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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-03-08 · Heft 10 (8.3.1901) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 10 (8.3.1901)
Date
1901-03-08
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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4 ins Leben eingelretene Menschell verdanken derselben ihre Existenz. Nicht grobe Opfer werden vom Einzelnen verlangt; kleine Gaben, von Vielen geleistet, sind bisher die Hauptquelle für die Erhaltung des Kinderheims gewesen; mögen sie auch in diesem Jahre nicht ausbleiben. so daß recht Vielen die Geuugthuung wird, sich sagen zu können. das; auch sie mitgeholseu, ein großes Werk gefördert zu haben. k'r. München, 5. Marz. Für den auf den 12. März fallenden 80. Geburtstag des P rinzr eg en ten Luitpold von Bayern werden von allen Schichten der Bevölkerung große Ovationen geplant. Auch die Rabbiner des Königreiches Bayern werden in einer entsprechenden Adresse ihre Huldigung Überbringer;. Wie Herrn Rabbiner Dr. Werner-München von dem zuständigen Ministerium mitgetheilt worden ist, wird der Prinzregent eine Deputation der Rabbiner, welche die Adresse überreicht, in Audienz am 11. März empfangen, an demselben Tage, an dem auch die berufenen Vertreter der katholischen und evangelischen Kirchen ihre Segenswünsche übermitteln werden. An der Deputation der Rabbiner wird außer Herrn Dr. Werner- München noch Herr Dr. Cohn - Jebenhausen theilnehmen. Es ist selbstverständlich, daß in allen Synagogen Bayerns am 12. März Festgottesdienst stattfinden wird. T München, 4. März. Wie in den Vorjahren, so macht auch diesmal die Verwaltung der hiesigen israelitischen Kultnsgemeinde auf die dahier bestehende Hermann und Jettchen Müller'sche All ge nt eilte W o hlt hä ti g ke i ts sti f t u n g aufmerksam. Aufgabe der Stiftung ist ri) die Förderung und Unterstützung von Einrichtungen und Veranstaltungen für Erziehungs-. Unterrichts- und Wohlthätigkeitszwecke sowie sonstiger gemeinnütziger Zwecke innerhalb des Judenthums; ly die Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Glaubellsgenossen, jedoch nur. sofern die Gewährung im mittelbaren oder unmittelbaren Interesse des gesummten In den - thnms i st. Andere Unterstutzungsgesnche können nach dem Stistungsstatlite keine Berücksichtigung finden, e) die Verbesserung der bürgerlichen Stellung der Juden. Die Bescheidung der Gesuche, welche bis spätestens 28. März l. I. alt die Knltusverwaltnng einzureichen sind, geschieht ohne Rücksicht auf Ort und Land der Petenten. Oesterreich-Ungarn. lH Wien, 4. März. In einem geharnischten Schreiben an den verkrachten Nnßdorser Spar- und Vorschubverein verwahrt sich Dr. Lueger gegen die allgemeine Anschuldigung, daß seine Partei, die Christlich--Sozialen, die Schuld alt dem Krach trage. Es ist ja selbstverständlich, daß diesen Leutelt ihre Mitwirkung an einem Unternehmen nicht sonderlich lieb sein muß. bei dem Tausende, und zumeist kleine Leute ihren Sparvsennig verlieren! — Gegen den Advokaten Dr. Moritz Ad olf wurden in der „Deutschen Zeitung" heftige Beschuldigungen. selbstverständlich mit antisemitischen Schmähworten, veröffentlicht. Dr. Adolf verklagte das saubere Blättchen, woraufhin die Leitung desselben die Beschuldigungen eiligst zurnckzog, dieselben als vollständig grundlos und sicherlich blos erfunden bezeichnete. und dem genannten Advokaten eine umfassende Ehrenerklärung abgab. Ginge Jeder bei antisemitischen Verdächtigungen so vor, so gäbe es bald gar keilte mehr — denn die Leute scheuen das öffentliche Verfahren — und wohl mit Recht! — Der Kaiser hat den Herrn Berthold Freiherrn v. Popper durch die Verleihung des Ordens der Eisernelt Krone dritter Klasse ausgezeichnet. Freiherr v. Popper ist einer der bedeutendsten Vertreter der österreichischen Holzindustrie. — Dem Direktor der Gasgesellschast Moritz Gallia wurd der Titel eines Regierungsrathes verliehen. Von Nah und Fern. — Am 1. d. M. ist hier der emeritirte Prediger der Gemeinde Neichenbach in Schl. Moritz Cohn im 89. Lebensjahre gestorben. — Das Gnadengesuch des wegen wissentlichen Meineides im November vorigen Jahres zu einem Jahre Zuchthaus verurtheilten Gasanstaltsarbeiters Bernhard Maslofs wurde trotz der Befürwortung der Geschworenen abschläglich beschieden. — Der Gerichtssekretär Richard Richardi in Tuchel, welcher als Vorsitzender des Hiesigelt antisemitischen Konsumvereins den Bauunternehmer Lewandowski dazu angestistet haben soll, den unglücklichen Jacobi wegen Meineids zur Anzeige zu bringen, ist von dort nach Pntzig versetzt worden. — In Nakel wurde Herr Lesser Baerwald als Deputirter in den Posener Provinziallandtag gewählt. — Volt den im Jahre 1900 verliehenen 1412 E h e j u b i l ä.um s m e d a ille n sind 33 all jüdische Ehepaare verliehen worden — nach dem Prozentsatz der Bevölkerung keilt ungünstiges Verhältnis — Der einzige jüdische Ritter des Eisernen Kreuzes erster Klasse lebt in Gleiwitz. Es ist der Disponent der Großfirma Emanuel Friedländer u. Co.. Stadtrath Ludwig Na Witz. Derselbe hat die Feldzüge 1866 und 1870/71 in der 5. Kompagnie des 64. Infanterieregiments unversehrt durchgemacht, 1866 als Gefreiter, 1870/71 als Unteroffizier der Reserve. — Das Kommando des 1. Seebataillons in Barby widmet dem am 26. November 1900 im Feldlazarett) zu Peking verstorbenen jüdischen Soldaten der 4. Kompagnie des 1. Seebataittolls Leonhard Frendenberg aus Barby einen ehrenvollen Nachruf. — Der in Nordhansen verstorbene Privatier Jakob Plant hat der Stadt Leipzig 200 000 Mark, der israelitischen Gemeinde zu Leipzig 300 000 Mark hinterlassen, deren Zinsen für wohlthätige Zwecke bestimmt sind. — Der Kreisthierarzt a. D. Albert Hirschlau d in Essen a. d. Ruhr hat den Rothen Adlerorden vierterKlasse erhalten. — Aus Anlaß des Geburtstages des Königs von Württemberg erhielten den Titel und Rang eines Geheimell Hofraths Hosbankdirektor Hofrath Eduard Kaulla in Stuttgart; den Titel Sanitätsrath Oberanttsarzt Dr. R ö delheimer in LaupH eim. Der langjährige Kirchenvorsteher nnd Stiftnngspfleger Simon Heinrich Steiner daselbst erhielt die Verdienstmedaille des Friedrichsordens. Dem Geheimen Kommerzienrath Dr. Kilian v. Steiner in Stuttgart wurde die silberne landwirthschaftliche Verdienstmedaille verliehen. — Der Appellgerichtshof in Paris bestätigte das Urtheil des Znchtpolizeigerichts, das den Leiter der „Libre Parole" Drumont und einen Redakteur dieses Blattes wegen Beleidigung des Barons Henri Rothschild zu 20 000 Francs Schadellersatz verurtheilt hatte. — Nach den Veröffentlichungen des statistischen Landesamts wurden im Dezember 1900 in Ungarn Mischehen zwischen Inden nnd Christen im Ganzen 42 geschlossen. Dabei wurde nur in einem Fall die Bestimmung getroffen, daß die Kinder in der jüdischen Religion zu erziehen silld. — Nach den amtlichen Veröffentlichungen des heiligen Synods silld im Jahre 1896 in Rußland 901 Inden zur griechisch-orthodoxen Kirche übergetreten. Im Jahre 1897 waren es 873. Wenn mau bedenkt, daß dort mehr als sieben Millionen Juden wohnen und zugleich welche Vortheile dem Täufling winken, so kann man sich nur über die geringe Zahl wundern. — Laut Paragraph 44 der russischen Städteordnuug von 1892 darf die Zahl der jüdischen Stadtverordneten, welche überdies nicht gewählt, sondern vom Gouverneur ernannt werden, 10 Prozellt aller Stadtverordneten nicht übersteigen. Jetzt veröffentlicht der russische „Negierungsbote" einen kaiserlichen Utas, welcher diese Zahl auf 20 Prozent erhöht. Die neue Verordnung haben die Juden weniger dem guten Willen der russischen Regierung als der zwingenden Macht der Thatsacheu zu verdanken. — Die Ki ew e r Brüderschaft znm heiligen Wladimir, welche sich vorzugsweise mit Jndentaufeu abgiebt, hat ein gutes Geschäftsjahr gehabt. Laut ihrem Berichte pro 1900 ist es ihr im verflosseneil Jahre gelungen, nicht weniger als 63 Juden in den Schooß der alleinseligmachenden strenggläubigen orthodoxen Kirche zu führen. Davon waren 35 Männer und 28 Frauen. Von den Männern waren 5 Studenten und sonstigeAngehörige der gebildeten Stände, von den Frauen waren 6 reiche Jüdinnen, welche voll herlmtergekommeueu Christen ihres Geldes wegen geheirathet wurden. — Der Gouverneur voll Kiew macht bekannt, daß während der demnächst ill Kiew stattfindenden Frühlingsmesse allen Juden der Aufenthalt in Kiew gestattet ist. Nach Beendigung der Messe haben du Juden in den Ansiedelnngsrayon zurückznkehren, denn der Jude ha auf der Messe seine Schuldigkeit gethan, der Jude kann gehen! — Die Gesellschaft zur Unterstützung jüdischer Ackerbauer in Amerika hat eilte Uebersicht über ihre Thätigkeit von dem Tage ihrer Grün düng bis November 1900 veröffentlicht. Die Gesellschaft begann ihr« Thätigkeit im Herbst 1888 mit der Unterbringung von vier jüdischen Familien, welche in Süd-Minnesota je 80 Acres Prärieland angetanst haben. Seitdem sind voll der Gesellschaft ohne Hilfe des Baron Hirschfouds in den Staaten Illinois, Michigan. Iowa, Wisconsin und Dacota 71 Familien mit 314 Seelen als Farmer imtergebrcrclfl worden. Druck und Verlag voll Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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