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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-03-08 · Heft 10 (8.3.1901) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 10 (8.3.1901)
Date
1901-03-08
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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Lindenhayn. M. Loepert, Kassenführer, Dr .Heinrichsdorff, dirigirender Arzt; das Knratorilun aus folgenden Herren. G. Loewenberg, Vorsitzender, Frau Salomea Ginsberg. Ferdinand Neichenheim, Frau Jda Seeler-Greisenberg i. P.. Hermann N. Israel, Albert Wolf, Sally Drilles, Oscar Goldschmidt, Schriftführer, Max Benjamin, Kassenführer, Fabrikbesitzer Louis Aaron. Moritz Heilmann. Joseph Heymann, Herm. Landsberger, Gustav Mosler. James Simon, Martin Simon, Rabbiner Dr. Philipp Bloch-Posen. Hermann Lehmann- Frankfurt a. M., Hermann Nehstadt-Breslau, Rabbiner Dr. Vogelstein- Stettin. Xp. Ans -er Provinz Posen, im Februar. Zn Wr eschen ist kürzlich der langjährige Repräsentantenvorsteher daselbst. Rentier Marcus Kuttner. im Alter von 73 Jahren gestorben. — Infolge Verkleinerung der israelitischen Gemeinde in Unrnh.stadt — die Gemeinde zählt jetzt 17 Mitglieder, hat die Regierung zu Posen angeordnet, daß dieselbe überhaupt nur von eitlem dreigliedrigen Verwaltungskörper verwaltet werde. — Der Kultusbeamte Cassel in Fi lehne ist nach Pinne berufen worden. — In Rakel ist jünst im Alter von 77 Jahren der Stadtälieste Emanuel Kallmann gestorben. — In Ostrowo hat sich neulich unter dem Vorsitz des Kaufmanns Jacobowicz ein neuer Krankenpflegerverein unter den Namen „Ahawas Nöim" gebildet, denl bereits 30 Mitglieder beigetreten sind. — Das Rentier Israelische Ehepaar in Wirsttz sowie das Handelsmann Prager'sche Ehepaar in Ostrow v und das Rentier Seliger'sche Ehepaar iu Czarnikau feierten kürzlich das Fest der goldenen Hochzeit; dem ersteren Jubelpaare wurde vom Kaiser die Ehejubiläumsmedaille verliehen. — Zu Plöschen ist unter dem Vorsitz des Rabbiners Dr. Königsberger ein Armenverein ins Leben getreten. Demselben hatten sich bei der Gründung 30 Mitglieder mit einer jährlichen Beitragsleistung von 300 M. angeschlossen. — Nach dem Kassel,berichte des 60 Mitglieder zählenden Wohlthätigkeitsvereins in Buk hatte derselbe im letzten Jahre eine Einnahme von 600 Nt. lind eine Ausgabe von 400 M. Der Verein besteht jetzt 8t Jahre und ist seiner Zeit durch den damaligen Gemeinderabbiner Horwitz daselbst mit 16 Mitgliedern ins Leben gerufen. V H Gleilvik. 3. März. Der Bericht des hiesigen Israelitischen I un gsrau en Vereins über den Zeitraum 1896 bis 1600 blickt ans eine fünfjährige segensreiche Wirksamkeit zurück. Der Verein wurde am 24. Februar 1896 auf Anreguug des Fabrikbesitzers Max Kleczewski begründet. Er hat in den fünf Jahren seines Bestehens durch die Wohlthaten, die er in selbstloser, opferfreudiger Gesinnung gespendet, und durch den Dank und die Anerkennung, die sein mildes geräuschloses Wirken gefunden, seine Daseinsberechtigung glänzend bewährt. Die Mitgliederzahl schwankte zwischen 140 und 160. 1900 betrug dieselbe 144. Au Jahresbeiträgen und Spenden gingen der Vereinskasse in dem verstrichenen Zeitraum 4136,45 Mark zn, aus Wohlthätigkeitsvorstellungeu und Svmmersesten ergab sich ein Reinertrag von 1940 Mark. Mithin betrugen in der Berichtszeit die Gesammteinnahmen 6076.45 Mark. Demgegenüber steht eine Ausgabe von 4152,50 Mark, wovon 1025 Mark als regelmäßige, laufe!,de Unterstützungen und 3127,50 Mark für einmalige Unterstützungen, Naturalien u. dgl. Verwendung fanden. Aus der Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben ist allmälig ein Reservefonds von 1600 Mark gebildet worden. Der Vorstand besteht ans folgenden Damen und Herren: Selma Breitbarth, Vorsitzende, Clara Huldschinsky, stellvertretende Vorsitzende, Ernestine Brauer, Anna Cohn, Charlotte Kochmann, Gertrud Neuländer. Rabbiner Dr. Wilhelm Münz, Max Kleczewski, Schriftführer, Dr. med. Bermann, Rechtsanwalt Arthur Kochmann. Alfred Nahmen, Fedor Karpe. X. 6. Hirschverg i. Schl., 26. Februar. Am 4. d. M. beging die hiesige Chewra Kadischa ihr zehnjähriges Stiftungsfest. Am Nachmittag desselben Tages war Festgottesdienst mit Predigt und Deeleuseier. Seiner herrlichen, tiefergreifenden Festpredigt hatte Rabbiner Dr. Biram den Text: „Friede, Friede dem Nahen und dem Fernen; ich will sie heilen, spricht der Herr" zu Grunde gelegt. Die Gesänge wurden von, Synagogenchor und Herrn Kantor Brock in inniger und exakter Weise zum Vortrag gebracht. Abends versammelten sich die Mitglieder des Vereins im Hotel „Drei Berge" zn einem Festmahl. Eröffnet wurde die Festtafel durch einen von Kantor Brock gedichteten lind gesprochenen Prolog. Es folgte dann Toast 'Ms Toast, von denen besonders hervorznheben sind: der des Dr. Biram. des Jnstizraths Ledermaiin, dcs Vorsitzenden Nathan und des Kaufmanns S. Holz. Es war ein herrliches Fest und wird dasselbe jedem Theilnehmer lange in Erinnerung bleiben. Ganz besonderer Dank gebührt dem Vorstande der Chewra Kadischa. der keine Mühe scheute. Möge der Verein wachsen, blühen und gedeihen. Magdeburg, 4. Mürz. In der hier erscheinenden antisemitischen „Sachsenschan" erschien seinerzeit eine Notiz über den „Polnaer Bl ntm o rd", in welcher sich folgender Passus fand: „Kurz nach Ermordung der Anna Hruza wurde vom Schächter Moriz Kurzweil ill Goltsch-Jenikarl an den Rabbiner Goldberger in Polna ein Packet, dessen Inhalt als „Parfüm" deklarirt war. anfgegeben. jedoch von der Post angehalten nnd dem Bezirksgericht übergeben. Es fand sich ein mit schwarz-rothen Kügelchen gefülltes Fläschchen darin vor. Die Professoren Hlava Und Horbaczewski von der Prager Universität unterzogen dasselbe einer eingehenden Untersuchung nnd stellten fest, daß die Kügelchen im Fläschchen thatsächlick Blntkügelchen sind. Zu welchem Zwecke mag wohl der Schächter Kurzweil kurz nach dem Blntinorde der Hruza dies Blut enthaltende Fläschchen au den Rabbiner in Polna geschickt haben?" Wegen vorstehender Notiz erhob der Schächter Moriz Kurzweil in Wien gegen den Redakteur Karl Faßhauer zu Magdeburg Beleidigungsklage. Das Schöffengericht sprach den Beklagten am 22. November 1600 frei, weil es das Vorhandensein einer vorsätzlichen, rechtswidrigen, die Persönlichkeit des Privatklägers mißachtenden Kundgebung nicht als festgestellt erachtete. Die erste Strafkammer des königlichen Landgerichts gelangte aber in der Hanptverhaudlnng am 28. v. M. zu einer anderen Ansicht nnd vernrtheilte den Angeklagten zn einer Geldstrafe von 400 Mark. 6. Köln, 27. Februar. In der gestrigen Sitzung der Reprä sen tauten versa mm ln,lg der hiesigen Gemeinde, welcher auch die Mitglieder des Vorstandes beiwohnten, stand als zweiter Punkt auf der Tagesordnung: „Mittheilul,g des Vorstandes bezüglich Stellung zur Petition an den Herrn Ministerpräsidenten." Die Repräsentanten waren nahezu sännntlich erschienen, und schon vor Beginn der Sitzung bildete die Erörterung dieses Punktes, dessen Besprechung in der Gemeinde seit Bekanntwerden der Resolution des Vorstandes im Vordergründe des öffentlichen Interesses steht, den Gegenstand lebhaften Meinungsaustausches. Man konnte sich ans eine erregte Sitzung der Repräsentantenversammlung, die sich sollst in bestem Einvernehmen mit dem Vorstande befand, gefaßt machen und sah sich durch den Verlauf der Sitzung in dieser Voraussetzung auch keineswegs getäuscht. Die Sitzung, welche bis gegen Mitternacht währte, wurde nahezu vollständig durch die zeitweise in erregtem Tone geführte Debatte über diesen einen Punkt ausgesüllt. In deren Verlaus erklärte Herr Amtsgerichtsrath Loewenberg seine!, Austritt ans dem Vorstandskoltegium. Von Seiten der Repräsentanz kritisirten hauptsächlich die Herren Rechtsanwälte Dr. Mannheim, Dr. Callmann und Herr P. Wolffsohn die Resolution des Vorstandes, nnd glaubten Dieselben namentlich, der Vorstand hätte vor seiner Beschlußfassung dem Repräsentantenkollegium Gelegenheit zn eil,er Besprechung und Stellungnahme zn der Frage geben sollen. In, klebrigen wurde von dieser Seite betont, daß ihre Kritik keineswegs als eine persönliche, gegen die Mitglieder des Vorstandes gerichtete anzusehen sei, sondern lediglich sachlich die Ansicht weiter Kreise der Gemeindenntglieder vertrete. Schließlich gelangte folgende Resolution einstimmig zur Annahme: 1. „Die Nepräseutantenversalnmlnng bedauert, daß der Beschluß des Vorstandes in der Petitionsallgelegeuheit gefaßt wurde, ohne der Repräsentantenversammlung Gelegeuheit zn geben, sich zu äußern; 2. sie bedauert diesen Beschluß, insbesondere dessen unzutreffende Begründung. — Wie wir hören, hat der gesummte Vorstand infolge dieser Resolution sein Amt niedergelegt. X. Frankfurt a. M., 28. Februar. Auch heute möchten wir den Blick unserer Brüder und Schwestern aus das „Deutsch-Israeli t i sch e K i n d er h e i m zn Dietz" wieder hinlenken, am Tage der Freude dieser so segensreich wirkenden Stiftung ein kleines Opfer zn bringen. Was giebt es wohl Edleres, als Menschenpflanzen, die ohne die liebende Fürsorge Wohtdenkender verkümmern würden, zn erhalten, und sie zu einem menschenwürdigen Dasein zu erziehen, daß sie nützliche Glieder der menschlichen Gesellschaft werden! Solchen! edlen Denken und Streben verdankt das Kinderheim seine Entstehung, und auch nur dieses kann seinen Fortbestand sichern. Gegenwärtig genießen 45 Zöglinge die Wohlthat der Stiftung, und schon viele tüchtige

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