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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-02-08 · Heft 6 (8.2.1901) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 6 (8.2.1901)
Date
1901-02-08
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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65. Jahrgang. Ur. LerUn, 8. Februar l90l Der Gemelndebote. Weitage zur „Allgemeinen Zeitung des Zrröenthums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. rv. Berlin, 5. Iebruar. In einem Artikel über die letzte Rede des Jnstizministers bringt die „Vossische ZeitlNlg" folge;;de interessante Meldung: Als neuerdings der Kaiser und König dem Generaldirektor der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrtgesellschaft Ballin die schmeichelhafte Anerkennung zollte: „Er stehe noch nicht an der rechten Stelle, es müsse dafür gesorgt werden, daü er dahin gelange," erwiderte der mit den ihn beglückenden Worten Angeredete.- „Ja, Majestät wissen wohl nicht..." „Was," siel der Kaiser sragend ins Wort, „daß Sie Jude sind? Das ist mir ganz glei eh gi ltig : das ma ch t m ir nichts, da s können SieJedem sagen!" — Es wird auch gerade unter den jetzigen Verhältnissen nicht weniger von Interesse sein zu hören, das; sich in der Deputation, die das G a r d e d r a g o n e r r e g im e n t, dessen Chef die Königin Viktoria war, zu den Leicheilfeierlichkeiten nach England entsandte, neben den höheren Offizieren auch der jüdische Einjährige Seligsohn befand. Berlin, 3. Februar. Im Verein für jüdische Geschichte und Litteratu r eröffnet«? am 31. v. M. Herr Dr. M. Joseph einen Cyklns voll drei Vortrügen über die Sittenlehre des Jndenthums. Der einleitende Vortrag brachte zunächst die geschichtliche Entwicklung der Motive und die Erörterung der beiden grundlegenden Gedanken, daß das Judenthum zuerst Religion und Moral vereinigt, das; es nicht auf Ertödtung der Begierden, sondern ans Erhaltung des Lebens und maßvollen Genus; derselben ausgehe. Gegenüber den vielen Angriffen, die gerade die Sitleulehre des Judenthnms in unseren Tagen zu erfahren hat, ist es dringend zu wünschen, daß dieser Chklus sehr viele Teilnehmer und Hörer finden möge, die sich von einen; so sachkundigen Führer, wie der Vortragende es ist, der es versteht, diesen Gegenstand sachlich, klar und echt populär zu behandeln, über die einschlägigen Fragen anfklären lassen. -- In Tilsit sprach Dr. O l i Hki-Allenstein über Josephns und seine Zeit;;n Nakel Dr. N i cht er-Filehne über Spinoza und dessen Stellung znm Judenthum; in Schneid emühl Lehrer Moses über Rabbi Akiba und seine Zeit; in Hirschberg Frau Regina Neisser über W. v. Humboldt und dessen Familie in ihren Beziehungen zum Judenthuni; in Bresla u Rabbiner Dr. Gnttma n n über den Judentag; in Hamburg Dr. Engen Mittwoch über die Juden im Orient nach eigenen Reiseerlebnissen; in Kiel Rektor F e i n e r-Hamburg über Erziehung in Israel, Lehrer Katz-Kiel: die Makkabäer; Kantor Ziwi- Elberfeld: Ursprung und Entwicklung der jüdischen Musik; Lehrer L i ch t e nstä d ter-Hamburg: Don Manuel Texeira. Resident der Königin Christine von Schweden: Dr. Jakob-Kiel: Vlnthenlese ans der jüdischen Poesie der Vergangenheit nnd Gegenwarten Eisenach Lehrer Steinhardt- Magdeburg über den Werth der Symbolik. Lehrer Horwitz-Kassel über König Jerome nnd die Inden; in Essen Dr. S eligman «-Hamburg über das Problem der jüdischen Kultur; Dr. D. Leimd örfer-Hamburg: Sokrates und Salomo; Dr. Bl u men st ei n-Luxemburg über die Sittenlehre im mittelalterlichen Ritnalkodex; Karl Emil Fra n z o s über Barnower Geschichten; in München Dr. S i m ch ow itz-Köln über die jüdisch-deutscheLitteratur; Dr. Kohn - Ansbach über die Mystik im Judenthum; in N ü rnbe r g Rechtsanwalt Dr. Galling er über die Verfassungsgeschichte der jüdischen Gemeinden in Bayern; in St. Gallen Dr. Tänzer- Hohenems über die Stellung der Frau im Jndenthnm. - Ein neuer Litteraturverein wurde in Ebers Walde begründet. Berlin, 4. Februar. Am 28. v. M. fand in den Räumen der Lesehalle die 7. ordentliche G e n eralv ersa mm l n n g des Vereins! ü r die jüdische Lesehalle und Bibliothek statt. Ter Vorsitzende Herr Dr. M. Ginsberg erstattete Bericht über die Leistungen des Vereins in; verflossenen Geschäftsjahre. Die Lesehalle wurde täglich im Durchschnitt von 50—-00 Menschen fregnentirt, welche die ausliegenden 57 Zeitunge;; (gegen 54 des Vorjahres) eifrig benutzen. Unter diesen Zeitungen sind 3 hebräische, 5 jüdisch-deutsche, 4 französische, 10 englische, 2 polnische, 2 russische und 28 deutsche. Unter den deutschen Zeitschriften sind 3 Tageszeitungen und 3 Wochenschriften llichtjüdischen Inhalts. Die Bibliothek besitzt außer 250 Donbletten und 200 Büchern uichtjüdischell Inhalts, welche demnächst verfällst werden sollen, 2800 Bände (gegen 2700 im Borjahr), welche sich eines voll Jahr zu Jahr steigenden Zuspruchs erstellen. Abgesehen voll der Benutzung der Bibliothek in der Lesehalle selbst werden die Bücher voll 350 regelmäßigen Lesern fleißig benutzt, welche sie nach Hause Mitnehmern Jüdische Schriftsteller und Gelehrte, aber auch Gymnasiasten (00) nnd Studenten (73) bilden den Hauptstamm der nach jüdischem Wissen Durstenden. Daneben wird die Bibliothek auch von 41 Frauen und Mädchen. 01 Kausleuten, 2 Handwerkern regelmäßig benutzt. Trotzdem sichtlichen Nutzen, den die jüdische Lesehalle bringt, sind die pekuniären Verhältnisse derselben keineswegs günstig. Seit nun mehr sieben Jahren trägt die jüdische Lesehalle mit sichtlichem Erfolg dazu bei, die Kenntnis; des Jndenthums in weiten Kreisen der Berliner jüdischen Bevölkerung zu verbreiten, dennoch hat die Zahl der Mitglieder in den atzten Jahren statt zu steigen sogar eine kleine Abnahme erfahren und beträgt jetzt weniger als 100. Die Lesehalle war daher auf Subvention angewiesen, die ihr einige Vereine, die deutsche Reichsloge, der jüdische Gerneindebund sowie die Berliner jüdische Gemeinde in dankenswerther Weise gewährten. Trotz dieser Hilfe betrugen doch die Gesammteinnahmen der Lesehalle im verflossenen Jahre nur M. 2557,85 gegen M. 2289,33 Ausgaben, und die Verwaltung war gezwungen. sich äußerster Sparsamkeit zu befleißigen. Eine solche Sparsamkeit verträgt sich aber mit dem Charakter einer jüdischen Lesehalle für eine Großgemeinde wie Berlin sehr schlecht. Es werden an die Lesehalle, namentlich aber all die Bibliothek große Ansprüche gestellt, ohne das; das Berliner Judenthnm dem Institute die Mittel zur Befriedigung dieser Ansprüche gewährt. Trotzdem ist es der Verwaltung durch höchste Sparsamkeit und Einschränkung gelungen, in dein Berichtsjahre M. 700 zu erübrigen, welche zur Anschaffung von dringend geforderten Bücher:; verwendet werden sollen. Ans Anregung eines Mitgliedes gab der Kassirer Herr Venas Levy einen detallirten Bericht über die in der Lesehalle ansliegen den Zeitungen und legte die bei der Anschaffung derselben maßgebend gewesenen Gesichtspunkte dar. Bei den daraus vorgeuonnnenen Wahlen wurde der gesarnmte Vorstand wieder- und Herr Carl Schwarz als Revisor neugewählt. v. Berlin, 1. Februar. Der I s ra e l i ti s ch e W o h l t h ü t i gkei t s - Verein Humanitas hielt am 20. v. M. sein IV. Stiftungsfest mit Banuernagelnng ab. Etwa 700 Personell vereinigten sich, darunter eine Menge Deputationen anderer Vereine mit ihre Fahnen: Gewnl Tauw, Gemilnt Ehasodim, Eintracht, Gewerbtreibende, Selbständige Handwerker jüdischen Glaubens, Lippmann Tans-Gemeinde, Frauenvereiniglnig Gewnl Tcmw, Frauelwereinignug Judas Töchter, Frauentage Hnmanitas. Neligionsverein der Oranienburger Thorbezirke, Franenvereinigung des Oranienburger Thorbezirks u. A. m. Der Vorsitzende Buchdruckereibesiher S. Kunz hielt eine treffliche Festrede, beleuchtete die idealen Ziele des Vereins, die günstige Entwicklung desselben, der bereits 300 Mitglieder hat und stolz ans sein neues Banner sein darf. Der Verein hat fünf Aerzte für die Mitglieder nlld deren Angehörige zur Verfügung nnd gewährt für dieselben Arznei gratis. Ferner hat der Verein trotz der vielen Unkosten und gewährten Unterstützungen bereits einen Reservefonds voll 4000 Mark. Er schloß seine Rede mit einem Hoch auf den Kaiser, in das alle Festtheilnehmer begeistert einstinnntell. Rach dem Mahle werden die gespendeten 8 Fahnennägel bei üblicher Allsprache der Deputationen ge nagelt, worauf ein von Frau Laber verfaßtes Tanklied mit der Melodie: Nomw /m- .josebnssl von der Festversammlnng gesungen wurde. Bei der Kaffeetafel begrüßte der zweite Vorsitzende Herr- Michels die Festtheilnehlner, worauf das Theaterstück „Das Stiftungs.

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