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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-03-01 · Heft 9 (1.3.1901) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 9 (1.3.1901)
Date
1901-03-01
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 aussagen aufzuklären. Nunmehr wird wahrscheinlich auch dem Strafantrage der Familie Meyer gegen die „Staatsbürger-Zeitung", der schon im Juli 1900 gestellt, von der Staatsanwaltschaft aber bis zur Erledigung des Meiueidsverfahrens zurückgestellt wurde, Folge gegeben werden. — Wegen Beleidigung des Schlächtermeisters Adolf Lewy zu Könitz hatte sich am Sonnabend Frau Martha Roß. die im Maßloffprozeß wegen wissentlichen Meineids in zwei Fällen zu2' .Jahren Zuchthaus verurtheilt worden war, vor dem hiesigen Schöffengericht zu verantworten. Frau Roß hatte am 21. Mai v. I. zu mehreren Personen, als Adolf Lewy an ihnen vorüberging, gesagt: „Da geht der Mörder". Die Angeklagte bestritt nicht, die Aenßerung gethan zu haben, behauptete aber in der Verhandlung. Adolf Lewy hätte sich ihr gegenüber selbst bezichtigt. Frau Roß wurde zu 20 Mk. Geldbuße oder vier Tagen Haft verurtheilt. Frau Roß, die sich durch die ihr voll den Lewyschen Eheleuten zugefügte Bezeichnung „Lügnerin" beleidigt fühlte und Widerklage erhoben hatte, wurde mit dieser kostenpflichtig abgewiesen. Lp. Ans der Provinz Posen, im Februar. Der Kultusbeamte Friedmaun inGoll alltsch hat sein Amt daselbst anfgegeben.— Lehrer Frisch an der Simultanschule inPoseu ist zum 1. Januar in den Ruhestand getreten. — Der 54 Mitglieder zählende Krankenpflegeverein in Wr eschen hatte im letzten Jahre eine Einnahme von 899 Mark und eine Ausgabe von 184 Mark. — Die Synagogengemeinde in Nogasen hat beschlossen, für Bedürftige derselben Kohlen zu ermäßigten Preisen, eventuell auch auf Kosten der Gemeindekasse zu beschaffen. — In Budsin feierte neulich das Kaufmann Baruth'sche Ehepaar das seltene Fest der diamantenen Hochzeit. — Die Gemeindevertretung in Ostrowo hat beschlossen, sortan den Verkauf von Schlachtzetteln zu rituellen Zwecken durch die Rendantnr verwalten zu lassen. Bisher wurde die Krupke an Meistbietende verpachtet und brachte nahezu 6060 Mk. jährlich. — Der 70 Mitglieder zählende Krankenpflegeverein in Wr eschen wählte in seiner letzten Generalversammlung die Kanflente Ziegel. Engelmann, Palluk, Humpert und Grundwald in den Vorstand. — Ein neulich in Wrescheu vom israelitischen Frauen- und Jungfrauenverein zum Besten der dortigen Armen veranstalteter Unterhaltungsabend hat einen Ertrag von 270 Mk. ergeben. — In Schönlanke ist kürzlich ein israelitischer Frauenverein unter dem Vorsitz der Frau Flora Michaelsohn daselbst ins Leben gerufen worden. — Der israelitische Leichenbestaltungsverein zn Wre scheu hatte im letzten Jahre eine Gesammteinnahme von 1314,88 M. und eine Ausgabe von 1280,35 M. Der Verein hat kürzlich einen Leichenwagen für 800 Mk. angeschafft, den er der Gemeinde geschenkt hat. In den Vorstand wurden bei der letzten Generalversammlung die Kaufleute Schreier, Miloslawer und Zlotzuicki gewählt. — Das älteste Mitglied der Chewra Kadischa in Schroda, Herr Lewin Baruch, ist neulich im Alter von 80 Jahren gestorben. — Der israelitische Beerdigungs- Verein in Krone a. Br. hat seinen Vorsitzenden, Herrn Abraham Joseph, der bereits 25 Jahre das Amt bekleidet, zum Ehrenvorsitzenden ernannt und ihm ein entsprechendes Diplom überreicht. — Die Stadtvertretung in Kosten hat den Kaufmann Meier Plonsk, der sich als Stadtverordneter und langjähriges Magistratsmitglied wesentliche Verdienste um die Stadt erworben hat, anläßlich seines 70. Geburtstages zum Stadtältesten ernannt. — Rentier Simon Löwenstein in Kru sch Witz hat der Stadtgemeinde 2000 Mark mit der Bestimmung gespendet, daß die Zinsen am Geburtstag des Kaisers zu Prämien für Volksschüler verwendet werden sollen. Die Stadtvertretung hat die Annahme des Geschenkes beschlossen. — Der seit 19 Jahren in Ostrowo bestehende israelitische Mildthätigkeitsverein hielt neulich seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Der Verein, welcher ärmeren Gewerbetreibenden zillslose Darlehen gegen Unterpfand auf ratenweise Rückzahlung gewährt, verfügt jetzt über ein Vermögen von nahezu 6800 Mark. Die Mitgliederbeiträge inl Jahre beliefen sich auf 360 Mark, die Spenden auf 287,20 Mark. Der Verein zählt 90 Mitglieder. Zum Vorsitzenden wurde Herr Oekonomienrath D. Goldstein wiedergewählt. — Kantor Stern in Tirschtiegel ist als Kantor und Religionslehrer nach Mehlsack in Ostpreußen berufen worden. — Der Schuletat der jüdischen Gemeinde in Witkow o balanzirt pro 1901 in Einnahme und Ausgabe mit 1500 Mark. — Der israelitische Krankenpflege- und Veerdigungsverein in Wöllstein feierte neulich sein 159jähriges Stiftungsfest. Nach dem Rechenschaftsberichte betrugen die Einnahmen im letzten Jahre 1854 Mark, die Ausgaben 357,18 Mark. Der Verein zählt 38 Mitglieder. — Zn Ex in ist Kaufmann V. Sutto im Alter von 78 Jahren gestorben. Derselbe war Begründer der Chewra Kadischa, deren Vorsitz er 40 Jahve hindurch führte. — Eine stark besuchte Versammlung jüdischer Bürger in Po sen protestirte gegen die durch den Justizministerim Landtage kundgegebenen Verwaltungsgrundsätze, wonach die jüdischen Glaubensgenossen wegen ihrer Religion die Gleichberechtigung im Staatsdienste nicht genießen. Die Versammlung sprach die Erwartung aus. der Reichskanzler und Ministerpräsident werde die Verkümmerung der Rechte der Juden nicht dulden. chp Jirowvazlaw, 22. Februar. Die Erbauung eines Sie che», - heims für altersschwache Personen der hiesigen jüdische», Gemeinde hat hierorts bereits viel Staub aufgewirbelt und fast alle Vereine beschäftigt. Auch der jüdische Frauenverein, welchen, Frau Kommerzienrath Levy präsidirt, hat die Verwirklichung dieses Projekts zu fördern gesucht, die Ausführung mußte jedoch unterbleiben, da die Mittel hierzu fehlten. Herr Kommerzienrath Levy stellte zwar eine Spende von 1000 Mark für dieses Wohlthätigkeitswerk in Aussicht, aber was konnte man mit dieser Summe a»,fangen? Nun ist endlich die Angelegenheit so weit gediehen, daß die Ausführung in nicht zu langer Zeit erwartet werden darf. Herr Ziegeleibesitzer Bernhard Schwerseuz, welcher sehr großes Interesse für das Zustandekommen zeigt, hat sich bereit erklärt, aus eigenen Mitteln ein für diesen Zweck geeignetes Haus neu zu erbauen. Hoffentlich giebt dieses rühmenswerthe Beispiel auch den anderen wohlhabenden Gerneindemitglieder», den Anlaß, das Zustandekommen eines Unternehmens zu sichern, welches allgemein als dringendes Bedürsniß anerkannt ist. Breslittt, in» Februar. Wie Märchen über „Ritualmorde" entstehen, wird der „Freisinnigen Zeitung" in einer Zuschrift von zuverlässiger Seite aus Oberschlesien an einen» drastischen Beispiel unter Angabe von Ort und Namen bekundet. Ein jüdischer Kaufmann erfuhr beim Besuch eines Gutes, daß eine Magd dem Inspektor mitgetheilt habe, daß, als sie mit eine»,, vierjährigen Kinde in der Stadt gewesen sei, eine Frau an sie herangekommen sei und sie gefragt habe, ob sie das Kind nicht verkaufen wolle, sie könne ihr mehrere Tausend Mark für das Kind geben, de»»»» es sei jetzt bald Ostern, und da solle sie den Inden ein Kind zun, Schlachten besorgen. Der jüdische Kaufmann brachte die Sache sofort bei der Behörde zur Anzeige behufs Klarstellung dieser Geschichte. Die amtliche Untersuchung ergab nun, daß in der That die Erzählung der Magd auf Wahrheit beruhte, aber sie ergab zugleich, daß die betreffende Frau, welche de», Kinderkauf vorschlng, eine notorisch verrückte Frauensperson ist, die als unzurechnungsfähig strafrechtlich nicht verfolgt werde», kann. — Eine nicht minder charakteristische Geschichte wird aus Posen berichtet: In der Marknsschen Bäckerei, Judenstraße, werden wie alljährlich vor Ostern Mazzes gebacken. Eine dort beschäftigte Frauensperson hat nun mit oder ohne Absicht, das soll hier dahingestellt bleiben, sich in de», Finger geritzt, und das heransqnellende Blut in ein Stück Teig, das sie abriß, abgewischt. Dies muß in einem unbewachten Augenblick in heimlicher Weise geschehen sein, da das Backen unter strengster Aufsicht geschieht. Jenes Stück Teig gab sie sodann einem in derselben Bäckerei beschäftigten Arbeiterdem sogenannter» „Schieber" (das ist Derjenige, der die Mazzes in den Ofen schiebt), welcher seinerseits de», mit Blut besudelten Teig in die Tasche steckte. In einer Schänke nun hat jener Arbeiter den Teig wieder aus der Tasche geholt und den Anwesenden gezeigt, wahrscheinlich um hiermit zu beweisen, daß die Juden zum Backender Mazzes Christenblut verwendeten. Nachdem Herrn Bäckermeister Markus das vorher Erwähnte zu Ohren gekommen, hat er sofort einen Theil seines Personals entlassen, darunter jenen „Schieber", gegen welchen er Strafantrag stellte. Die Nachricht, daß Herrn Markus aus Anlaß dessen die Mazzesbäckerei geschlossen »vorder, sei, trifft nicht zu, Herr M. konnte lediglich aus Mangel an Personal den Betrieb nicht aufrecht erhalten; heute dürste dagegen das Backen der Mazzes seinen Fortgang nehmen. Aus dem Geschehene», kann man wieder einmal sehen, wie das Märchen vom Ritualmord entsteht. Der schwebenden Untersuchung soll zwar nicht vorgegriffen werden, eine Beschleunigung derselben wäre aber durchaus erwünscht, zumal der Thäter sich noch auf freiem Fuße befindet. — Die Industrieschule für israelitische Mädchen zuBreslau feiert Ende März 1901 ihr 100 jähriges Bestehen. Hierbei soll eine Ausstellung von Handarbeiten, welche im Laufe des Jahrhunderts von Schülerinnen der Anstalt gefertigt wurden, stattfinden. Die Direktion ersucht nun Alle, die noch im Besitz solcher Arbeiten sind, diese zu oben genanntem

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