Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 9 (1.3.1901)
- Date
- 1901-03-01
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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3 Zwecke so bald als möglich dem Vorstande, zn Händen der Frau Anna Honigmann. Königsplatz 7, leihweise zu übermitteln. a. Leovschütz, 24. Februar. Nach säst fünfzigjähriger eifriger Thätigkeit im Dienste unserer Gemeinde ist vor Kurzem Herr Rentier Siegmund Luft freiwillig aus seinen Aemtern im Vorstand der Synagogengemeinde und des Brndervereins ansgeschieden. In zwei Adressen ist ihm lebhafte Anerkennung und herzlicher Dank für sein von warmem Juteresse getragenes Wirken ausgesprochen worden. — Am 19. d. M. feierte unser erster Vorsteher. Herr Leopold Goldberger, in vollkommener körperlicher und geistiger Frische seinen 70. Geburtstag. Von den zahlreichen Gratulationen seien nur die beiden Allsprachen hervorgehoben, welche von seiten des Vorstands- und des Repräsentantenkollegiums an den Jubilar gerichtet wurden, wie auch die Beglückwünschung durch die Vertretung des hiesigen Frauenvereins. r. Magdeburg, 25. Februar. Jäh und unerwartet durchzitterte am 21. d. M. die Trauerkunde die hiesige Synagogengemeinde und über diese hinaus: Simon Singer, der Vorsitzende des Vorstandes und des Provinzialgemeindeverbandes ist nicht mehr, ein Herzschlag hat seinem Leben ein Ende gesetzt! Simon Singer war am 18. Juli 1842 in Kraskau bei Kreuzberg in Oberschlesien geboren. Er hat es verstanden, sich durch eigene Energie emporzuarbeiten; durch reiche Begabung, unermüdliche Arbeitskraft, sein reges Interesse für alle jüdischen Angelegenheiten hat er auf den verschiedensten Gebieten des Gemeindelebens Hervorragendes geleistet. Mit dem 1. Juli 1873 trat er in das Repräsentantenkottegium ein, war 1888 Vorsitzender desselben; 1894 in den Vorstand berufen, stand er seit dem 2. Februar 1897 all der Spitze dieser Körperschaft. Diesem umsichtigen und thatkräftigen Vorsitzenden ist es zn danken, das; alle Institutionen unserer Gemeinde ein frisch pulsirendes Leben durchwehte. Seiner Initiative verdanken wir den Umbau unserer Synagoge mit einem wohlgeordneten und erbaulichen Gottesdienst, den Neubau des Gemeindehauses und die Regelung der Schechitaverhältnisse. Sein schönstes Werk ist die Gründung des Shnagogengemeilldeverbandes der Provinz Sachsen, dessen vornehmlichste Aufgabe darin besteht, in kleinen, nicht leistungsfähigen Gemeinden den Kindern die Wohlthat eines regelmäßigen Religionsunterrichts angedeihen zu lassen. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund erkannte die segensreiche Wirksamkeit des Verblichenen und berief ihn in den Ausschuß. Am 24. d. M. wurde seine sterbliche Hülle unter großer Betheiligung zu Grabe geleitet. In von Herzell kommender und zu Herzen gehender Weise schilderte Rabb. Dr. Rahmer die Charaktereigenschaften des „Vaters" der Gemeinde, seine großen Verdienste um die Entwicklung derselben und schloß mit dem Appell, daß es niemals an solchen für das Gemeinwohl begeisterten Männern fehlen möge. Am Grabe widmete ihn» Herr Benjamin Hirsch-Halberstadt namens der herbeigeeilten Vertreter auswärtiger Gemeinden herzliche Worte der Anerkennung für sein segensreiches Wirken als Vorsitzender des Synagogengemeindeverbandes. Der Name Simon Singer wird in den Annalen unserer Gemeinde unvergessen bleiben. LI. Hamburg, 18. Februar. Bei den Wahlen zur halbschichtigen Erneuerung der Bürgerschaft haben die Antisemiten unserer Stadt eine schwere Niederlage erlitten. Mehr als zwanzig Kandidaten wurden von antisemitischer Seite aufgestellt, und das Endresultat war, daß nur ein Mandat, welches sie schon früher besaßen, wieder in ihren Besitz kam, und auch in diesen! Bezirk hat die Zahl der antisemitischen Stimmen bedeutend abgenommeu. Ein solches Fiasko hatte Niemand erwartet, in ihrer Siegestrunkeuheit hatten die Antisemitensührer vorher prophezeit, daß sie mindestens 12 bis 15 neue Mandate erringen würden. Einige ängstliche Mitglieder der übrigen bürgerlichen Parteien waren schon bereit, mit ihnen ein Kompromiß zu schließen und ihnen freiwillig fünf bis sechs Mandate '»u überlassen, glücklicherweise wurde ein solcher Kompromiß schließlich mit Majorität abgelehnt. Woher nun dieses gänzliche Versagen der antisemitischen Idee? Zur Ehre der Majorität unserer vorurtheilssreien christlichen Mitbürger muß es hier bekundet werden, daß sie ich einmüthig verbanden gegen die Antisemiten, jeder Fraktions- Unterschied war vergessen; als Parole galt, mit allen gesetzlichen Mitteln zu verhindern, daß die antisemitische Seuche sich weiter >n unserer Stadt ausdehne. Aber auch die Antisemiten entfalteten - ine Agitation, wie wir sie in so verhetzender Weise hier wohl noch laum gesehen. Die Betheiligung an der Wahl war größer wie je in vorhergehenden Wahlperioden, mehr als 90 Prozent der Wähler gaben ihre Stimme ab. Das Ergebnis; war. wie schon oben gesagt, für die Antisemiten ein niederschmetterndes. Als bemerkenswerth muß noch erwähnt werden, daß die gesammte hiesige Presse jeder Parteirichtung das Wahlresultat freudig begrüßt, daß selbst der „Hamburger Correspondent" schreibt: „Lieber ist uns ein Vertreter der Sozialdemokratie als ein Antisemit in unserer gesetzgebenden Körperschaft", er prophezeit weiter dem Antisemitismus nur noch ein kurzes Dasein in unserer Stadt. Die Ursachen des fast überraschenden Mißerfolges den der Antisemitismus hier zu verzeichnen hat, liegt nach Ansicht des Korrespondenten wohl daran, daß er allenthalben in seiner wahrell und kläglichen Natur erkannt worden ist. Das Bürgerthum der freien und Hansestadt Hamburg hat sich einmal wieder glänzend bewährt, es hat deutlich gezeigt, daß in unserer Vaterstadt kein Boden für den Antisemitismus ist, möge das große Vaterland der ersten Handelsstadt des Reiches hierin bald Folge leisten. — Dem Verein zur Gesundheitspflege schwacher israelitischer Kinder (Ferienkolonien) ist eine großartige Zuwendung zu Theil geworden. Durch Vermittlung des Predigers Dr. Leimdörser hat ein nicht genannt sein wollender Wohlthäter dem Vorstand obigen Vereins eine Summe von 20 000 Mark zur Verfügung gestellt mit der Bestimmung, den Betrag mit zum Bau eines eigenen Gebäudes für die Ferienkolonisten zu verwenden. Der schon längst gehegte Plan, ein eigenes Heim in Cuxhaven, ähnlich dem sich in Norderney befindlichen „Kaiserin Friedrich-Hospiz", zu errichten, tritt jetzt der Verwirklichung entgegen. Frankfurt a. M., 20. Februar. In der gestrigen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung theilte Oberbürgermeister Adickes mit, daß ein Frankfurter Bürger, Herr Georg Speyer, der Stadt Frankfurt a. M. eine Million Mark für die Zwecke überwiesen habe, daraus wissenschaftliche Unternehmungen Zu fördern. Von dem Wunsche geleitet, die Anstalten, welche in Frankfurt vorhanden sind, mehr und mehr nach der universitären Seite hin zu entwickeln, Hai er die Einkünfte aus dieser Million dazu bestimmt, um daraus Lehrstühle und wissenschaftliche Arbeitsstätten, Laboratorien im Nahmen der philosophischen Fakultät und zwar, wenn thunlich, mit Ausschluß in Frankfurt bestehender wissenschaftlicher Institute zu begründen und solche zu unterhalten. Das bezieht sich vor allem auf die Akademie der sozialen und Handelswissenschaften, ans den Physikalischen Verein und seine Einrichtungen, auf die Senkenberger'sche natnrsorscheude Gesellschaft, auf das Serum-Institut und auf andere in dieser Art in Frankfurt a. M. vorhandene Institute. So lange die Lehrstühle auf den vollen Betrag der Zinsen, also 40 000 Mark, begründet sind, kann die Hälfte der Summe zum Zwecke der Förderung der obengenannten Anstalten verwendet werden. Bei der Besetzung der Lehrstühle muß von konfessionellen Schranken abgesehen werden und vollständige Parität herrschen. Das Kapital soll in der Weise angelegt werden, daß es zugleich die Errichtung kleiner Wohnungen fördert. Der Spender ist Theilhaber der großen Frankfurter Bankfirma L. Speyer-Ellissen und des Londoner Bankhauses Speyer Brothers. Er ist einer der wohltätigsten Männer in Frankfurt a. M. und hat große Summen für humanitäre Zwecke verwendet. Unter anderem hat er mit verschiedenen Herren, beispielsweise mit Herrn Hallgarten n. A. die Centrale für private Fürsorge errichtet, bei der jedes Anliegen eine sorgfältige Prüfung und Behandlung findet. (D Mannheim, 20. Febrar. Im städtischen Krematorium fand heute die erste Feuerbestattung statt. Der Bestattete war der Kaufmann Ernst Haas. Der Rabbiner der Synagogengemeinde Dr. Steckelmayer mußte sich infolge einer von höherer Stelle vorliegenden Verfügung darauf beschränken, die Einsegnung der Leiche im Sterbehaus vorzunehmen. Infolgedessen hatte es der Vorsitzende des Vereins zur Erbauung eines Krematoriums, Direktor Nich. Sauerbeck, übernommen. dem Heimgegangenen einen Nachruf zn widmen. Die Angriffe, die deshalb gegen Herrn Dr. Steckelmayer in liberalen Blättern gerichtet wurden, waren völlig unberechtigt, da über diese Dinge generelle Bestimmungen des großherzoglichen Oberraths der Israeliten in Baden bestehen, denen sich doch ein theologisches Mitglied der Neligionskonferenz dieses Oberraths, wie es Herr Stadtrabbiner Dr. Steckelmayer ist, am Wenigsten entziehen kann. Oesterreich-Angam. Ll Wien, 25. Februar. Im Abgeordnetenhause hat Ernst Schneider seinen Antrag auf Uebersetzung des Talmud von staats-