hoch auf ein ferneres Gedeihen des Vereins ausklingen ließ. Nach Beendigung der geschäftlichen Angelegenheiten trat der gesellige Theil in seine Rechte ein. Mit großer Freude und aufrichtigen Herzens können alle Festtheilnehmer ihren besonderen Dank anssprechen für die glänzende Bewirthung, für die die gewohnte Gastfreundschaft der Guttstädter unter Leitung des Festpräsidenten Herrn Adolf Schwarz aus Guttstadt gesorgt hatte. Viele schöne Toaste ernsten und heiteren Inhalts würzten das Mahl. Auch schöne theatralische Aufführungen trugen mit zum Gelingen des Festes bei. Kottitz, 10. März. Eine Folge der antisemitischen Verhetzung ans Alllaß des Konitzer Mordes ist folgende merkwürdige Anklage, die den jüdischen Spediteur Falkenberg aus Zempelburg der Urkundenfälschung bezichtigte. Falkenberg hatte im Herbst 1899 die früher Bergersiche Bahnspedition übernommen. Zu seinem Kundenkreise gehörte auch der Bahnhofswirth Julius Strachewicz. Die Nollkarte, welche mit dem Namen des Empfängers zu unterzeichnen ist, hatte Falkenberg, im bisherigen Eiuverständniß des Strachewicz, sobald er letzteren nicht alltraf oder derselbe viel beschäftigt war, selbst unterzeichnet. Falkenberg hat dies auch für andere Geschäftsleute bewirkt und war, wie sehr einwandsfreie Zeugen bekunden, dazu ausdrücklich ermächtigt. Strachewicz fand sich plötzlich gemüßigt, im August v. I. die ohne seinen ausdrücklichen Auftrag bewirkten Unterschriften der Staatsallwaltschaft als Urkundenfälschungen zur Anzeige zu bringeu. Festgestellt wurde, daß für de« Erneu weder ein Vortheil, noch für den Anderen ein Nachtheil entstanden ist. Auf Befragen des Vorsitzenden gab der als Zeuge vernommene Strachewicz all, daß Falkenberg bisher sein bester Freund gewesen sei. Alls weiteres Befragen, wie er dazu komme, solche Lumperei gleich der Staatsanwaltschaft anzuzeigen, wußte Strachewicz kein anderes Motiv anzugebeu, als „daß man doch den Juden die Ermordung des Gymnasiasten Ernst Winter nachsage!" Der Vertreter der Staatsanwaltschaft beantragte nun selbst die Freisprechung, welche daun erfolgte. — Der Agent Schiller ist wegen Verdachts der Verleitung zum Meineid verhaftet worden. Er ist der Ueberzeugung gewesen, daß Moritz Lewy unschuldig sei. In diesem Sinne hat Schiller nun gearbeitet. Hierbei hat er, überzeugt davoll, daß einzelne Zeugen sich irren, einem Fräulein Pelenath in Könitz gedroht, deren Mutter aber, bei der er wohnte, freundschaftlichst den Rath ertheilt, mit Rücksicht auf den nicht ganz einwandfreien Nus der Tochter diese zu veranlassen, ihre belastenden, nach seiner Ansicht unsicheren Allgaben gegen Moritz Lewy vor Gericht doch erheblich einzuschränken. Ferner hat ein gewisser George, der noch drei Jahre Zuchthaus abzusitzen hat, nachdem er erst nach neunjähriger Zuchthausstrafe im April v. I. entlassen worden ist, und der von Schiller in Könitz beschäftigt wurde, ohne daß dieser sein Vorleben kannte, seinen früheren Auftraggeber verdächtigt. George behauptet, daß Schiller ihm eines Tages gesagt habe, er könne und müsse, um Erfolge zu erzieleil, unter Umständen Zeugen beeinflussen, was nach Angabe Schillers auf Unwahrheit beruhe und als Racheakt auszusassen sei. Rechtsanwalt Sonnenseld-Berlin, der auch Lewys Bertheidiger war, steht dem Schiller als Rechtsbeistand zur Seite. x. Juowrazlaw, 10. März. Wie im Gemeindeboten Nr. 9 von hier berichtet wird, ist die Erbauung eines Siechen Hauses für altersschwache Personen der hiesigen jüdischen Gemeinde dank der hochherzigen Erklärung des Ziegeleibesitzers Herrn Schwersenz. daß er bereit sei, ein solches aus eigeuen Mitteln fertig zu stellen, in nahe Aussicht gestellt. Da es aber ein dringendes Bedürfniß ist, mehrere hilflose Greisinnen sobald als möglich unter Dach und Fach zu bringen, so beschloß der Frauenvereinsvorstand auf eifriges Betreiben der Vorsitzenden Frau Kommerzienräthiu E. Levy in der jüngsten Sitzung, geeignete Wohnräurne zn miethen, in denen die betreffenden Personen bis zur Fertigstellung refp. Eröffnung des Siechenhauses untergebracht werden können. Dieser Beschluß wurde bereits verwirklicht, so zwar, daß schon am 1. April die Siechen in ihr provisorisches Asyl einziehen werden. Lediglich zur Einrichtung des letzteren spendet Herr Kommerzienrath Julius Levy die im Gemeiildeboten Nr. 9 erwähnten 1000 Mark. (Zk) Breslau, 10. März. Am 9. d. M. ist hier der bekannte Karlsbader Arzt Dr. Wilhelm Spitzer an Lungenentzündung, als Folge einer schweren Influenza, gestorben. Dieser Todesfall wird bei Allen, die den trefflichen und hochbegabten jungen Arzt, der kaum das 35. Lebensjahr erreicht, gekannt haben, allgemeine Theilnahme erregen. Dr. Spitzer, ein geborener Ungar, der aber in Deutschland seine Studien absolvirt und sehr rasch eine seltene Beliebtheit als Badearzt erlangt hat, war ein streng frommer lind glaubenstreuer Jude. Er war der Arzt des seligen Professor Dr. David Kaufmann und hat diesen bis in dessen Todesstunde mit seltener Aufopferung gepflegt. Nun ist er selbst in der Blüthe der Jahre dahingegangen — sein Andenken aber wird in den Herzen Tausender unvergeßlich fortleben! t. Nybriik O.-S., 4. März. Am 26. v. M. beging Herr L. Manneberg sein 25 jähriges Jubiläum als Vorsteher der hiesigen Synagogengemeinde und des hierorts bestehenden israelitischen Krankenpflegevereins. Es war ein schönes und erhebendes Fest, an welchem sich die ganze Gemeinde betheiligte. Abends versammelten sich alle Teilnehmer im Saale des Herrn Mittig, nachdem einige Stunden zuvor in der Synagoge ein Gottesdienst abgehalten worden war. Rathsherr Prager begrüßte die Gäste in kurzer und herzlicher Weise. Die Reihe der Toaste erösfnete Herr Fabrikbesitzer Häase, indem er in anerkennenden Worte»! die mannigfachen Verdienste des Jubilars hervorhob. Viele Jahre hindurch war er mit bestem Erfolge in hiesiger Gemeinde als Lehrer der Jugend thätig, und die Liebe und Anerkennung, die er sich erwarb, sie folgte ihm auch, als er zum Kaufmanttsstande übertrat. Als Beweis dafür können die zahlreichen Ehrenämter angesehen werden, die ihm allmälig übertragen wurden. Nepräsentantenvorsteher Bender wies darauf hin, daß die Fürsorge die der Jubilar dem Krankenpflegeverein entgegenbringe, besonders hoch anznschlagen sei, da diese Institution ihn ihren treuesten Förderer und regsten Mitarbeiter nennt. In vortrefflichen Worten pries Wcüsenhausdirigeut Katz die Toleranz des Jubilars, der den» Jndenthnm mit Leib und Seele ergeben sei und trotzdem Jeder» seiner Wege gehen lasse. Der Krankenpflegeverein widmete seinem Vorsitzenden eitlen großen silbernen Pokal als Ehrengeschenk. Am Schlüsse dankte Herr Manneberg in sehr bewegten Worten für die ihn» von allen Seiten entgegengebrachten Ehrungen. Herrn Manneberg aber, dem es heute zun» Bedürfniß geworden ist, für das Wohl der Gemeinde zu wirken, zu streben und zn schaffen, wünschen wir. daß er auch fernerhin dieses schöne Ziel erreiche. N. Hamburg, 9. März. Der Verein zur Speisung hilfsbedürftiger israelitischer Kinder hielt seine diesjährige Generalversammlung unter Vorsitz des Herrn L. Mathiason ab. Dem von» Vorsitzenden erstatteten Jahresbericht ist zu entnehmen, daß der Verein im letzten Jahre 31910 Portionen warmes Essen an die Schule besuchende hilfsbedürftige Kinder verabreicht hat, gegen 31570 Portionen in» Vorjahre. Der Vorsitzende »vies darauf hin, daß der Verein es sich seit seiner Gründung im Jahre 1891 zur Aufgabe gestellt habe, kein zur Aufnahme gemeldetes Kind zurückzuweisen. Während dieses neunjährigen Zeitraumes seien 291405 Portionen Mittagessen verabreicht worden. Die Ansprüche an den Verein werden jedoch immer größer, so daß die Verwaltung des Vereins