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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-02-22 · Heft 8 (22.2.1901) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 8 (22.2.1901)
Date
1901-02-22
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 Rabbiner, Herr Dr. Schirokauer aus den Verein der Chewra-Kadischah. Ein von letzteren! Herrn verfaßtes Tafellied wurde zum Schluß noch gemeinschaftlich gesungen. Darauf folgten Prolog, Theater, Vorträge und Tanz; es war ein in jeder Beziehung wohl gelungenes Fest, welches allen Betheiligten noch lange in schönster, angenehmster Erinnerung bleiben wird. ne. Aus Schlesien, im Februar. Am Ende des abgelaufenen und am Beginne des gegenwärtigen bürgerlichen Jahres ging es in der Gemeinde Pleß in Oberschlesien bewegt her. Herr Moritz Loew, seit fast 40 Jahren Kantor und Neligionslehrer dieser Gemeinde, fühlte unter der Beschwerde des Alters das Bedürfnis;, sich vom Amte zurückzuziehen und in KönigshüLte in der Nahe seiner Kinder oti'uni eum cki§ui'tat6 zu genießen. Wie ungern man den allgemein beliebten Beamten und allseitig verehrten Mann sowie seine wackere Gattin scheiden sah, gab sich schon einige Wochen vor dem Wegzuge spontan in erhebender Weise zu erkennen. Wie alljährlich wurde in den Chanukahtagen ein Kinderfest gefeiert. Eine poesiebegabte frühere Schülerin des Herrn Loew, eine seit Jahren verheirathete Frau, verfaßte eigens nck lloe ein den rezitirenden Kindern angemessenes Theaterstück, welches in einen Hymnus ausklang, in welchem sich die Zöglinge von ihrem geliebten Lehrer herzlich verabschiedeten. Der Mendelssohn-Verein, welcher die Pflege jüdischer Interessen und jüdischer Geselligkeit sich zur Ausgabe gemacht, veranstaltete zu Ehren des Scheidenden einen Abschiedskommers. Ein junges Mädchen, welches Herrn Loew im Namen des Vereins ein schönes Kaulbachsches Bild überreichte, trug ein sich darauf beziehendes Gedicht vor. Am 30. v. M. schaarte sich wohl der größte Theil der Gemeinde, Männer und Frauen sowie viele aus der Nähe und Ferne herbeigeeilte Freunde der Familie um den Scheidenden. Diese Abschiedsfeier nahm einen herrlichen Verlauf. Rabbiner Nau hielt eine begeisternde Festrede. Aehnliche Accente fanden aber auch alle Tischredner, die Herren Vertreter der Gemeindekollegien und die einzelnen Gemeindemitglieder, welche bei diesem Feste zu Worte kanten. Tief ergreifend wirkten auf Alle die aus bewegtestem Herzen des Scheidenden kommenden Worte des Dankes. Sogar der interkonfessionelle Gesangverein in Pleß, dem Herr Loew früher als rühriges aktives, zuletzt als Ehrenmitglied angehörte, widmete dem Scheidenden einen festlichen Abschiedskommers. Es ist ein wahrer Kidusch Haschern, wenn von dein jüdischen Kantor und Neligionslehrer der andersglaubende Sangesbruder und Liedermeister u. a. aussagte: „Wie in seinem Berufe als Kantor und Neligionslehrer der Shuagogengemeinde und im gesellschaftlichen Leben, so hat auch im Gesangverein Kantor Loew sich alle Zeit gezeigt: einfach, bieder, bescheiden bis ans Unglaubliche, liebenswürdig und stets bereit, seine höchst schätzenswerthe Kraft in den Dienst des Vereins zu stellen." Die kleine, schwer belastete, im Grunde wenig leistungsfähige, aber opferfreudige Gemeinde hat sich auch bei der Normirung des Ruhegehaltes wie bei Überreichung der Ehrengaben hochherzig erwiesen. Pleß nimmt überhaupt unter den Kleingemeinden Oberschlesiens eine hervorragende Stellung ein. Unter der Aegide intelligenter, gewissenhafter, zielbewnßter, opferfähiger Führer und Leiter innerhalb des Vorstandes und des Repräsentantenkollegiums hat es diese kleine Gemeinde verstanden, vor Jahresfrist ein stattliches Gebäude für Gemeindezwecke herzustellen, iu welchem überaus zweckmäßig mit einer gewissen Eleganz die Neligionsschule, die Sitzungssäle für die Gemeindeverwaltung, das rituelle Tauchbad, die rituelle Fleischhalle und — last not least — die überaus aparte, schmucke, einfach und fein gehaltene, heizbare Wintersynagoge sehr passend und nett nntergebracht sind. Alle Achtung vor der wackeren, trefflichen Gemeinde Pleß, welche trotz ihrer beschränkten Mittel für die Gemeindebedürsnisse und Gemeindeeinrichtungen ausgiebig und anständig zu sorgen versteht! 8. Rordharrserr, 14. Februar. Ein hochangesehenes Mitglied unserer Glaubensgemeinschaft, ein Sohn unserer Stadt, deren Ehrenbürger er war, und der durch seine philantropischen Stiftungen und Wohlthätigkeit weit über die Grenzen unseres Vaterlandes bekannt war. der Bankier Jacob Plaut ist. wie Sie bereits gemeldet haben, am 4. d. M. in Nizza verschieden. Vor Jahren stellte derselbe gelegentlich beim Thora-Ausrusen eine Summe von 300000 Mark der städtischen Behörde zur Verfügung zn dem Zwecke, daß diese Spende zu einem Asyl und einer Attersversorgung ohne Unterschied des Glaubens verwandt würde. Diese Stiftung bewahrte sich aufs segensreichste, da die selbstlose Güte des edlen Stifters der städtischen Verj waltung immer von Neuem reichliche Mittel zur Verfügung stellte, um vielen alten Leuten eilt wirklich sorgenfreies Alter in jeder Beziehung zn gewähren. Als die Tranerkunde hier bekannt wurde, war die Theilnahme daher allgemein, und aus sofortige Veranlassung des ersten Herrn Bürgermeister Contag wurden Fahnen am Rathhaus wie am Stift auf Halbmast gesenkt und Gedächtnißfeiern angeregt, welche am 10. und 11. d. M. in der Synagoge sowie im Plaut-Stist selbst stattfanden. Am Sonntag Vormittag fanden sich neben sämmtlichen Mitgliedern der Gemeinde auch die Vertreter des Magistrats eiu sowie eine große Anzahl des Stadtverordnetenkollegiums und zahlreiche Einwohner unserer Stadt. Die Feier wurde vom Synagogenchor durch „Matauwn" eingeleitet, dann hielt unser Rabbiner Dr. Schönberger eine ergreifende und formvollendete Gedächtnißrede. Mit Schlnßgesang und Gebet fand die erhebende Gedenkfeier ihren Abschluß. — Am Montag Nachmittag wurde eine würdige Tranerfeier im Stift selbst abgehalten in Anwesenheit sämmtlicher Insassen der Stiftung, Angehörigen der Familie, des Plaut-Stiftkuratoriums, der Magistratsmitglieder. Stadtverordneten und des Vorstandes der Shuagogengemeinde. Hier hielt die Gedächtnißrede der Geistliche des Stiftes, Pfarrer Benkenstein, welcher die seltenen Charakterzüge des Verewigten, eines Wohlthäters unserer Stadt wie kein Zweiter, hervorhob. So sei I. Plaut ein Held gewesen, ein Mann, der mit Gütern gesegnet war wie wenig Andere und doch die höchsten Tugenden der Demnth, Einfachheit und Schlichtheit geübt habe. Die Güte I. Plauts sei entströmt aus jenem Geiste wahrer Duldung und Toleranz, der Gebildete aller Völker vereine mit diamantnem Bande. Der Name des Verstorbenen werde in unserer Stadt als einer der edelsten weiterleben! — Nachdem betrat Rabbiner Dr. Schönberger die Kanzel, und in Anknüpfung an den Spruch, welcher auf der Kanzeldecke eiugestickt ist: „Ehre sei Gott" und an die Worte des Pfarrers über Duldung, Toleranz und Wahrheit richtete er herzliche Worte an die Insassen des Stiftes, den Geist der Liebe auch auf sich und ihren Kreis immerdar wirken zu lassen, das allein entspreche dem edlen Geiste des Stifters! — Der Synagogenchor, welcher zu dieser Feier zum Gesang aufgefordert wurde, schloß mit „Harre meine Seele" die würdige, schlichte Feier. Wie der Verstorbene allgemein geachtet und geehrt wurde, gab man auch der hier lebenden Schwester, Frau Bankier S. Frenkel, zu erkennen, da der Magistrat, das Kuratorium und der Vorstand der Synagogengemeinde dort im Hause eine offizielle Kondolenzfeier abstattete, und dem Bruder, Geheimrath Moritz Plaut in Berlin, wurde eine Beileidsadresse anch seitens des ersten Bürgermeisters und des Kuratoriums abgesandt. — Mögen diese Beweise echter, allgemeiner Toleranz und aufrichtiger Trauer Anklang und Nachahmung im weitesten Kreise finden. 8. Bingen, 19. Februar. Am 6. d. M. ist hier der Seniorarzt Dr. Isaak Ebertsheim im Alter von 83 Jahren verschieden. Als langjähriger Armen- und Hospitalarzt war derselbe s. Zt. zn seinem 80. Geburtstage Ehrenbürger der Stadt Bingen geworden. Ein ganz besonderes Zeugniß der Hochachtung und Beliebtheit gab die überaus starke Betheiligung aller Kreise der Bevölkerung Bingens kund. Am Grabe widmete Rabbiner Dr. Grünfeld dem Verstorbenen in herzergreifenden Worten einen innigen Daukesnachruf. Herr Bürgermeister Neff sprach Worte der Anerkennung für Stadt- und Hospital- Verwaltung und legte, wie auch Freunde aus verschiedenen Vereinen am Sarge Kränze nieder. Oesterreich - Ungar». LI Wien, 18. Februar. Die Verhandlungen im Reichs rat he haben bereits begonnen und damit auch das endlose, immer wieder auftauchende „Jud! Jud'."-Geschrei; darüber mag man sich jedoch getrost hinwegsetzen, denn den Vorwurf. Jude zu sein, erträgt Jeder von uns mit gerechtem Stolze. — Ein schönes Zeichen seltener Liberalität bewies vor einigen Tagen ein Hotelier in einer größeren Provinzstadt, der zwei Offiziren, die mit obligatem Hepp Hepp-Geschrei in sein Lokal kamen, rundweg jede Bedienung verweigerte. Geschah dies auch hauptsächlich aus Rücksicht auf die im Lokal auwesenden israelitischen Gäste, so bleibt es dennoch nachahmenswerth. — Der Csougrader Pfarrer Anton Hegyi, wegen dessen Lebensweise erst kürzlich im Abgeordnetenhause interpellirt wurde, ist wegen Aufreizung zn drei Monaten Gefäugniß verurtheilt worden. Die katholischen Bewohner von Csongrad halten eine Versammlung ab, in

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