Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1901)
- Date
- 1901-02-08
- Page
- Seite 65 (sequence 7)
- Language
- German
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65 kunstvoller Allsführung waren das Geschenk der Gemeinde. Im Namen der Gemeindevertretung sprach Herr Siegfried Simon, namens des israelitischen Asyls Herr Dr. med. Auerbach, namens der Chewra Semichas Dalim Herr M. Folkenstein, namens der Chewra Gemiluth Chassodim Herr Sal. Simon, für den Verein für jüdische Geschichte und Litteratur in Köln Herr D. Wolffsohn, welcher ein vom Maler Herrn S. Cohn-Köln entworfenes, in maurischem Stil auf das Kunstvollste ausgesührteDiPlom der Ernennung zum Ehrenmitglieds genannten Vereins überreichte. Es gratulirteu ferner Frau Auerbach für den Israelitischen Verein, ein Vorstandsmitglied für die Israelitische Waisenstiftung. eine Schöpfung des Jubilars, für welche derselbe ein ganz bedeutendes Kapital, ca. 120000 Mark, gesammelt hat. Und Alle brachten sinnige und werthvolle Geschenke, und immer neue Abordnungen erschienen, die großen Räume waren überfüllt, und mühsam mußten sich die Deputationen einen Weg durch die Hunderte von Gratulanten bahnen. — Herr Bigart, der Sekretär der ^Itiaueo isrniMo, überbrachte dem Jubilar als dem Vertreter der Alliance für Deutschland eine prachtvolle Adresse und ein überaus werthvolles Geschenk: die Statue des Moses nach Michel Angelo in Bronze. Dieses großartige Geschenk erregte allgemeine Bewunderung. Eine Abordnung der städtischen höheren Töchterschule, bestehend aus deren Direktor, Herrn Dr. Blumberger, dem katholischen Neligionslehrer Herrn Professor Ehlem, und dem evangelischen Religionslehrer Herrn Professor Kownatzki. überbrachte die Glückwünsche dieser Anstalt ihrem Kollegen in den verbindlichsten Worten. Und so reihte sich Abordnung an Abordnung, im Ganzen 27 an der Zahl. Damen der Kölner Gemeinde erfreuten den Gefeierten mit einem Prachtvollen Brillantring. mit welchem ihn die Sprecherin der Damen sofort schmückte. Die Direktoren der höheren Schulen entsandten Adressen mit sinnigen Geschenken; der Deutsch-Israelitische Gemeindebund sowie der Verband der Vereine für jüdische Geschichte und Litteratur in Berlin, dessen zweiter Vorsitzender der Jubilar ist, waren ebenfalls durch in überaus herzlicher Form abgefaßte Adressen vertreten. — Und für alle diese Abordnungen fand der Jubilar stets treffende, meist durch den ihm eigenen Humor gewürzte Antworten, welche seine Dankesäußerungen in ein immer originelles, eigenartiges Gewand kleideten. Von den Spitzen der Behörden, dem Herrn Regierungspräsidenten Freiherrn v. Richthofen, dem Polizeipräsidenten Herrn Weegmann, dem Ersten Staatsanwalt Herrn Wiebig, namens des Gefängnißvereins. dem Herrn Domprobst Dr. Berlage nnd vielen anderen Nvtabilitäten waren Glückwunschschreiben und Telegramme eingelanfeu, insgesamrnt etwa 400 Telegramme und Adressen aus allen Theilen Europas. Der Verein jüdischer Lehrer aus Rheinland und Westfalen entsandte dem Jubilar, welcher Ehrenmitglied des Vereins ist, eine Abordnung mit Adresse. Von seinen Amtskollegen aus der Umgegend waren erschienen die Herren Rabbiner Dr. Jaulns - Aachen, Dr. Auerbach-Elberfeld, Dr. David-Düsseldorf und Dr. Samuel-Essen- Kostbare Geschenke, darunter wahre Prachtstücke der Goldschmiedekunst. Wunderwerke der Blumenbinderei, seltene Pflanzen, prächtige Necessaires, Dekorationsstücke, Gemälde u. s. w., trafen in solcher Fülle ein, daß zwei geräumige Salons buchstäblich damit angefüllt waren. Dem Jubilar war nicht lange Muße gegönnt, alle diese Herrlichkeiten zu betrachten; schon ans 7 Uhr Abends war das offizielle Festessen der Gemeinde angesetzt, welches im neuen englischen Saale der „Philharmonie" stattfand. Vorstand, Gemeindevertretung, die meisten Vorstandsmitglieder der jüdischen Vereine Kölns und zahlreiche sonstige Gemeindemitglieder hatten sich, zum Theil mit ihren Damen, zu festlichem Mahle vereinigt. Daß es auch hier an geistiger Kost zu den materiellen Genüssen nicht fehlte, ist selbstverständlich. Den Reigen der Tischreden eröffnete Herr Louis Eliel. Mitglied des Vorstandes, mit dem in markigen Worten ansgebrachten Kaisertoast. Der Senior der Taselrnnde und Vorsitzende des Vorstandes. Herr Iac. de Jonge, feierte den Jubilar in ties empfundenen, herzlichen Worten, Herr Feilchenfeld weihte den Damen sein Glas, und Herr- Rabbiner Dr. Jaulns-Aachen ließ die Kölner Gemeinde hochleben, die sich durch Ehrungen ihres verdienten treuen geistlichen Führers selbst ehre. Dazwischen brachten Musik- und Gesangvorträge, letztere von der mit prächtigen Stimmmitteln ausgestatteten Frau Feilchenfeld sreundlichst dargeboten, eine angenehme Abwechselung. Gemeinschaftliche Lieder erhöhten die glückliche Feststimmnng, welche den schönsten Reiz dieser Veranstaltung bildete. Der nächste Morgen vereinigte die Mitglieder der Gemeindeverwaltung, die Vorstandskollegen des Jubilars im Verein für jüdische Geschichte und Litteratur. die Vorsteher der bedeutendsten jüdischen Wohlthätigkeitsvereine. die Kantoren und Beamten der Gemeinde um den Jubilar und dessen Söhne und Verwandte zu einem vom Jubilar gegebenen Herrenfrühstück. Wohl selten mag sich eine angeregtere Gesellschaft in den gemüthlichen Räumen der Rheinlandloge bewegt haben. Hier fühlte sich ein Jeder wie zu Hause, dank dem liebenswürdigen Wirthe, welcher gleich von Beginn der Festlichkeit eine solch wohlige Stimmung um sich zu verbreiten wußte, daß alle Reden und Ansprachen im traulichsten Familienton gehalten wurden. Die Bewirthung stand auf der Höhe des vornehmsten, erlesensten Geschmacks. Ans 8 Uhr war zur Krönung aller Festlichkeiten das große Abendfest angesetzt, welches der Verein für jüdische Geschichte und Litteratur in Köln in Verbindung mit der Chewra Semichas Dalim veranstaltet hatte. Dieses Fest bildete in Wirklichkeit den Glanzpunkt aller Veranstaltungen der Festwoche, sowohl nach seiner inneren wie äußeren Bedeutung bewies es doch, in welch hohem Maße alle Kreise der Gemeinde und weite Kreise darüber hinaus das Bedürfniß empfanden, dem Jnbilar Zeichen der Liebe und Verehrung darzubringen. Schon von 7 Uhr ab füllte sich der große, etwa 2000 Personen fassende Festsaal der „Philharm o, nie" und dessen Gallerten mit festlich gekleideten Damen nnd Herren und als die sür den Beginn des Festes bestimmte Stunde näher rückte, bot sich dem Auge von der Empore des Saales ans, woselbst der Ehrensitz für den Jubilar nnd seine Angehörigen hergerichtet war, ein entzückendes Bild: Die Damen alle in duftigen, farbenfrohen Balltoiletten, in freudiger Erregung den kommenden Dingen entgegensetzend! Jetzt finden sich die geladenen Ehrengäste ein, die Empore ist bald von einer erlesenen Festgesellschast dicht besetzt, die elektrischen Lichter des Saales flammen auf und tauchen die prächtigen Hallen in ein Meer des Lichtes; Fanfaren ertönen. Alles erhebt sich, und geleitet von den Vorstehern des Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur nnd der Chewra Semichas Dalim halten der Jubilar, seine Gemahlin nnd seine Söhne ihren feierlichen Einzug in den Saal. Brausender Jubel, Hochrufe und Händeklatschen übertönen die schmetternden Klänge der Artilleriekapelle. Den Hintergrund der Ehrentafel bildete iue herrliche Psta nzengruppe, Lorbeerbäume nnd Palmen, in der Mitte die Büste unseres Kaisers. Die feierlichen Klänge des Meyerbeerscheu Krönuugsmarsches aus dem „Prophet" sind verklungen, der zweite Vorsitzende des Litteraturvereins, Herr D. Wolffsohn, begrüßt den Jnbilar und die imposante Festversammlttng und bringt Sr. Majestät dem Kaiser, anknüpfend all die Gedenkfeier des 200jährigen Bestehells Preußens und den Kaisergeburtstag, in zündenden, begeisterten Worten ein dreifaches Hoch aus, in welches die große Versammlung mit brausendem Jubel einstimmte, die Trompeten schmettern, Alles erhebt sich und stehend singt die Versammlung die Nationalhymne. — Die Worte des Redners in einer Allsprache, daß unsere Glaubensgenossen zu allen Zeiten dem Kaiser und Könige treu ergebene Unterthanen waren und sind und sich in ihrer Treue zum angestammten Herrscherhause voll Niemand übetreffen lassen, fanden im Saale jubelnde Zustimmung. Der Jubel- Ouvertnre Karl Maria von Webers folgte ein von der Lehrerin an der städtischen israelitischen Schule, Fräulein Paula Löb, gedichteter lllld äußerst wirkungsvoll vorgetragener. geistvoller Prolog, welcher der jugendlichen Dichterin wohlverdienten, rauschenden Beisall eintrug. Und jetzt nahm Herr Wolffsohn das Wort zur Festrede, welche der erfolgreichen Thätigkeit des Jubilars auf allen Gebieten seines reichen Wirkungskreises vollauf gerecht wurde, und mit besonderer Wärme die Verdienste hervorhob, die sich Dr. Frank um die Vereine fürjüdische Geschichte und Litteratur in Deutschland und namentlich um den unter seiner Mitwirkung gegründeten und unter seiner Leitung stehenden Kölner Verein erworben hat. In ebenso segensreichem Maße wirkte der Jubilar unausgesetzt sür ein gutes Verhältniß mit unseren andersgläubigen Nachbarn. Mit Begeisterung stimmte die Versammlung in das Hoch ein, welches der Vorsitzende dem Jubilar ausbrachte. Und nun nahm das reichhaltige Programm des Festes seinen Fortgang. Der unter Leitung des Herrn S. Herz, Lehrer am Konservatorium der Musik Hierselbst, stehende jüdische Gesangverein „Liederhalle" brachte den Chor „Der Tag des Herrn" von C. Kreutzer und weitere Chöre von Koschat, Nenkner und Veit in