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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-03-15 · Heft 11 (15.3.1901) · p. Seite 126

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 11 (15.3.1901)
Date
1901-03-15
Page
Seite 126 (sequence 8)
Language
German
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126 ausgestellten Paragraphen ohne irgend welche wesentliche Abänderungen gutgeheißen und bestätigt worden seien; er habe indessen inzwischen eingetretener veränderter Verhältnisse halber noch weitere zwei Paragraphen eingefttgt und bitte um so dringender um die Zustimmung der Versammlung, als dieselben vermögensrechtliche Fragen berühren. Die Statuten habe er einem anerkannten Rechtskundigen zur Prüfung und Begutachtung vorgelegt, und dieser habe sie als mit den Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches übereinstimmend befunden. Er werde sie nunmehr redaktionell ausarbeiten und sie dem Wiesbadener Amtsgericht zur Eintragung ins Vereinsregister einreichen; ist diese erfolgt, so wird einem jeden Mitglied je ein Exemplar der im Druck erschienenen Vereinsstatuten zngestettt werden. Im weiteren Verlaufe seines Jahresberichts spricht der Vorsitzende den drei Herren Bezirksrabbinern den Dank dafür aus, daß sie mit so vielem Interesse die Bestrebungen der nassauischen israelitischen Lehrer fördern und ihnen ein so hohes Mas; von Wohlwollen entgegenbringen. (Die Anwesender! erheben sich als Zeichen ihrer Zustimmung von ihren Sitzen.) Schließlich gab der Vorsitzende dem Wunsche Ausdruck, daß gegenseitige Achtung und Brüderlichkeit die Mitglieder des nassauischen israelitischen Lehrervereins beseele, und daß sie alle von dem Gedanken einheitlichen und solidarischen Zusammenwirkens geleitet sein möchten. Mit diesem Wunsche erkläre er die Generalversammlung für eröffnet. Nach Beendigung des Jahresberichts, dem die Versammelten mit gespannter Aufmerksamkeit folgten, ergriff Kollege Katzensteiu- Schierstein das Wort und sprach dem Vorsitzenden wie auch dem Gesammtvorstande seine Anerkennung aus für die umsichtige und mühevolle Leitung der Vereinsgeschäste und für die hohen Verdienste die sie sich um den Verein erworben. (Als Zeichen der Zustimmung erheben sich die Mitglieder von ihren Sitzen.) Hierauf werden die Vereinssatznugen nochmals durchberathen und on 1>I<><- angenommen. Bevor nun das Verbandsthema bezw. das Referat zum Vortrag und zur Besprechung gelangte, äußerte sieh insbesondere Herr Bezirksrabbiuer Dr. Silberstein in meisterhafter Jogischer Rede über das Wesen, die Bedeutung und Ziele der jüdischen Lehrerkonferenzeu. Seine geistreichen Ausführungen ließen sowohl den gewandtenRedner als auch den trefflichen Pädagogen erkennen; seine fachmännischen Erläuterungen machten einen erhebenden, überzeugenden Eindruck auf die gesummte Zuhörerschaft. Das Verbandsthema lautete: „Soll die systematische Religionslehre in der Volks- und Neligionsschule als besonderer llnterrichtsgegenstand behandelt werden Der Referent (Eapell-Wiesbaden) entledigte sich seiner Aufgabe mit außerordentlichem Geschick und fachmännischer Gewandtheit. Seine Arbeit ist aber umsomehr anzuerkeunen, als er nur wenige Tage vor stattgefnndener Generalversammlung mit der Ausarbeitung des Referats betraut worden war. Er vertrat in seinen! Vortrage die Ansicht, daß man wohl systematischen Religionsunterricht im Anschluß an die übrigen Fächer, wie Gebetübersetzen, Pentateuch und Biblische Geschichte ertheilen könne, denselben aber nicht als besonderen Unterrichtsgegenstand behandeln soll. Als Grundlage zu diesen! System empfiehlt er als geeignet uachdrücklichst den Leitfaden des Dr. Silberstein. Fast sämmtliche Mitglieder betheiligten sich an der an den Vortrag sich anschließenden Diskussion, in die auch die anwesenden Herren Bezirksrabbiner lebhaft eingriffen; in erschöpfender Ausführung besprach insbesondere Dr. Silberstein die historische Entwickelung des systematischen Religionsunterrichts. Als Thesen gingen im Anschluß an die Capell'scheu Anträge hervor: 1. Der Religionsunterricht ist dem Schüler in Anlehnung an die übrigen Unterrichtsfächer planmäßig unter Zugrundelegung eines Leitfadens (Dr. Silberstein) zu übermitteln. Aus der Oberstufe soll in einer besonderen Unterrichtsstunde das Ganze erweiternd Zusammengefaßt werden. Das Vereinsthema lautete: „Das Gebetübersetzen in der Neligionsfchule." Der Referent (Kollege Lomnitz) der inzwischen wegen Stellenwechsel aus dem Verein ausgeschieden ist, hatte seine schriftliche Arbeit eingesendet, die von dem Schriftführer Kollegen Rnßbanm verlesen wurde. Sowohl Referent als auch Korreferent hatten wackere Arbeit geliefert, und legten diese Zeugniß ab von der vorzüglichen Behandlung des Stoffes als auch von pädagogischem Geschick. Von einer anfangs beabsichtigten, an das Referat zu knüpfenden Diskussion mußte leider wegen vorgerückter Zeit Abstand genommen werden. Nachdem der Vorsitzende den Referenten und Korreferenten für die sorgfältigen und interessanten Ausführungen der von ihnen übernommenen Themen im Namen der Kollegen gedankt hatte, wurde zur Wahl eines neuen Vorstandsmitgliedes an Stelle des aus dem Verein ausgetretenen Kollegen Lomnitz geschritten. Die Wahl fiel auf Kollegen Katzenstein. Abends 8 Uhr versammelten sich sämmtliche Kollegen sowie auch die Herren Bezirksrabbiner zu einem gemeinschaftlichen Essen in der bekannten Restauration Broruet (Hotel de France). Erst in später Mitternachtsstnnde trennte man sich in fröhlicher Stimmung mit dem gegenseitigen Wunsche : „Auf fröhliches Wiedersehen im nächsten Jahre." Em. Traub. A. Nuß bäum, 1. Vorsitzender. Schriftführer. Noch einmal für die Landwirthschaft. Von Wmseiihausdirektor L. Katz-Nybnik. „Allgemeine Zeitung des Judenthums" ist diejenige unserer jüdischen Zeitschriften, die diese „zeitgemäße Frage", wie wir sie weiter benennen wollen, zu allererst in Fluß gebracht hat. Sie vermehrt ihr Verdienst um diese bedeutungsvolle Angelegenheit dadurch, daß sie sie fortgesetzt durch Beiträge von Männern der verschiedensten Berufsarten klären läßt und so den Funken der Begeisterung erhält. Und in der That, die Sache ist so wichtig, daß wir sie auch im neuen Jahre noch einmal besprechen wollen. Wichtig deshalb, weil es sich erstens sür unsere Jugend nm die Existenz, um eine Lebensfrage, um die Erschließung eines Erwerbszweiges handelt, was anfs Nachdrücklichste immer wieder zu sagen ist, und weil zweitens einem zu oft wiederkehrenden, antisemitischerseits erhobenen Vorwurfe der Boden entzogen wird, sobald die Juden anfangen, mehr als bisher der Bodenkultur sich ernstlich zu widmen. Während indeß der „Verein zur Forderung der Bodenkultur" ein Ziel zu verfolgen scheint, das sich vielleicht nie, im günstigsten Falle aber erst in vielen, vielen Jahren und nur mit ungeheuren Mitteln erreichen lassen wird, steckt sich eine andere Partei, erzieherischem Empfinden folgend, ein kleineres Ziel, das zu erreichen durchaus nicht schwer fallen dürfte. Wenn wir eine fertige Pflanze ihren: Standort entnehmen und sie einer anderen Stätte einverleiben, dann haben wir noch nicht die Gewähr dafür, daß sie Wurzel fasse und gedeihe. Legen wir dagegen ein Samenkorn in die Erde, das keimt und sproßt, darin können wir mit ziemlicher Gewißheit sagen, daß die Pflanze — richtige Pflege vorausgesetzt — auch „fortkournre", wie der technische Ausdruck lautet. Diesem Bilde entsprechend muß die Angelegenheit betrachtet und behandelt werden. Nicht von außen her, von innen heraus muß sie keimen und sprossen, blühen und Früchte tragen. Nichts anderes wird vor der Hand zu thun sein, als die Kinder in den Schulen mit Interesse sür die Landivirthschaft zu erfüllen. „Aus dem Munde der Kinder hast du dir Sieg gegründet." Ps. 8, 8. Es muß das stete Bemühen der Gemeinden sein, dafür zu sorgen, daß Lehrer und Schüler sich liebevoll der Land

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