Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1901)
- Date
- 1901-02-08
- Page
- Seite 72 (sequence 14)
- Language
- German
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72 Tochter, freilich gebe ich sie nie dem Beitelkind voll Hagenau, aber Kwnele hat gar hohe Ansprüche. Sie könnte eine Prinzessin sein. Nicht etwa, das; sie Reichthum und Schönheit verlangt, sie liebte den armen, häßlichen Elias, denn er hatte Geist Mid Verstand und wenn er spricht, so stießt ihm Honig von den Lippen. Wenn Sie daher ernstlich an Kronele denken, so rathe ich Ihnen, weder von Ihrem Reichthum noch von Ihrer Jugend zu sprechen." Frau Reich stachelte nicht umsonst den Ehrgeiz des jungen Mannes, der sich unbesiegbar wähnte. Er bat Kronele um eine Zusammenkunft nnd Kronele gewährte sie ihm. Wie die meisten Männer, rühmte er dein armen Mädchen ihre Schönheit; da sie aber nicht daraus antwortete, so erschöpfte sich der Vorrath seiner Schmeicheleien schnell und in einem Augenblicke, wo er innehielt, sagte ihm Kronele mit einem Lächeln nnd sanfter Stimme: „Herr Salomon, verschwenden Sie Ihre Worte nicht an mich, sondern bewahren Sie dieselben für Ihre zukünftige Braut, die schöner und reicher als ich sein muß. Ich habe nichts als mein. Herz, und da* gehört mir nicht mehr. Wie vermöchten Sie ein Mädchen ohne Herz zu lieben." Zornig über diesen Korb, aber noch mehr verliebt, begab sich der junge Mann zu der Mutter und hielt förmlich um die Hand Kroneles an. Diese Werbung brach wie der Donner über dem Haupte Krvnele's los. Hatte die Mutter anfangs nicht recht an die ernsten Absichten des reichen Fabrikanten geglaubt, so verdammte sie jetzt mit erneuter Bitterkeit den Schulmeister und die Liebe ihrer Tochter zu ihm. Die alte Qual Krvnele's begann wieder, der Hohn, der Spott aller gegen die Anne. Sie duldete alles, heimlich flössen ihre Thronen und ihre Gesundheit verschlimmerte sich sichtlich voll Tag zu Tag. Noch eine andere Gefahr bedrohte Kronele. Leon, der bis jetzt Heva zu Lieben glaubte, fing plötzlich an dieser seiner Liebe zu zweifeln an. Er empfand anfangs Mitleid für Kronele und bildete sich allmälig ein, er liebe sie weit mehr al* seine Braut.. Wenn er jetzt die Frische und die Rosenfarbe Hevcsis betrachtete, sagte er zu sich selbst: „Sie allein liebe ich!" warf er aber einen Blick in das blaue Auge Kronele's auf ihre feine schlanke Gestalt, so dachte er, dieser Elias, den Gott verdamme! versteht sich besser wie ich auf Franenschöuheit. Was für Augen hatte ich, als ich Kronele häßlich fand? Und diese Sauftmnth! Wie anders würde Heva ihrer Mutter antworten! Eine Frau, die so ergeben, so treu, so langmüthig, so engelsgeduldig wie Kronele ist! Leon schlief schon seit 14 Tagen nicht mehr und legte sich jede Nacht mit dem Gedanken nieder, ob er nicht besser thäte, anstatt auf seine Heirath mit Heva zu dringen, von seiner Tante Kronele zur Ehe zu verlangen. Wie der junge Salomon bildete sich Leon ein, er brauchte nur die Hand nach Kronele auszustrecken und sie, die doch früh oder spät auf Elias Verzichter: müsse, würde sich glücklich schätzen, sich an seiner Seite zu trösten. (Forts, folgt.) M Fitterarrsche Mitthellungen. --- Dr. M. Lenin: Preußens Volk und Herrscherhaus. Festrede. Berlin 1901. Die Rede, die Herr Dr. Levin bei der Feier der Reformgemeinde anläßlich des zweihundertjährigen Bestehens des Königreichs Preußen gehalten, ist vom Vorstande dem Druck übergeben worden. Mit gutem Recht! Denn die Gegner können daraus lernen, welch hohe Auffassung man in diesen Kreisen von Patriotismus nnd Nativnalgefühl hat. Klar und sachlich weiß der Redner die Tagender: der Hohenzollern, die Eharakterzüge des preußischen Volkes: Ernst, Ehrlichkeit, Arbeitsamkeit, Ausdauer, Ordnungsliebe. Pünktlichkeit, Gewissenhaftigkeit. Bescheidenheit, Einfachheit, Sparsamkeit, Reinlichkeit, Häuslichkeit, zu schildern und als vorbildlich hinznstellen. Gerade durch ihre vornehme Ruhe und religiöse Würde wächst aber diese Rede weit über den Rahmen einer Gelegenheitspredigt hinaus. Sie ist ein Muster der ganze:: Gattung nnd hebt sich vortheilhaft von andern Predigten ab. in denen bei solchen Gelegenheiten die ganze „Blechmusik der deutsche:: Sprache" zu erschallen Pflegt. Junge Theologen können aus dieser Rede viel lernen. - Max GrnuLanm: Gesammelte Aufsätze zur Sprach- und Sagenkunde. Heransgegebeu vor: Felix Perl es. Berlin 1901. S. CalvaN). Durch die Munifieenz Ludwig Bambergers, der ein Jugendfreund des 1898 verstorbenen Gelehrten war, ist die Herausgabe dieser Publikation als ein Ehrendenkmal für den geistvollen Forscher möglich geworden. Das Vorwort des Herausgebers schildert uns das Leben und Schaffen Grünbamns, dessen sehnlichster Wunsch die Herausgabe seiner zerstreuten Arbeiter: zur orientalischen Sprach- und Sagenknnde war. Den Hanpttheil des Buches bilden Beiträge Zur vergleichenden Mythologie aus der Hagada. Grüubamn besaß eine außerordentliche Belesenheit in den orientalischen Literaturen. Mit Geist und Witz verstand er es, scheinbar sernliegende Gebiete und Erzählungen mit einander in Verbindung zu bringen. Niemand wird seine Studie:: auf diesen: bis jetzt so wenig angebauten Felde ohne Nutzen nnd Interesse verfolgen. Mit Recht bemerkt der Herausgeber, daß es kein bloßer Zufall sei, wenn Grünbaun: sich gerade in zwei Literaturen vertiefte, die aus einer Vermählung des jüdischen Geistes mit den: Geiste einer abendländischen Sprache und Kultur hervorgegaugen seien. In: Zusammenhang mit seinen früheren Arbeiten wird dieses Buch ein reiches Repertorium der Sagenknnde bilden, besonders was die auf die Hagada zurückführendeu Stoffe betrifft. — Großherzog Friedrich von Baden. Redeu und Kundgebungen, 1852—1896. Heransgegebeu von Dr. Rudolf Krone. Freibnrg i. Br., Paul Waetzel. 1901. 458 Seiten Lexikonformat mit einen: heliographischen Bilde des Großherzogs und seinem Namenszuge. Wohlgetroffen ist das Bildniß und ein wohlgetroffeues Bild des herrlichen Mannes, des volksthümlichen Fürste:: geben die Reden und Kundgebungen, wie die gut geschriebenen Einleitungen zu den sieben Abschnitten. Diese enthalten die Begrüßungen der Abgeordneten und die Reden beim Schlüsse der Ständeversammlungen, Ansprachen bei Festen der Militärvereiue. Eiseubahneröffnungen u. s. f. Schon der Satz der Proklamation beim Regierungsantritte am 24. April 1852, der verheißt: „Alle und Jeden in ihrem Recht, in ihren Würden und Aemteri: kräftig zu schlitze::," enthält das Negierungsprogramm, das Großherzog Friedrich treu bewahrt und bethätigt hat. Wenn nur wenige Sätze in allen Reden die Verhältnisse der Juden berühren, so kommt das daher, daß in Baden unter Großherzog Friedrichs Leitung es kein besonderes Judenrecht, d. i. den Inden augethanes Unrecht, giebt. Seitdem in der Schlußrede für den Landtag 1868 iS. 62) Badens Fürst hatte erklären können: „Die bürgerliche Gleichstellung der Israeliten entfernte die letzte Ausnahme, welche der vollen Durchführung des Grundsatzes der Gewissensfreiheit entgegenstand," gilt gleiches Recht für alle Konfessionen und alle Individuen. Dieselbe Organisation — nur in Einzelheiten den besonderen Verhältnissen angepaßt — ist für die Leitung des Verbandes der badischen Jsraetiten, lvie sür die der großen christlichen Konfessionen eingesetzt. Daß dieses gleiche Recht für Alle den: Fürsten nicht aufgezwungen, sondern von ihn: den widerstrebenden Gewalten abgezwungen worden ist, zeigen die in den: vorliegenden Buche gesammelten Reden. Bei den: schönen, vornehmen Druck ist der Preis von 6 Mark gering. D o l f e. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Vauchwitz in Berlin.