Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1901)
- Date
- 1901-02-01
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
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2 es fehlte am besten, an der Musik selber. Einige wenige Tonstärke waren zwar vorhanden, aber man traute ihnen nicht recht, weil sie erst durch die Tradition des Mittelalters hindurch auf uns gekommen waren. Erst die Ausgrabungen in Delphi 1898, bei deren man mehrere Marmorblöcke mit Musikstücken zu Tage förderte, brachten mehr Licht. Eine tiefe Bewegung ging damals durch die ganze gebildete Welt, die noch lange nicht zum Stillstand gekommen ist. Um den gelehrten Kreisen Berlins eine lebendige Anschauung dieser eigenartigen Ton well zu verschaffen, wurde 1896 der Professor der Musikwissenschaft an hiesiger Universität. Dr. Oskar Fleischer, aufgesordert, in der Universitätsaula eine griechische Musikausfnhrung zu veranstalten, und wer damals den Vorzug hatte, eine Einladung zu erhalten, dem werden die dort gewonnenen tiefen Eindrücke unvergessen geblieben sein. Seitdem kamen in Berlin diese Neste der altgriechischen Tonkunst 1898 wieder bei einem Feste des Allgemeinen Deutschen Schulvereins im neuen königlichen Operntheater vor einem inehrtausendköpfigeu. begeisterten Publikum zur Ausführung. Erst jetzt wieder ist eine Aufführung geplant, die außer der griechischen auch noch altüberlieferte hebräische Gesänge umfaßt. Letztere sind von nicht minder hoher, wenn auch ganz und gar anders gearteter Schönheit, und mail darf wohl hoffen, daß die musikalischen Kreise Berlins sich eine so seltene Gelegenheit nicht entgehen lassen werden, um eine lebendige Anschauung der Grundlagen zu gewinnen, ans denen sich die christliche und moderne Musik atlmälig aufgebant hat. Der Ertrag des Konzertes ist zu Humanitären Zwecken, zur Hälfte für die Verwundeten in China, zur anderen Hälfte für die rumänischen Inden bestimmt. 8t. Berlin, 26. Januar. Der Verein zur Unterstützung armer Leidtragende (8cboiN6i-Inlwkvinnuseimn nbolini), dessen erster Vorsitzender Herr Fabrikbesitzer I. Weinberg, feierte am 20 d. M. Nachmittags wiederum in würdiger, festlicher Weise den Jahrestag der Gründung unter überaus zahlreicher Betheiligung in der alten Synagoge Heiderentergasse. Zwischen dem Mingagebet und nach Vorlesung aus der Thorarolle bestieg Herr Rabbiner Dr. Eschelbacher die Kanzel zur Festpredigt. Derselbe schilderte in wohldnrchdachten, tief empfundenen und mit überaus großem Beifall aufgenommenen Worten Ziele und Zwecke dieses nach mehrfachen Richtungen so edel und wohlthätig wirkenden Vereins seit dessen Bestehen bis heute und schloß mit einem innigen Segensspruch für das weitere Emporblühen, Wachsen und Gedeihen des Vereins. Die Nede machte auf alle Hörer einen tiefen Eindruck. Die einzelnen Festgesäuge vor und nach der Predigt wurden von dem Oberkantor Friedmann mnstergiltig zu Gehör gebracht. An diesem seinen Ehrentage hatte der Verein die Freude, eine große Anzahl neuer Mitglieder ausnehmen zn können. Berlin, 16. Januar. Am 18. d. M. beging im großen Saale des Handwerkervereins der Shnagogenverein Beth Zion sein 21 jähriges Stiftungsfest. Eine stattliche Zahl voll Güsten und Mitgliedern hatte sich zu demselben eingefnnden. um den Ehrentag des Vereins mit feiern zu helfen. Ein gediegenes Programm erfüllte denn auch nach jeder Beziehung hin die auf diesen Abend gesetzten Erwartungen. und besonders war es die Festrede des so beliebten und hochgeschätzten Rabbiners dieser Gemeinde, Herrn Direktor Höxter, die ihre Wirkung nicht verfehlte und den Glanzpunkt dieses schönen Festes bildete. Eine doppelt freudige Veranlassung war es eigentlich, die den Verein zur Veranstaltung dieses Festes bewog. Einestheils die Wiederkehr des Gründungstages, anderntheils aber die offizielle Feier des 10jährigen Jubiläums der Thätigkeit des Herrn Rabbiners Höxter als Leiter von Beth Zion. Bereits 14 Tage vor diesem überreichte eine Deputation im Aufträge der Gemeinde unter herzlichen Worten des Dankes für all seine treue Hingebung und Aufopferung für die gute Sache dem Jubilar einen herrlichen silbernen Pokal, um ihm im Anschluß all das heutige Stiftungsfest in Gegenwart fast aller Mitglieder und zahlreichen Gäste die ihm gebührende Anerkennung zn theil werden zu lassen. All die Liebe und Verehrung, die von der ganzen Gemeinde diesem so hochverdienten Manne entgegengebracht wird, trat an diesem Abend so recht deutlich vor Allgell. b6 Berlin, 28. Januar. Die nächste Versammlung der „Wisse lisch ältlichen Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" findet Sonnabend, den 2. Februar, Abends 8'-, Uhr im Vereinslokal, Kölligstraße 29, statt. Tagesordnung: Fortsetzung der Diskussion über den Vortrag des Herrn Golde: „Die Sozialpädagogik und ihre Anwendung auf den jüdischen Religionsunterricht." Gäste herzlich willkommen.!>. Könitz, 28. Jaunar. Der von gewisser Seite mit großer Emphase ins Leben gerufene Erm i t te l u n g s v e r ei n zur Aufklärung der Konitzer Mordthat unterhält, wie die seit Kurzem in Könitz erscheinende „Ostdeutsche Tageszeitung" mittheilt, mit den gesammelten Geldern einige in antisemitischem Sinne thätige Ermittler oder Rechercheure, darunter auch den Berichterstatter der „Staatsbürger- Zeitung". Daß etwas anderes bei der vielgerühmten Gründung nicht herauskommeu würde, war vorausznsehen. — Antisemitische Versammlungen mit der Tagesordnung „Der Blntmord in Könitz und welches sind die Ursachen der Nichtentdecknng der Mörder?" wird der bekannte Verleger Wilhelm Bruhn in den nächsten Tagen in Kreutz, Hamlnerstein lind anderen Orten abhalten. In letztgenannten Städten habeil schon im Vorjahre anläßlich der antisemitischen Hetze nicht unbedeutende Krawalle stattgefunden. umsomehr muß das erneute Hiueilltragen der antisemitischen Gehässigkeiten entschieden verurtheilt werden. Zum Frieden der Bevölkerung tragen derartige Versammlungen niemals bei. am allerwenigsten aber in antisemitisch infizirten Gegenden. Xp. Aus der Provinz Posen, im Januar. Zu Schulvorstehern der jüdischen Volksschule in Tirschtiegel sind die Kanflente Bernhard Krause und Jakob Rychwalski daselbst kürzlich gewählt worden. — Der ans Ostrowo stammende Kaufmann Charles Ledermann in Ohio (Nordamerika) hat der Synagogengemeinde seiner Heimathstadt eine namhafte Spende zur Bekleidung armer Schulkinder überwiesen. — Am 28. Dezember er. beging Herr Rabbiner Dr. Münz in Kern pell sein 26jährigesAmtsjnbilämn in seiner jetzigen Gemeinde unter überaus reger Theilnahme seiner Gemeinde- Mitglieder. Herr Münz ist der Vater der Herren Dr. Münz in Gleiwitz und Bereut in Westpreußen. — Bei der kürzlich stattgehabten Wahl innerhalb der Synagogemeinde Wreschen wurden die Kauften te Mirels und Louis Türk zn Vorstehern und Kaufmann und Stadtrath Ehrenfried zum Repräsentantenvorsteher gewählt. - Der vor Kurzem in Posen verstorbene Kaufmann L. Goldenring hat dem Allgemeinen Nettungsfonds daselbst eine Zuwendung von 20000 Mark vermacht. Koinmerzienrath Adolf Kantorowicz lind Dr. med. L. Kantorowiz in Posen haben 600 Mark der städtischen Arinenverwaltnng daselbst mit der Bestimmung überwiesen, diesen Betrag all 16 bedürftige Mitbürger christlichen und jüdischen Glaubens zn vertheilen. V Gleiwitz, 26. Januar. Am 20. d. Mts. ist hier, wie bereits kurz gemeldet, einer der allgesehensten Bürger des oberschlesischen Jndustriebezirkes, der langjährige Syuagogenvorsteher und Stadtverordnete Herr Mäher Staub von einem unabsehbaren Tranergesolge zur letzten Ruhe geleitet worden. Eine ergreifende Grabrede hielt Herr Rabbiner Dr. Münz. — Der hiesige israelitische Frauen - Verein hat sein diesjähriges Stiftungsfest in feierlicher Weise begangen. Der segensreich wirkende Verein zählt 350 Mitglieder. An Unterstützungen für Krankenpflege, Hilfsbedürftige, Handarbeits-' unterricht und dergl. sind im vergangenen Verwaltnngsjahre 6006 Mk. 84 Pf. verausgabt worden. Halverstadt, 26. Januar. Am 26. v. M. fand hier die Vorstandssitzung der „V e r e i n i g u n g tr a d i o n e l l -- g es etz es tr e u e r Rabbiner Deutschlands" statt. Es hatten sich zu diesem Zwecke hier die Herren Rabbiner Dr. Allerbach - Halberstadt, Dr. Horowitz - Frankfurt a. M.. Dr. Bondi - Mainz und Dr. Kohn - Ansbach eingefunden. Nach Erstattung des Referats durch Dr. Horowitz gelaugte folgender Antrag des Vorsitzenden zur Annahme: „In der nächsten Generalversammlung soll der Vorschlag zur Abstimmung gebracht werden, daß die Vereinigung eine Kommission ernennt, welche voll Fall zu Fall sich bereit erklärt, Ilatoralli Horaab zu ertheilen. Dieser Kommission wird das Recht ertheilt, sich alternierend durch zwei weitere Mitglieder der Vereinigung zu ergänzen." Hinsichtlich der Zeit und des Ortes der nächsten Generalversammlung wird der Vorschlag des Vorsitzenden acceptirt. daß dieselbe in der letzten Woche des Mai 190! hier in Halberstadt stattsinden sollte. Als Tagesordnung wurde festgesetzt: 1. der oben erwähnte Antrag (Referent Dr. Horowitz, Korreferent Dr. Kohl,); 2. Propaganda für das Rabbinerseminar lRef. Dr. Bondi, Korrefer. Dr. Ed. Biberfeld); 8. die jüdisch-soziale Frage, besonders im Hinblick aus die osteuropäischen Länder, und zwar n) hinsichtlich der Ueberleitnng der Bevölkerung zur landwirtschaftlichen Thätigkeit <Nef. Dr. Auerbach Halberstadt; Korreser. Dr Loewenthal - Tarnowitz);!>) hinsichtlich der Erziehung der weiblichen Jugend, speziell Vorgehen gegen den Mädchenhandel in osteuropäischen Ländern