Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 9 (1.3.1901)
- Date
- 1901-03-01
- Page
- Seite 103 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3228419-3228429--57325-3293690- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
103 m alten alturstufe n. Aber n Herren a werden Wir beziemlich auf gerstolz auf arückgeht, hinweist, ettl. geht unseren orauf sich ritterliche Meinung rwaltung h überall ur. Wir Antwort gestellt, in reu ihnen ie Adlige n Bezirks the rc. zu , voraus id für di^ gelt Habei' len ihre, nsache de u wählen r förmliä: chnet, mit Und jetz! lören: Jh dies aus' h, der ge- «en Karte i nko Stein, Worte einangesichtl är uns i n willig, z> - enliga aus : fühlen s e >abeu sell t man m ein unser » nnten, aehr zurüuiperei, v-ui scheut, uö Sanunluuz ht es nutst schwer >r» chs Monat« eines abe> Zudeu wird es nicht bringen. Es ist ein Vorstoß gegen das Judenthuiu von allen Seiten zu bemerken. Und wie schwächlich sind unsere Reihen, gegen welche eine gekräftigte Phalanx so mächtig vordringt! Es mag ja bei Ihnen in Preußen auch nicht alles zum Besten bestellt sein, und gewisse Erscheinungen der letzten Zeit deuten gar zu offenbar darauf hin. Aber wie kräftig wehren sich die jüdischen Bürger Deutschlands gegen die antisemitische Hochfluth. Wäre es nicht auch bei uns am Platze, die Abgeordneten, welche man gewählt hat, weil es die „Ehrenpflicht des Judenthums" verlangte, aufzufordern, nicht eine Minute länger mit denen an einein Tische zu sitzen, die sich so rasch umgewaudelt haben? Sonderbare Schwärmerei! Da giebt es bei uns einige Rechtsanwältchen, Streber allerärgster Sorte, welche froh sind, wenn sie nur von gewissen Deutsch-Nationalen oder Fortschrittlern mehr oder weniger sanfte Fußtritte erhalten. Zudringliche Gesellen, die längst ihr Judenthuiu verleugnet haben, diktiren den armen, boykottirten Juden, wen sie wählen sollen. So haben sich Zustände in einigen österreichischen Städten herausgebildet, welche für den jüdischen Geschäftsmann namentlich geradezu unleidlich genannt werden müssen. Was kümmert dies jene Advokatlein, denen man einige sogenannte Aemtchen und „Ehren"stellen hinwirst wie den Hunden die Knochen. Nicht nur Wien, auch die Landeshauptstädte haben derartige Individuen ansziiweise», welche auf den Schultern verarmter jüdischer Existenzen sich erheben wollen. Wir könnten sie mit Namen nennen, aber was für einen Zweck hätte dies? Man kennt sie ohnehin, die liebedienerischen Knechtsseelen, welche Schönerer und seinen Genossen Lakaiendienste leisten und Wolf den Steigbügel halten. Mögen sie dies weiter thnn, diese Rechts- oder Uurechtsanwälte, wir neiden ihnen ihr Zusammensitzen mit den germanischen Judenhassern nicht. Mögen sie mit ihnen tafeln und schmausen. Aber daß ein armes, betrogenes Volk ihrerwegen leiden muß, das erfüllt uns mit aufrichtigem Schmerze, umsomehr, als leider keine Hoffnung auf Besserung uns winkt. Wir sind tief gesunken, und kein Stern leuchtet uns. Wann wird sie kommen, die starke Hand, welche uns aus dem Sumpfe hebt, in den uns falsche Freunde noch mehr als grausame Feinde gestoßen? I-n-ri. Fanny Lewald und das Judenthuiu. Von Dr. Ludwig Frankel. It. asSchwauenlied dergreisen Schriftstellerin entsprach in der Tendenz völlig dem Votum, das unparteiische Richter in ihren litterarischen Anfängen und hinter ihrer Gesammtthätigkeit gefällt haben. Der selbst stark demokratisch beseelte Robert Prutz („Die deutsche Litteratur der Gegenwart", It) leitete 1859 ihre Charakterbild ein: „Der scharfe, zuweilen vorwitzige Verstand der Jüdin ist bei ihr durch das kalte, nüchterne Blut der Ostpreußin gezügelt und in Schranken gehalten, wodurch denn eine gewisse mittlere Stimmung, eine gewisse bürgerliche Klarheit entsteht, der es doch wiederum an einzelnen glänzenden Lichtern des Witzes durchaus nicht mangelt," und H. Mielke's kundiges Handbuch „Der deutsche Roman des 19. Jahrhunderts" (1890) äußert: „Protestantische und katholische Kreise kommen dabei nicht immer gut weg, und die ehemalige Jüdin verleugnete anderseits nicht das natürliche Gefühl dankbarer Pietät, wenn sie die Lichtseiten des Judenthums mit Eifer in ihren Werken hervortreten ließ." Wenn wir nun nach alle dem zwischen den anregenden Blättern ihrer geist- und sinnvollen Selbstbekenntnisse, die uns jetzt Professor Ludwig Geiger mit gedrängten, sorgfältigen Erläuterungen in dem obengenannten Buche: „Gefühltes und Gedachtes" zugänglich macht, nach Aussprüchen über Juden und Judenthum suchen, so stoßen wir allerdings auf wenig Bezügliches, finden die Ursache aber leicht in der oben betonten Aenderung ihres durchschnittlichen Verkehrs, vor allem aber in dem tiefwurzelnden Unterschiede der hier gebuchten seelischen politischen und ökonomischen Stimmungen. An Persönlichkeiten jüdischen Ursprungs trete»!, wenn schon in der Regel nur als eitirte, darin auf: Heinrich Simon, der ausgezeichnete Publizist H. B. Oppenheim, der Dichter Karl Beck, H. Heine, Henriette Solmar, Ferd. Lassalle, Joh. Jacob»), Aron Bernstein, Leon Gambetta, Berthold Auerbach, d'Jsraeli-Beaconsfield, Eduard Simson. Ein paar der wenigen Stellen, die unser Thema berühren, ziehen wir heraus. Vom 4. August 1847: „Nach einer Unterredung mit Oppenheim und Beck. Sie ineinen »veil der Geist des Menschen an die Form, den Körper gebunden ist, so müsse inan auch den Geist der Religion an das positive Dogma, an den Kultus binden. Aber der Menschengeist reicht in die Unendlichkeit hinaus, sobald er sich als Geist zu denken vermag, und die Religion befreit sich von» Kultus und vorn festen Dogma, als fortschreitender Humanitätsgedarike, als Lehre immer »euer, thätiger Liebe." Am 3. Februar 1871: „Gambettas Erscheinung erklärt sich vollständig durch die Mischung der drei Nationalitäten, die in ihm Zusammenkommen. Wenn auf die Unverschämtheit (F. L. meint hier doch wohl wörtlich das Gegentheil von Verschämtheit) und Zähigkeit des Juden italienische Phantastik gepfropft und solch ein Gewächs von früh auf mit französischer Eitelkeit genährt und begossen wird, so kann die Frucht, die wir vor Augen haben, gar nicht ausbleiben. Auffallend ist er durchaus nicht, nur das Volk ist eine auffallende Erscheinung, das sich einem solchen Usur Pator .... vollständig überantwortet." Am 12. Februar 1878 in Rom: „Mir ist es immer auffallend, wie gering der Wortbesitz der meisten Menschen ist. Dazu kommt noch, daß derselbe in der Auswahl nicht einmal von ihnen selbst gemacht, sondern Gemeinbesitz eines Kreises ist — und in dieser banalen und meist geschmacklosen Armseligkeit.leisteu unter Anderen die deutschen Juden unter den hiesigen Fremden hier auch das Mögliche! Ihr gedehntes aah! — ausgezeichnet! — merkwürdig! — im Ernst? — waas? hören Sie! — wissen Sie! lassen Sie sich sagen! — nutzen, da nun daneben noch die beständige Wiederholung des andern geringen Sprachmaterials dazukvmnit, wirklich das Ohr und die Geduld der Hörer ab." Vom Juni 1878: „Daß die Juden ein neues Judäa haben »vollen und von dem (Berliner) Kongreß zu begehren denken, ist durchaus in der Ordnung, da d'Jsraeli als Lord Beaconsfield die Oberstimme in dem Kongreß hat und nächstens Herzog sein wird. Hat er doch in seinem ersten (?) Romane nachzuweisen versucht, daß so ziemlich alle bedeutenden Menschen aller Nationen Juden gewesen sind. — Mich wundert nur, da Rothschilds und er Großmächte geworden sind, daß nicht längst ein jüdischer Verleger darauf verfallen ist, das Buch in alle