Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 11 (15.3.1901)
- Date
- 1901-03-15
- Page
- Seite 131 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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131 „Ja. Herr, ich wußte es, als ich Euch gesehen, hoch zu Rosse, umwallt von dem königlichen Mantel, da — war es mir erschienen wie göttliche Offenbarung, — ja! rief es in mir, so muß ein Gott aussehen, und mein Auge konnte von Euch nicht lassen, und — da wußte ich es — und als Ihr von Eurem stolzen Rosse herab mich ansahet und Euren Blick nicht wendetet — nein, immer noch nach mir wendetet — da wußte ich auch, daß Ihr — mein seid!" „Meine Recha! Mein süßes Mädchen!" Er hatte sie in seine Arme genommen — und seine Lippen Preßten sich auf den rosigen Mund des Mädchens. Immer und immer küßte er sie, und sie entzog sich seinen Armen nicht; beglückt sahen sie einander ins Auge; minutenlang verharrten sie so in glückliches, seliges Anschauen versunken — vergessen war alles um sie her — vergessen die Welt und was in ihr — vergessen der König und die niedrige Jüdin — vergessen all dies — dahin und vernichtet und weggeweht von dem Zauber ihrer großen, mächtigen Liebe! „Der Vater!" Erschreckt hatte sich das Mädchen aus der Umschlingung des Königs gerissen. „Mein Gott! was wird er sagen?" „Fürchte nichts, Geliebte," sagte Boleslav hastig, und noch einmal schlang er seine Arme um das geliebte Mädchen, und sie stürmisch an sich pressend, küßte er sie leidenschaftlich. Sie war hinausgeeilt, dem Vater entgegen, dessen Schritte int Hausflur sie vernommen; hastig, mit fliegenden Worten theilte sie ihm mit. welcher Besuch seiner warte, und als der Alte dann der Thür znschritt, um den hohen Gast zu begrüßen, und dabei aber stets den Blick prüfend auf den erregten Zügen der Tochter ruhen ließ, da wechselte die Farbe auf ihrem Gesichte, und die flammende Nöthe, die darin aufgestiegen war, verschwand plötzlich; bleich und mit leichtem Beben in den Gliedern folgte sie dem voranschreitenden Vater in die Stube. Boleslav war heftig aufgeregt durch das Zimmer gegangen, jetzt blieb er stehen, und nachdem er dem ehrerbietigen Gruße des Juden gedankt hatte, der wieder seinen Segensspruch für das gekrönte Haupt halblaut vor sich hin gemurmelt hatte, kehrte sein Auge zu Recha zurück, als könnte er sich nicht von den Zügen des geliebten Mädchens losreißeu. Aber jetzt hieß es dem Alten Gehör schenken, der, nachdem er seiner Tochter segnend die Hände auf das Haupt gelegt, jetzt den König einlud, seine Kostbarkeiten anzusehen und zu Prüfen oder etwas davon zu wählen. »Ja, ja," sagte der König, als sie im Gewölbe waren, wo die Schätze aufgestapelt lagen, „man hat mir nicht zu viel erzählt von den mannigfachen Kunstwerken, die Du besitzest; ich sehe wirklich bei Dir viel und Wunderbares." „Erlaubt, Herr König," sagte geschmeichelt der Jude, „daß ich Euch das Schönste, das ich besitze, noch zeige... ." Ein Blick des Königs glitt bei diesen Worteil nach Recha hin, die mit in das Gelaß getreten war. Hatte er doch das Schönste schon gesehen und auch den kostbarsten Schatz schon gehoben, der in diesem Hause war! Nechas Liebe! Jetzt hatte der Jude sich zu der schmalen Wand gewendet, und indem er an eine nur ihm sichtbare Feder drückte, wendete sich das daran befindliche Bild und die nackte Mauer wurde sichtbar; nach einem zweiten Drucke löste sich ein Theil der Mauerwand und eine tiefe Nische wurde sichtbar. Der Jude nahm einen eisernen Schrein aus dieser Nische, und nachdem er damit zu dem Tische schritt, au dem der König saß, öffnete er ihn, und ans dem Inhalte desselben ging ein Strahler; und Leuchten hervor wie von zahllosen Sternen, glitzernd und funkelnd lagen die Edelsteine umher. Der blutrothe Glanz des Rubins wetteiferte mit dem feurigen Grün des Smaragdes und dem farbenspielenden Opal, dem gelben Topas und dem in sattem Blau schimmerndem Türkis. „Höll' und Teufel! Das ist ja der Werth eines Königreiches!" „Nicht all dies ist »rein Eigen, Herr! Wir Juden kommen als Handelsleute weit in ferne Lande, und da erhalten wir Aufträge, Käufe, Verkäufe von mächtigen Fürsten, die, an unser Wort allein glaubend, uns auch die größten Schätze anvertrauen." „Ho, ho! Du bist stolz, Salomon," lachte der König, „und kann man all Deinen Glaubensgenossen gleich Dir vertrauen?" „Im Großen ja," erwiderte Salomon, „wer uns sein Vertrauen schenkt, dem kommen auch wir mit Gewissenhaftigkeit entgegen." „Du hast also große Reisen gemacht, hast ferne Länder gesehen und fremde Menschen und Sitten kennen gelernt; wahrlich, ich möchte des Oefteren zu Dir kommen, um mir von Dir erzählen zu lassen." „Wird der Herr König es nicht verschmähen, in das Haus des Juden zu kommen?" „Nein, nein!" wehrte der König, „mir gilt das gleich, und in meinem Lande, in Polen, da darf es keinen Unterschied geben zwischen Christ und Andersgläubigen so viel an mir liegt, aber," setzte er hinzu, „die Edlen und das Volk handeln zuweilen anders, als der König will." „Ihr seid ein edler Herr!" sagte der Jude. Boleslav hatte sich mehrere kostbare Juwelen ausgesucht, auch einige seltene Waffen, die er ins Schloß zu bringen hieß, dann wandte er sich, und dem Juden einen freundlichen Gruß zunickend, rief er: „Also ich komme bald, und Ihr erzählt mir dann von Euren Reisen." Der Alte hatte seinen hohen Gast zur Thür geleitet und war mit ihm hinaus in den. Flur gegangen; hier in dem dunkeln Vorraum hatte sich Recha verabschiedet, indem sie sich tief vor dem Könige verneigte; aber während der Alte voranschritt, um seinem Gaste das Thor anfzusperren, näherte sich dieser einen kurzen Moment Recha. und sich zu ihr neigend, flüsterte er nur ihr vernehmbar etwas zu, worauf Recha erröthend flüsterte: „Ich komme!" (Forts, solgt.)! Krsnele. Eine Erzählung von Alexander Weill. XVI. Sieich machte sich Vorwürfe, daß sie nicht damit angefangen, womit sie geendet hatte. Ihre Hauptsorge war aber Elias selbst. Menu er jetzt, dachte sie, mein Kronele ausschlägt, um sich an mir zu rächen! Du mein Gott, ich würde vor Schande vergehen! Auch tagte es kaum, als sie mit Papier, Tinte und Feder in die Schlafstube Kroneles eilte und zu ihr sagte: „Mein Kind, Du thust mir den Gefallen und schreibst ihm gleich. Laß sehen, was Du ihm schreibst."