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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-03-01 · Heft 9 (1.3.1901) · p. Seite 99

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 9 (1.3.1901)
Date
1901-03-01
Page
Seite 99 (sequence 5)
Language
German
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99 welche in Griechenland gar nicht so antisemitisch ist, als das griechische Volk selbst, das seit den Tagen des Antiochus Epiphanes sich stets judenfeindlich erwiesen hat. Die im Volke herrschende antisemitische Grundstimmung haben die Eingeborenen und die aus Venedig eingewanderten christlichen Kauflente benutzt, um die Stellung der jüdischen Kaufleute in Korfu systematisch zu untergraben und sie zur Auswanderung n> zwingen. Die Absicht gelang ihnen im vollen Maße, und die großen jüdischen Exporthäuser der Tedesco und de Mords, der Arieti, Jould und de Castro, der Olivetti, Jerack, Levi u. A. »'wie die über 50 jüdischen Importeure waren nach und nach genöthigt, die Insel zu verlassen und den Handel von Korfu hren frohlockenden christlichen Konkurrenteu zu überlassen. Allein die Korfioten haben zu früh triumphirt. Durch das Perdräugen der Juden haben sie den Ast abgesägt, auf dem e selber gesessen haben. Die Juden gingen, aber sie haben en Handel Korfus und dessen Wohlstand mit sich fortgeführt, -eit 1870 ist die Ausfuhr Korfus um 50 Prozent, die Einfuhr uu 66 Prozent zurttckgegangen. Nunmehr haben sich auch die geistlichen Kauflente genöthigt gesehen, die Insel, auf der es nichts mehr zu handeln giebt", zu verlassen. Das unwissende, upide und total verarmte Volk vermag jedoch den Grund iner Armuth nicht zu erkennen und fährt in seiner Dummheit ort, die in Korfu und Zante lebenden Juden, die selbst blutarm sind, zu verfolgen. Die weitere Folge wird nun sein, asz auch die Ausfuhr von Essrogim, auf die die Bevölkerung wrfus jetzt mehr denn je angewiesen ist, bald aushören und »orfu das Schicksal des unglücklichen Spaniens theilen wird. 4- Das sehr ehrenwerthe Mitglied des englischen Unterhauses Sir Howard Vincent scheint sich die Frage derFremdeuuuvanderung zu seiner Spezialität ausgesucht zu haben, achdem er sich, wie wir seiner Zeit gemeldet haben, vor uigen Wochen deswegen von Mr. Balfour eine derbe Zurechteisung geholt hat, hat er in der vorigen Woche zum großen audium des Hauses nochmals sein Steckenpferd geritten, clegentlich der Adreßdebatte richtete er an den ersten Lord -s Schatzes die Anfrage, ob das Fehlen eines Hinweises auf De Einwanderungsfrage in der Thronrede als Beweis dessen nzusehen sei, daß die Negierung entgegen ihrer Erklärung ' nn 17. Juli 1894 die Absicht, ein die Einwanderungsfrage gulirendes Gesetz einzubringen, aufgegeben habe. Mr. Balfour cutwortete: „Wie mein ehrenwerther Freund wohl selber ein- »hen wird, ist aus der Thatsache, daß eine bestimmte Maßnahme von dem König in seiner Nede nicht erwähnt wurde, » keiner Weise irgend ein Schluß auf die Haltung der Nennung in Bezug auf ihn zu ziehen." (Gelächter.) 4 Wir haben schon oft über die traurige Lage der persischen luden berichtet, die, den Gewaltthütigkeiten einer fanatischen ttenge ausgesetzt, unter den heftigsten Angriffen zu leiden »aben. Dank der Gründung der Schulen der Alliance in Persien bemerkt man aber doch schon eine Besserung in der Packung der Behörden und der schulischen Priester. Der Direktor der Schule zu Hamadan berichtet dem Ceutralkomitee Dlgendes: Der Korrespondent der Alliance erinnert zuerst an die Unruhen, »'eichen die Israeliten zu Hamadan in den letzten Monate» ausgesetzt waren. In' den Cafes verbreitete man Gerüchte gegen die Juden. Die Zeitungen reizten die Bevölkerung auf, an öffentlichen Orten, wo Thee und Opium verzehrt werden, erregte man ihre Leidenschast. Die Situation war aufregend, eine Deputation begab sich in die Moschee, wo der alte Priester Said Abdue Medjud seine Gebete verrichtete. Man fragte ihn, wie lange man noch die Ungläubigen dulden solle. Der Said, ein ruhiger Man», stutzte sein Haupt und bedachte sich. Die Gläubigen erwarteten unruhig seine Antwort. Er versprach ihnen auf den nächsten Freitag eine beruhigende Antwort. Die Juden verließen 10 Tage lang nicht ihr Haus, sie begaben sich zum Gouverneur und baten ihn, energische Maßregel» zu ergreifen. Er schrieb bald daraus dem Priester, ließ ihm mittheile», daß seine Stellung sehr engagirt sei, wenn der Schah, der damals in Europa weilte, von den Unruhen in Hamadan aus den Zeitungen erführe. Der Priester versprach sein Möglichstes thnu zu wollen. Am anderen Tage begab ich mich selbst zu ihm und erzählte ihm von den Schritten, die mau bei dem Schah in Paris thue. Er schien hierüber sehr gerührt. Bei meinem Weggehen sagte er an der Thür: „Seien Sie beruhigt, es wird nichts gegen Sie geschehen." Der Freitag kam heran, der Zndrang zu der Moschee war sehr groß. Dev Priester citirte die Stellen des Koran, wo Mord, Raub und Diebstahl bestraft werden. „Das ist die Antwort." sügke er hinzu, „die Ali mir einflößt, begebt Euch i» Eure Wohnungen und thut kein Unrecht," Damit wurde das Volk wieder ruhiger, und augenblicklich ist nach längerer Zeit die Ruhe wieder ganz hergestellt. Unsere Glaubensgenossen gehen wieder sorglos ihren Geschäften nach, Aas Recht. Von Dr. Leopold Luca s-Gloga», man die Aufgaben eines Staates der Neuzeit betrachtet, so erscheinen dieselben so mannigfaltig und so verschieden, daß es schwer ist, sie in eine bestimmte Form zu bringen. Versucht mau es dennoch, so kann man wohl sagen: der Staat hat die Voraussetzungen für ein Kulturleben zu schaffen, und zu diesem Zweck stellt er sein Recht auf und sein Gesetz. Durch Recht und Gesetz sucht er das Leben des Einzelnen zu schützen und den berechtigten Besitz, er verleiht auch dem Bürger die Möglichkeit, sich diejenige Bildung oder diejenigen Kenntnisse auzueiguen, welche ihn befähigen, in irgend welcher Weise sich ins Kulturleben einzureihen. Da nun das Recht derartig große Aufgaben zu erfüllen hat, so ist es natürlich auch von größter Würde, und es verlangt unbedingte Beachtung. Herrschendes Recht ist eben herrschendes Recht. Aber wenn nun einmal das Recht nicht dem Rechten, nicht der Gerechtigkeit entspricht? In diesem Falle wird das Recht geändert, und eine Eickwicklung des Rechtes in der Richtung der Gerechtigkeit wird ja auch allgemein als selbstverständlich anerkannt. Wo sich also ein zeitweiliger Gegensatz zeigt zwischen dem Gesetz und dem Rechten, da ist dieser im höchsten Sinne nicht beunruhigend; im höchsten Sinne aber beunruhigend muß es wirken, wenn dem Recht die Rechtsausführung nicht zu Theil wird, obwohl dasselbe die Macht besitzt, seinen Sprüchen Geltung zu verschaffen. Die aber einen solchen Zustand schaffen, leisten wahrlich dem ganzen Lande einen schlechten Dienst, besonders aber den israelitischen Staatsbürgern, denn wo sich eine Schwäche zeigt, erprobt dieselbe zunächst ihre Kraft am Schwachen. Aber giebt es denn nicht ganz bestimmte Gründe für die mangelhafte Rechtsausführung, die zu unseren Unguusteu geübt wird, und die namentlich darin besteht, die Juden von allen staatlichen Aemtern auszuschließen? O gewiß! Die Einen sagen, das

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