Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1901)
- Date
- 1901-02-01
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
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(Ref. Dr. Auerbach-Leipzig. Korrefer. Dr. Rosenthal - Pr. Stargardt); 4. Berathnng über die Mittel, der Sabbathentweihung zu begegnen (Ref. Oberrabbiner Dr. Feilchenfeld - Posen. Korrefer. Dr. Petnchowski - Berlin); 5. die Beaufsichtigung der religiösen Institutionen in rabbinerlosen Gemeinden (Res. Dr. Cohn-Kattowitz. Korrefer. Dr. Lange - Marburg); 6. Fortsetzung der Beratung über Etablirung religiös zuverlässiger Nestaurationeu in Badeorten (Res. Dr. Feilchenfeld - Posen, Korrefer. Dr. Stein - Schweinfurt); 7. Ausbildung von Kultusbeamteu urid Neligionslehrern (Ref. Dr. Horowitz, Korrefer. Dr. Feilchenfeld). (§) Chemnitz, 13. Januar. Am 10. d. M. 8 Uhr Abends hielt der S h n a g o g e n ch o r v e rei n im Kaufmännischen Vereinshans seine zweite ordentliche Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Max Grünberg, begrüßte die zahlreich erschienenen Damen und Herren und ertheilte dann dem Kassirer, Herrn Ad. Wertheimer, das Wort zum Kassenbericht und daraus dem Schriftführer, Herrn Hugo Fleischer, zum Bericht über das letzte Vereinsjahr. Der Verein besteht zur Zeit ans 46 aktiven und 35 passiven Mitgliedern. Er hat die Aufgabe, den Gottesdienst durch Gesänge zu verherrlichen. Zm letzten Jahre wirkte er bei verschiedenen Hochzeiten, Einsegnungen .'c. mit. Unter der kunstverständigen Leitung seines bewährten Dirigenten, des Herrn Kantor Goldberg, hat er sich einen Ruf erworben, der schon weit über die Grenzen von Sachsen reicht. Die statutenmäßigen Vergnügungen fanden am Purim, Simchat-Thora und Chanukka statt. Bei diesen Festlichkeiten wechselten deutsche Chorlieder, Solis verschiedener Mitglieder mit humoristischen Duetten, Terzetten und Theaterstücken ab. Zum Schluß seines Berichtes las der Schriftführer einen Brief des Vorstandes der Synagogeugemeinde vor, worin derselbe für den hervorragenden Autheil des Chores am Gottesdienst an den Festtagen seinem wärmsten Danke Ausdruck giebt. Nach Beendigung des Berichtes überreichte der Vorsitzende denjenigen Damen die im abgelaufenen Jahre am meisten an den Proben und Gottesdiensten theilgenommen hatten, je ein von dem Mitglieds Herrn stud. techu. H. Goldberg ausgeführtes Diplom. Die Zunächst unter der Leitung des Alterspräsidenten Herrn Kantor Goldberg vorgenommene Neuwahl des Vorstandes ergab die Wiederwahl sämmtlicher Mitglieder desselben; Vorsitzender: Herr Max Grünberg, einstimmig, der beste Beweis für seine Tüchtigkeit in der geschäftlichen Leitung des Vereins; Schriftführer: Herr Hugo Fleischer; Kassirer: Herr Ad. Wertheimer; Beisitzer: Herr Hugo Hirschsteiu, Frau Martha Guthmann, Frau Marie Wolfs und Fräulein Lilli Rose. Nachdem noch verschiedene Anfragen von Mitgliedern durch den Vorstand erledigt worden waren, wurde die Versammlung um 10V, Uhr geschlossen. Der Shnagogenchorverein erfreut sich hier in allen jüdischen Kreisen einer großen Beliebtheit. r. Cisermch, 24. Januar. Nach kurzem Leiden verstarb hier am 11. d. M. der grobherzoglich sächsische Hofbierbrauer S. Backhaus; im vollendeten 83. Lebensjahre. Der Entschlafene war der Begründer der hiesigen israelitischen Gemeinde, in der er über 27 Jahre das Amt des ersten Vorstehers bekleidete. Auch inseinem Geburtsort Stadtlengsfeld bekleidete er bis zu seinem Fortznge nach hier das Amt eines Vorstehers. Mit der hiesigen Gemeinde ist sein Name eng verwachsen, mW seilt Andenken wird hier sortleben. Mit Eifer und Hingebung hat er seines Amtes stets gewaltet, und auch nachdem sein Alter ihn zwang, seill Ehrenamt uiederzulegeu, regen Autheil all der Entwicklung unserer Gemeinde genommen. Aber auch an der Entwicklung unserer städtischen Gemeinde nahm der Verstorbene regen Autheil. Bis in sein hohes Alter gehörte er dem Gerneinderathe der hiesigen Stadt an. Vor allem aber ist sein Name mit der hiesigen Aktienbierbranerei eng verknüpft. die ihm die heutige hohe Blüthe in erster Reihe verdankt. Bis zu seilten: Tode war er Direktor der Aktienbrauerei. Zu seinem 25 jährigen Jubiläum als Vorsteher der hiesigen israelitischen Religiousgemeinde wurde er seitens der großherzoglich sächsischen Anssichtsbehörde und der hiesigen Neligionsgelneinde hoch geehrt; ferner au seinem 80jährigen Geburtstag von Nah und Fern. An der Bestattung nahm nicht nur die hiesige israelitische Gemeinde, sondern auch die christliche Bevölkerung regen Autheil. Nach einleitendem Gesang des Shnagogenchores entwarf Herr Prediger und Lehrer Meyer in zu Herzell gehender Weise ein Lebensbild des Verblichenen, das auf alle Zuhörer einen tiefen Eindruck machte. Namens der Gemeinde rief der jetzige Vorsteher, Herr Leop. Kuh, dem Entschlafenen herzliche Worte der Anerkennung, des Dankes und Abschieds nach. Mit einem Gesänge schloß die erhebende Feier, die von der Achtling und Liebe, die der Entschlafene in allen Schichten der Bevölkerung besaß, beredtes Zeugnis; ablegte. .Hörde, 15. Januar. Der hiesige israelitische Fr a nen - ver ein feierte am 5. d. M. in den Sälen des Hotel Bergmann das Fest seines 40jährigen Besteheils. Zu Ehren des Tages hat der Sehristwart des Vereins eine Denkschrift heransgegeben, welche über die ganze Thütigkeit des Frauenvereins seit dessen Gründung berichtet. Bei der Festlichkeit waren von den Gründerinlien noch vier Mitglieder anwesend, und drei konnten wegen hohen Alters nicht erscheinen. Die jetzige erste Vorsteherin, Frau Koppel, begrüßte die Jubilarinnen mit einer ergreifenden Ansprache und schmückte dieselben mit Lorbeerkranzen. Herr Udewald sprach den Kaisertoast, und Herr Lehrer Stern hielt die Festrede. Der Schriftwart des Vereins, Herr Strauß, welcher seit vierzig Jahren dieses Amt bekleidet, dankte im Namen des Franenvereins für die Ehrung und wünschte den Anwesenden das Glück, dereinst auch das Fest der goldeilen 50 mitfeiern zu können. o. Köln, 20. Januar. Am 13. d. M. fand hier der erste Gemeindetag des P r o v inz i a l - V e r b a n d e s rheinischer Synagogen- Gemeinden statt. Derselbe war von 20 Gemeinden beschickt. Der Vorsitzende des Provinzial-Verbandes, Herr B. Feilchenfeld, erösüiete die Sitzung mit einer Ansprache, in der er hervorhob. daß der Verband nun an die praktische Arbeit herantreten könnte, nachdem schon 36 Gemeinden dem Verbände beigetreten seien. Die Einnahmen beliefen sich im Jahre 1000 auf 3032 Mk. 08 Pfg., die Ausgaben auf 1271 Mk. 81 Psg. Sodann referirte Rabb. Dr. Frank über Religionsunterricht und Schnlinspeetion. An der Hand eines reichhaltigen Materials legte der Redner die Nothwendigkeit dar, daß der Provinzial-Verband sich mit Energie des Religionsunterrichtes annehmen müsse durch Unterstützung leistnngsnnfähiger kleiner Gemeinden, und daß dieser Unterricht einer Inspektion zu unterwerfen sei. Nach kurzer Debatte wurden die von Dr. Frank am Schlüsse seilles Referats ausgestellten Thesen angenommen. Es soll also eine statistische Aufnahme leistungsnnsähiger Gemeinden vorgenommen werden, der Verband soll leistungsunfähigen Gemeinden eine Beihilfe zum Religionsunterricht unter der Bedingung einer Schnlinspektion gewähren, und leistungsfähigen Gemeinden soll die Schnlinspektion angeboten werden. Dr. med. Apfel berichtete hierauf über die rumänische Jndenrrage; er entwarf an der Hand autenthischen Materials ein Bild der traurigen Lage, in der sich die Juden in jenem Lande befinden. Zum Schluß richtete er einen warmen Appell an die Anwesenden, in ihren Kreisen für das große Hilsswerk thatkrästig Zn wirken. Rabb. Dr. Nosenthal besprach sodann die Frage der Fürsorgeerziehung verwahrloster Kinder mit Rücksicht auf das kürzlich in Kraft getretene neue Gesetz. Den letzten Punkt der Tagesordnung „Wanderbettelei" behandelte Herr B. Feilchenfeld. Er sprach es entschieden aus, daß man der Wanderbettelei nur durch Arbeitsgelegenheit beikommen könne und hob die Erfolge der in Köln eingerichteten Arbeitsstätte, der vom Provinzial-Verbande auch ein Zuschuß von 500 Mk. bewilligt wurde, hervor. Er schloß mit der Ansicht, daß in allen großen Städten solche Arbeitsstätten eingerichtet werden müßten, mit den: auch ein Arbeitsnachweis verbunden werden muß. Die Versammlung wählte schließlich die bisherigel: Ansschußmitglieder für die nächste Amtsperiode per Acelamation wieder. <>. Frankfurt a. M«, 28. Januar. An: 26. d. AI. ist hier der Freiherr Wilhel m K a r l v. Rot h s ch i l d gestorben. Derselbe war ein eigenartiger Mann, der das Leben schwer und ernst genommen hat, und bis in seine letzten Tage hinein ein unermüdlicher Arbeiter gewesen ist. Wilhelm Karl v. Rothschild wurde an: 16. Mai 1828 in Neapel als Sohn des Freiherr!: Karl v. Rothschild, der damals dort ein Bankhaus betrieb, und der Freifrau Adelheid v. Rothschild geboren. Seine Mutter war eine geborene Herz, eine Nichte der berühmten Schwestern Saaling in Berlin, von denen die eine als Frau v. Eybenberg die Freundin Goethes war. die andere als Frau Professor Hehse die Mutter Paul Hehses wurde. Gleich seine:: Brüdern erhielt er eine sorgfältige Erziehung, und zwar erzählt man sich, daß diese von einem Jesnitenpater geleitet worden sei, der eil: getaufter Jude gewesen sein soll und aus Rene seine Zöglinge streng jüdisch erzogen haöe. Aber diese Erziehung hatte bei Mayer Karl v. Rothschild wie bei Wilhelm Karl ein eigenlhümliches Resultat: Jener wurde Freigeist und ist, obwohl guter Jude, dies bis an sein Ende geblieben, der jetzt Verstorbene wurde streng orthodox. An die Spitze des Bankhauses Rothschild wurde er mit seinen: Bruder im Jahre 1855 berufen, als der damalige Chef der großen Bankhauses