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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-02-08 · Heft 6 (8.2.1901) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 6 (8.2.1901)
Date
1901-02-08
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 fest" unter Mitwirkung eines Gesangchors ausgeführt wurde. Wir wünschen dem aufstrebenden Verein auch ferneres Gedeihen. L2 Berlin, 6. Februar. Im Alter voll 58 Jahren ist gestern hier der Rechtsanwalt am Kammergericht und Notar Iustizrath Felix Litthaner nach längerem Leiden gestorben. Der Verstorbene erfreute sich nicht nur bei seinen Bernfsgenossen großen Ansehens und hoher Werthschätzung, sondern war in den weitesteil Kreisen wegen der Lauterkeit seines Charakters und seiner vortrefflichen persönlichen Eigenschaften außerordentlich geachtet und beliebt. Justizrath Litthauer hatte in Schrimm seine Anwaltsthätigkeit begonnen und war dann nach Posen übergesiedelt, wo er als Rechtsanwalt beim Oberlandesgericht und als Notar eine sehr umfangreiche Thätigkeit ausübte. Das Vertrauen seiner Kollegen berief ihn in den Vorstand der dortigen Auwaltskammer. In Berlin wirkte Justizrath Litthauer nur etwa fünf Jahre; er galt mit Recht für eine Autorität auf dem Gebiete des Handelsrechts. Sein Kommentar zum Handelsgesetzbuch erfuhr elf Auflagen und hat eine außerordentlich weite Verbreitung sowohl in juristischen wie in Handelskreisen gefunden. Die Beerdigung des Entschlafenen erfolgt am Freitag in Weißensee. Ehre seinem Andenken' Königsberg, 5. Februar. Der Vorstand und die Nepräsentantenversammlung der hiesigen Synagogengemeinde haben der „Htg. Ztg." zufolge eine Eingabe an den Grafen Bülow beschlossen, in der sie Verwahrung gegen die Erklärungen des Justizminifters über die Allstellung der Juden im Staatsdienst einlegen. Wir gestehen offen ein. daß es uns nicht zweckmäßig erscheint, wenn eine solche Verwahrung von einzelnen Gemeindeil eingelegt wird. Nur eine Eingabe sä mm tl ich er jüdischen Gemeinden Preußens könnte an der maßgebenden Stelle eiilen wirksamen Eindruck Hervorrufen. K. Ans Westprerrtzerr, im Januar. In diesen Tagen nahm ein voll antisemitischer Seite inszenirtes N enko ntre in einem Restaurant in D. insofern einen verhängnißvollen Ausgang, als bei der vor der Thür des Lokals in der Dunkelheit entstandenen Schlägerei ein mitbetheiligter jüdischer junger Mann in gereizter Stimmung einem Amtsvorsteher ans der Nachbarschaft eine fast lebensgefährliche Verletzung beibrachte und natürlich unter Allklage gestellt wurde; ein unerquickliches gerichtliches Nachspiel wird wieder viel Staub aufwirbeln. — Das unter schweren Opfern voll der Shnagogengemeinde in Pr. Friedland neu erbaute prächtige Gotteshaus zeigt insofern äußere Zeichen antisemitischer Roheiten, indem all demselben einzelne Fenster mit den Bleieinfassnngen von ruchlosen Händen zertrümmert wurden, so daß die Gemeindeverwaltung die thenren prachtvollen Fenster durch große Nahmen voll starkem Drahtgeflecht schützen mußte, welcher ghettoartige Schutzwall aus den Beschatter (wie auf Schreiber dieses) eilten schaurig-wehmüthigen Eindruck macht. — Noch eine kleine Abwechselung in der stillen Zeit. Ein gerichtliches Nachspiel aus der großen Krawallszeit des Juni v. I. fand kürzlich vor der Strafkam mer in Könitz statt, bei welchem der am 19. Oktober v. I. vom Schwurgericht wegen Sachbeschädigung u. s. w., verübt bei der Teilnahme an dem Krawall am 17. Juni in Gr. Konarczyn, zu vier Monaten Gefängniß verurtheilte Arbeiter Ziemer zu einer Zusatzstrafe von einer Woche Gefängniß verurtheilt wurde, weil er bei jener Gelegenheit dem jüdischen Kaufmannssohn Felix Todteilkopf mittelst eitles fingerdicken Handstocks zwei Schläge versetzt hatte und seitens des Verletzten wegen dieser Mißhandlung Strafantrag gestellt war. Es dürfte noch interessiren, zu erfahren, daß den Geschworenen aus dem Masl off-Prozeß die Mittheilung zugegangen ist, daß das von ihnen für Maslosf eingereichte Gnadengesuch auf allerhöchsten Befehl vom Justizminister dem ersten Staatsanwalt in Könitz zur Prüfung überwiesen ist, und daß über dasselbe nach eingetretener Rechtskraft des gegen Masloff ergangenen Urtheils befunden werden wird. 8. Papenburg, 28. Januar. Unsere Nachbargemeinde Leer ist von einem schweren Schicksalsschlag heimgesncht worden. Der so gut gepflegte Friedhof, an der Straße nach Leerort gelegell, bietet ein jammervolles Bild der Zerstörung. Der in der Nacht auf den gestrigen Tag ausgebrochene orkanartige Sturm erzeugte eine Sturmfluth, die in kurzem alles überschwemmte. Da die Wassermassen mächtige Eisschollen mit sich führten, so war die Verwüstung eine schreckliche. Der Friedhof ist furchtbar verwüstet, die schönen Denkmäler liegen umgefallen oder abgebrochen am Boden, und viel Arbeit und Mühe wird es kosten, den Friedhof wieder in Ordnung zu bringen. > U. SchueidemÄhl, 26. Januar. Der hiesige jüdische Frauen - vereill hielt in der vorigen Woche die übliche Jahresversammlung ab. Aus dem Rechenschaftsbericht ist zu entnehmen, daß die Einnahmen während des Jahres 1900 sich auf 1140 Mark beliefen, während die Ausgaben für wohlthätige Zwecke 1102 Mark betrugen. Wahrlich, eine den hiesigen Verhältnissen anzuerkennende Leistung! Der eiserne Fonds genannten Vereines beträgt 5550 Mark. Der Antisemitismus und besonders die Hetze, welche Herr Wilhelm Bruhn und Genossen nach Schneidemühl verpflanzt haben, sängt an, Früchte zu zeitigen. Innerhalb von drei Wochen wurden in der hiesigen Synagoge zweimal eine Anzahl Fensterscheiben eingeschlagen: in der Sylvesternacht etwa 15 Scheiben und in der vorigen Woche mittelst Ziegelsteinen 18 Fensterscheiben. Der Gemeindevorstaud hat hiervon bereits der Staatsanwaltschaft Mittheilung gemacht, und werden die beiden bis jetzt ermittelten Lehrlinge dieser ruchloser: That wegen ihrer wohlverdienten Strafe nicht entgehen. — Die in der vorigen Woche hier stattgefundenen Stadtverordneten - Ergänzungswahl en zeigen so recht den Charakter der heutigen Zeit. Gegen der: liberalen Kandidaten Blumenthal stellten die Antisemiten ihren Führer, Fleischermeister Hoffmann, einen Bruder des aus der Konitzer Mordaffäre bekannten Hoffmann. auf. Für denselben stimmten u. a. der hiesige königliche Gymnasialdirektor Braun, eine Anzahl Gymnasiallehrer. der hiesige Kreisschnlinspektor, dem auch die jüdische Schule unterstellt ist, und fast alle Gerichtsbeamte. Trotz der großen Agitation für den Antisemitenführer Hoffmann siegte doch der liberale Kandidat, Direktor der Stärkefabrik, Blumenthal. Schubin (Provinz Posen). Zur Feier der eisernen Hochzeit d e s B ra u u h a rtsch e n Ehepaares — eine Autobiographie bringen wir demnächst — fände:: sich gestern Vormittag in der Wohnung des Jubilars zahlreiche Gratulanten aller drei Konfessionen, darunter sämmtliche Magistratsmitglieder mit dem Bürgermeister und noch anderen Verwaltungsbeamten. ein. Auch die Lehrer aus der Stadt und Umgegend waren erschienen, um ihrem ehemaligen Kollegen ihre Glückwünsche darzubringen. Der Lehrer Wolfram hielt eine zu Herze:: dringende Ansprache, auf die der Jubilar herzlich dankend erwiderte. In das dreimalige Hock auf den Kaiser, mit den: er schloß, stimmten sämmtliche Anwesende begeistert ein. Vom Kultusministerium war eine Gratulation nebst einem Geldgeschenk von 200 Mark eingetroffeu. Gegen 100 Glückwunschtelegramme, die eingetroffen sind, zeugen von der Liebe und Achtung, deren sich das greise Ehepaar überall erfreut. Jnowrazlaw, 27. Januar. In seinem besten Mannesalter, im 53. Lebensjahre, hat den Justizrath Dr. Jakob Lewy an: letzten Donnerstag in Breslau der Tod weggerafft. Nicht allein seine nächsten Verwandten, sondern Jeder, der ihn von Jugend auf kannte, betrauert den herben Verlust dieses seltenen, braven Mannes. Der Verstorbene war ein hiesiges Kind, der jüngste Sohn des weit in der Welt berühmten, tief gelehrten seligen Kaufmanns Michael Lewy und Bruder des in weiten Kreisen hochgeachteten Kommerzienraths Julius Lewy hier. Schon in seiner frühesten Jugend wußte der Verblichene sich die Liebe seiner Lehrer, seiner Mitschüler und die der Bürger der Stadt zu erwerben und zu erhalten. Einen seltenen, rege:: Fleiß legte er an den Tag. dabei pflegte er im Geiste seines hochseligen Vaters besonders den hebräischen Unterricht. Schon im 16. Lebensjahre machte er sein Abiturium mit Glanz; ihn wählte:: das Lehrerkollegium und die Abiturienten, die Abschiedsrede zu halten, und diese hatte zur Zeit wegen der sinnreich entwickelten Gedanken viel Aussehen erregt. Der Wohlthätigkeitssinn war ihn: rein mitgeboren. Die größte Freude bereitete es ihm, wenn er im Aufträge seines hochherzigen Vaters an jedem Feiertage Geldspenden in die Hütten der Verschämten bringen konnte und die Armen erfreute. Sein ganzer Sinn und sein Handeln war edel und von wahrem Adel gekrönt. Sanft ruhe seine Asche! u. Breslau, 28. Januar. Am 27. d. M. fand am hiesigen jüdisch-theologischen Seminar die übliche Gedenkfeier für den Stifter der Anstalt. Kommerzienrath Jonas Fränckel, statt. Es verband sich damit die feierliche Entlassung des Dr. Dienemcmn aus Krotoschiu, der bereits an der Religionsschule der Synagogengemeinde und anderen städtischen Schulen als Religionslehrer wirkt. Diesem Akte ging der Gesang eines einleitenden Psalms voran. Daran schloß sich die Festrede des Dozenten Dr. Horvitz, der gegenwärtig im. Lehrerkollegium

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