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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-02-15 · Heft 7 (15.2.1901) · p. Seite 82

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 7 (15.2.1901)
Date
1901-02-15
Page
Seite 82 (sequence 12)
Language
German
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82 LvmL'rox We Königs braut. Historische Erzählung von Carola Buchheim. VN. andern Morgens hatte sich Boleslav früh erhoben; wohl hatten die Festlichkeiten im Schlosse bis spät in die Nacht hinein gewährt und der Kopf war ihm wüst, die Gedanken weilten bei dem Triumphe, der ihm zutheil geworden, irrten auch hie und da zu einem lieblichen Bilde holder Weiblichkeit hin, nm sich dann wieder seinem Volke zuzuwenden, und bei diesem Gedanken erinnerte er sich des Säckelwarts, der ihm einen Bericht hatte erstatten wollen von den Ergebnissen der Almosenvertheilung an das Volk, „Nun, wie war es denn gestern?" rief er dem jetzt eintretenden Säckelwarte entgegen, „war das Volk zufrieden? Und gabs keine Störung?" „Nichts! mein gnädigster König. Das Volk dankt Eurer Groszmnth: es hat nichts gegeben — ja doch — etwas Geringes allerdings. , . „Ich will es dennoch wissen! Denn nichts ist so gering, als das ich mich nicht damit beschäftigen sollte, wenn es meinem Volke gilt." „Es betrifft nur einen Juden, Herr König, der von der Menge beschuldigt wurde, Geld zu nehmen. . . ." „Und darin hatte er recht! Denn dem Inden gebührt von dem Almosen des Königs ebenso wie dem Christen und dem Heiden, - doch was geschah weiter?" „Die Menge schmähte ihn, trotzdem es ein reicher Jude war, der nichts nahm und nur den Zug sehen wollte; er kam in Geschäften aus Kiew her; kurzum, einer aus der Menge erhob einen derben Knüttel und wollte den alten Juden damit niederstrecken. Doch im selben Augenblicke hatte sich auch schon des Juden Tochter vor ihren Vater hingestellt und den Schlag aufgefangen und lag nun, gerade als ich hinzu kam, schwer getroffen auf der Erde." „Welch edles Mädchen!" rief der König. „Ja, edel in der That und dabei auch das schönste und vollendetste Geschöpf, das ich noch je gesehen habe, ein Mädchen schöner, als es die kühnste Phantasie ersinnen kann!" „Du geräthst ja ganz in Feuer," lachte der König, „und machst mich wahrlich begierig, dieses Wunder mit eigenen Augen anzusehen.' Der Schatzmeister war entlassen; nach einer Weile aber kam er wieder zurück und, vor den König hintretend, meldete er die Ankunst eines reitenden Boten, der aus Böhmen Kunde bringe .... „Von Svatislava!" ries freudig erregt der König. „Von meiner geliebten Schwester?" „Sv ists, Herr König!" erwiderte der Säckelwart, „er bringt Kunde vom Hofe Eurer erlauchten Schwester, der Frau Herzogin von Böhmen!" * * Im Festsaale des königlichen Schlosses zu Gnesen hatte sich eine glänzende Gesellschaft versammelt; da sah mau Polnische Edelleute, die als Gäste ihres Königs in Gnesen weilten, neben ungarischen Magnaten, die König Bela von Ungarn gesandt hatte, um dem Könige von Polen seinen brüderlichen Gruß zu überbringen, dann waren die Russen da, kleine stämmige Gestalten, mit ihrem Fürsten, dem Großfürsten Jseslav, und dessen Sohne Mstislav, der Hilfe wollte von dem Polenkönige und dessen Beistand, um Kiew wieder einzunehmen, da ihm dessen Bewohner aus ihrer Stadt vertrieben und ihm ihren Gehorsam versagt hatten. All diesen Gästen zu Ehren hatte nun König Boleslav die glänzendsten Festlichkeiten an seinem Hofe veranstaltet. Da wechselten Jagden in die wildreichen Forste der Gegend mit heiterem, fröhlichem Mummenschanz, Kämpfe aller Arten, bei denen Boleslav den kriegerischen Muth seiner Söldner von fremden Gästen bewundern ließ, mit lustigem Spiel und Tanz und fröhlichen Trinkgelagen. Auch heute hatte der gastliche Polenfürst die Fremden zu fröhlichem Gelage hierher beschicken, und auf den Mienen Aller herrschte volle, ungeheuchelte Bewunderung für den König, der es verstand, jetzt, in einer für die Außenwelt so schwer bedrängten Zeit, an seinem Hofe die Geister der Lust und der Freude wach zu erhalten. In Deutschland tobte und gährte es, die Streitigkeiten zwischen König und Papst wollten kein Ende nehmen, und das gequälte Volk fand den langentbehrten und so schmerzlich herbeigesehnten Frieden noch immer nicht. In Rußland war gleichfalls des Zwietrachts kein Ende, darum kam ja Großfürst Jseslav hilfesuchend an Polens Hof. So gährte es an allen Ecken und Enden und nur in Polen schien eitel Freude und Lust, denn hier herrschte Frohsinn und Einigkeit zwischen den Mächtigen des Reiches und seinem Herrscher. Und man mußte ihn liebgewinnen, den ritterlichen Polenkönig; das empfanden auch seine Gäste, die sich bald an dem gastlichen Hofe zu Gnesen heimisch fühlten, so sehr wirkte der Zauber von Boleslavs gewinnender Persönlichkeit auf ihre Gemüther. Soeben hatte bei einem Glase feurigen Ungarweins der Großfürst auf die Gesundheit seines königlichen Gastfreundes getrunken, als Boleslav mit leichtem Neigen des Kopfes dieser Huldigung dankte, und sein Glas erhebend, ausrief: „Mit Vergunst, Herr Großfürst! Ihr erlaubt, daß ich auf das Wohl unserer schönen Frauen trinke, die ihr zwar hier noch vermisset, deren liebreizende Gegenwart uns aber nach der Tafel noch erwartet! Unsere schönen Frauen sollen leben und lieben!" setzte er übermüthig lachend hinzu. „Ihr seid ein ritterlicher Herr, König Boleslas," sagte der Großfürst, nachdem er dem Könige Bescheid gethan, „und nicht umsonst geht die Mär, daß Frau Minne nirgends so sehr gehuldigt wird, als an Polens ritterlichem Hofe." „Ja, das ist wohl nicht zu verwundern," lachte der König, „Ihr solltet aber auch unsere Frauen kennen! Nun, Ihr sollt sie ja heut' Abend sehen, und da — ich rath' Euchs, Großfürst — nehmt Euer Herz in Acht und Ihr auch, junger Mstislav!" „Für mich, Herr König, hat es keine Gefahr," meinte der Großfürst, „die Zeit der Jugend ist vorbei, und somit hat auch das schönste Frauenbild für mich den Reiz verloren!" „Dann also Ihr, Ritter Mstislav, hütet Euere Augen, denn so viel Schönheit habt Ihr wohl lange nicht gesehen, als es hier an Boleslavs Hofe giebt." „Mit Verlaub, Herr Köllig," entgegnete etwas erregt der junge Russe, „auch bei uns zu Hause wird es Frauen geben.

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