Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 8 (22.2.1901)
- Date
- 1901-02-22
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
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s Rücksichten ertheilte jüdische Religionsunterricht hat die Aufgabe, die Kinder anzuleiten, im Verein mit den Glaubensgenossen der von den Propheten verkündeten Bestimmung Israels nachzulebeu. 4. Der jüdische Religionsunterricht sott im Besonder»! die Kinder darüber belehren, ums die Menschheit der jüdischen Religion all religiöser und sozialer Erkeuntnisz zu verdanken hat und ferner, wie die Juden bestrebt gewesen sind, an der Förderung der höchsten Kulturaufgaben nlitzuwirken. 5. Die Kinder sollen mit den gegenwärtigen allgemeinen Einrichtungen zur Förderung jüdischen Wissens, zur Ausübung des Gottesdienstes und der Wohlthätigkeit im Judenthum bekannt gemacht werden und ihre allgemein-soziale Bedeutung würdigen lernen. Nach Annahme dieser Thesen wurde die Sitzung nach 12 Uhr geschlossen. 2/D Berlin, 19. Februar. Pünktlich wie immer hat sich auch in diesen! Jahre der Rechenschaftsbericht des K o m ite es sürChanukah - Bescheeru n g eingestellt. Wir entnehmen demselben, daß das Komitee, dessen Aufgabe es ist, zu Chanukah armen Konnnnualschülern die nothwendigsteu Kleidungsstücke und Lehrmittel zu bescheeren, baar Mark 16 580.60, außerdem werthvotte Textilstoffe, Kleidungsstücke, Spielzeug und andere Gegenstände empfangen, dagegen Mark 16 919.23 verausgabt hat. Es ergab sich demnach ein Minus von Mark 338,63, die dem Reservefonds entnommen werden mußten. Diese Mehrausgabe entstand durch Ausbesserung des Schuhzeuges im Lause des Jahres. 600 Familien mit 1159 Kindern erbaten die Unterstützung; davon durften trotz strengster Nachforschung nur 15 Kinder abgewiesen werden. Für die übrigen 1144 Kinder wurden durchschnittlich je Mark 14,80 verwendet. Für diesen Betrag erhielt fast jedes Kind Kleidung, Stiefel und Wäsche nach Maß gefertigt. Wir ersehen hieraus, daß die Anforderungen an das Komitee im Steigen begriffen sind, womit leider die demselben zugegangenen Spenden nicht gleichen Schritt gehalten haben. Wenn auch das Defizit, welches aus den Ueberschüssen sruherer Jahre gedeckt werden mußte, nur ein geringes ist, so wollen wir doch nicht unterlassen, an den Wohlthätigkeitssinn unserer Glaubensgenossen zu appelliren, daß sie, um dieses überaus gemeinnützige Werk zu fördern, im nächsten Jahre ihm ihre Spenden reichlicher zuwenden mögen. Berlin, 20. Februar. Der Verein zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina, der bekanntlich ein Knabenwaisenhaus in Jerusalem unterhält und nun auch die Lännnelschnle übernommen hat. beabsichtigt für seine wahrhaft Humanitären Zwecke in Deutschland jetzt Propaganda zu machen und hat mit dieser einen der Lehrer der Anstalt, Herrn David Iellin, beauftragt. Das Unternehmen verdient die wärmste Förderung aller Menschenfreunde, damit der Verein in den Stand gesetzt werde, die Zahl der aufzunehmenden Knaben zu erhöhen und au die Eröffnung des Mädchenwaiseuhanses zu gehen, das dort eine dringende Nothwendigkeit ist. In Berlin nehmen auch die Herren Rabbiner Dr. Nngerleider und Julius Bodensteiu Beiträge zu diesem edlen Zweck au. x. Königsberg i. Pr., 18. Februar. Der verdienstvolle Sekretär unserer Gemeinde hat auch diesmal eine tabellarische Uebersicht über die Wir ks am kei t der W o h l thä tig k e i tsver e i n e und Jnstit u te der Synagogeugemeinde zu Königsberg i.Pr. im Jahre 1899 veröffentlicht. Die 14 Stiftungen: Wohlthätige Gesellschaft, Verein für Krankenpflege lind Beerdigung (Chewra Kadischa), Frauenverein zur Unterstützung israelitischer Wittwen und Waisen. Frauenverein für Krankenpflege und Beerdigung (Frauen Chewra), Weiblicher Verein für israelitische Armenpflege, Feueruugsverein, Legatenkommissiou. Dr. Koschffche Legateuverwaltung, Waisenhaus für Stadt und Provinz, Dr. Kosch'sche Waisenerziehungsanstalt, Israelitisches Stift. Studieubesörderuugsvereiu sür Ost- und Westpreußen, Bekleidungsvereiu für arme Zöglinge der Religionsschule, Hilfsverein sür kranke russische Israeliten, die zusammen 3076 Mitglieder haben, besitzen ein Gesammtvermögen von Mark 1280 583.98; die Jahresbeiträge der Mitglieder betragen Mark 25 278; die regelmäßigen Unterstützungen beliefen sich auf Mark 51 451,32, die außerordentlichen Unterstützungen aus Mark 21672.24, Aerztliche Honorare, Medikamente, Nahrungsmittel beziehungsweise Stipendien-, Schul- und Hcmdwerkerkasse aus Mark 15 596,06, die Gesammtsumme der Unterstützungen auf Mark 88 719,62. K. Aus Westprentzerr, im Februar. Weil sie am Sabbath überhaupt nicht reist, war eine jüdische Händlerin aus Dt. Eylau am Sonnabend nicht als Zeuge vor der Strafkammer in Nosenberg erschienen. Diese Entschuldigung ließ der Gerichtshof aber nicht gelten, nahm die Händlerin in eine Ordnungsstrafe von zehn Mark und legte ihr auch die Kosten für den versäumten Termin zur Last. — In diesem Monat feierte der jüdische Frauenverein in Neumark (Westpr.) sein 25jähriges Bestehen. Dem Vorstande desselben gehören seit dieser Zeit die Damen Frau Bertha Cohn und Frau Adele Lands Hut an. Der Verein hat innerhalb der Gemeinde durch Wohlthätigkeit. Armen- und Krankenpflege und Unterstützung stets segensreich gewirkt. — Herr Fabian Kinwa in Briefen wurde zum stellvertretenden Vorsteher und die Herren Eisenhändler Littmann und Uhrmacher Callmann zu Schriftführern von der Stadtverordnetenversammlung daselbst gewählt. — Die israelitische Sterbekasse in Danzig, welche im Jahre 1866 gegründet wurde und jetzt 470 Mitglieder hat, beging am Sonntag, den 20. Januar ihr 35jähriges Stiftungsfest durch ein gemeinsames Abendessen der Mitglieder im Kaiserhof; die Generalversammlung wurde am 24. d. Mts. abgehalten. — Zum Rabbiner der Synagogeugemeinde in Graudenz wurde jüngst der großherzoglich oldenburgische Landesrabbiner Dr. Loevy aus Birken selb vom Vorstand und den Repräsentanten einstimmig gewählt. Dr. Loevy, ein geborener Ortelsbnrger (Ostpr.) hatte sich nach Absolvirung des Gymnasiums in Lhck auf der Berliner Universität und in der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums philosophischen, theologischen und orientalischen Studien gewidmet und erhielt 1884 den Doktorhut und Rabbinatsdiplom, worauf derselbe noch im selben Jahre in Göttingen einstimmig zum Rabbiner gewählt würde. Seit 1890 wirkt Herr Dr. Loevy als Landrabbiuer in Birkenfeld. Derselbe ist auch literarisch mehrfach thätig gewesen. u. Filehrre, 8. Februar. Am 13. v. M. feierte der hiesige jüdische Frauenverein sein 50jähriges Bestehen. Derselbe wurde vom sel. Rabbiner Dr. A. Stein gegründet, der von hier nach Danzig und von dort nach Prag an die Meisel-Synagoge ging. Das Fest, an dem sich fast alle hiesigen Gemeiudemitglieder mit deren Familien betheiligteu, nahm einen glänzenden Verlauf. Eiugeleitet wurde dasselbe durch einen von Frau Erna Putziger Hierselbst vorgetrageneu Prolog. Alsdann hielt Rabbiner Dr. Richter die Festrede, in der er die Geschichte des Vereins von dessen Entstehen bis auf unsere Gegenwart herab schilderte. In herrlichen Worten zeigte der Redner, welche großen Verdienste sich die jeweiligen Leiterinnen des Vereins, die in ihre»! edlen, selbstlosen Wirken von den zeitigen Rabbinern aufs Kräftigste unterstützt wurden, um das Gedeihen desselben sich erworben haben. Hierauf überreichte der Rabbiner den ältesten dem derzeitigen Vorstände angehörenden Damen Frau Ernestine Saller, Frau Friederike Putziger, Frau Panline Wolfs und Frau Helene Lößer mit einer Ansprache schön ausgeführte Dankadressen. Diesem feierlichen Akte, von dem viele, namentlich der älteren Generation angehörende Vereinsdamen zu Thränen gerührt wurden, schlossen sich wohlgelnngene Theateraufführungen und eine reich ausgestattete Verloosung an, zu der viele von hier stammende Glaubensgenossen und -Genossinnen kostbare Geschenke spendeten. Um das Zustandekommen dieses in unserer Gemeinde einzig dastehenden Festes haben sich besondere Verdienste erworben: die Damen Johanna Ephraim und Gertrud Putziger sowie auch noch die übrigen dem Vergnügungskomitee angehörenden Damen, denen von der trefflichen Nendantin Frau Pauline Boschwitz aufs Wirksamste sekundirt wurde. e Kolibris, 11. Februar. Am 24. v. M. beging die Chewrah Kadi sch ah der hiesigen Gemeinde in würdiger Weise ihr 25jähriges Stiftungsfest, und zwar durch Gottesdienst in der Synagoge am Nachmittage, bestehend in Gebet und Festpredigt, in welcher der Rabbiner- Herr Kamerose mit beredten Worten auf die ernsten, edlen Ziele des Vereins hinwies unter Zugrundelegung des Lehrspruches von Simeon, dem Gerechten: „Auf drei Dingen beruht die sittliche Weltordnung: 1. Thora, 2. Aboda, 3. Gmiluth-Chassodim," dies sind die Grauitsäulen der Gesellschaftsordnung, welche der Verein pflegt. So langedie Chewra Kadischah diese ihre dreifachen Pflichten ernst und treu erfüllen wird, so lauge wird sie bestehen als kräftiger Stamm in dem Boden echt jüdischen Volkslebens. — Abends nenn Uhr begann in den Utz'sclien Räumen die Festtafel unter fast allgemeiner Theilnahme der hiesigen Gemeinde, an welcher der Vorsitzende Herr Löwenstein den Reigen der Toaste nach einem Rückblick auf die Geschichte des Vereins mit einen! Hoch auf den Kaiser eröfsnete; ihm folgten mit längeren Tischreden Herr- Rabbiner Kamerose auf den Vorstand. Herr Reyersbach auf den