Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 7 (15.2.1901)
- Date
- 1901-02-15
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
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3 unter Leitung des Herrn Kantors Noseuthal. Die Feier war eine erhebende und die Betheiligung eine sehr große. s. Zavrze, 8. Februar. Der Israelitische N n t e r st ü tz n n g s - Verein hat am 2. d. M. seine Generalversammlung abgehalten. Der Kassenbericht für das Jahr 1900 ergiebt an Einnahmen 3434.13 Mark an Ausgaben 3066.40 Mark. Der Verein zählte am Schlüsse des Geschäftsjahres 165 Mitglieder. Es wurden 1618 Unterstützungen mit einer Gesammtsumme von 2940.30 Mark gewährt, und zwar 1146 Männern und 472 Frauen. Von ersteren waren dem Berufe nach. Kauf- und Handelsleute 490, Handwerker 338, Arbeiter 190, Lehrer, Kantoren. Rabbiner 97, Künstler 31. Der Vorstand besteht aus den Herren Rabbiner Dr. Kaatz. erster Vorsitzender, L. Danziger, stellvertretender Vorsitzender, M. Schnitzer, Beisitzer, M. Fischer. Rendant, Michaelis, Schriftführer. 12- Nordhauser», 8. Februar. Jacob Plant, Ehrenbürger unserer Stadt und ehemaliger Leiter des gleichnamigen Bankhauses, ist in Nizza im 85. Lebensjahre gestorben. Magistrat und Stadtverordnetenversammlung unserer Stadt widmen dem Verstorbenen folgenden Nachruf: „Wohlzuthun aller Orten war sein Lebenszweck. Insbesondere uns wurden Beweise seiner hochherzigen Gesinnung. Die Schwachen und Bedürftigen unserer Stadt verdanken seiner Opferwilligkeit Linderung der Sorgen des täglichen Lebens. Durch die hier unter seinem Namen im Jahre 1879 begründete Stiftung hat er sich in hervorragendem Maße ein Denkmal edler Menschenfreundlichkeit gesetzt. Sein Andenken wird dankbar geehrt von seinen Mitbürgern in unserer Stadt allezeit fortleben." Wie die „Nordh. Ztg." vernimmt, soll der Verstorbene in seinem Testamente der Stadt Nordhausen ein weiteres Vermächtnitz zugedacht haben. Von anderer Seite werden 250000 Mark als Betrag dieses Vermächtnisses angegeben. Der Verstorbene hatte bereits am Tage der goldenen Hochzeit Kaiser Wilhelms I. der Stadt Nordhausen einen Betrag von 300 000 Mark übergeben, zur Gründung des konfessionslosen „Plaut-Stiftes", in welchen! alte, unbemittelte, würdige Personen Unterkunft finden sollten; nach einigen Jahren wendete er dieser Anstalt weitere 100000 Mark zu. In unserer Zeit konfessioneller Verhetzung gab Plaut, der Israelit, ein leuchtendes Beispiel des Wohllhnns ohne konfessionelle Fesseln und Schranken. Viele Jahrzehnte werden vergehen, und noch immer wird das stattliche Gebäude für Arme und Alte am Hange des Taschenbergs Jakob Plauts Namen als den eines edlen Menschenfreundes kommenden Geschlechtern überliefern. I/. Hannover, 10. Februar. In der am 4. d. M. stattgesuudenen Sitzung des Vorsteher- und Nepräsentantenkollegiuius begrüßte der Vorsitzende Herr Julius Kaufmann die neuen Repräsentanten, Herrn Meyerstein und Herrn Dr. med. Salomon Hirsch, in herzlichster Weise. Herr Dr. S. Hirsch gedachte der für ihn so schmerzlichen Veranlassung — er ist für seinen kürzlich verstorbenen Bruder, Herrn Dr. med. Raphael Hirsch, gewählt — seiner Wahl und gelobte, nach besten Kräften für das Gemeindewohl zu arbeiten. In den Synagogenvorstand wurden Herr Kommerzienrath Herzfeld und als Stellvertreter Herr Löwenstein gewählt, in den Schulvorstand Herr Kommerzieurath Herzfeld und Herr S. Nenberg, in die Schätzungskommissiou Herr Rechtsanwalt Dr. Wolser, in die Schächtkommission Herr Kommerzienrath Herzfeld, in die Bibliothekkommission Herr Dr. med. L. Hirsch, als Nechnungsrevisoren Herr Federlein und Herr Kommerzienrath Herzfeld. — Am 4. d. M. fand die feierliche Einweihung des aus der kleinen Bult errichteten neuen israelitischen Krankenhauses statt. Es hatten sich hierzu die Gemeinde- und Synagogenvorsteher, die Vorsteher der Wohlthätigkeitsvereiue und eine Anzahl Gemeindemitglieder in dem stattlichen Hause versammelt. Der Synagogenchor sang den von Herrn Oberkantor Linart komponirten 30. Psalm. Darauf hielt Herr Landrabbiner Dr. Gronemann die Einweihungsansprache, in der er Allen, die zu dein Werke beigetragen haben, dankte. Der Bau soll als nn Gotteshaus daftehen, als ein Tempel der Liebe, die ihr Baud tun alle Welt schlingt. Herr Julius Kauffmaun gab in bewegten Worten den Gefühlen der Freude über die Vollendung des Werkes Ausdruck. Im Namen der Ziousloge überreichte Herr Meyerstein eine Ehrengabe, Frau Landrabbiuer Dr. Groueiuanu spendete im Namen des Vereins früherer Religionsschülerinnen einen silbernen Channkkahleuchter. und die Herren Justizrath Jüdell und S. Neuberg verlasen ine Anzahl Schenkungsurkunden. Jur Anschluß an die Feier folgte?iue Besichtigung des Hauses, das in jeder Beziehung herrlich eingerichtet ist. Als Oberarzt ist Herr Dr. Block, ein bekannter und a,^ gesehener Arzt, gewühlt. s. Emder», 3. Februar. In einer Korrespondenz aus Hannover in Nummer 2 äußerte Referent unter anderen! den Wunsch, daß die Gemeinde Hannover nunmehr auch daran denken Mächte, ein jüdisches Waisenhaus zu errichten, da das Ezechiel Sünon'sche Waisenhaus geschlossen werden wußte und bis nach Holstein hin keines vorhanden sei. Dies veranlaßt uns, über einen Plan zu berichten, der schon vor einigen Jahren in hiesiger Gemeinde gefaßt wurde und zu dessen Verwirklichung nur noch ein Geringes fehlt. Der Mangel eines jüdischen Waisenhauses in der Provinz Hannover hat sich auch im diesseitigen Landrabbinatsbezirke schon vor Jahrzehnten fühlbar gemacht. Die Noth war. besonders in den kleinen Gemeinden, so groß, daß die armen jüdischen Waisenkinder seitens der Ortsgemeinden in christlichen Armenhäusern nntergebracht werden mußten. Um nun diesem Nebel abznhelfen. gründete der 1892 hier verstorbene Landrabbiner Dr. Buchholz in Gemeinschaft mit dem Lehrerverein des Landrabbiuatsbezirkes Emden im Jahre 1886 den Waisenverein „Esrath-Jessvmim", der es sich zur Aufgabe macht, so lauge die Mittel zur Erbauung eines eigenen Waisenhauses nicht hiureichen, sür die Unterbringung armer Waisenkinder aus dem Landrabbinatsbezirke Emden entweder in Waisenhäusern oder in Familien zu sorgen. — Der Verein hat sich, dauk der außerordentlich rührigen Thätigkeit seines Vorsitzenden, des Landrabbiners Dr. Lob, und der großen Opferwilligkeit der hiesigen Gemeinden sowohl, wie auch edler Glaubensgenossen aus anderen Gemeinden, in den letzten Jahren gut entwickelt; er verfügt gegenwärtig über ein Baarvermögen von rund 50 000 M. und einen schuldenfreien 4800 Quadratmeter großen Bauplatz. Wenn das vorhandene Kapital auch vollständig ansreichen, ja, nicht einmal ganz nöthig sein würde, ein allen Anforderungen der Neuzeit entsprechendes Waisenhaus zu errichten, so darf dennoch mit dem Bau noch nicht begonnen werden; denn es ist zu befürchten, daß die Verwaltung bei dem geringen Betriebsfonds, der übrig bleiben würde, später mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben könnte. — Wenn nun die Gemeinde Hannover, anstatt ein eigenes Waisenhaus, das sehr große Mittel erfordern würde, zu gründen, sich dem hier bestehenden Waisenverein „Esrath-Jessomim" anschlösse, dann wäre beiden Theilen geholfen. Es könnte hier, da ein großer Bauplatz vorhanden ist, ein Proviuzialwaiseuhans gebaut werden. Die Unterhaltung desselben würde dadurch, daß sich sämmtliche Gemeinden der Provinz znsammenschließen. was sicher geschehen würde, wenn die Gemeinde Hannover dieses Unternehmen mit als das ihrige betrachtet, vollständig gesichert sein. Wenn die Gemeinde Hannover nur die Zinsen des Kapitals, welches ein dort zu errichtendes Waiseuhausgebäude erfordern würde, als jährlichen Beitrag zahlte, so wäre vielleicht das schon ausreichend da ja auch aus dem diesseitigen Landrabbinatsbezirke und den übrigen Gemeinden der Provinz Mittel zustießen würden. Was die Lage des zu errichtenden Waisenhauses aubetrifft, kann dieselbe nirgends günstiger sein. Wir haben hier ein anerkannt gesundes Klima, und der vom Verein erworbene Bauplatz ist srei und schön gelegen. Es kann auf demselben nicht nur ein großes, für 60 Kinder und mehr berechnetes Waisenhaus aufgesührt, sondern auch noch ein Garten von etwa 3000 Quadratmeter angelegt werden, so daß hinlänglich Gelegenheit zun! Unterricht im Gartenbau geboten werden kann. Auch die Unterhaltungskosten würden sich hier bei weitem nicht so theuer stellen, wie in Hannover. Alles in allem würde die Gemeinde Hannover durch eine Vereinigung mit Emden sehr gut wegkommeu, sie würde viel ersparen und unser Unternehmen würde, was wir sehulichst wünschen, schon in kurzer Zeit der Vollendung entgegen gehen können. —t. München, 5. Februar. Der israelitische LehrerFried - mann in Ingolstadt hatte vor einigen Monaten eine kurze Geschichte der Inden in Ingolstadt herausgegeben, die auch in diesem Blatt seiner Zeit anerkennend besprochen wurde. Ueber dieses Merkchen das einen Theil des 24. Heftes des Sammelblattes des historischen Vereins sür Ingolstadt bildete, erschien in der Nummer 249 des „Bayerischen Vaterland" ein längerer Artikel; in demselben war Friedmann als „Geschichtsjnd" bezeichnet und mit Bezug ans ihn gesagt „das bringe wirklich nur jüdische Frechheit und Unverschämtheit fertig." Durch schöffengerichtliches Nrtheil von heute ist nun dieserhalb der Redakteur Otto Schoy des „Bayerischen Vaterland" wegen öffentlich verübter Beleidigung des Lehrers Friedmann zu einer Geldstrafe von fünfzig Mark verurtheilt worden, und die Veröffentlichung