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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-03-01 · Heft 9 (1.3.1901) · p. Seite 101

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 9 (1.3.1901)
Date
1901-03-01
Page
Seite 101 (sequence 7)
Language
German
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Diese Hoffnung aber erheben wir zur Gewißheit im Vertrauen auf Gott. Und dies Vertrauen soll so stark sein, daß es von keiner Katastrophe erreicht werden kann. Es entzünde in uns das große Licht. Und wo immer zu diesem Licht das Dunkel des Unglücks tritt, da kann das Licht nicht erlöschen, sondern nur glänzender strahlen, wenn es im Schmerze schöner wird. Non -er Zahl Dreizehn. Eine Pnrimplauderei von Dr. B. Kuttuer in Frankfurt a. M. Jude, der in den Lehren seiner Religion genügend unterrichtet ist, weiß es, daß ihm jede Art von Aberglauben, Wahrsagerei und Zauberei verboten ist; daß er durch diese, gerade dem Heidenthum eigenen Laster sich nicht „verunreinigen" soll (um mit dem Worte der Bibel zu reden). Thatsächlich ist der Aberglaube auch unvereinbar mit dem Glauben an Gott, von dem allein doch alles Gute wie Böse — wenigstens nach unserer Meinung Böse — ansgeht. Was Gott in seiner Weisheit und Güte uns zugedacht hat, kann uns doch nicht dadurch verloren gehen, daß uns etwa ein Hase über den Weg läuft, oder am frühen Morgen ein altes Weib wgegnet oder dergleichen. Diese und zahlreiche andere Narrbeiten des Aberglaubens sind unvereinbar mit dem Glauben an Gottes Weisheit und Allmacht. Unwillkürlich wird der nbelkundige Leser hier an das Wort Bileams erinnert: „Wie aun ich verwünschen, wenn Gott nicht verwünscht? Wie ann ich zürnen, wenn Gott nicht zürnt?" Also schon der heidnische Prophet spricht es aus, daß außer Gott keine Macht twas über uns vermag. Vollends thöricht ist es zu glauben, daß der Tod einen ou uns ereilt, wenn wir zu dreizehn an einem Tische weisen, wie überhaupt, daß die Zahl 13 ein Unglück bedeute, üls ob nicht Gott über Leben und Tod zu entscheiden hätte, -ondern die Zahl 13; als ob unser Leben nicht von der Be-!chaffenheit unseres Körpers abhinge, sondern von der üahl 13! Ein Jude dürfte, wie gesagt, einen solchen Aberglauben ucht theilen. Wenn nun schon aber diese Zahl eine Bedeutung 'laben sollte — und sie hat sicherlich keine — so hätte sie nlr uns Juden höchstens eine segensreiche. Dieses zu zeigen abe ich mir gerade zu Purim vorgenornmen, weil der Adar einstmals den Juden im persischen Reiche verderblich werden sollte. Geradezu eine Widerlegung nämlich dafür, daß die Zahl dreizehn eine Uuglückszahl für uns sei, und damit zugleich ein beweis, daß unser Geschick von Gott abhängt, aber nicht an drese Zahl, ist die Geschichte, die wir im Buche Esther lesen. Sie ist ja allbekannt. Haman hat allen Juden im persischen Reiche den Tod geschworen. Da er jedoch abergläubisch ist — wie alle Heiden, besonders aber die Perser — so läßt er sich durch die Magier einen Tag bestimmen (durch das Loos), der seinen! Unternehmen günstig wäre. Die Magier bestimmen den 13. Tag des Monats Adar. Und was geschieht? Gerade dieser dreizehnte Tag bringt den Juden „Licht und Freude und Wonne und Ehre", und darum wird der 14. Tag des Adar unter dein Namen Purim (Loose) noch heutigen Tages von den Inden der ganzen Welt festlich begangen. Indem Mordachai aber dieses Fest Purim l— Loose) nannte, wollte er den heidnischen Aberglauben verspotten, als könne durch Looswerfeu und Hernmrechneu ein Tag zu einen! Unglückstag gemacht werden. Da sind die jüdischen Kalendermacher doch andere Leute gewesen! Sie hielten die Zahl dreizehn weder für glücknoch unglückbringend, da nur von Gott allein Glück und Unglück eines Tages oder Jahres abhängen. Darum hatten sie gewiß keine besonderen Gedanken dabei, als sie dem Schaltjahre U» Monate znwieseu -und dabei ist es im jüdischen Kalender bis zum heutigen Tage geblieben. Damit bin ich aber schon in die spätere jüdische Zeit geratheu kehren wir noch einmal in die biblische Zeit zurück! Da tritt uns die Zahl dreizehn zuerst entgegen in der Geschichte Abrahams. Sein Sohn Jsmael ist 13 Jahre alt, als er in den göttlichen Bund ausgenommen wird. Heutzutage werden die jüdischen Knaben zwar schon am 8. Lebenstage unbewußt! — in den Bund Abrahams ausgenommen: aber die ihnen bewußte Aufnahme in die religiöse Gemeinschaft des Judenthmns (Barinizwah) tritt auch heute erst nach vollendeten! dreizehnten Lebensjahre ein. Und wie freuen sich die Eltern, wenn sie diese glückliche 13 erleben! Bekanntlich hatte Jakob 13 Kinder: zwölf Söhne und eine Tochter — und diese Kinder bilden einen Theil des dem Jakob verheißenen Segens, und von ihnen stammte ein zahlreiches Volk ab. Dem König David, der die Kinder eineu Segen Gottes nennt, mit dem der gottessürchtige Mann gesegnet wird, wurden in Jerusalem 13 Söhne geboren ll. Buch der Chronik 17, 4). Im 2. Buch Mos. 34, 6 ff. wird in einer erhabenen und unvergleichlichen Darstellung berichtet, wie Gott dein Mose seine Herrlichkeit offenbart, und die sogenannten Gnadeneigenschaften Gottes werden dort in folgenden Worten ausgezählt: „Der Ewige, der Ewige, Gott lder Allmächtige), barmherzig und gnädig, langmüthig und voller Huld und Treue, bewahrt die Liebe bis ins tausendste Geschlecht, vergiebt Vergehen, Missethat und Sünde." Rach einer alten Zählung, natürlich am hebräischen Urtext vorgenommen, ergiebt das 13 Eigenschaften, die unter dem Namen Lejiloseü vLie micülot in unseren Bußgebeten eine so große Bedeutung haben — aber jedenfalls keine unheilvolle; soll doch nach ihrer Anrufung die Erhörung nicht ausbleiben (ffloseti Vo^e-liono 17 b). Als der größte Gelehrte des Mittelalters, Moses Maimonides, die Erundlehren des Judenthmns zusammenstellte, fand er deren gerade 13, die bekannten 13 Glaubensartikel, die mancher Israelit am Schlüsse seines täglichen Gebetes mit Andacht liest. Auch Maimonides hat an der Zahl keinen Anstoß genommen. Schließlich noch eins! Hoffentlich kennen recht viele Leser die Schausäden (Zizit); und diese weisen je acht Fäden und fünf Knoten auf, mit dein ausgesprochenen Zweck, d reiz eh n zu bilden.

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