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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-02-22 · Heft 8 (22.2.1901) · p. Seite 90

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 8 (22.2.1901)
Date
1901-02-22
Page
Seite 90 (sequence 8)
Language
German
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90 Verdummung der Menschen zu Hintertreiben, die allein der beste Bahnbrecher für alle rückschrittlichen Bewegungen ist. Die Juden haben das Licht nicht zu scheuert, ihre Wahrheiten sind Wahrheiten. Aber ihre Gegner? .... L. Zur Pensions- und Urliktenkaffe für Nabtnner. ie ersten Ausführungen des Herrn C. über diese Frage gipfelten in dem Nachweise, daß der Rabbiner nach der Art seiner Thätigkeit oder richtiger seiner theilweisen Besoldung vom Beamtenstande auszuschließen sei und somit eine allgemeine Aktion zu Gunsten der in Aussicht genommenen Kasse zu Unrecht unternommen werde. Demgegenüber versuchte ich jene Gründe zu entkräften. Da der geschätzte Autor meinen diesbezüglichen Ausführungen mit keinem Wort entgegentritt, halte ich mich zu der Annahme wohl berechtigt, daß der von mir geführte Beweis mir auch ihm gegenüber völlig gelungen ist. Der Vorwurf, daß ich kein statistisches Material verwendet habe, ist um so mehr belanglos, als auch Herr C. in seinem ersten Aufsatz nichts dergleichen beigebracht hat, und ich mich wenigstens auf Urtheile anerkannter, erfahrungsreicher Rabbiner berufen habe. In den beider: Referaten, auf die ich damals hingewiesen, tritt die nämliche Ueberzeugung unserer eigenen Schwäche deutlich hervor, wenn hier an die Sätze unserer Alten erinnert wird: „Der Gefesselte vermag nicht allein seine Fesseln abznwerfen." „Eine Grube wird nicht voll von der Erde, die man nur ihrer Höhlung entnimmt." Das statistische Material ist aber für die erste Fundirung der Kasse ganz gewiß nicht von Belang, dasselbe wird erst dann erforderlich sein, wenn ein genügendes Grundkapital aufgebracht und die Möglichkeit des Bestandes der Kasse erwiesen sein wird, und die von der: einzelnen Rabbinern jährlich zu zahlenden Beträge normirt werden sollen. Ist es nicht geradezu Wortklauberei, weun dem von mir gewählten Ausdruck „Scherflein beitragen" gegenübergestellt wird, „daß sie das richtige Bewußtsein ihrer Pflicht haben werden?" Ich kann hier nur die dort gebrauchten Worte wiederholen: „Wie es gewiß nicht unwahrscheinlich ist, daß auch die gutgestellten Rabbiner hierzu ihr Scherflein beitragen werden,*) so ist es anderseits auch selbstverständlich, daß sich die Interessenten nicht nur auf den eventuellen Genuß ihrer Vortheite beschränken, sondern nach bestimmten Satzungen ihre alljährlichen — dem Einkommen entsprechenden — Beträge abführen werden." Die Liste der bereits gezeichneten Beiträge ist auch für mich höchst lehrreich. Sie giebt uns die freudige Genugthuuug, daß die Kasse in weiten Kreisen als ein Bedürfuiß empfunden wird. Je mehr etwa auf ihr Solche verzeichnet sind, die sich sollst in der Nolle als Geber nicht gefallen, desto nachdrücklicher schien mir dieser Umstand zu beweisen, daß es in dieser Frage eben nur einer Initiative bedurfte. — Hierbei sei es mir gestattet, die große Oesfeiitlichkeit Zum Zellgen dafür anzurufeu, j Aus dem ganzen Zusammenhänge ist ersichtlich, daß sich dies nur ans die erste Fundirnng der Kasse beziehen sollte. — Ich erwarte nach wie vor. daß sich an den Sammlungen zum Grundstock die Rabbiner (wenigstens die vermögenden) betheiligeri. daß in allen dringenden Humanitären Angelegenheiten es der Rabbiner ist, der unmittelbar oder mittelbar die Initiative ergreift, daß vielleicht in seiner eher zu großen Fürsorge für Andere er sich etwas spät auf sich selbst besonnen hat. Es kann nicht genug hervorgehoben werden, daß die Sporteln sür Easnalien in den kleinerer!, mittleren und auch größerer! Gemeinden bei Normirung der Gehälter in Anrechnung gebracht werden. Es wird in allen diesen Gemeinden kaum einen Rabbiner geben, der ohne Weiteres diese, wie es Herr C. will, zur Kasse abführen könnte. Alle meine Standesgenossen wären Herrn C. sicherlich zu großem Danke verpflichtet, wenn es ihm gelänge, in der Gehaltstage andere Verhältnisse herbeiznführen. Ich glaube aber nicht allzu pessimistisch die Sachlage aufzufassen, wenn ich von solchen Bestrebungen wenig Erfolge voraussehe. Die Gemeinde- Mitglieder in den kleinen und mittleren Gemeinden sind durch direkte Steuern schon übermäßig belastet, um sich eine weitere Steigerung etwa gefallen zu lassen. Weit aber die Verhältnisse so liegen, fürchten wir keineswegs, daß auf den Rabbinerstand etwa das Motto Anwendung finden könnte: „Kein Geld, keine Rede"; es weiß ja schließlich Jeder, daß bislang die Umkehrung eher zntrisft. Damit kann ich aber dem eifrigen Vorsitzender! des Nabbinerverbandes für sein entschiedenes Norgehen in dieser Frage die höchste Anerkennung zollen, die sicherlich von allen Stande^genossen getheilt wird. I.. Ans den Niederlanden. . Amsterdam, Beginn Februar lbvl M^nfolge des unseligen südafrikanische» Krieges mm Hollands Verhältnis zu Großbritannien zur Zeit einiger maßen getrübt sein; dieser Umstand hat hierzulande jedvel der aufrichtigen Antheilnahme von Hoch und Gering bei» Hinscheiden der Königin Vietoria in keiner Weise Abbruch thm können. Die allgemein menschlichen und Herrschertugender der Senivrin ans Europas Thronen fanden noch emmm rückhaltlose Anerkennung. Von unserem Standpunkte immerhin ein denkwürdiges und zum Nachdenken anregende- Zusammentreffen, daß die hohe Frau fast in demselbe» Augen blick abbernfen wurde, als wiederum eine souveräne Königin sei es auch nur eines kleinen Landes, sich zu verehelichen in Begriff ist, und auch wie jene einst mit einem deutschen Fttrstensohn! Was für Hoffnungen ruft diese Verbind!,»- wach, die in erster Reihe über Sein und Nichtsein, neues Ain blühen oder Erlöschen des attehrivürdigen Oranierstammes d Entscheidung bringen soll. Wir niederländischen Israeliten e,' blicken aber in Lranien auch das Symbol unverbrüchlich! Gewissensfreiheit und Rechtsgleichheit, die so uneingeschränl ohne Drehen und Deuteln, wie gegenüber uns vielleicht in. noch gegen unsere Glaubensgenossen jenseits des Aermelkanal gehandhabl werden. Steht es damit auch in anderen Länder > des Kontinents gleich günstig, um so besser. Wir aber erflehe i für unser junges königliches Paar, daß es in Leben und Liel länger verbunden bleibe als das leuchtende britische Vorbilt, im Nebrigen aber ihm gleichen und gleich gesegnet sein möge wie Albert und Vietoria! Nicht mehr im Februar, sondern am ö. März ziehen d! hohen Neuvermählten in Amsterdam ein, kommend vom Schlo;

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